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22. Februar 2008, 09:18 Uhr

Kurt Beck? Der kann es nicht!

So darf keiner mit der SPD umspringen, nicht einmal deren Chef. Mit seinem Alleingang in Sachen Linkspartei hat Kurt Beck nicht nur den Hamburger Genossen einen Dolch in den Rücken gestoßen, sondern auch gezeigt, dass er die Regeln der Berliner Politik nicht begriffen hat. Fahrlässiger kann man seine Glaubwürdigkeit nicht verspielen. Von Hans Peter Schütz

Kann er's? SPD-Chef Kurt Beck© Michael Gottschalk/DDP

So kann man mit der SPD nicht umspringen. Da legt sie sich quer, diese stolze 144 Jahre alte Partei. Eigentlich müsste Kurt Beck dies wissen. Dass ein SPD-Vorsitzender nicht einfach pfeifen kann wie ein Schleifer bei der Bundeswehr. Die Methode funktioniert nicht. Das mussten schon ganz andere sozialdemokratische Kaliber schmerzlich erfahren. Nicht einmal vor der Parteiikone Willy Brandt machten die Genossen immer den gewünschten Bückling.

Vielleicht hat Beck immer noch nicht begriffen, dass auf der bundespolitischen Bühne mehr Überzeugungsarbeit verlangt wird als in der kuscheligen Mainzer Staatskanzlei. Dort ist die SPD mit allem zufrieden, was Beck wünscht. Hauptsache, er sichert Macht und Pöstchen in Rheinland-Pfalz.

Fahrlässiger Verlust der Glaubwürdigkeit

Becks Kurswechsel in Sachen Umgang mit der Linkspartei ist ja keine Premiere. Im Alleingang hat er sich auch von Gerhard Schröders Agenda 2010 und der alten Regelung des Bezugs von Arbeitslosengeld verabschiedet. Hat damit "nur" Franz Müntefering düpiert und all jene, die dem rotgrünen Kurs stets mit zusammen gebissenen Zähnen gefolgt sind. Und denen das Wort Solidarität noch Verpflichtung bedeutet. Die jüngste Nummer freilich zeichnet sich durch ganz besondere Betonung des Satzes aus "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern." Beck war es, der seiner SPD zumindest in den alten Ländern strenge Distanz zur Linkspartei verordnet hat. Beck war es, der dabei keine vernünftige Diskussion in der Parteiführung zuließ. Seine Stellvertreter sind jetzt einmal mehr zu Abnickern vom Dienst degradiert worden.

Das alles ist Politik aus dem Bauch heraus. Da sitzt der Parteichef gemütlich in der Kneipe beim Bier und plaudert darüber, auch noch vor Journalisten, man könne sich doch in Hessen schon mal bei der Wahl von Ypsilanti pampern lassen. Die Genossen müssen den Kurswechsel um 180 Grad in der Morgenzeitung lesen. Fahrlässiger kann man seine Glaubwürdigkeit und seinen Führungsanspruch nicht verspielen. Dass er damit der politischen Konkurrenz im Hamburger Wahlkampf einen Traumpass zugespielt hat, sei nur am Rande erwähnt. Dass Beck nun im Nachhinein eine "aktive" Zusammenarbeit mit den Linken ausschließt, ist dem Proteststurm geschuldet, der die SPD schüttelt. Er scheint immer noch daran zu glauben, es sei möglich, nur ein bisschen schwanger zu sein.

Die Demokratie ist kein Sandkasten

Nun könnte man sich schadenfroh die Hände darüber reiben. Jeder demontiere sich eben so gut er kann. Doch auch staatspolitisch gesehen ist Becks Alleingang ein Desaster. Es war von vornherein ein Fehler, dass er nach links sich zunächst strikt abgegrenzt hat. In Berlin wird doch mit Rot-Rot durchaus pragmatische Politik gemacht. Und in einem Parteiensystem, in dem künftig wohl auf Dauer fünf statt bisher drei oder vier Parteien operieren, muss über Bündnisse auf dem Wege politischer Kompromisse entschieden werden. Ideologische Barrieren führen lediglich in die Selbstisolation und das demokratische System in die Blockade - wie in Hessen exemplarisch zu besichtigen. Die SPD kann sich die Selbstblockade überhaupt nicht leisten. Hat sie unter Becks Kurs der Abgrenzung die 30-Prozent-Hürde überwunden? Nein. Wird sie es mit dem neuen Kurs des Herumeierns den Status einer Volkspartei zurückgewinnen? Eher nein. Sonst hätte sie aus den Wahlergebnissen in Hessen und Niedersachsen andere Schlüsse gezogen.

Die Demokratie ist kein Sandkasten, in dem man vom Wähler legitimierte Mitspieler zu Schmuddelkindern erklärt. Beck hat diesen Fehler zu verantworten.

Letztlich steckt dahinter seine Verzweiflung, dass es auch unter ihm mit der SPD in der Gefangenschaft der Großen Koalition nicht wieder nach oben geht. Ob das mit einem Parteichef gelingt, der heute Hü und morgen Hott schreit, darf bezweifelt werden. Ein Trost bleibt den Genossen: Die SPD hat in den vergangenen 15 Jahren reichlich Vorsitzende verschlissen. Auf einen mehr oder weniger dürfte es zumindest den Beck-Gegnern nicht mehr ankommen. Der Beck, der kann es einfach nicht.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 68)
 
Facti (25.02.2008, 15:19 Uhr)
Ungehöriger, dummer, frecher alter Mann
Waren die Worte Becks gegenüber einem frustierten, verbal protestierenden, bayerischen Bürger. "Ungehöriger, dummer, frecher, unfähiger, überheblicher, selbstüberschätzender, realitätsfremder, raffgieriger, Wählerverachtender alter Mann" kann man ihm nur noch nach dem Einbruch der HH-SPD infolge seiner gedankenlosen Äußerungen bzgl. der Linken in Hessen entgegnen.
cologne237 (24.02.2008, 13:38 Uhr)
ungehalten
...wenn ich diese Karikatur von einem Politiker sehe oder höre werde ich aggressiv. Wie ein viel zu dicker Friseur in den 70 er Jahren der 20 € mehr hat als sein Nachbar.
Solche Gefühle löst sonst nur der Anblick von Angela M. bei mir aus.
Beide sind verlogen
(MwSt),interpretieren Tatsachen wie sie wollen (alles nur Wahlsieger) und Deutschland wäre um einiges schöner,könnten wir sie ausweisen. Aber wie? Nur Wertstoffe dürfen ausgeführt werden und an denen ist nichts wertvolles.Aber Beck ist für sein ganzens Leben gestraft und wir müssen ihn nur noch kurze Zeit ertragen Der befördert sich alleine ins Abseits.
angerston (24.02.2008, 11:58 Uhr)
Eingebuergert29
WAS SIND DEN SIE FÜR EINER ????
ecomoc4u (24.02.2008, 03:59 Uhr)
hauptsache roland koch geht
mal ehrlich. so schlimm ist der mann nicht. man darf nicht übersehen, dass er eine gewisse (naive) ehrlichkeit hat. das hatte rudolf scharping ja dann doch nicht.
das ist somit fast das wichtigste was man heutzutage haben muss.
alles andere wird sich schon einpendeln.
OskarRumpel (23.02.2008, 20:11 Uhr)
Beck zurück in die Provinz
Diesem Provinzheini ist die Berliner Politik einige Nummern zu groß. Niemand außer Beck glaubt ernsthaft daran, dass er Kanzlerkandidat der SPD bei den kommenden Wahlen wird. Die SPD ist mit Beck als Vorsizendem in der Talsohle angekommen. Von nun an kann es eigentlich nur noch bergaufwärts gehen.
Schnaafpaaf (23.02.2008, 17:01 Uhr)
@ishman
Volle Zustimmung! Und an @Eingebuergert29: Geben Sie es dran, falls Sie mich verstehen und gehen Sie zum einem Arzt!
ishman (23.02.2008, 15:10 Uhr)
Was soll das???
Also in der Formel 1 (und bei jedem anderen Rennen eigentlich auch) ist es so, dass der, der als erster über die Ziellinie kommt, auch gewonnen hat. Selbst dann, wenn der Vorsprung vor dem 2. nur hundertstel Sekunden beträgt. Und da die CDU in Hessen die stärkste Fraktion bildet, verstehe ich den Anspruch von Frau Ypsilanti nicht, Ministerpräsidentin zu werden. Das sage ich, obwohl mir der Herr Koch auch nicht gerade symphatisch ist.
Mal angenommen, sie lässt sich aber dennoch mit den Stimmen der Linken wählen. Wer regiert denn dann eigentlich in Hessen? Die SPD bestimmt nicht. Bei Abstimmungen werden entweder die Interessen der CDU oder die der Linken die meisten Stimmen erhalten.
Wie auch immer, wird das der erste Schritt in die Bedeutungslosigkeit der SPD sein. Viele Wähler werden dann in Zukunft entweder direkt die Linken wählen oder der Wahl einfach fern bleiben (ein paar werden vielleicht auch die Grünen, die CDU oder die FDP wählen). Jedenfalls schiebt Herr Beck diese Entwicklung gerade gehörig an. Die erste Quittung wird er wahrscheinlich dieses Wochenende in Hamburg bekommen.
Eingebuergert29 (23.02.2008, 12:49 Uhr)
An Schnaafpaaf A**chkriecher gerichtet
Ich nehme nicht das was Sie nehmen!
Ich bin zum Glück nicht mit dem tödlichen Neofaschisten Virus infiziert wie Sie CDU/CSU A**chkriecher!
Wie viel werden Sie dafür bezahlt lächerliche und haltlose Propaganda gegen die Sozialdemokraten zu verbereiten.
Mit ihrer lächerlichen Aussage, die SPD mit Kommunisten zu vergleichen haben "Sie" sich ins Abseits manövriert!
Basta!!!!!!!!!
Nur für die Ungebildten unter euch. Kommunismus ist schon Geschichte und schon längst von der politischen Bildfläche verschwunden. Kuba und Nordkorea sind die letzten
Überbleibsel. China zähle ich bewusst nicht dazu.
Ach übrigens. Diese Abgeordnete in Niedersachsen ist eine bezahlte Verfassungsschutz Informantin, die in dessen Auftrag Propaganda betreibt und ausgerechnet kurz vor den wichtigen Wahlen im Hamburg eine lächerliche Äusserung von sich gibt. Das alles war wohlüberlegt und kalkuliert und auch von den Neofaschisten der CDU/CSU organisiert.
Bunsenbrenner, Ziel ist es Roland Koch zu stürzen! Diese Kreatur wird nicht freiwillig von der politischen Bildfläche verschwinden. Darum eine Minderheitsregierung für eine befristete Zeit. In einem Jahr kann man dann Neuwahlen ausrufen nachdem Roland Koch erst mal endgültig weg ist. Schon mal so nachgedacht.
Das wäre das aller Vernünftigste.
Die Wurmfortsatz-Partei FDP will ja nicht. Eine grosse Koalition wäre eine Katastrophe. Man muss auch erwähnen, dass mit der Hessen-CDU, die völlig Rechtaussen steht, gar nicht möglich ist zu regieren. Zumal der Diktator Roland Koch nicht von seinem Amt lassen will.
gsc777 (23.02.2008, 11:29 Uhr)
Elend!
Vielleicht begreift man endlich in der Partei, wem das derzeitige Elend in der SPD-Akzeptanz zu verdanken ist. Dem Vorsitzenden ganz alleine! Und man schaut zu, wie es weiter bergab geht. Richtung Linkspartei. Handelt endlich und schickt ihn wieder nach Mainz.
henrytt (22.02.2008, 23:28 Uhr)
Hochtöner
Obwohl mein Landesvater, hielt ich ihn schon immer für einen Hochtöner.
Beck-Schuster, bleib bei deinen Leisten in irgendeinem SPD-Bezirk in RLP.
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