Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Das Bezahl-Studium ist gescheitert

In Hessen werden nach nur zwei Jahren die Studiengebühren wieder abgeschafft. Gut so! Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Die Campus-Maut ist unsozial und die Finanzlöcher bei den chronisch unterfinanzierten Universitäten kann sie auch nicht stopfen.

Von Catrin Boldebuck

Hessen schafft nach nur zwei Semestern die Studiengebühren wieder ab. Das ist gut so. Denn inzwischen sprechen mehr Argumente gegen die Campus-Maut als dafür.

Erstens: Die Bedingungen haben sich an vielen Hochschulen nicht verbessert. So sind die Studenten, die für ihr Studium zahlen müssen, deutlich unzufriedener, als ihre Kommilitonen, die umsonst lernen dürfen, zeigt das Ergebnis einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Die Gebührenzahler klagen häufiger über zu volle Veranstaltungen, schlechte Betreuung und miesen Service. Zwei Drittel haben nicht das Gefühl, dass sie ausreichend mit entscheiden können, wofür ihr Geld ausgegeben wird.

Deshalb weichen die Studenten in die Bundesländer aus, in denen sie nach wie vor kostenlos studieren können: So stiegen die Erstsemesterzahlen in Berlin innerhalb eines Jahres um 11,8 Prozent und in Schleswig-Holstein um 7,7 Prozent. In Bayern gab es dagegen nur ein leichtes Plus von 1,7 Prozent, in Baden-Württemberg, wo es viele Elite-Unis gibt, gingen die Anfängerzahlen sogar um 2,2 Prozent zurück.

Zweitens: Studiengebühren sind nicht sozial verträglich, sie schrecken Arbeiterkinder ab. In Baden-Württemberg sank die Zahl der Abiturienten, deren Eltern keine Akademiker sind, von 2004 bis 2006 von 62 Prozent auf 50 Prozent. Der Anteil der Akademiker-Kinder blieb dagegen bei 75 Prozent stabil.

Drittens: Studenten haben Angst, sich zu verschulden. Gerade mal sechs Prozent haben einen Kredit aufgenommen. Und nur zwei Prozent erhalten ein Stipendium. Die Mehrheit finanzieren die Gebühren aus eigener Tasche. Das Bezahlstudium hat in Deutschland keine Tradition und keine Zukunft, das politische Hin und Her, der schlechte Umgang mit dem Geld der Studenten, hat daran nichts geändert.

Viertens: Die Hochschulen sind seit Jahrzehnten chronisch unterfinanziert, Studiengebühren von 500 Euro pro Student reichen nicht aus, um die Finanzlöcher zu stopfen. Die Politik muss endlich massiv Geld in die Universitäten und Fachhochschulen pumpen und nicht nur in Elite-Einrichtungen.

Feine Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Roland Koch, der am liebsten noch höhere Gebühren gefordert hätte und vehement gegen protestierende Studenten vorging, muss sie jetzt als Erster wieder abschaffen.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools