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1. April 2009, 13:29 Uhr

Klimakiller soll unter die Erde

Die Bundesregierung will die unterirdische Speicherung des klimaschädlichen Kohlendioxids voranbringen. Nach längerem Streit zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium billigte das Bundeskabinett das sogenannte CCS-Gesetz - sehr zum Missfallen deutscher Umweltschützer.

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Blick auf das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Spremberg. Vattenfall Europe betreibt hier die weltweit erste CCS-Pilotanlage© Matthias Rietschel/AP

Mit der unterirdischen Lagerung von Kohlendioxid will die Bundesregierung den Klimaschutz voranbringen. Das Kabinett beschloss am Mittwoch in Berlin das sogenannte CCS-Gesetz, das Regeln für die Abscheidung, den Transport und die Verpressung des schädlichen Klimagases vorgibt. Es gilt als Voraussetzung dafür, dass langfristig trotz Klimakrise weiter Kohle verfeuert werden kann.

"Kohlekraftwerke haben nur eine Zukunft, wenn sie weniger schädlich für das Klima werden", erklärte Umweltminister Sigmar Gabriel. "CCS könnte da eine Perspektive bieten. Wir müssen jetzt untersuchen, ob die Technik im industriellen Maßstab funktioniert", sagte der SPD-Politiker. Umwelt- und Wirtschaftsministerium hatten wochenlang über Details des Vorhabens verhandelt, das eines der letzten wichtigen Gesetze der Großen Koalition in dieser Legislaturperiode darstellt. Die Energieversorger warten dringend auf das Gesetz, weil sie Rechtssicherheit für ihre Pilotprojekte wollen.

Die neue Technik CCS (Carbon Capture and Storage), deren Nutzung nun in einem eigenen Gesetz vorbereitet wird, soll die Verbrennung von Kohle klimafreundlicher machen. Konkret sollen moderne Kohlekraftwerke das bei der Verbrennung anfallende CO2 künftig von anderen Abgasen trennen. Dazu wird die Kohle nicht wie bislang üblich in normaler Luft verfeuert, die zum Großteil aus Stickstoff besteht, sondern in einem Gemisch aus reinem Sauerstoff und Rauchgas, in dem sich das CO2 leichter abgetrennt lässt.

Das abgesonderte Kohlendioxid wird unter hohem Druck verflüssigt und kann so abtransportiert, in unterirdische Gesteinsschichten gepresst und dort dauerhaft gespeichert werden. In der Tiefe wird das CO2 von undurchlässigen Gips- und Tonschichten eingeschlossen und kann in der Atmosphäre kein Unheil mehr anrichten.

Enorme technische Hürden

Noch steckt die Technik allerdings in den Kinderschuhen. In kleinen Pilotanlagen wird ausprobiert, wie und bei welchem Produktionsschritt im Kraftwerk das Kohlendioxid am besten aus den Abgasen herausgefiltert werden kann. Diverse technische Möglichkeiten werden geprüft. Knackpunkt bei allen Verfahren: Der Wirkungsgrad der Kraftwerke sinkt, es muss mehr Kohle eingesetzt werden. Damit steigen die Kosten.

Ist das Kohlendioxid erst einmal abgetrennt, warten weitere technische Hürden: Das Gas muss transportiert - zur Debatte stehen hier Pipelines über Hunderte von Kilometern - und über Jahrzehnte sicher unterirdisch eingeschlossen werden. Hierfür nehmen Wissenschaftler sowohl ehemalige Erdgaslagerstätten als auch andere geologische Formationen ins Visier. Marktreif soll die Technik erst etwa 2020 sein. Unklar ist, ob sie sich dann rechnet.

Zudem beurteilen Umweltschützer CCS sehr skeptisch. Der Gesetzentwurf dokumentiert den Versuch der Großen Koalition, Deutschland als Kohleland durch die Klimakrise zu führen, erklärte etwa der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake. Dieser Versuch müsse "scheitern, weil sich die Energiewende zwar behindern und verzögern, aber nicht mehr aufhalten lässt“.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Angste (01.04.2009, 19:26 Uhr)
Endlager, Haftpflicht, Bergrecht, 30 Jahre
Das wären eigentlich Stichworte gewesen, die in dieser Meldung vorkommen müßten.
Es soll ein Endlager werden, bei dem die Haftpflicht der Betreiber nach 30 Jahren endet. Gleichzeitig soll co2 als Wirtschaftsgut bezeichnet werden, damit es nicht unter das strenge Abfallgesetz fällt, sondern nur, zur Lagerung, unter das Bergrecht.
Erinnert alles an die Asse: nach 30 Jahren unter Bergrecht kommt nach und nach raus, das geschlampt wurde. Haftung übernimmt der Steuerzahler.
endbenutzer (01.04.2009, 16:09 Uhr)
@vlcd:
"...Die Vorredner meckern, doch sinnvolle Alternativen kennen Sie auch nicht?.."
.
Na dann fangen wir doch einfach mal beim Einsparen von Energie an. Da sind lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Dann sollte sich jeder mal an die eigene Nase fassen, ob sein Auto auch wirklich den echten Bedürfnissen entspricht, oder ob nur der Nachbar neidisch gemacht werden soll. Dann: Erdwärme, Blockheizkraftwerke, Mehr Solarenergie. (Schon mal eine deutsche Innenstadt von oben gesehen mit all seinen Flachdächern?) Das wäre doch ein Anfang. Oder nicht?
udinbak (01.04.2009, 15:36 Uhr)
Wer kümmert sich
...nach 20 Jahren um das unterirdische Lager? Dann läuft nämlich die Verantwortung des KW-Betreibers aus. Na klar, Vater Staat wird dann bis in alle Ewigkeit die Verantwortung übernehmen, also wir, die Steuerzahler. Leider baut sich CO2 nie ab, es hat keine "Halbwertzeit" wie Atommüll. Man muss eine andere Lösung finden und zwar bevor man mit dem Projekt beginnt.
Merkel: "Gemeinsam müssen wir eine Lösung finden."
Meine Frau meint, das zeug sollte man einfach verbrennen. ;-)
vlcd (01.04.2009, 15:30 Uhr)
Alternativen
Die Vorredner meckern, doch sinnvolle Alternativen kennen Sie auch nicht? Wind? Wasser? Werden den Energiebedarf nicht mal mittelfristig decken. Sie kaufen bestimmt auch Ökostrom oder etwa doch nicht?
Wer Kritik ausübt, der sollte auch Alternativen parat haben. Und der Verschluss unterhalb der Erde ist prinzipiell erstmal besser als es in die Luft zu schleudern.
endbenutzer (01.04.2009, 15:26 Uhr)
Na klar,...
..nix wie weg mit dem Zeugs. Am besten nach Asse. Da liegt doch auch schon total sicher unser Atommüll. Spätfolgen? Ach was! Da müssen sich eben unsere Nachfahren mit rumplagen.
naiv02 (01.04.2009, 14:48 Uhr)
Aus den Augen aus dem Sinn,
man was für visionslose Kurzdenker.
Globale Messis - hier verbudeln wir ein bisschen Bauschutt, dort eine Höhle voll Dioxin-Sondermüll, eine Etage teifer der Atommüll und das alles weich gepolstert auf einem CO2 Kissen.
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