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22. Mai 2008, 14:41 Uhr

Köhler vs. Schwan: Faszinierendes Duell

Bundespräsident Horst Köhler will es noch einmal wissen, und die SPD wird Gesine Schwan aller Voraussicht nach ins Rennen schicken. Das erneute Duell der beiden Kandidaten ist mehr als nur der Wettbewerb zwischen zwei Personen. Jetzt steht die Entscheidung zwischen den beiden Partnerparteien der Großen Koalition bevor. Von Hans Peter Schütz

Horst Köhler will sich für eine zweite Amtszeit als Bundespräsident bewerben, Gesine Schwan stellt sich wohl ebenfalls zur Wahl© Robert Michael/DDP

Alle Achtung! Horst Köhler hat die Herausforderung einer Kampfkandidatur ums Amt des Bundespräsidenten angenommen. Vielleicht auch deshalb, weil er sich nicht als ein amtierender Präsident beschrieben sehen wollte, der nur dann für eine zweite Amtszeit bleiben will, wenn sie ihm auf dem Silbertablett einer übergroßen Mehrheit serviert wird. Und natürlich ist es ein faszinierendes Ereignis für die Bundesrepublik, wenn jetzt die beiden Menschen wieder gegeneinander antreten, die dies schon vor vier Jahren getan haben.

Das erneute Duell Gesine Schwan gegen Horst Köhler ist bei diesem Kräftemessen im Übrigen mehr als nur der Wettbewerb zwischen zwei Personen, wie dies letztlich vor vier Jahren der Fall war. Jetzt steht bei überaus knappen Kräfteverhältnissen in der kommenden Bundesversammlung die Entscheidung zwischen den beiden Partnerparteien der Großen Koalition bevor. Zwischen zwei Volksparteien, deren Gemeinsamkeiten längst aufgebraucht sind, die mehr gegen- als miteinander arbeiten.

Zudem wird Gesine Schwan mit Sicherheit erneut eine Bewerberin, die ihre Kandidatur mit klaren politischen Argumenten unterlegen wird. Das wird für CDU/CSU und FDP auf der einen Seite keine Schmeicheleien für ihren künftigen politischen Kurs bringen. Und der SPD-Führung werden mit Sicherheit all jene Fragen nach dem künftigen politischen Kurs gestellt werden, an denen sich die amtierende SPD-Führung – Kurt Beck und Frank-Walter Steinmeier voran – bisher vorbeidrückt haben.

Es ist zwar richtig, dass die SPD sich bisher noch nicht offiziell zur Frage geäußert hat, ob sie tatsächlich noch einmal mit Gesine Schwan antritt. Aber letztlich kommt sie an dieser Kandidatin gar nicht mehr vorbei, auch wenn viele potenzielle SPD-Wähler durchaus mit Köhler zufrieden sind.

Die Hälfte der SPD-Bundestagfraktion will Gesine Schwan, mindestens die Hälfte. Altkanzler Gerhard Schröder hat soeben zu ihrem 65. Geburtstag eine Laudatio auf sie geschrieben. Er hat von ihrer politischen Klugheit und ihrer strategischen Weitsicht geschwärmt und massiv die Hoffnung zu Papier gebracht, dass diese Frau der Politik in Deutschland unbedingt mit Rat und Tat verbunden bleiben solle. Dass der Altkanzler dies getan hat bei einer Frau, die einst von Willy Brandt wegen Missachtung des damaligen linken Kurses der SPD aus der Grundwertekommission geworfen wurde, macht sein Loblied zusätzlich bedeutend. Schröder hat damit Beck gesagt, wo es hingehen muss.

Signal für eine Volkspartei

Die SPD-Führung ist gut beraten, wenn sie sich jetzt zu Gesine Schwan nicht nur als Notnagel bekennt, der ihr von linken Teilen der Partei und dem Altkanzler gegen ihren Willen ins Fleisch getrieben worden ist. Sie muss vor allem endlich den Mut finden, sich zu dieser Frau ebenfalls zu bekennen. Es darf für die SPD keine Rolle spielen, dass wahrscheinlich auch die Linkspartei am Ende für sie votieren wird. Die polemische Behauptung einiger führender Genossen, dass damit angeblichen Verfassungsfeinden die Hand für eine Koalition nach der Bundestagwahl gereicht werde, ist absurd.

Gesine Schwan ist das Signal der immer noch existierenden Volkspartei SPD, dass in ihr noch Persönlichkeiten existieren, die sich mit einem Horst Köhler ebenso messen können wie mit einem Oskar Lafontaine. Würde nun auch ihre Kandidatur in den Treibsand politischer Taktiererei gesetzt, durch den sich Beck und Steinmeier vor allem auszeichnen, dann muss man die Volkspartei SPD tatsächlich abschreiben.

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Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
manesse (22.05.2008, 20:17 Uhr)
Es ist doch klar:
Weder Köhler noch Schwan glauben daran, in den ersten beiden Wahlgängen die notwendige absolute Mehrheit der Stimmen erzielen zu können. Beide spekulieren auf den dritten Wahlgang. Da genügt die relative Mehrheit der Stimmen. Wir werden wahrscheinlich das erste Mal ein Staatsoberhaupt bekommen, das nicht von einer absoluten Mehrheit der Bundesversammlung gewählt wurde. Es ist derzeit müßig, darüber zu spekulieren, wer die Nase vorne haben wird. Das aber heißt: Frau Schwan ist keinesfalls chancenlos.
babylon (22.05.2008, 19:48 Uhr)
vegefranz
Sie haben recht, aber da die ewig gestrigen nie aussterben wäre herr krenz wohl eher bei 15% anzusiedeln.
Herr Köhler macht doch einen guten job und stellt sich oft vor das volk und gegen die abgeordneten. Das war bei seinen beiden vorgängern nicht so!
Latze (22.05.2008, 19:01 Uhr)
Müntefering????
manesse, der Witz war Göttlich! Oder haben Sie das ernst gemeint?
manesse (22.05.2008, 18:49 Uhr)
Es ist gut,
dass die SPD offenbar eine Gegenkandidatur ins Spiel bringt. Bislang hat der Herr Köhler wohl geglaubt, es gäbe die Bundespräsidentenstelle im Doppel-Abo. Und dem ist eben nicht so. Im Stern-Artikel wir irgendwo von Köhlers Persönlichkeit gesprochen. Die ist mir bislang nicht als besonders eindrucksvoll aufgefallen. Er war bislang einer der fadesten und ideenlosesten Bundespräsidenten überhaupt, außerdem ein schlechter Redner, der nichts zu sagen hat, es sei denn, er redet dem Mainstream nach dem Munde. Der Mann ist eine einzige stocksteife und ungeschickte Marginalie. Schade, dass die SPD die Chance nicht genutzt hat und durch einen gewichtigen Gegenkandidaten wie etwa Müntefering den Amtsinhaber blamiert und in den Senkel gestellt hat. Frau Schwans persönliche Defizite in Sachen Repräsentation sind ja gleichfalls offensichtlich. Sie wird dem Köhler wohl kaum an den Karren fahren können.
chrgue (22.05.2008, 17:21 Uhr)
Sportduell?
Die SPD betrachtet die Wahl zur Vergabe des höchsten Amtes im Staate als sportliches Duell. Ich kann dem nicht zustimmen, denn 1. War Köhler bisher ein Präsident, der klug handelte und höchste Anerkennung im Ausland geniesst. 2. Hat Frau Schwan schon alleine vom äußeren Erscheinungsbild eher die Prädestinenz Gattin von Prinz Charles zu sein 3. Wäre die politische Konsequenz schlichtweg ein weiteres Nach-Links-Rücken dieses Landes. Wer das will, mag die Fregatte wählen.
oscarherz (22.05.2008, 17:00 Uhr)
für Schwan
Es ist die logische Konsequenz für die SPD Gesine Schwan aufzustellen, denn merke, SchwarzGelb ist in der Bevölkerung seit langem nicht mehr mehrheitsfähig und Köhler ist eben deren Repräsentant. Selbst Allensbach, bestimmt nicht Rot-Rot-Grün verdächtig, sieht diese Lage seit Monaten.Herrn Güllner kann man vernachlässigen, da er zweifelsfreie exotische Ergebnisse fabriziert. In dieser Lage ist die Nominierung von Schwan folgerichtig, so daß eine echte Alternative für die Zukunft der Parteienlandschaft geboten ist. Dieses besonders, da Frau Schwan eine unverdächtige Vita aufzuweisen hat und die primitiven Schmutzwürfe ala Huber und Beckstein im Sande verlaufen werden.
vegefranz (22.05.2008, 16:59 Uhr)
überflüsig
was kann schwan, was köhler nicht auch könnte. die Wahl ist Geld- und Zeitverschwendung. Warum soll das ein "fazinierendes Duell" sein"? Bei ihrer Bürgerbefragung fehlt übrigens Egon Krenz. Bei den DDR-Fans der Linken käme der wohl auf 10%
Oetker333 (22.05.2008, 16:26 Uhr)
Oho
Köhler will es nochmal versuchen. Ich glaube nicht das Merkel wirklich ihn zum Präsidenten haben will, da er sich sehr oft in die Politik der Kanzlerin sich eingemischt hat. Aber Merkel hat keine Wahl! Wenn sie ihren eigenen damaligen Kandidaten nicht unterstützt dann wäre ihre Kanzlerzeit dem Ende geneigt. Ich finde es richtig dass die SPD eine eigene Kandidatin aufstellt. Man kann der SPD nicht zwingen einen Unionskandidaten zu wählen.
Latze (22.05.2008, 15:57 Uhr)
Wie der Herr,
so sein Geschär! Arme SPD. Es fängt bei Beck an und hört bei Schwan auf.
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