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21. September 2005, 14:33 Uhr

Die Wespe mit dem grünen Stachel

Seit dem 18. September hat Deutschland Farbe bekommen: Nicht nur hat das Wahlergebnis schwarz-gelb-grüne Fantasien ausgelöst. Schaut man es sich genau an, dürfte es eigentlich keine andere als die Jamaika-Koalition geben. Von Jens Lubbadeh

Sympathisant einer Jamaika-Koalition mit der Flagge des Karibik-Staats in München. Nicht nur Unionspolitiker versuchen sich langsam an den Gedanken einer Jamaika-Koalition zu gewöhnen© Diether Endlicher/AP

Politische Farbenspiele in Deutschland waren bisher alles andere als polychrom: Schwarz und Gelb hatten wir mehrmals, ganz kurz auch mal Schwarz-Rot und Rot-Grün bis vor kurzem. Auch im Ausdenken von Namen für all diese Konstellationen brauchte man bislang nur ein begrenztes Maß an Fantasie. "Ampel-Koalition" war da noch das spektakulärste. Für Schwarz-Gelb hat sich schließlich gar keiner mehr die Mühe gemacht, einen deftigen Namen zu finden. "Wespenkoalition" zum Beispiel. Ganz offensichtlich gibt es in der Politik nicht genug Biologen - dafür zu viele Physiker...

Auf einmal müssen sie reden: Schwarz mit Grün, Sponti mit Yuppi

Seit dem 18. September 2005 ist das alles anders. Eine neue Konstellation bereichert das müde Kaleidoskop deutscher Politik: "Schwampel" hatte man zunächst eine Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen genannt. Musischer veranlagte Menschen haben sich dafür einen viel besseren Namen ausgedacht: "Jamaika-Koalition" - in Anlehnung an die Landesfarben des Karibik-Staates, der nicht nur bei Joschka Fischer angenehme Assoziationen von Dreadlocks, Bob Marley, Joints und gutem Reggae auslöst.

Die Karten möglicher Koalitionen wurden nach dem 18. September 2005 neu gemischt© Keystone

Zur Zeit versuchen sich sowohl Politiker der drei Jamaika-Parteien an dieses neue Gedankenexperiment zu gewöhnen, als auch der gemeine Wähler - der das ja eigentlich alles erst ausgelöst hat. Wenn diese Wahl neben (selbsternannten) Gewinnern, allgemeiner Konfusion und arroganten Machtansprüchen eines bewirkt hat, dann dieses: Leute, die bislang als unversöhnliche Kontrahenten galten, müssen sich auf einmal als mögliche Partner betrachten. Rechts muss mit Links reden, Schwarz mit Grün, Sponti mit Yuppi, Bayer mit Preuße. Ein absolutes Novum in der Geschichte der Bundesrepublik!

Zunächst sollte man ganz nüchtern fragen, was der Wähler mit diesem Ergebnis überhaupt wollte. Eins zumindest auf keinen Fall: die Wespenkoalition - selbst wenn die FDP einer der zahlenmäßig belegbaren Gewinner dieser Wahl war. Hätten die Deutschen Schwarz-Gelb gewollt, hätten es nicht dieses desaströse Ergebnis für die Union gegeben. Die CDU/CSU hat verloren und doch gewonnen. Verloren, weil vermeintliche Mehrheiten verspielt wurden. Gewonnen aber dennoch auf dem Papier (auch wenn die SPD nun mit Taschenspielertricks die Mehrheit der Union demontieren will). Rot-Grün wurde auch abgewählt, wobei die Grünen relativ stabil in ihrem Ergebnis blieben. Letzter deutlicher Gewinner dieser Wahl war die ungeliebte Linkspartei.

Der Wähler hat Jamaika gewählt

So gesehen haben am 18. September vier Parteien per Wähler einen Regierungsauftrag erhalten: CDU/CSU, FDP, Grüne und die Linkspartei. Letztere wollen nicht regieren und keine Partei will mit ihnen. Also sollte eine neue Regierung nach Willen des Wählers CDU/CSU, FDP und die Grünen beinhalten.

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