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10. September 2009, 20:34 Uhr

Eine Zukunftschance für Opel

General Motors verkauft Opel an Magna, alle vier Betriebsstandorte sollen erhalten werden, und die Regierung jubelt. Doch es gibt noch viel zu tun. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Hat noch einiges vor sich: Chefunterhändler John Smith bei der Pressekonferenz zum Verkauf von Opel© Philipp Guelland/DDP

Man kann gut verstehen, dass die Kanzlerin jubelt, dass Kanzlerkandidat Steinmeier glücklich ist, dass NRW-Ministerpräsident Rüttgers, der selbst ernannte Arbeiterführer mit CDU-Parteibuch, applaudiert und die Gewerkschaften tief erleichtert durchatmen. Wäre die Opel-Rettungsaktion missglückt, mitten in der Schlussphase des Wahlkampfs, sie alle hätten ziemlich blamiert auf der politischen Straße zum Wahlsieg gestanden. Als Akteure, die sich übernommen, verkalkuliert und am Steuer blamiert haben.

Neuanfang mit vielen Risiken

Sie können jetzt hoffen auf ein Happyend der Opel-Operation. Die noch offenen Details des Finanzierungspakets dürften lösbar sein. Tröstlich auch, dass zumindest vorerst die vier deutschen Opel-Werke erhalten bleiben sollen. Aber die Akteure stehen vor einem Neuanfang mit vielen Risiken, unvermeidbaren noch kommenden schmerzlichen Entscheidungen und ohne Garantien für die Ewigkeit. Verkürzt gesagt: Niemand weiß, wie lange es den Opel-Standort Bochum beispielsweise tatsächlich noch geben wird, auch wenn er zunächst einmal überlebt hat. Nur "derzeit" werden die vier deutschen Opel-Produktionsstätten weiter gefahren.

Die Bedingungen, an die Magna und die Russen ihren Einstieg in neue Opel-Gesellschaft gestellt haben, sind sehr interpretationsfähig. Sicher ist, ohne Kurzarbeit wird die weitere Rettungsoperation nicht möglich sein. Ebenso ohne Personalabbau, der vielleicht sogar über die jetzt genannte Ziffer von 3000 Arbeitsplätzen hinausgeht. Niemand weiß, wie sich die Betriebskultur bei Magna definiert, wie gut die angekündigte Einbeziehung der Gewerkschaften ins Gesamtpaket der Rettung funktioniert.

Unterm Strich steht damit vorläufig: Opel hat eine Zukunftschance. Mehr nicht. Die Rettung ist keine garantierte Sache. Wie nachhaltig die gefundene Vereinbarung trägt, wissen vermutlich nicht einmal jene nicht, die sie an Ende unterzeichnen. Mit dem Geld der Steuerzahler ist zunächst ein Kollaps von Opel im Wege einer Notoperation verhindert worden. Gesunden muss der Automobilbauer erst noch.

Was heißt: die Firma Opel muss erst einmal wieder Autos bauen, die auf dem mit Überkapazitäten reichlich ausgestatteten globalen Automobilmarkt gewinnbringend verkauft werden können. Lange genug ist von General Motor hilflos am Image von Opel herumgedoktert worden. Es muss daher nicht nur der deutsche Markt wieder zurück erobert werden, die Zukunftsmärkte Russland, Indien und China sind von der Konkurrenz längst mit überaus wettbewerbsfähigen Produkten ins Visier genommen worden.

Keine Rettungsaktionen auf Kosten der Steuerzahler

Niemand weiß, mit welchem Automobilkonzept die sicherste Überlebenschance auf diesem hart umkämpften Markt zu erobern ist. Viel zu lange hat man bei Opel nicht begriffen, dass über die Marktchancen weder der Preis noch die PS-Zahlen allein entscheiden. Energiesparkonzepte und Umweltfreundlichkeit müssen hinzukommen, um am Ende dann doch nicht zum Auslaufmodell beim Händler degradiert zu werden. Wie der Weg vom einst belächelten zum erfolgreichen Marktteilnehmer aussehen muss, können die Opelianer bei Audi besichtigen.

Und die Politik muss begreifen und akzeptieren, dass sie mit weiteren Rettungsaktionen auf Kosten der Steuerzahler nicht noch einmal kommen darf. Denn marktwirtschaftlich logisch war nicht im geringsten, was sich die Große Koalition bei Opel geleistet hat. Sie wollte nicht nur Opel retten, sondern vor allem sich selbst.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Margrit1 (11.09.2009, 22:17 Uhr)
Rettung?
Opel wird in ca. 4 Jahren Geschichte sein, dann gehen die Lichter in Deutschland für Opel aus.
Sobald der russ. Autokonzern das Know how von Opel hat, wird in Russland produziert.
Der angeschlagene russ. Konzern kann sich nun erst einmal mit deutschem Steuergeld sanieren, ist doch eine feine Sache.
Die dummen Deutschen kapieren gar nicht, was alles abläuft, sie sitzen immer noch ruhig auf dem Sofa
Mein Gott, wie kann ein Volk so dumm sein. Hätten wir ordentliche Gewerkschaften, würden die es schaffen, dass Millionen endlich mal auf die Straße gehen. Anders kapieren die in Berlin doch garnicht, was sie für Volks- und Landesverräter sind
Corazito3333 (11.09.2009, 09:37 Uhr)
vollkommen sinnlos Opel zu "retten"
wie Silbador schon ausführt - ist nur eine Verschwendung von Steuergeldern, der falsche Weg. Wer soll soviele Autos kaufen???? Für was werden sie produziert für den Schrott????
cologne237 (10.09.2009, 21:49 Uhr)
Eklat bei der Opel Treuhand
...Magna bringt mit zehn Prozent weniger Eigenkapital mit als Mitbewerber RHJI. Wenn es sich nicht ändert, hat das Opel-Management keine andere Chance, als 2010 zum Insolvenzrichter zu gehen?, sagte Wennemer.

Der Vertreter der Bundesländer, Dirk Pfeil kritisierte die Entscheidung für Magna harsch: ?Ich bin im Hauptberuf Insolvenzverwalter. Jetzt wissen Sie, wer sich enthalten hat?, sagte er. ....aus Welt online
Silbador (10.09.2009, 20:46 Uhr)
Begrenzte Welt - unbegrenztes Wachstum?
Ich persönlich habe wenig Hoffnung, daß Opel dauerhaft überlebt. Das, was Opel bietet, bieten andere auch und das oft günstiger, (leider) meist auch besser.
Opel wird es nicht leicht haben - Deutschland ist mit Klein- und Kompaktwagen erst einmal gesättigt, die Mittelklasse tut sich schwer, Diesel sind verbrauchsgünstig aber steuerlich benachteiligt, Benziner von Opel sind derzeit nicht sehr attraktiv. Ganz Europa hadert mit der automobilen Zukunft. das einzig attraktive Modell, der Insignia ist nur mit Dieselmotor interessant, die Standfestigkeit der Motoren ist fragwürdig. Drallklappen, Ansautrakt usw. Probleme über Probleme. Wurde in den letzten Jahre noch so stark gemogelt - "Opel, Deutschlands bester Gebrauchtwagen" (laut Bild) - sprach die Pannenstatistik doch eine andere Sprache: Opel, Ford und Renault, die Schlußlichter in der Pannenstatstik.
Quo Vadis Opel? Ist halt lange her, daß Opel als zuverlässig galt und VW ernsthaft Konkurrenz bot. Kadett GSI und Manta GTE, so etwas bräuchte Opel heute mal wieder. Die Hoffnung stirbt zuletzt und nun kommt ja der neue Astra - mal sehen, vielleicht schlägt der ja ein?
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