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14. August 2008, 11:08 Uhr

Lass es krachen, Yps!

Das Geschrei der CDU ist gewaltig, die Angst der SPD-Zentrale auch, doch Andrea Ypsilanti hat machtpolitisch keine andere Wahl: Entweder stürmt sie Hessen mit Rot-Rot-Grün - oder verliert alles. Jetzt muss sich die Linkspartei entscheiden, ob sie mehr will als SPD-Meuchelei. Von Lutz Kinkel

Der Reinhard Höppner dieser Tage: Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti© Michael Probst/AP

Die historische Parallele, die Hermann Scheer in seinem Brief an die SPD-Parteiführung ausgebreitet hat, ist absolut stimmig: 1998 hieß der Buhmann der Nation noch Reinhard Höppner. Kurz vor der Bundestagswahl ließ sich Höppner mit den Stimmen der PDS zum Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt wählen. Die CDU befürchtete einen kommunistischen Tsunami, die Berliner SPD einen GAU im bevorstehenden Bundestagswahlkampf. Und was ist passiert? Nüschte. Oder, nein, es ist doch was passiert: Gerhard Schröder zog ins Kanzleramt ein. Höppner regierte bis 2002.

Andrea Ypsilanti ist der Reinhard Höppner dieser Tage. Sie wird von der SPD mit den gleichen Argumenten belagert und von der CDU mit den gleichen Beschimpfungen überzogen. Allein: Was kann Ypsilanti dafür, dass die Berliner SPD-Zentrale ihre Strategie im Umgang mit der Linkspartei nicht restlos geklärt hat? Und soll sie sich etwa die Ängste der CDU zu eigen machen, die linke Mehrheiten in Deutschland fürchtet - immerhin existiert eine solche ja auch im Bundestag? Sie würde sich zur Marionette vermeintlich übergeordneter Interessen machen. Und ihr konkretes Interesse hinten anstellen: Jene Politik in Hessen zu realisieren, für die sie angetreten ist.

Qual der Wahl

Der Weg, den Ypsilanti nun gehen will, ist extrem riskant. Sie verfügt - abzüglich der Renegatin Dagmar Metzger - nur über eine Mehrheit von einer Stimme. Die Wahl zur Ministerpräsidentin ist geheim. Keine öffentliche Beteuerung, kein Schwur unter vier Augen und kein Parteitagsbeschluss kann Abgeordnete von SPD, Grünen und Linkspartei davon abhalten, am Tag X doch gegen sie zu stimmen. Dann ist Ypsilanti erledigt. Würde sie gewählt, schlösse sich der noch kompliziertere Part an. Ypsilanti muss eine stabile, arbeitsfähige Regierung gewährleisten. Sonst geht auch alles in den Dutt.

Dafür entscheidend ist der Umgang mit der Linkspartei. Ypsilanti könnte sie in eine Koalition einbinden, um sie dauerhaft unter Kontrolle zu bringen. Klaus Wowereit hat in Berlin gezeigt, wie so etwas geht. Oder sie stellt, wie es aktuell geplant ist, eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der Linkspartei toleriert wird. Das allerdings funktioniert nur, wenn die politischen Absprachen zwischen Linkspartei und SPD zuvor in Beton gegossen wurden. Der Linkspartei zu gestatten, während der Regierungsphase permanent den Schiedsrichter zu spielen, wie es sich einige Linke wünschen, wäre politischer Irrsinn.

Lafotaines Verantwortung

Damit stellt sich auch die Frage, welche Kooperationsbereitschaft die Linkspartei zeigt. Bislang war sie Regierungspartei im Osten und Protestpartei im Westen. Was will sie in Hessen sein? Hier kommt Oskar Lafontaine ins Spiel. Bislang hat er es sich im Westen in der Opposition gemütlich gemacht und seinen Erzfeind SPD mit populistischen Sozialforderungen in die Ecke gedrängt. Natürlich hat Lafontaine Sorge, die Linken könnten sich in Hessen genauso verschleißen wie in der Berliner Landespolitik. Sich der Verantwortung für die eigenen Inhalte stellen, ist etwas anderes.

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
UweBerlin (17.08.2008, 10:04 Uhr)
Falls....
das alles klappt, hat Frau Ypsilanti wohl hoffentlich eine gute, durchgreifende und überzeugende Reformpolitik zu bieten.
DasBertl (14.08.2008, 16:15 Uhr)
Der Politiker der jemals auch nur eine Stimme ohne Lügen bekommen hat
werfe den ersten Stein, da fliegt dann sicher kein einziger (naja die schmeissen schon, es will sich ja keiner Outen)
Mal ehrlich, wer ist wirklich so dumm, jemanden zu wählen auf grund seiner versprechen? Wie schon jemand anderes zitiert hat, selbst Konrad Adenauer, der Vater der Partei, die der Yps nun Wahlbetrug vorwirft, hat laut und deutlich sinngemäß gesagt "Was geht mich mein Geschwätz von Gestern an" So sind Politiker und so werden sie immer bleiben. Wählen kann man immer nur das kleinere Übel, das ist in dem Fall Miss Yps, Roland "Heil" Koch ist untragbar für Hessen. Da muss man auch mal in den sauren Lafontaine beissen. Darin besteht auch wirklich die einzige Chance der SPD. Leider will der Seeheimer Kreis lieber die SPD als ganzes in den Ausguss kippen. Wenn ihnen was nicht passt, sollen sie doch zur CDU übertreten, unterscheiden kann man die eh nur noch an den Buchstaben...
pcdstern (14.08.2008, 15:41 Uhr)
Go, Ypsi go!
Es gerät so langsam in Vergessenhein... Es geht aber immer noch darum, zwischen einem Herrn Koch der den Ruf eines Landes durch rechtpopulisten Parolen versuch hat Es gerät so langsam in Vergessenheit... Es geht in Hessen aber immer noch darum, zwischen einem Herrn Koch, der den Ruf eines Landes durch rechtpopulistische Parolen versuch hat zu schaden (und damit indirekt Werbung für die NPD betrieben hat) und Frau Ypsilanti, die Widerwillen eine Regierung entsprechend eines mehrheitlich nach links gerichteten Wahlausgangs. Ich würde mir nur ein Bisschen mehr Mut von der SPD-Führung wünschen, dann würde Frau Ypsilanti nicht alleine da stehen müssen... Zu Unrecht wie ich finde
Facti (14.08.2008, 14:46 Uhr)
Mal kurz nachgedacht
Könnte diese Person den heutigen Affentanz aufführen wenn Sie nicht die Wähler schamlos getäuscht hätte?? Wie viele Stimmen hat Sie sich durch Ihre Lüge erschlichen?? Schön wäre wenn diese Stimmen zurückgezogen werden könnten. Sie würde mit Sicherheit Ihr verlogenes Maul nicht mehr so weit aufreissen.
manesse (14.08.2008, 14:45 Uhr)
@knilch_59
Dass die Linkspartei aus der SED via SED/PDS und PDS hervorgegangen ist, werden sie nicht bestreiten können. Dass etliche SED-Mitglieder noch in dieser Partei sind, kann ebensownig bestritten werden. Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei in Hessen stand vor 1989 auf der Gehaltsliste der DDR, auch das ist Fakt. Das Agieren der K-Gruppen an den Universitäten der Bundesrepublik vor 1989 ist jedem in Erinnerung, der damals studiert hat. Repräsentanten all dieser von mir genannten Gruppierungen wollen sich nun in einer hessischen Volksfrontregierung zusammentun. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn die Hessen-SPD bereits während des Wahlkampfs mit offenen Karten gespielt und dafür eine Mehrheit bekommen hätte. Dann wäre eine solche Mehrheit demokratisch legitimiert. Freilich hat die SPD ausdrücklich damit um Vertrauen geworben, dass sie eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit den Leuten aus der Linkspartei ausschließt.
Ich würde auch akzeptieren, wenn die SPD Neuwahlen anstreben würde, um sich ehrlich zu machen. Denn dann wäre ein solches Dreierbündnis, im Falle die Wähler dahinterstünden, ja demokratisch abgesegnet. Dass die Hessen-SPD diesen Urnengang scheut, das ist zum einen feige, zum andern ein Skandal.
Und noch eine Anmerkung zu Sachsen-Anhalt und Höpner. Der meinte damals, durch die Zusammenarbeit mit der PDS diese "Entzaubern" und schwächen zu können. Tatsächlich ist das Gegenteil passiert. In Hessen wird es nicht anders sein.
Puni (14.08.2008, 14:29 Uhr)
Eheankündigung
Es wird ganz spannend - eine Ehe zu dritt. Was noch nie im richtigen Leben funktioniert hat, wird Frau Y, ihrerseits bereits einmal geschieden, jetzt in der hessischen Landespolitik versuchen. Das sich die Partner nicht wirklich mögen, scheint kein Problem zu sein. Der eine Partner macht zwar alles mit, der ist sich mit jedem grün, der andere ist ein wenig schwieriger, wegen unbekannter Altlasten, die oftmals auch vor Gericht nicht aufgeklärt werden dürfen. Aber egal ob SED oder WAGS oder MDL oder LINKS oder SPD, der Ehevertrag wird noch verhandelt, die Anwälte werden die ganze Nacht durcharbeiten. Die Sitzordnung bei der Hochzeitsfeier ist auch hoch umstritten. Und der Brautvater hat sich ganz verdrückt - er ist aber einverstanden mit allem. Nur ein paar alte und griesgrämige Onkels haben was dagegen. Aber warum nur? Man muss doch alles mal ausprobieren, und wer sagt, dass sich später im Ehebett nicht doch alle lieb wieder haben. Das ist zwar historisch nicht mit Fakten belegt, aber es ist immer das erste mal...Andrea Y. scheint sich der Sache sicher. Ist ja auch nur ihre Politikerkarriere, die sie da auf dem Spiel steht. Und natürlich die Reputation ihrer Sozi-Eltern und deren Partei bundesweit. Sogar das Ausland wundert sich ja, aber was solls. Hauptsache verheiratet. Vorallem wenn man die Rechnung ja auch nicht selber zahlen muss. Die übernimmt ja der, naja die vielen Schmidts und Kunzes und die die sonst noch keinen Steuerberater haben....
Ulf612 (14.08.2008, 14:12 Uhr)
Woher das Geld kommt
@mackeldei: Da ist Dir wohl entgangen, dass ein bestimmtes Bundesland seit jeher der größte Geber des Länderfinanzausgleichs ist und auch dafür gesorgt hat, dass mit seinem Geld zu den bayerischen Lederhosen ein paar Laptops kamen. Dieses Land heißt Nordrhein-Westfalen und wurde quasi immer von der SPD regiert.
Das angesprochene Rheinland-Pfalz hingegen war zu Zeiten eines Ministerpräsidenten namens Kohl auf deutlich mehr Länder-Solidarität angewiesen als heute.
Deine unterstellte Aussage trifft genauso zu wie die, dass Frau Merkel für den Wirtschaftsaufschwung der letzten drei Jahre verantwortlich ist.
knilch_59 (14.08.2008, 14:06 Uhr)
Die Summe aller Irrtümer
@manesse: Sie haben recht – es gab einmal einen Konsens der demokratischen Parteien darüber, nicht mit Kommunisten zusammenzuarbeiten. Es fehlt aber jeder Beweis, dass heute eine Partei, die links von der SPD angesiedelt ist, irgendetwas mit Kommunismus zu tun hat. Vermutlich wären heute Konrad Adenauer und Ludwig Erhardt der Linkspartei näher als der CDU, nachdem sie gesehen hätten, wie ungerecht die Wirtschaft den Wohlstand verteilt, wenn die Politik ihren Lenkungsanspruch aufgibt. Wir haben bis 1990 gesehen, zu welchen tollen sozialen Leistungen der Kapitalismus fähig ist, so lange der Kommunismus droht, seitdem er weggefallen ist, zeigt sich aber jedes Jahr deutlicher, dass Väterchen Marx doch in gewisser Weise recht hatte.
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@daujoons: Auch sie haben recht – es kommt nur darauf an, welche Menschen man betrachtet. Die Menschen wollen keinen Kommunismus, sondern Chancen(!)gerechtigkeit! Es geht nicht darum, allen das Gleiche zu geben, aber von Geburt an sollen alle die Chance haben, das Gleiche zu erreichen. Und seit der Kohlschen Wende von 1982 wird die Gesellschaft erbarmungslos geschichtet, in „Leistungsträger“ und den Rest. Auf der Basis einer immer materialistischeren Gesellschaft wird der Wert eines Menschen zunehmend an Einkommen und Vermögen gemessen. Ziel einer demokratischen Gesellschaftsordnung kann aber nicht die Betrachtung des Gesamtvermögens als Summe der Einzelvermögen sein, sondern sie muss auch Interesse an einer „gerechten“ Vermögensverteilung haben. Sonst bildet sich ein neuer Feudalismus heraus. Umverteilung hat also nichts mit Kommunismus zu tun, sondern ist Basisaufgabe eines jeden demokratischen Staatswesens. Zurück zu Ypsilanti: Die Hessen wollen nicht, dass Millionen für Eliteschulen verpulvert werden und das Studium der Kinder die – viel zu wenigen – Eltern noch weiter finanziell belastet. Aber das ist Koch`sche Realpolitik, also muss der Mann weg!
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Das Einzige, was jetzt noch stört, ist das merkwürdige Konstrukt der Tolerierung – das ist wie Sperma light: Frau wird zwar schwanger, aber nicht dick
Johann58 (14.08.2008, 13:56 Uhr)
Jetzt tut doch nicht so
als waere es das erste mal, dass vor der Wahl jemand etwas gesagt hat, was er spaeter wiederrufen hat. Selbst ein gewisser Herr Adenauer, nicht nur den CDU Anhaengern bekannt hat einmal gesagt 'was interesiert mich mein Geschwaetz von gestern'. Wenn ich noch an das sueffisante Grinsen von Koch dem Foto zu dem Interview im Stern denke, dann ist doch eindeutig was er denkt. Er klebt an seinem Ministerpraesidentensessel und denkt mich kann keiner. Das Beispliel mit dem verschuldeten Berlin ist ja auch mal wieder so richtig grosse Klasse. Da wird unter Diepken und Lewandowski die Stadt ruiniert und die welche versuchen zu retten was zu retten ist werden diffamiert. Kohl Hinterlassenschaften wurden Schroeder angelastet und sein Erfolge, bzw. das was er auf den Weg gebracht hat, damit Schmueckt sich dann die EX FDJlerin. Heuchlerei pur. Ich hoffe nach wie vor, dass Ypsilanti es schafft und ich wuensche ihr auch erfolgreiche Politik. Dass dabei Koch abgewatscht wird um so besser.
mackeldei (14.08.2008, 13:54 Uhr)
Woher kommt das Geld ?
Lassen wir einmal den Wortbruch von Frau Yps beiseite, nehmen wir mal an , die Linke/PDS/SED sei eine demokratische Partei :Woher kommt es ,dass alle SPD geführten Bundesländer, einschließlich Rheinland-Pfalz, Nehmerländer im Länderfinanzausgleich sind, also von den CDU/CSU regierten Ländern finanziell unterstützt werden müssen ?
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