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3. Juni 2008, 16:00 Uhr

Das Bezahl-Studium ist gescheitert

In Hessen werden nach nur zwei Jahren die Studiengebühren wieder abgeschafft. Gut so! Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Die Campus-Maut ist unsozial und die Finanzlöcher bei den chronisch unterfinanzierten Universitäten kann sie auch nicht stopfen. Von Catrin Boldebuck

Hessens Studenten müssen nicht mehr löhnen© Bernd Schoelzchen dpa/lhe

Hessen schafft nach nur zwei Semestern die Studiengebühren wieder ab. Das ist gut so. Denn inzwischen sprechen mehr Argumente gegen die Campus-Maut als dafür.

Erstens: Die Bedingungen haben sich an vielen Hochschulen nicht verbessert. So sind die Studenten, die für ihr Studium zahlen müssen, deutlich unzufriedener, als ihre Kommilitonen, die umsonst lernen dürfen, zeigt das Ergebnis einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Die Gebührenzahler klagen häufiger über zu volle Veranstaltungen, schlechte Betreuung und miesen Service. Zwei Drittel haben nicht das Gefühl, dass sie ausreichend mit entscheiden können, wofür ihr Geld ausgegeben wird.

Deshalb weichen die Studenten in die Bundesländer aus, in denen sie nach wie vor kostenlos studieren können: So stiegen die Erstsemesterzahlen in Berlin innerhalb eines Jahres um 11,8 Prozent und in Schleswig-Holstein um 7,7 Prozent. In Bayern gab es dagegen nur ein leichtes Plus von 1,7 Prozent, in Baden-Württemberg, wo es viele Elite-Unis gibt, gingen die Anfängerzahlen sogar um 2,2 Prozent zurück.

Zweitens: Studiengebühren sind nicht sozial verträglich, sie schrecken Arbeiterkinder ab. In Baden-Württemberg sank die Zahl der Abiturienten, deren Eltern keine Akademiker sind, von 2004 bis 2006 von 62 Prozent auf 50 Prozent. Der Anteil der Akademiker-Kinder blieb dagegen bei 75 Prozent stabil.

Drittens: Studenten haben Angst, sich zu verschulden. Gerade mal sechs Prozent haben einen Kredit aufgenommen. Und nur zwei Prozent erhalten ein Stipendium. Die Mehrheit finanzieren die Gebühren aus eigener Tasche. Das Bezahlstudium hat in Deutschland keine Tradition und keine Zukunft, das politische Hin und Her, der schlechte Umgang mit dem Geld der Studenten, hat daran nichts geändert.

Viertens: Die Hochschulen sind seit Jahrzehnten chronisch unterfinanziert, Studiengebühren von 500 Euro pro Student reichen nicht aus, um die Finanzlöcher zu stopfen. Die Politik muss endlich massiv Geld in die Universitäten und Fachhochschulen pumpen und nicht nur in Elite-Einrichtungen.

Feine Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Roland Koch, der am liebsten noch höhere Gebühren gefordert hätte und vehement gegen protestierende Studenten vorging, muss sie jetzt als Erster wieder abschaffen.

Von Catrin Boldebuck
 
 
KOMMENTARE (10 von 33)
 
jigglediggle (05.06.2008, 20:44 Uhr)
@malibuli
"Es ist sehr schade, dass man die Studiengebühren nun aufgibt. Es gibt viele, die sich nur einschreiben, um beispielsweise billig ans Semesterticket zu kommen. Das war mit den Studiengebühren vorbei. Sollte ich je in Frankfurt arbeiten, werde ich wohl auch davon Gebrauch machen. Geschichte und Germanistik, klingt nicht schwer und man fliegt auch nicht sofort raus, wenn man nichts tut und wohnen im Taunus.
Was nichts kostet, hat keinen Wert."
Klingt ja ganz einfach, Dein Geistesblitz. Nur funktioniert das so nicht mehr seitdem es Bachelor/Master gibt, Du Windei.
ganzbaf (05.06.2008, 12:56 Uhr)
Ganz klar: Sehr hohe Studiengebühren sind ok!

...für den Reicheleutenachwuchs... ;-P
Pamela_1971 (04.06.2008, 14:33 Uhr)
Sollen doch die...
... die Studiengebühren zahlen, die hier so laut danach schreien. Und die das für so überaus sinnvoll halten. Garantiert kein/e Student/in wird Euch daran hindern Euch dumm + dämlich zu zahlen, wenn Ihr das so unbedingt wollt :-)
....... den StudentInnen in Hessen hingegen gratuliere ich ganz herzlich zur Abschaffung dieser Zwangsgebühr. Ich schätze mal, da wird nun das ein oder andere Fass aufgemacht, in so manchem StudentInnenwohnheim! :-)) Lasst es Euch schmecken - PROST!!
Swissmiss (04.06.2008, 13:49 Uhr)
Pro Studiengebühren
Warum kommen wohl so viele ausländische Studenten in die Schweiz? Weil hier die Unis in der Regel im Vergleich zu den Nachbarländern gut ausgerüstet sind. Und weshalb? Weil die Unis u.a. wegen den Semestergebühren finanziell besser dastehen als manche Unis in unseren Nachbarländern. Für sozial benachteiligte Studenten sind andere Lösungnen angesagt als ein allg. Verzicht auf Semestergebühren, z.B. Stipendien. (Moderate) Semestergebühren sind durchaus zu befürworten!
blindriver (04.06.2008, 12:37 Uhr)
@gmathol
Zur Info: Genau da bin ich, in den USA, und eigentlich recht zufrieden, finanziere ich hier doch (kaum) das Studium der Kinder anderer Leute.
Eine Mauer zu errichten waere uebrigens auch eine Loesung.
10 Jahre Sperrfrist wofuer ?
Fuer das ebenfalls steuerfinanzierte Zweit- & Drittstudium ?
Damit haben sich einige meiner in D zurueck gebliebenen Bekannte lange erfolgreich die Zeit zwischen Abi und 40. Geburtstag vertrieben, bis Studiengebuehren diesem ein Ende setzten.
Seitdem zahlen sie uebrigens Steuern und Abgaben.
malibuli (04.06.2008, 12:03 Uhr)
Mal anders herum
Frage an alle Kritiker von Studiengebühren: Würdet ihr es als gerecht empfinden, wenn besonders gute Studenten ein Stipendium von 1000 Euro pro Monat erhalten würden, nur weil sie gut sind. Die Idee gibt es in der Schweiz, stösst aber dort auch auf Unverständnis. Gebühren sind unfair und Belohnungen auch. Es lebe die Gleichschaltung.
Fiasc0 (04.06.2008, 10:25 Uhr)
Steuerungselement?
Das Ziel ist doch moeglichst vielen Jugendlichen eine Bildung fuer hoehere Berufsgruppen zu ermoeglichen. Allein durch diese Zielsetzung sind Studiengebuehren obsolet.
Die Argumentation von "Faulenzern" ist eine nicht abstreitbare Tatsache, jedoch muss zum Wohle der Allgemeinheit andere Regelungen eingefuehrt werden, um diese LAngzeitstudenten zu vermeiden. Aber ein abschreckendes Steuerungselement ala Gebuehr ist falsch.
Beim besten Willen, schwarze Schafe gibt es ueberall, jedoch sind nicht die Hauptmenge an Studenten "Faulenzer". Es kann nicht sein, dass wegen "Faulenzern" Bildungswillige ,und somit der Arbeitsmarkt, darunter leiden sollen?
hexe1402 (04.06.2008, 10:15 Uhr)
ENDLICH!
endlich fängt in Deutschland mal jemand an, diese Studiengebühren abzuschaffen. Diese sind absolut sinnlos und haben an meiner Hochschule nur dafür gesorgt, dass wir ein paar Sitzbänke im Neubau finanziert haben! Dies ist eigentlich Aufgabe des STAATES!!! An der Lehrqualität hat sich nicht viel verbessert, viele Professoren waren auch schon vor den Studiengebühren da und die machen jetzt genau so weiter wie vorher auch!
Viele, die verlangen, dass man nebenbei arbeitet, wissen nicht, was teilweise von den Studenten abverlangt wird, gerade wenn man in dem Monat ist, in dem alle Kosten weiterlaufen, man aber nicht in der Lage ist, arbeiten zu gehen, da man mal eben ein paar Klausuren schreiben muss. Ferienjobs sind auch nicht möglich, da man da als Student Praktika absolvieren muss für LAU!!! Früher war es so, dass man durch viele Fächer viele, viele Male durchfallen konnte, doch spätestens seit der Vereinheitlichung in Bachelor und Master ist dies NICHT mehr möglich. Wer öfter als 3 mal durchfällt, ist weg vom Fenster!
Studiengebühren tuen uns Studenten richtig weh! Klar es gibt einige, die durchfeiern, aber solange deren Eltern das finanzieren, sollen sie doch feiern. Wer nicht so viel Geld hat und auch etwas lernen muss (was wohl in den meisten Studiengängen der Fall sein sollte...), der geht auch nicht jeden Abend feiern!!! Nur so mal zur Info für viele hier: Studiengebühren plus Semestergebühren belaufen sich vielfach auf 700-750€! Das sind mehr als 100€ pro Monat, auf die ein Student verzichten muss! Hiervon könnte schon ein Großteil des Lebensmittelbedarfes gedeckt werden!
Und um noch auf einige meiner Vorredner zu sprechen zu kommen: wer in einer Universitätsstadt wohnt, kann selbstverständlich bei den Eltern wohnen bleiben und hat keine größeren Ausgaben. Aber viele junge Leute kommen auch aus ländlichen Regionen und die MÜSSEN sich eine Wohnung nehmen, weil es unzumutbar ist, dass man 2-3 Stunden für eine Fahrt im Zug sitzt nur um sich Vorlesungen anhören zu können!!!
vegefranz (04.06.2008, 09:46 Uhr)
gutes Steuerungsinstrument
Studiengebühren sind - soweit talentierte und fleissige Härtefälle berücksichtigt werden, ein gutes Steuerungsinstrument. Ein Student, der zahlt, wird die zum Teil trostlosen Auftritte seiner Professoren nicht hinnehmen. Weiterhin wird eine Beschleunigung des Studiums die Folge sein. Das jetzige Modell führt zu einer Suppe der Mittelmässigkeit (bestenfalls), ganz im "sozialistischen Sinne"
insLot (04.06.2008, 09:45 Uhr)
logisch
Zitat: "Zweitens: Studiengebühren sind nicht sozial verträglich, sie schrecken Arbeiterkinder ab. In Baden-Württemberg sank die Zahl der Abiturienten, deren Eltern keine Akademiker sind, von 2004 bis 2006 von 62 Prozent auf 50 Prozent. Der Anteil der Akademiker-Kinder blieb dagegen bei 75 Prozent stabil."
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Für diese Erkenntnis hätte man kein Hellseher sein müssen. Das war klar, dass das so kommt!
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