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1. November 2007, 11:07 Uhr

Die Vollgasbremser

Mit Herzblut hat die SPD-Basis das Tempolimit für Deutschlands Autobahnen beschlossen. Dabei ist höchst zweifelhaft, ob der Plan jemals umgesetzt wird. Denn einige Ober-Genossen wissen genau, wie sie das Vorhaben elegant ausbremsen können - allen voran Umweltminister Gabriel. Von Hans-Peter Schütz

SPD-Vorschlag Tempolimit bei 130: "Gib Vollgas und stehe dabei auf der Bremse, dann ist Stillstand garantiert."© Holger Hollemann /DPA

Ganz großes Ehren-Indianerwort: Wir haben bei stern.de ganz korrekt berichtet. Die Sozialdemokraten haben auf ihrem Hamburger Parteitag tatsächlich ein Tempolimit 130 auf den Autobahnen mit satter Mehrheit beschlossen. Einfach toll, die Genossen. Geben endlich mal richtig Gas. Treten aufs Pedal bei Klimaschutz und Verkehrssicherheit, schaffen Friede und Freude auf unseren Autobahnen. Machen den Himmel über der Ruhr jetzt so blau, wie es uns einst schon SPD-Übervater Willy Brandt versprochen hatte.

Denkste. Denn jetzt lernen wir, wie das in der Politik wirklich läuft. Da geht es nach einem Prinzip, das jeder Fahrschüler in der ersten Stunde lernt. Gib Vollgas und stehe dabei auf der Bremse. Dann ist Stillstand garantiert. Nichts kann passieren. Ein typischer Vollgasbremser dieser Machart ist Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Symbolpolitisch betrachtet ist er natürlich mit Herz und Seele für Tempo 130. Da gibt er Gas.

So ein Gutachten dauert und dauert und dauert

Koalitionspolitisch indes steht er auf der Bremse. Und das geht so: Erst mal muss ein Gutachten her, um festzustellen, wie viel Kohlendioxid durch eine Tempolimit eingespart werden kann. So ein Gutachten dauert und dauert und dauert. Und dann muss auch erst einmal gemessen werden, ob auf den Autobahnen überhaupt noch Tempo 130 gefahren werden kann. Wo wir doch täglich im Stau stehen. Sollte das der Fall sein, sind die Genossen fein raus.

Bräuchte man dann ja gar nicht mehr anfassen, das heiße Eisen Tempo 130. Ist es dann immer noch nicht vom Tisch, ließe sich weiterer Zeitgewinn durch die Einsetzung einer Tempo-130-Kommission erwirtschaften. Schlüssig auch das Argument, in Deutschland müsse nicht unbedingt Tempo 130 eingeführt werden, so lange nicht auch Nepal zu einem Tempolimit bereit sei. Dass es dort überhaupt keine Autobahn gibt, weiß ja nicht jeder. Ist dann der Hamburger Parteitagsbeschluss immer noch nicht im Parteiarchiv verschwunden, empfiehlt sich ein Tempo-130-Hearing unter dem speziellen Gesichtspunkt, ob denn ein solches Tempolimit der Tierwelt nicht unnötige Quälerei aufbürde. Schließlich ist man je schneller tot, desto zügiger man überfahren wird.

Hehre Parteitagsbeschlüsse killen

Man kann natürlich hehre Parteitagsbeschlüsse auch auf eine viel einfachere Weise killen. Man zuckt einfach mit den Schultern wie SPD-Fraktionschef Peter Struck und erklärt der doch arg naiven Basis die höhere politische Taktik, die im Bundestag zu praktizieren ist: Parteitagsbeschlüsse sind Beruhigungspillen für die Ortsvereine, richtige Politik wird in der Bundestagsfraktion gemacht. Die sieht dann so aus, dass man einfach nichts macht, weil ja der Koalitionspartner etwas dagegen haben könnte. Man wartet einfach auf die nächste Bundestagswahl.

Falls man dort verliert, wie dies ja für die SPD zu erwarten ist, dann wartet man auf die übernächste. Undsoweiter, undsofort. Die roten Vollgasbremser könnten sich natürlich auch darauf verständigen, den Antrag der Grünen auf ein Tempolimit 130 schlichtweg zu unterstützen. Die rot-rot-grüne Mehrheit wäre sicher, selbst ein paar Schwarze würden zitternd das Händchen im Parlament dafür heben. Leider setzt das Volksvertreter voraus, die sich für schöne Diäten und den sicheren Listenplatz nicht das Rückgrat und das Recht auf eine eigene Meinung abkaufen lassen.

Von Hans-Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
ganzbaf (03.11.2007, 08:14 Uhr)
Es gibt nur ein Argument gegen ein Tempolimit:
Nepal.
Und 194 dafür: Rest of the World.
;-Pp
MarkusMcFly (01.11.2007, 23:36 Uhr)
Neid
Wenn man die Kommentare liest, merkt man deutlich; Hier wird nicht der Neid der Tempolimitbefürworter artikuliert, sondern vielmehr die ANGST der Autobenutzer, in Zukunft nicht mehr Vollgas geben zu dürfen. Ich denke das spricht für sich.
cigar (01.11.2007, 21:52 Uhr)
Polemisch einseitiger Artikel!
Sehr geehrter Herr Schütz,
zunächst einmal, wenn Sie eine Mehrheit von zwei! Stimmen auf einem Parteitag als "satte" Mehrheit bezeichnen - darf ich dann an Ihren kommunikativen oder journalistischen Fähigkeiten zweifeln?
Des weiteren ist in dem gesamten Artikel nichts als Polemik enthalten. Ein sinnvolles Argument für ein Tempolimit bringen Sie nicht - wie auch - es gibt schließlich keines. Argumente gegen ein Tempolimit gibt es Tausende, aber auch hier hüllen Sie sich in Schweigen.
Schade. Von einem Journalist sollte man mehr erwarten können.
crabbit (01.11.2007, 16:45 Uhr)
...
deutsche sprach, schwere sprach. müßte es statt "Schließlich ist man je schneller tot, desto zügiger man überfahren wird." nicht heißen: ...ist man umso schneller tot, je schneller... -?
.
außerdem möchte ich auf einen forumsbeitrag hinweisen, in dem jemand dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen 2005 die frage nach dem tempolimit gestellt und freundlicherweise deren antwort veröffentlicht hat: http://forum.auto.freenet.de/app/m/_t140587c1084pf-1auto_Generelle_Geschwindigkeitsbegrenz_ung_auf_BAB_PreisSchock_an_der_Tankstelle_Auto_Verkehr.html
.
also wenn das ministerium schon so denkt...
Nobilitatis (01.11.2007, 16:34 Uhr)
Argumente dagegen
Ganz formalistisch: Man wird langsamer. Es ist eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Es ist nicht sinnvoll begründet. Die Befürworter sind vorzugsweise Leute, die nicht Auto fahren wollen oder können (Neiddebatte). Warum ausgerechnet 130? Es gibt ebenso viele Argumente gegen ein Tempolimit wie dafür. Nur sind die nicht geheuchelt. Da, wo ein Tempolimit in Deutschland begründet werden kann, gibt es nämlich schon eines. Man erkennt es an diesen rot umrandeten runden Schildern.
km2000 (01.11.2007, 16:25 Uhr)
Gesucht: Argumente GEGEN das Tempolimit
Ich hab noch keine gefunden. ;-)
Nobilitatis (01.11.2007, 16:02 Uhr)
Autoindustrie
So, die sind jetzt plötzlich schuld? Tempo 130 und schon gibts keine Staus mehr und alle haben sich lieb? Wovon träumen Sie nachts?
Rußpartikelfilter hab ich hierzulande bereits 1992 sehen können. Im Dauerbetrieb. Und die Ökopleite mit dem VW Lupo hab ich auch erlebt. Keiner kauft sowas. Genau wie Hybridtechnik. Ob das die Lösung ist mal dahingestellt. Die größeren und schwereren Autos kommen ja wohl aus Amerika, dem Land der Energieverschwender. Der Autoindustrie kannn man höchstens vorhalten, dass sie nicht via Chrysler die Amerikaner umerzogen haben. Und all die Tempo-130-Spinner hier: Ich glaube Euch das erst, wenn Ihr ganz dringend irgendwo hin müsst und DANN trotzdem brav Eure 130 fahrt. Möglichst mit einem Hybridauto!
SUVXMQ650PS (01.11.2007, 15:49 Uhr)
Warten wir mal ab
Ich bin inzwischen klar für Tempo 130! Weniger Gedränge, weniger Staus, weniger CO2. Auch ich fahre gern schnell aber da gibt es die Kliemaerwärmung und die langsam zur Neige gehenden Rohstoffe. Den Preis für Rücksichtsloses Denken und handeln werden wir und künftige Generationen Weltweit zu Zahlen haben. Den Politikern Vertraue ich schon lange nicht mehr, denn die haben als allererstes die eigenen Interessen(Pensionen, Diäten usw.) und die Interessen der Menschen in ihrem direkten Umfeld im Blick. Von der Deutschen Autoindustrie erwarte ich auch nichts mehr, denn wenn die praktisch jeden Vernünftigen Trend verpennen(Rußpartikelfilter, Hybridtechnik) und stattdessen Autos baut die noch heute immer schwerer und immer größer und stärker werden (Autos die die Welt nicht braucht) wundert mich nichts mehr. Leider wird letztendlich die Entscheidung -Tempo130- von Menschen getroffen die die Dicken Autos fahren und jeden Benzinpreis locker zahlen können.
Raknarak (01.11.2007, 15:40 Uhr)
@chatahootchee
na darum ist doch auch alkohol legal und cannabis nicht, der regt auch zum denken an und der alkohol nicht......
da kommt es auch diesen artikel doch auch nicht mehr an.
chatahootchee (01.11.2007, 15:37 Uhr)
Achtung: Falle
Merkt Ihr es denn nicht: Diese Diskussion ist ein Ventil fuer den kleinen Mann, mal Dampf abzulassen. Fuer echte Probleme hat er dann keine Luft mehr. Und Ihr trappt voll hinein.
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