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1. Juni 2007, 17:24 Uhr

Die CSU richtet sich selbst

Stoiber will die Bühne nicht verlassen. Seine Nachfolger dürfen sie nicht betreten. Und Horst Seehofer steckt in seinem persönlichen Schlammschlachtschlamassel. Die CSU bietet ein Bild des Jammers - schlimmer als die CDU zu Zeiten der Spendenskandale. Von Stefan Braun

Stoiber und sein Adlatus, Generalsekretär Söder© Timm Schamberger/ddp

Es geht nimmer schlimmer? Irrtum. Schlimmer geht es in der CSU immer. Was sich derzeit in der bayerischen Volkspartei abspielt, spottet jeder Beschreibung. Wer mit der CSU nichts am Hut hat, darf sich ausschütten vor Lachen. Wer Sympathie mit ihr hegt, muss wie ein Hund leiden. Da regiert eine Partei mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit - und gerät außer Kontrolle. Je länger der angekündigte Machtwechsel schwelt, ohne vollzogen zu werden, desto schwächer wird der gesamte Laden. Eine Volkspartei zelebriert ihre Selbstzerstörung. In der CSU gibt es kein Zentrum mehr. Keines aus Macht, keines aus Personen. Nicht in der Staatskanzlei, nicht in der Parteiführung, nicht beim Generalsekretär, nicht wirklich in der Landtagsfraktion. Das Hauptproblem: Edmund Stoiber will nicht weichen, kann aber nichts mehr prägen. Seitdem er sich entschied, seinen Nachfolgern beim Übergang nicht zu helfen, seitdem er beschloss, ihnen das Leben schwer zu machen, schadet er seiner Partei - und zerstört seinen Ruf nachhaltig.

Alle Wege führen nach Moskau

Ein absurdes Beispiel am Rande: Erwin Huber, bayerischer Wirtschaftsminister und Kandidat für Stoibers Nachfolge an der Parteispitze, wird Anfang Juli nach Moskau reisen. Nicht zum ersten Mal, diesmal aber auch, um sich als Kandidat für den Parteivorsitz international zu präsentieren. Und was macht Stoiber? Er reist zur gleichen Zeit an den gleichen Ort. Will mal wieder alle Aufmerksamkeit auf sich vereinen. So macht man es, wenn man sich rächt. So macht man es, wenn nicht mehr politische Vernunft, sondern Zorn, Missgunst, ja Hass einen leiten. Die CSU muss mit aller Brutalität lernen, wie fatal es ist, eine Partei auf eine einzige Person auszurichten. Viel zu viele der Glücks und Hubers und Becksteins haben es zugelassen, dass aus Stoibers Erfolg Hybris werden konnte. Und Stoiber beweist, dass seine schönen Worte, gewählt bei seinem Abschied, nichts wert sind. Als er am 18. Januar seinen Rückzug ankündigte, schmückte er das mit dem famosen Satz: "Das Beste für Bayern und die CSU ist immer mein oberstes Ziel gewesen." Er hat nichts verstanden. Er ist kein Großer (mehr?), er muss zu den Kleinen gerechnet werden. Zu denen, die engsten Mitstreitern im Hass Beine stellen. Zu denen, die am Ende nicht dankbar, sondern undankbar werden. Sonst würde er helfen, den Übergang in den Griff zu bekommen. Davon ist nichts zu spüren.

Seehofer? In der Schlammschlacht

Das Duo Huber/Beckstein hat derweil nicht den Mut oder nicht die Kraft, dem Stoiberschen Treiben etwas entgegen zu setzen. Würden sie laut und deutlich und geschlossen auftreten, dann würden sie sich Stoibers weiten Griff in die Zukunft (das Programm Bayern 2020) oder auch seine Moskauer Parallelreisen verbitten. Sie sind nicht so stark, wie sie sich in der ersten Sekunde fühlten. Sie müssten Courage zeigen, um am jetzigen Treiben etwas zu ändern.

Und Horst Seehofer? Der Bundesminister. Der Kämpfer. Der Stimmenfänger, der gerne Vorsitzender werden würde? Er möchte alles und schafft derzeit fast gar nichts. Er, der eine starke Kraft sein könnte, hat sich in seinem persönlichen Kampf gegen fast alles und fast jeden verheddert. Ob er aus seinem Schlammschlachtenschlamassel raus findet - die Chance dafür sinkt täglich, insbesondere seit seinem Spiel mit Informationen über andere CSU-Größen.

CSU setzt Macht aufs Spiel

Das Fatale bei all dem: es gibt in dieser großen, stolzen, bisher fest verankerten Partei zurzeit keinen einzigen, der als Anker dienen und den Absurditäten Einhalt gebieten könnte. Der Generalsekretär nicht, die graue Eminenz Alois Glück nicht mehr, der Fraktionsvorsitzende Joachim Hermann noch immer nicht. So steht man staunend vor einer Partei, die so hartnäckig wie noch nie daran arbeitet, ihre Macht aufs Spiel zu setzen. Zwei-Drittel-Mehrheiten müssen tödliches Gift sein im politischen Leben.

Ihre Meinung

Ist die CSU noch zu retten?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (5)
Von Stefan Braun
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Riepl (04.06.2007, 12:49 Uhr)
CS-Unheil
Christliches Sozius Unheil. Wenn sich eine Firma(Partei)50 Jahre so organisiert, dass es auf den Markt(Bürger)wegen seines Alleinstellungsmerkmales nicht mehr hineinhören braucht, entsteht nur noch Hofgezänk wegen des scheinbaren Erfolges.
Der Verbraucher(Bürger) merkt,dass der Erfolg nur von seiner Verbrauchs- Gewohnheit getragen ist. Das Produkt(Politik) ist nicht mehr wettbewerbsfähig und wird von den Vorständen selbst nur noch mit Eitelkeiten beworben.
Ein klassischer Vorgang kurz vor der Insolvenz.

Doolittle (02.06.2007, 21:49 Uhr)
Königstreue
Egal, wie die CSU sich aufführt - die Bayern wählen sie. Otfried Fischer hat gesagt, in Bayern werde auch ein Besenstiel gewählt, wenn an ihm ein Schild "CSU" klebt. Die Bayern sind immer noch Monarchisten und glauben, die CSU sei via Zentrumspartei der direkte Nachfolger vom König.
Roy05441 (02.06.2007, 14:27 Uhr)
Mia san mia!
Holzschraubnköpfe mit Linksgewinde!
90% der Falten in meinem Gesicht sind Lachfalten, angelegt beim Zuhören, und Anschauen der gesamten sogenannten politischen Elite!
Kein Doc dieser Welt kann mir so viel Botox spritzen um diese zu kaschieren!
Bei jeder Wahl hab ich sie Alle lieb, und Alle gewählt.!
Ermatrans (01.06.2007, 22:19 Uhr)
Die Ultra Low Level Duckmäuser-Systemkrise
Diese schwerste aller Krisen tritt auf, wenn sich um einen Chef (hier Stoiber) zu viele bequeme, auf niedrigstem Niveau agierende Duckmäuser versammelt haben. Jeder Einzelne duckmäusert nach oben und verachtet nach unten, damit alles systematisch ineinander passt, meist viele Ebenen in den Staat hinein.
Bei Kritik oder gar einem Angriff auf den Chef springen die Duckmäuser, die sich ansonsten zurücklehnen, aus dem Busch und wollen durch Deckungsmobben Punkte sammeln. Kann der Widersacher (hier Pauli, die mit ihrer Kritik vollkommen Recht hatte) nicht niedergemobbt werden, versuchen die Duckmäuser durch meist übertriebene Solidaritätsadressen Punkte beim Chef zu sammeln, wodurch dieser immer weiter beschädigt wird, bis er schliesslich Mitleid erregt - jeder, der von vielen gleichzeitig gestützt wird, muss irgend wann von der Öffentlichkeit für schwach gehalten werden. Den so beschädigten Chef, der selbst das Verteidigen verlernt hat, drängen dann die minderwertigsten, postengeilsten Duckmäuser (Beckstein und Huber) vom Stuhl.
Danach wird der unfähige Gestürzte, der nur langsam (hier 9 Monate) von der Macht loslassen kann, aufgrund seiner gefährlich unfähigen Nachfolger sehr schnell wieder gigantisch überschätzt. Je näher allerdings die Ablösung des Chefs kommt, desto mehr Duckmäuser sehen ihn unter sich und beginnen gemäss Duckmäuser-Gesetz mit der Verachtung des Chefs. Dieser reagiert darauf dünnhäutig, weil er dies nicht gewohnt ist, erst recht nicht das Duckmäusern, welches dann später auch noch von ihm verlangt wird. Bis zum endgültigen Rücktritt schmollt der gestürzte Chef vor sich hin und will nochmals klar machen, dass er der Beste war und ist und seine intriganten Nachfolger unfähig sind.
Die Ultra Low Level Duckmäuser-Systemkrise gilt in fortgeschrittenem Stadium wegen des einhergehenden Realitätsverlustes und totalen charakterlichen Verfalls als unheilbar – wie man auch am Beispiel CSU immer deutlicher sieht.
hajomos (01.06.2007, 20:12 Uhr)
Bayrischer Komödiantenstadel ...
Das ist ja beste real existierende Satire - der Scheibenwischer ist dagegen lähmend langweilig. Macht weiter so, ich will lachen!
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