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13. August 2008, 13:45 Uhr

1000 Tage Koalition, 100 Gramm Ergebnis

Eine ernüchternde Bilanz: Etwas Schuldenabbau und eine souveräne Aussenpolitik - mehr hat die Große Koalition nach 1000 Tagen im Amt nicht vorzuweisen. Weitere Großtaten? Fehlanzeige! Ein Jahr vor der Bundestagswahl droht nun Stillstand - die Opposition meckert zu Recht. Von Hans Peter Schütz

Angela Merkel und Kurt Beck: Bescheidene Bilanz nach 1000 Tagen© Sean Gallup/getty images

Die Opposition meckert. Das ist parlamentarischer Alltag. Aber in diesem Fall meckert sie zu Recht. Denn die Bilanz der Großen Koalition nach 1000 Tagen Regierungszeit ist bescheiden – und das Wörtchen ist die eher höfliche verbale Variante. Schwarz-Rot wird in der Tat nur noch durch das zusammen gehalten, was die Liberalen die "Angst vor dem Wähler" nennen. Große Reformprojekte sind nicht mehr auf dem Fahrplan. Vieles von dem, was SPD und CDU/CSU abgearbeitet haben, basiert auf dem allerkleinsten gemeinsamen Nenner der beiden Volksparteien.

Nur zwei Punkte lassen sich nach 1000 Tagen positiv bewerten. Zum einen die Außenpolitik, die durch die gute Figur, die Angela Merkel auf den roten Teppichen der Welt und an den Tischen globaler Konferenzen macht, krisenfreien Kurs genommen hat. Zum zweiten der Versuch, die hohe Staatsverschuldung abzubauen, die die politische und wirtschaftliche Zukunft künftiger Generationen schwer belastet. Ob allerdings die Kanzlerin und ihr Finanzminister Peer Steinbrück dieser Reform auch im kommenden Wahljahr treu bleiben, bleibt abzuwarten. Und überdies muss angemerkt werden, dass der bisherige Schuldenabbau durch sprudelnde Steuereinnahmen sehr erleichtert worden ist. Da musste man nicht sehr mutig sein.

Hohe Steuern, noch mehr Bürokratie

Man darf gewiss daran erinnern, dass die Bundeskanzlerin die Bundesrepublik bei ihrem Amtsantritt als Sanierungsfall bezeichnet hat. Was jedoch ist geschehen, um diesen Zustand zu verbessern? Die Bürger wurden zunächst einmal mit drei Prozent mehr Mehrwertsteuer zur Kasse gebeten. Insgesamt ist ihre Belastung durch höhere Abgaben, Steuererhöhungen und die so genannte kalte Steuerprogression, durch rapide verteuerte Energiekosten und Benzinpreise erheblich gestiegen. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen erfreulich gesunken, aber das ist vor allem der noch von Gerhard Schröder durchgesetzten Agenda 2010 zu danken. Deren Wirkungen sind inzwischen von der Großen Koalition ziemlich gebremst worden. Es sei hier nur an die Verlängerung des Arbeitslosengeldes für ältere Arbeitslose erinnert.

Die Große Koalition ist - die Kanzlerin voran - wirtschaftspolitisch weggetaucht. Sie hat sich auf das Thema Mindestlohn in einer überaus wirren Weise eingelassen, obwohl alle Experten davor warnten, der Mindestlohn werde Arbeitsplätze vernichtet. In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft fehlt dieser Koalition längst jede ordnungspolitische Glaubwürdigkeit. Auch in der Union selbst wird über die Wirtschaftspolitik nur noch abfällig diskutiert. Das von Merkel propagierte Konzept der kleinen Schritte hat nicht verhindert, dass Deutschland auf einen Abschwung zusteuert. Und man darf gespannt sein, wie die Wähler Anfang kommenden Jahres reagieren, wenn eine Monsterreform in Kraft gesetzt wird, die sich Gesundheitsreform nennt. Das Projekt ist unterm Strich ein bürokratisches Ungeheuer und wird von den Bürgern teuer bezahlt werden müssen.

Erinnerungen an Gerhard Schröder

Rund ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl ist die Lage der großen Koalition nicht eben rosig. Die SPD steigt nicht aus, weil sie hofft, ihre innere Zerrissenheit über den künftigen politischen Kurs bis dahin noch halbwegs heilen zu können. Die Union will nichts mehr anpacken, was die hohen Sympathiewerte der Kanzlerin beschädigen könnte. Dahinter steht die vage Hoffnung, der Kanzlerinnenbonus könne die Union irgendwie auf 40 Prozent hieven, die dann für eine Koalition mit der FDP reichen könnten. Sicher ist hier nichts. Es sei nur daran erinnert, dass 2002 glänzende Zahlen für die Schröder-Regierung binnen weniger Monate abstürzten und Rot-Grün damals gegen Edmund Stoiber nur um Haaresbreite politisch überlebte.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Prato61 (15.08.2008, 11:02 Uhr)
Superkanzlerin
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich der "lupenreine Demokrat" Putin sehr auf den Besuch von Superangie freut. Er wird sich auch sicher als aufmerksamer Zuhörer entpuppen und selbstverständlich auf die diplomatischen Vorschläge von ihr eingehen. Gott sei Dank, haben wir in Deutschland keinerlei Probleme, sodass sich Angie uneingeschränkt um den Weltfrieden bemühen kann.
Wenn sie sowieso alles alleine macht, warum leisten wir uns überhaupt dieses sauteure Kabinett?? Herr Steinmeier sitzt fast ausschließlich im After eines einflußreichen Chinesen. Ich finde, dieser Job kann durchaus mit einer AVM-Stelle besetzt werden, was den Steuerzahler wiederum ungemein entlasten würde. Auch der Posten von Verteiditungsminister Jung kann jederzeit von einem Wehrpflichtigen eingenommen werden. Letzterer verfügt über mehr Sachkompetenz, arbeitet preiswerter und wird nach 10 Monaten wieder ausgetauscht. Auch hier würden die Vorteile eindeutig überwiegen.
Ebenfalls leicht austauschbar: die Gesundheits-Ulla. Hier drängt sich der Verdacht auf, mit der Länge der Dienstdauer erhöht sich proportional die Dummheit. Anders ist die lange Dienstzeit dieser Dame nicht erklärbar. Auch hier verfügt jeder Krankenpfleger über mehr Ahnung von der Materie.
Die Leistungen der Herren Tiefensee, Gabriel und Schäuble spotten sowieso jeder Beschreibung.
Vielleicht sollte sich unser Blutsauger Steinbrück mit den oben aufgeführten Einsparvorschlägen befassen.
pitiplatsch (14.08.2008, 20:38 Uhr)
Souveräne Aussenpolitik ?? verstehe
ich das Richtig ?? Völkerrechtswidriger Krieg in Afghanistan ist Souverän und richtig ? Das ist weder souverän noch richtig dies ist Mord an der Zivilbevölkerung und Unterstützung der Opiumanbauer sonst nichts, und dies auf Geheis vom Alci Bush. Unschuldige in Guantanamo foltern lassen !!! dies ist Zynische Verachtenswerte und kriecherische Politik und hat mit Charakter und Anstand nichts zu tun, oder ??? Den Chinesen beim Morden und Foltern der eigenen Bevölkerung zusehen und sich feige verkriechen ist souverän ?? In was für einem verlogenen Staat leben wir den ?? Die Invlation galoppiert was macht die Uckermärkische ?? was denn wo ist sie denn ??? Dies ist die schlechteste Regierung seit Hitler, nur Worthülsen Gelabre Geschleime und feige wegducken.
Gisella (14.08.2008, 16:02 Uhr)
Merkel
und alle anderen Mitglieder unserer Regierung sind eine Farce, Uns fehlen in Deutschland die letzten 20 Jahre, da im Ausland gelebt. Was aus Old Germany geworden ist, schockiert uns. Mehr Beamte als je- zu- vor.Arrogant und snippisch-Schulden bis unter die "Vorhaut", wenig Interesse bei den Bürgern "können sowieso nichts ändern" und freuen sich über eine schäbige,kleine Rentenerhöhung.Ich weiß nicht mehr, was ich dazu sagen soll.Ehemalige DDR -Linientreue -regieren uns-Tiefensee,Merkel u.a.m.Viel geredet wird, nichts ändert sich wirklich. Man oh Man, es ist wirklich zum Kot..n.
knilch_59 (14.08.2008, 15:35 Uhr)
@SethusCalvisius – der Staat kann auch anders sparen!
Um den Haushalt zu sanieren, muss man nicht zwangsläufig Steuern erhöhen oder Sozialausgaben kürzen, sondern man kann auch die staatliche Verwaltung durch gut gemachte Gesetze und Verordnungen so konzipieren, dass man für die Verwaltung weniger Personal und Geld braucht.
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Mein Lieblingsbeispiel ist Hartz-IV: Wenn wir es schaffen würden, durch einen Mindestlohn + Betreuungsgeld für Erziehende + höheres Kindergeld bei gleichzeitiger Abschaffung von Kinderfreibeträgen rund 2 Mio Menschen aus dem Kundenkreis der ARGE-n herauszuholen, würden wir dort mindestens 1.500 Fallmanager einsparen. Spart an Personalkosten mindestens 75.000.000 Mio € / Jahr – eher mehr. Wenn dadurch die Zahl der Widerspruchsverfahren gegen Bescheide, Prozesskostenhilfen, Anwalts- und Gerichtskosten sinkt, könnte sich dieser Betrag locker noch verdoppeln.
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Auch im Finanzwesen mit der Riester-Förderung, im Bereich des Gesundheitswesens mit den Kassenärztlichen Vereinigungen und Fallpauschalen, Strukturausgleichen und Budgetdeckelungen lassen sich ähnliche Effekte erzielen. Wenn Rentner in Zukunft regelmäßig nicht mehr von der Steuererklärungspflicht befreit werden, müssen die Finanzämter jährlich 10 Millionen Fälle mehr bearbeiten – wer soll das bezahlen und wozu soll das gut sein?
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Der Staat hat sich selbst zu fett gemacht und braucht für schlechte Gesetze immer neue teure Beamte. Die sind nicht faul, sondern strampeln sich einen ab, aber sie sind zur Ineffizienz gezwungen. Krankenversorgung der Beamten per Beihilfe abschaffen – die paar Schappseln verkraften die Gesetzlichen Kassen auch noch, spart aber Millionen an Personalkosten in den Beihilfestellen. Das Gleiche in der Rentenversicherung.
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Aber auch da hat sich die Große Koalition als Komplettversager bewiesen. Mit mehr Bürokratie und mehr Beamten schafft man nicht mehr soziale Gerechtigkeit!
utospatz (14.08.2008, 15:09 Uhr)
Maximal 100 Mykrogramm!
Oh Herr was haben die angeblich geschuftet, nachdem Gaz-Prom-Gerd nach Russland verduftet
Wenn ich als Lobbyistensäuberer jemals angefordert werd, ist das gesamte Parlament recht leer, und jedes parteipolitische Arschloch hat als Nachrücker es schwer!
PEFRA (14.08.2008, 13:42 Uhr)
Erinnert mich irgendwie an...
„Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen.“ Aber zum Schluss rollten dann auch die Köpfe.
Diese ganzen Schmarotzer in Berlin, die sich auf Steuergelder das schönste Leben machen,den Steuerzahler ausbeuten wo es nur geht, und das alles unter dem Deckmäntelchen der selbstgemachten Gesetze. Das Volk wird doch gar nicht gefragt, wo,wie und was verteilt wird. Die Herrschaften die fernab jeglicher Realität leben,und sich erdreisten das Volk immer mehr ausbluten zu lassen. Steigen in die schicksten und teuersten Karossen, wälzen sich fett und rund im feinsten Nappaleder, bauen sich die schönsten Dienstwohnungen, richten sich Büros ein, was an Größenwahn erinnert. Man schau sich nur mal das Kanzleramt an mit läppischen 73.000 qm,erinnert mich irgendwie an den Chaucheskuwahn. Alleine die Kunstwerke die da hängen und stehen, könnten die Rentenkassen üppig auffüllen. Lassen sich chauffieren, essen, saufen, reisen auf Staatskosten in eigenen Fliegern. Spesen für Dienstkleidung, Büroausstattung nur vom besten. Vetternwirtschaft um die ganzen Aufsichtsrats- und Vorstandspöstchen. Beschweren sich dann auch noch über zu geringe Diäten, die sie sich immer hübsch anpassen. Gönnen sich Renten, dass sich einem der Magen umdreht als ehrlicher Arbeiter. Verschenken unsere hart erarbeiteten Steurgelder im Ausland, und das alles im Rahmen der Demokratie.Ich frage mich wieso China mal eben knappe 150 Millionen Euro bekommt??? Da wird bis zu 150 Milliarden Euro im Jahr fleißig alles mögliche subventioniert und für Mindestlohn wird gestritten. Wer entscheidet denn, wer was bekommt und was verteilt wird, das Volk? Was haben wir denn schon von unserer ach so schönen Demokratie?
Freie Meinungsäußerung, das ist aber auch schon alles.
Freie Wahlen, das ich nicht lache...
Das ganze Wahlsystem gehört überholt und Politiker überwacht...
SethusCalvisius (14.08.2008, 00:49 Uhr)
Aufpassen!
Wer hier in die an der Koalition geäußert Kritik einstimmt, sollte vorsichtig sein. Denn was den Kommentator stört, ist, dass Merkel nicht noch mehr Sozialkürzungen durchgesetzt hat, dass sie sich nicht entschieden genug für den Neoliberalismus eingestzt hat, den ja die deutsche Presse als allein seligmachend propagiert. Insofern kann man eigentlich eher aufatmen, dass es nicht ganz so schlimm geworden ist.
Mit welcher Dreistigkeit Journalisten mittlerweile ihre persönliche Meinung als Tatsachen verkaufen, zeigt wieder der Abschnitt über Mindestlöhne. Natürlich kann man darüber, wie über jedes andere Thema, diskutieren, aber dass der Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet, ist durch nichts belegt und kann hier nicht einfach als Tatsache dargestellt werden. Immerhin gibt es genug Länder mit Mindestlohn und die existieren immer noch.
hotte_m (13.08.2008, 20:11 Uhr)
Lobbyistenkabinett
das den Armen nimmt und die Reichen bedient, vor allem auch sich selbst. Hoffentlich wird der deutsche Michel bald mal wach und zeigt es auch der anderen sogenannten Volkspartei. Ich frage mich oft, wer sind eigentlich die Leute, welche die Merkel so lieben, vor allem für was ?
x-cube (13.08.2008, 19:43 Uhr)
Schulden? Merkel? Mindestlohn?
Ich kann es nicht mehr höööören.
Ich war froh heute einen Artikel im Stern zu lesen (Gastbeitrag
• Eine pro-russische Perspektive) der eine alternative Sicht anbietet
und jetzt schon wieder dieses Propagandadauerfeuer.
Mann mann mann
Ich werde mir in nächster zeit definitiv keine Print Ausgabe kaufen.
Strafe muss sein.
Das gehetze gegen einen Mindestlohn ist unerträglich.
Und wer einen Versuch als lobenswert empfiehlt ist ...
Ich bin sprachlos und wütend!
By The Way - Wo hat sich denn unser Staat verschuldet? Beim Herr Ackermann und seinen Raffbankern? Staatsschulden sind politisch gewollt, da kann jeder mir erzählen was er will.
heiner5362 (13.08.2008, 19:25 Uhr)
und wenn man
geistig unterbelichtete, dazu gehören auch fachidioten wie merkel ans ruder lässt ist es kein wunder dass unsere brddr den bach runtergeht.
dazu gehört natürlich auch der ganze klüngel aus gescheiterten beamten, dachdeckern und kloreinigern, die im parlament den hals aufreissen.
damit lässt sich wahrlich staat machen.
mehr als schämen dafür geht nicht.
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