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18. Dezember 2007, 10:12 Uhr

"Unser Mandant wollte niemanden töten"

Eine Flammenhölle, in der möglichst viele Menschen sterben sollten: Das war nach Ansicht der Bundesanwaltschaft das Ziel des mutmaßlichen Kofferbombers von Köln. Die Verteidigung argumentiert, die Bomben von Youssef Mohamed E.H. sollte gar nicht explodieren.

Plante Youssef Mohamed E.H. nur einen "demonstrativen Akt"?© Ina Fassbender/Reuters

Im Juli 2006 soll Youssef Mohamed E.H. mit einem Komplizen Bomben in zwei Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert haben. Heimtückisch und grausam nannte Bundesanwalt Horst Salzmann zum Prozessauftakt am Dienstag den nur wegen eines handwerklichen Fehlers gescheiterten Terroranschlag auf deutschem Boden. Für die Verteidigung steht jedoch fest: Youssef Mohamed E.H. hatte nie die Absicht, die Bomben wirklich explodieren zu lassen.

Wie ein finsterer Islamist wirkt der 23-Jährige in der Tat nicht, der am Dienstag in einem beigen Kapuzenpulli und mit sorgfältig gestutztem Bart vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht erschien. Interessiert blickte der schlacksige junge Mann in die Runde, wartete geduldig, bis das Blitzlichtgewitter der Fotografen vorüber war. "Das Einzige, was ich immer gemacht habe, war Beten. Ansonsten habe ich hier ein völlig normales Leben geführt", sagte der Libanese, der 2004 zum Studium der Ingenieurswissenschaften nach Kiel kam. Seine Erziehung sei sehr tolerant gewesen. Die Bundesanwaltschaft jedoch vermutet in E.H. einen Islamisten, der aus Rache für die auch in Deutschland nachgedruckten Mohammed-Karikaturen Anschläge auf zwei Kölner Regionalzüge plante.

Urteil im Libanon

Am Dienstag wurde der Angeklagte dafür bereits von einem libanesischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein mutmaßlicher Mittäter Jihad Hamad, der nach den misslungenen Anschlägen am 31. Juli in den Libanon geflüchtet war, erhielt zwölf Jahre Haft. Von dem Urteil aus Beirut zeigte sich der 23-Jährige zum Prozessauftakt in Düsseldorf jedoch unbeeindruckt. Bereitwillig gab er Auskunft über seine Schulzeit, seine Liebe zum Fußball und das Leben seiner zwölf Geschwister. Nur zu den Tatvorwürfen selbst wollte der 23-Jährige nichts sagen. Noch nicht, wie sein Verteidiger Bernd Rosenkranz erklärte. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Libanesen versuchten Mord in einer Vielzahl von Fällen und das versuchte Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor.

Geplanter Massenmord oder rein demonstrativer Akt

Die Bildung einer terroristischen Vereinigung ist aufgrund einer juristischen Feinheit bislang nicht Teil der Anklage: Zu einer terroristischen Vereinigung müssen mindestens drei Personen gehören. Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling wies zum Auftakt der Verhandlung aber bereits darauf hin, dass diese Möglichkeit weiter im Raum stehe. Im Visier steht vor allem ein Bruder von E.H., der zurzeit in Schweden lebt. Zu ihm hat der 23-Jährige ein besonders inniges Verhältnis, wie er vor Gericht sagte. Fest überzeugt ist die Bundesanwaltschaft von der Tötungsabsicht des 23-Jährigen und dessen Komplizen: Sie hätten vielen Menschen schlimmes Leid zufügen und sich danach ins Ausland absetzen wollen, sagte Horst Salzmann. Die Propangasflaschen seien nur wegen eines fehlerhaft zusammengesetzten Gasgemisches nicht explodiert.

Für die Verteidiger von Youssef Mohamed E.H. waren die unzureichend nachgebauten Bombenkonstruktionen aus dem Internet jedoch keinesfalls ein Versehen. "Unser Mandant wollte niemanden töten, das ganze sollte nur ein rein demonstrativer Akt sein", sagte Anwalt Johannes Pausch. Auch Mitverteidiger Bernd Rosenkranz betonte: "Es stellt sich die Frage, warum jemand, wenn er in der Lage ist, 90 Prozent eines Bauplans nachzubauen, nicht auch 100 Prozent nachbauen kann." Dass sein naturwissenschaftlicher und technischer Sachverstand dafür ausgereicht hätte, machte der Angeklagte während seiner Befragung mehrfach deutlich: In Chemie und Physik sei er immer sehr gut gewesen, erklärte er wiederholt.

Videoband brachte die Ermittler auf die Spur der Männer

Nach dem Fund der herrenlosen Koffer waren die Ermittler den beiden Männern Mitte August mit Hilfe eines Videobands der Überwachungskameras auf die Spur gekommen. Die Aufnahmen zeigen, wie Jihad Hamad sowie der Angeklagte - in einem Trikot von Nationalspieler Michael Ballack - gegen 12.15 Uhr die beiden Regionalzüge am Kölner Hauptbahnhof besteigen. Dabei haben sie zwei Koffertrolleys, in denen sich die baugleichen Bombenvorrichtungen befunden haben sollen. Um 14.30 sollte das explosive Gemisch aus Gas und Benzin explodieren - der meterhohe Feuerball und die umherfliegenden Splitter hätten die Waggons in ein Inferno verwandelt, erklären BKA-Beamte später. Für die Tat droht dem angeklagten Libanesen eine lebenslange Haftstrafe. Mit besonderer Milde dürfte Youssef Mohamed E.H. unter dem Vorsitz des terrorerfahrenen Richters Ottmar Breidling nicht rechnen: Erst am 5. Dezember hatte der sechste Strafsenat drei Männer verurteilt, weil sie durch Versicherungsbetrug Millionenbeträge für das Terrornetzwerk Al Kaida beschaffen wollten. Obwohl es bei dem Versuch geblieben war, verhängte der Senat Haftstrafen zwischen dreieinhalb und sieben Jahren. Ein Urteil im Kofferbomber-Prozess wird nicht vor Sommer 2008 erwartet.

Daniela Pegna/AP

 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
pong (20.12.2007, 03:02 Uhr)
An den Juristenverband
Enzieht solchen entmoralisierten verlogenen "Rechtsanwälten" per sofort ihre Anwaltszulassung, dass gleiche bei Mafia-Anwälten und ähnlichen jämerlichen Rechtsverdrehern. Schon aus Eigeninteresse..! Es geht auch um die Glaubwürdigkeit des Rechtstaates vor den Bürgern .
woris (19.12.2007, 16:25 Uhr)
bomber
Um was geht es hier eigendlich?Der Komplitze hat im Libanon 12 Jahre Zwangsarbeit bekommen.Unabhänig davon ob die Bomben auf Grund handwerklicher Fehler funktionsunfähig waren.
Mal sehen was unser Justiz dazu sagt.Ein dummer Jungen Streich vielleicht?
Kinski (19.12.2007, 12:28 Uhr)
@tom2
Wissen Sie, glücklicherweise tragen Leute wie SIE maßgeblich dazu bei dass die Menschen erkennen wie verblendet und fanatisch Ihr Gutmenschen doch seid. Dieses ewige Gelaber von Braun usw. schdet euch jeden Tag und jeden Tag hören euch die Menschen weniger zu. Ist es das was euch so böse macht ? Eure Zeit ist vorbei und man kann nur hoffen das GESUNDER MENSCHENVERSTAND einzug hält und man euch endlich in die Mottenkiste packt wo Ihr hingehört !
Tschüß dann und viele Grüße ! :D
sachsenwini (19.12.2007, 10:10 Uhr)
Die Verteidigung kann es ja versuchen, aber kein Richter wird es glauben.

Wenn sich jemand die Mühe macht, eine Bombe zu bauen, dann will er natürlich, dass diese auch explodiert.
Will er aber nur Aufsehen erregen, dann wird er eine Attrappe herstellen, die bei näherer Untersuchung sofort als solche erkennbar ist. Dazu hätte eben eine leere Gasflasche oder eine Dynamitstangenimitation aus Papprollen und ein kaputter Wecker genügt.
.
Der Effekt und das Aufsehen wären erst einmal genauso gewesen, aber dann ging es vielleicht als grober Unfug ab.
endbenutzer (19.12.2007, 08:00 Uhr)
"Unser Mandant...
...wollte keinen töten." Ja klar. Und ich bin der Kaiser von China...
Alex64 (19.12.2007, 07:49 Uhr)
tom2
.. und sc hon ist sie wieder ausgepackt, die große, alles erschlagende Nazikeule...
WANN endlich merkt ihr Idioten, dass sich jede "Waffe" irgendwann abnutzt - und immer dann am schnellsten, wenn sie gegen ungeeignete Ziele eingesetzt wird?
Und mal zum Nachdenken - was hat die Ablehnung und Verurteilung von Terrorismus mit braunem Gedankengut zu tun?
Zur Erinnerung: Schon der Versuch einer solchen Straftat ist strafbar ...
Ihr linken Gutmenschen geht mir so langsam auf den Sack.
alwo (19.12.2007, 07:43 Uhr)
tom2
.....WOW.....was für ein rhetorischer Orgasmus....Gouda ist ein Käse mit viel Kalzium, Eiweiss und Vitamin E. Du liest wohl nicht "diese" Blatt....die Internetversion schon !
Also willkommen im Klub
alwo
Silbador (19.12.2007, 07:31 Uhr)
Warum ...
kommen diese Leute eigentlich überhaupt zu uns? Die fühlen sich doch so erhaben, dass sie uns eigentlich nur vernichten wollen um den Unglauben auszurotten.
Wir sind doch nur verachtete Schweinefleischfresser.
Warum tun die sich das an? Sollen sie doch unter ihresgleichen bleiben und uns in Ruhe lassen.
tom2 (19.12.2007, 07:00 Uhr)
volkesstimme erbricht sich
wieder einmal in diesem gouda-blatt!diese und andere kommentare mit abwesender intelligenz machen es mir unmöglich diese blatt der deutschen
p(f)resse offen am kiosk zu kaufen, um nicht mit diesen "lesern" gleichgestellt zu werden.so, wie man früher seinen nachttopf entleerte, leeren sich hier deren wohlgefüllte köpfe mit kleinen braunen bröckchen und dem stringenten duft der dummheit.
Countryjoe (19.12.2007, 06:13 Uhr)
Rechtsverdreher
Sicherlich muß ein Anwalt versuchen seinen Mandanten zu verteidigen so gut es geht. Aber solche grotesken Lügen haben wohl mit der Wahrhheitsfindung wenig gemein.
Diese Strategie ist lächerlich und unwürdig.
Ich hoffe, daß Gericht läßt sich nicht darauf ein.
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