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27. August 2007, 12:10 Uhr

Becks Plauder-Politik birgt Gefahren

Mit seiner lautstarken Forderung nach einem NPD-Verbot auch SPD-Chef Beck nicht nur sich selbst in die Bredouille gebracht, sondern auch seine Genossen. Die müssen ihrem Vorsitzen jetzt zähneknirschend folgen - auch wenn ein neues Verbotsverfahren den Rechten eher nützen als schaden kann. Von Hans Peter Schütz

SPD-Parteivorsitzender Kurt Beck: Ein Problem für die Partei?© Marcus Brandt/DDP

Wer hindert nur Kurt Beck endlich daran, nicht ständig länger so locker loszuplappern, als säße er irgendwo in pfälzischen Landen bei Weck, Worscht und Woi? Denn der SPD-Vorsitzende wird dadurch stetig mehr zu einem Problem für seine Partei. Schon lange wird es immer mehr Genossen immer blümeranter im Kopf beim Gedanken, dass sie mit Beck als Kanzlerkandidat in die nächste Bundestagswahl ziehen sollen.

Mal patzt er auf eher harmlose Art. Indem er zum Beispiel den Rentnern eine spürbare Erhöhung ihrer Renten im nächsten Jahr ankündigt. Hört sich fürsorglich an, ist aber plumpe Anbiederei. Unser Rentensystem ist – zum Glück – so angelegt, dass es opportunistischen Zugriffen unserer Politiker entzogen ist. Nicht sie entscheiden über die Erhöhung, diese hängt an der Lohnentwicklung in der Vergangenheit.

Politisch gefährlich wird die Plaudertasche Beck aber dann, wenn er wie soeben geschehen, einfach mal laut nach einem neuen NPD-Verbot ruft. Kaum ist der Gedanke in seinem Kopf, schon darf er aus seinem Mund. Man muss sich wundern, dass in der SPD-Zentrale nicht jedes mal Feueralarm ausgerufen wird, wenn der Vorsitzende wieder ein Interview gegeben hat, das autorisiert werden muss.

Unbedacht in die Bredouille geschwatzt

Dank Beck hat die Republik mal wieder eine NPD-Verbotsdiskussion am Hals, die zu nichts fährt – außer vielleicht zu neuem Zulauf bei den Rechtsradikalen. Die Sache wird auch nicht besser dadurch, dass dem SPD-Vorsitzenden jetzt eilig sein Generalsekretär Hubertus Heil, der Berliner SPD-Innensenator Ehrhart Körting oder Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck stützend zu Seite eilen. Da soll doch nur Solidarität mit jemand gezeigt werden, der sich unbedacht in die Bredouille geschwatzt hat. Wer vergangenen Freitag die Miene des SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering gesehen hat, als er in Berlin nach Sinn und Unsinn eines NPD-Verbots gefragt worden ist, der weiß Bescheid, was dieser Sozialdemokrat davon hält: Nichts, absolut nichts. Er wäre schon dafür, murmelte Müntefering, wenn garantiert sei, dass ein solcher Antrag vor dem Verfassungsgericht erfolgreich ist. Ist es aber leider nicht.

Auch die Spitzen von CDU, CSU und FDP sind unverzüglich auf Distanz zu dem Beck-Vorstoß gegangen. Aus gutem Grund. Sie haben nicht verdrängt, wie der forsche „rote Sheriff“ Otto Schily als rotgrüner Bundesinnenminister in Karlsruhe auf den Bauch gefallen ist. Der Verfassungsminister Schily hatte geglaubt, bei den Verfassungsrichtern leichtes Spiel zu haben, zumal er sich ohnehin stets für den gewieftesten aller Verfassungskenner gehalten hat. Schily hatte gedacht, es genüge, im großen Stil V-Leute auf die NPD anzusetzen, um dann auf der Basis ihrer Aussagen das gewünschte Verbot zu bekommen. In der damaligen Konkurrenz mit der Opposition wollte der Innenminister wie so oft beweisen, dass er sich in so prestigeträchtigen Themen von niemand an Forschheit übertreffen lässt. Dass ein Gericht bei einem Parteienverbot in der Demokratie äußerste strenge Maßstäbe anlegen muss, wenn es um den Beweis der Verfassungswidrigkeit geht, wurde grob missachtet.

Hürden noch höher

Das klägliche Ergebnis war, dass jetzt die Hürden vor einem NPD-Verbot noch höher sind als früher. Das Gericht hat klar entschieden, dass die Aussagen eingeschleuster Verfassungsschützer dafür nicht ausreichen. Ein Verbotsantrag müsse sich auf besseres Material stützen. Das unbedachte Vorgehen Schilys hat letztlich die radikale Rechte gestärkt anstatt geschwächt. Und bis heute ist die Frage nicht diskutiert, ob mit einem NPD-Verbot nicht lediglich der Wechsel der braunen Wirrköpfe zur DVU oder den Republikanern befördert wird.

Selbstverständlich muss die Demokratie Flagge zeigen gegen die Rechtsradikalen. Aber nicht dadurch, dass man nach fremdenfeindlichen Exzessen wie in Mügeln nach einem Verbot ruft. Was dort vor allem erschreckt hat: Dass den acht misshandelten Indern keiner zu Hilfe gekommen ist, dass die Polizei – wie schon so oft zuvor in den neuen Ländern bei rechtsradikalen übergriffen – nur sehr gebremst eingegriffen hat. Und noch immer werden in der Bundesrepublik Kaufhausdiebe strenger bestraft als Täter aus dem braunen Milieu. Hier sollte sich Kurt Beck vielleicht einmal politisch engagieren. Oder einmal darüber nachdenken, wie schlecht es in diesem Land um die Zivilcourage der Bürger bestellt ist und warum.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
gsc777 (29.08.2007, 16:39 Uhr)
Wie lange noch?
Wann endlich tennt man in der SPD von diesem Vorsitzenden? Herr Beck ist die größte Belastung für diese Partei seit Herrn Scharping.
Roy05441 (28.08.2007, 17:53 Uhr)
In welcher sogenannten christlichen Partei....
wurden die größten Ex-Nazis in höchste Ämter geschoben?
Bürger oh Bürger verstehst du mich?
Dann kannst du bei der nächsten Qual herrausschreien deine Not, denn du hast die Wahl!
Quäl ich mich christlich, oder sozial, im Prinzip ist Alles egal.!
Bremer-Alexander (27.08.2007, 23:39 Uhr)
soso
@ H.Macke und Freunde:
Vorweg möchte ich klarstellen dass ich kein NPD'ler bin - ich bin nicht in der Partei, auch in keiner anderen und habe sie auch nicht gewählt. Um genau zu sein war ich bisher nicht wählen, weil es keine Partei gibt, die mir "ausreichend" zusagen würde.
Ich finde es traurig wie Herr Macke mir gleich den Mund verbieten möchte, was bringen ihnen dann noch Diskussionen, wenn sie alle andersdenkenden Menschen verbieten,ausschließen und vielleicht am liebsten wegschließen würden...
Ich probiere es ganz objektiv zu sehen: solange die NPD nicht öffentlich etwas verbotenes tut, wäre es unrecht sie zu verbieten.
Es gibt andere "Institutionen", so zum Beispiel der Koran, die klare Grundsätze vorraussetzen, die mit unserer "Verfassung" nicht zu vereinbaren sind, aber trotzdem nicht verboten werden ( z.b. die ungleichheit von mann und frau ).
Und selbst wenn dann mal ein Mitglied aus den Reihen tanzt, kann man, vorrausgesetzt dass sich die Partei von dem Mitglied trennt und distanziert, die Partei nicht deshalb gleich verbieten. Sonst könnte sich z.b. ein Gegner der FDP einfach Mitglied werden, dann eine schreckliche Tat verüben und schwupp müsste man die ganze Partei verbieten, wäre ja quatsch...
An die Stern-Redaktion möchte ich an dieser Stelle bekannt geben, dass ich es sehr komisch finde, dass man manche Beiträge ( also news ) nicht kommentieren kann.
und frage mich warum manche Themen scheinbar unkommentiert bleiben sollen.
PierreLamouroe (27.08.2007, 18:07 Uhr)
Wem nützt ein Verbot wirklich?
Würde die NPD wirklich verboten, werden sicher die Rechten nicht nur nach rechts abwandern, sondern auch ins linke Lager übersiedeln. Schließlich sind die Extremen beider Lager für totalitäre Systeme. Die entsprechenden Um- oder auch Rücklackierungen sind seit 33 nicht neu. Gemeinsamkeit im Großpaket wiegt schwerer als in noch chancenlosen Splitterparteien.
Beck arbeitet wohl eher seiner Traumpartnerschaft von ROT ROT zu, zeigt aber dadurch auf seine Not im Jetzt, und etwas braun dabei, was macht es schon?! Zu kurz gedacht, denn was machen die Roten wenn ihnen ihr geliebtes Feindbild genommen wird?
Gäbe es die NPD wirklich, ohne die von der SPD eingeschleusten V-Leute und Scharfmacher?
Was wäre, würden die Bürger darauf kommen, der Führungsriege der SPD & Co den Terrorstempel ihrer RAF Altvorderen auf die Stirn zu brennen? Schröder, Fischer, Schily, Steinmeier, Ströbele, Cohn Bendit sind immerhin ihrem Ziel bedenklich nahe gerückt, auf dem Marsch durch die Institutionen den Umbau der Welt ins Totalitäre zu vollenden. Das ist noch keine Vergangenheit und muss auch im Kontext zum MfS betrachtet und bewertet werden.
Qui bono?
muhtesem1 (27.08.2007, 18:04 Uhr)
H.Macke, bin auch ihrer Meinung.
vermutlich sind die menschen mit gesundem menschenverstand gegen die rechte gewalt es satt,diese doofen sprüche hier zu hören.
SuperJuliusKrause (27.08.2007, 16:13 Uhr)
SPD
eines tages geht die älteste partei deutschlands zugrunde.nachdem schröder das zepter abgeben musste,gings mit der partei berg ab:warum soll ich eine partei wählen die ja sowieso jeden 2 monat n anderen chef hat=> schröder,müntefering,platzeck und dann beck oder so ähnlich.außerdem ist die cdu/csu mit merkel als kanzlerin viel stärker geworden.
Svenson (27.08.2007, 16:04 Uhr)
Gott sei Dank…
@ H.Macke und RealRock:
…gibt es hier auch noch Menschen wie Euch, die endlich mal das schreiben, was leider meist ewig auf sich warten lässt!! Danke!!!
H.Macke (27.08.2007, 15:58 Uhr)
Seh ich auch so
@RealRock: Wo Sie recht haben, haben sie recht. Normalerweise bin ich mehr für sachliche und auch differenzierte Auseinandersetzung mit einem Thema. Aber hier hilft tatsächlich nur Keule.
RealRock (27.08.2007, 15:45 Uhr)
Typisch deutsch...
...dieses endlose diskutieren. Wer nur ein bischen gesunden Menschenverstand hat, weiß, daß eine Skinhead-Partei, die auch noch das Ende der BRD propagiert, mit unseren Grundwerten nicht übereinstimmt und sofort verboten gehört!
kommando (27.08.2007, 15:43 Uhr)
@ StillerBeobachter
niedlich, wie du versuchst die NPD bzw rechtsextremes Gedankengut aus seiner legitimen Tabuisierung herauszuhiefen. Haben sie für dich kein Forum bei der jungen Freiheit ?
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