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5. November 2007, 10:28 Uhr

Die Koalition denkt. Bravo!

Auf den ersten Blick hat der Koalitionsgipfel kaum etwas gebracht. ALG I? Mindestlohn? Pendlerpauschale? Alles ungelöst. Doch die Koalition denkt nach. Bravo! Und hat zudem Beschlüsse gefasst, die für die Deutschen weit reichende Folgen haben. Von Hans Peter Schütz

Draußen herrscht Ruhe, drinnen denken Großkoalitionäre - das Kanzleramt in Berlin© DPA

Man darf Peter Ramsauer gratulieren. Sein Satz, je weniger beim Koalitionsgipfel herauskomme, desto besser sei es, wurde beherzigt. Der hörte sich beim ersten Hinhören destruktiv an, wie ein halber Grabgesang auf die Große Koalition. Aber der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag hat weise gesprochen.

Abwarten ist besser als Pfusch am Bau

Zu oft wird in der Koalition erst geredet, dann nachgedacht. Wird taktiert und intrigiert. Kommt die Profilneurose vor solidem Handwerk. So war es gut, dass die Beteiligten den Koalitionsgipfel am Sonntagabend zum Abkühlen ihrer erhitzten Gemüter nutzten und wieder ihren Verstand bemühten. Dass unterm Strich kein Ergebnis steht, ist zunächst zu verschmerzen, zumal ja für die nächste Sitzung in einer Woche Entscheidungen vorbereitet werden sollen. So bleibt es beim interessierten Publikum zwar bei dem öden Gefühl, dass irgendwann, irgendwie, irgendwas auf den Reformbaustellen der Republik etwas geschehen soll. Aber die Wartezeit ist allemal besser als weiterer Pfusch am Bau. Genau dies wäre es doch gewesen, wenn in Sachen Pendlerpauschale im Schweinsgalopp die Reform der Reform beschlossen worden wäre. Man stelle sich doch nur mal die Blamage vor, wenn jetzt die momentane Regelung gekippt, die alte mit dem Steuervorteil ab dem ersten Kilometer wieder eingeführt worden wäre - und das Verfassungsgericht doch die Regelung ab dem 21. Kilometer gebilligt hätte. Ein Steuerchaos wäre die Folge gewesen.

Kein Schnellschuss beim ALG I

Gut auch, dass beim Projekt eines längeren Arbeitslosengeldes für Ältere auf den politischen Schnellschuss verzichtet wurde. So bleibt die Hoffnung, dass die von der SPD betriebene populistische Verlängerung am Ende wenigstens kostenneutral ausfällt und kein neues Loch in die Etatplanung von Finanzminister Steinbrück reißt. Dass sie von der Sache her mit Blick auf den Arbeitsmarkt schädlich ist, bestreiten auch in der SPD viele nicht, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Bleiben der Mindestlohn in der Postbranche und der verpfuschte Bahn-Börsengang. Beim Mindestlohn müssten sich binnen einer Woche wohl verlässliche Daten zur Zahl der Beschäftigten beschaffen lassen. Und bei der Bahn verbietet sich ohnehin eine Hoppla-Hopp-Entscheidung.

Gerechte Lösung bei der Erbschaftsteuer

Nach dem lautstarken Kleinkrieg der vergangenen Tage muss unterm Strich zur Kenntnis genommen werden, dass diese Zwangs-Koalition doch noch ab und an positive Ergebnisse zustande bringt. Die Eckpunkte für die Erbschaftsteuerreform stehen. Das Ergebnis ist vernünftig, denn nahe Verwandte werden künftig besser gestellt, Familienfremde dagegen schlechter. Das ist gerecht. Und bei Betriebsübergaben kommt das so genannte Abschmelzmodell. Wenn Firmenerben Arbeitsplätze erhalten, müssen sie für den Großteil des Erbes keine Steuern bezahlen. Wenn sie nur abkassieren und sich mit dickem Geldbeutel in die Karibik verdrücken, müssen sie kräftig zahlen. Geschieht ihnen recht. Der Oma ihr klein Häuschen bleibt in jedem Fall unangetastet.

Vernünftige Vorschläge für das Unterhaltsrecht

Zu begrüßen auf der Habenseite der Koalition ist schließlich die Reform des Unterhaltrechts. Dass endlich, endlich Kinder von Eltern ohne Trauschein denen mit Eltern mit Trauschein gleichgestellt werden, ist seit langem überfällig. Lange genug ist es dem konservativen Flügel in der Union gelungen, einen gesellschaftspolitisch unhaltbaren Zustand aufrecht zu erhalten. Dieses Land braucht alle Kinder - mit gleichen Rechten allerdings. Niemand ist in der Lage zu erklären, weshalb Kinder ohne Trauschein der Eltern bisher mit weniger Unterhalt auskommen mussten. Weil sie "Kinder der Sünde" waren? Und ebenso richtig ist der Beschluss, dass die Unterhaltszahlungen für die Mütter nicht unendlich laufen, sondern begrenzt werden. Irgendwann müssen sie ihr Leben wieder selbst verantwortlich in die Hand nehmen.

Unterm Strich der politischen Entscheidungen der letzten Tage steht die weise Erkenntnis der Koalitionspartner, dass sie die Pflicht haben, den Rest der Legislaturperiode halbwegs gesittet mit ordentlicher Arbeit hinter sich zu bringen. Die Wähler könnten sonst 2009 leicht auf den Gedanken kommen, Rot und Schwarz noch einmal für weitere vier Jahre zur Zusammenarbeit zu verurteilen. Das wäre dann in der Tat die Höchststrafe. Für die Beteiligten, mehr noch für uns Bürger.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Punito (05.11.2007, 14:14 Uhr)
Es geht um Kostensenkungen

im Staat . Wer anderes von den Regierenden erhofft , dem ist nicht mehr zu helfen .
Die neue Unterhaltsreform wird auch
den unehelichen Kind nichts nutzen ,
falls die Kindesmutter keinen gut
bezahlten Job aufzuweisen hat .
Angenommen der Kindesvater zahlt
einen Unterhaltsbetrag nach der Düsseldorfer Tabelle ,wird dieser
Betrag der berufstätigen Mutter
bei Beantragung eines Aufstockungsunterhaltes bei der Bedarfsberechnung als Einkommen angerechnet .
Bei einer HartzIV-Lebenslage sieht
es genauso prekär für Mutter und Kind aus .
Vorteile hat nur die kommunale
ARGE . Hoher Kindesunterhalt erspart
der Behörde Sozialausgaben für die
Mutter .
Außerdem , wenn diese Neuerungen erst im Jahr 2013 greifen werden ,
was geschieht mit den rund 450.000
Kindern in der Zwischenzeit , die Jahr um Jahr hinten anstehen ?

Malt (05.11.2007, 13:45 Uhr)
Das ist doch wie immer..
..nur Komödienstadl statt großes Kino! Diese Schmierenkomödianten gehören sich alle in einen Sack gestopft und in den Rhein geworfen!
H.P. (05.11.2007, 13:44 Uhr)
eine andere Politik.
Es wird viel geredet und wenig getan um das Volk weiter zu drangsalieren. Die Macht geht vom Volke aus, wenn es so wäre, hätten wir ein andere Politik. Ich hoffe nur das sich die Zeiten ändern und das System in sich zusammenbrechen wird damit endlich was neues entstehen kann. All das Gerede kann man nicht mehr anhören, die Platte hat einen Sprung, ein Schritt nach vorne und zwei Schritte wieder zurück, zuletzt bleibt alles beim alten ohne einen wirklichen Durchbruch zu erzielen und dafür all der ganze Aufwand den der Steuerzahler mitfinanziert. Was hätten wir ein Reichtum in Deutschland, hätten wir eine andere Politik.
master_of_chaos (05.11.2007, 13:23 Uhr)
Unterhalt
Bevor ich mich zu früh freue, wären genauere Informationen über da neue Unterhaltsrecht von Vorteil.
Aber vielleicht kan nich nun endlich eine neue Familie aufbauen, was ich mir Aufgrund ewiger Unterhaltszahlungen an meine Ex einach nicht leisten konnte.
Es wäre wünschenswert gewesen, zudem noch eine Steuerliche Anerkennung der Unterhaltszahlungen in Form der LSK 3 zu gewähren.
iovialis (05.11.2007, 12:04 Uhr)
Dann sollen sie doch mal...
Wenn sich Frau Merkel lieber im Ausland herumtreiben will, dann soll sie doch mal mit ihrer Regierung etwas beschließen, das ein paar Jahre, wenn nicht gar Jahrhunderte Bestand hat. Dann braucht es nur noch ein paar Verwaltungsangestellte, die das im Griff haben und sie kann sich als wirklich große Gönnerin in die Weltgeschichte einschreiben. Warum tut sie's aber nicht und reist trotzdem?
Hier, in der Ukraine, ist man immer heil froh, wenn das Parlament nicht regieren kann. Dann herrscht nämlich Stabilität und es kommen nicht dauernd neue Gesetze heraus. Aber stattdessen macht man "Try and Error", statt mal nachzudenken und die Langfristigkeit zu prüfen - auch in Deutschland. Die "Versuchskaninchen" sind die Bürger und die wählen auch noch solche Chaoten!
.
http://www.iovialis.org/download
http://www.psgd.info
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