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31. August 2007, 11:43 Uhr

Macht Eure Hausaufgaben!

Bildungsministerin Annette Schavan dringt auf ein bundesweites Zentralabitur. Keine schlechte Idee, findet stern-Redakteurin Catrin Boldebuck. Für das Zaudern einiger unionsregierter Länder hat sie deshalb kein Verständnis. Zumal es noch eine viel größere, gemeinsame Herausforderung gibt.

Schon bald bundesweit gestellt? Abitur-Prüfungsfragen im Fach Deutsch© Volker Hartmann/DDP

Wozu die ganze Aufregung? Erst will die CDU ein Zentralabitur einführen und alle Kultusminister der Union stimmen nach und nach freudig in den Chor ein. Jetzt rudern sie plötzlich wieder zurück. Die Verwirrung ist komplett.

Individuelle Lernförderung wichtiger als zentrale Prüfungen

Dabei spricht einiges für ein einheitliches Abitur in Deutschland. Die 16 Bundesländer prüfen bis auf Rheinland-Pfalz bereits alle einheitlich oder sind dabei, es einzuführen. Warum dann nicht die Standards auf ganz Deutschland übertragen? Wenn damit erreicht würde, dass es auch fürs Gymnasium allgemein verbindliche Lehrpläne gäbe, würde das den deutschen Schülern nützen. Außerdem könnten die Länder die Chance nutzen, die hastige Einführung des G8, die Verkürzung von neun auf acht Schuljahre bis zum Abitur, zu überarbeiten.

Bei dem Zentral-Abitur sollte es nicht darum gehen, Zehntelnoten hinter dem Komma zu vergleichen, sondern zu prüfen: Wo stehen unsere Schüler? Was kommt bei ihnen an? Durch Testen allein werden sie nicht besser. Aus den Ergebnissen müssten Konsequenzen gezogen werden. Die Kultusminister sollten ihre Hausaufgaben machen, und statt über die perfekte Prüfung über individuelle Lernförderung nachdenken.

Auch in Finnland gibt es zentrale Prüfungen

Auch beim Pisa-Sieger Finnland gibt es zentrale Prüfungen. Dabei wird der individuelle Leistungsstand analysiert, um die Schüler zu motivieren. In Deutschland werden Klassenarbeiten und Noten zur Kontrolle verwendet und, um Leistungsdruck zu erzeugen.

Bezeichnender Weise kam der Vorstoß für das "Deutsche Abitur" (war es bisher denn nicht deutsch?) von einem Landeschef und der Bundesbildungsministerin, die allein nichts durchsetzen kann. Denn Schulpolitik ist Ländersache. Denen fällt plötzlich ein, dass sie bei einem Zentral-Abitur bundesweite Prüfungstage und einheitliche Ferienzeiten organisieren müssten.

Nach der ganzen Aufregung bleibt nun alles wie es ist. Bis zum Dezember, wenn die neuen Pisa-Ergebnisse veröffentlicht werden. Dann bekommen die Deutschen zum wiederholten Mal ins Zeugnis geschrieben: Die Chancen in Deutschland Abitur zu machen, hängen nicht von der Schule und dem Bundesland ab, sondern vom Elternhaus.

 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
IsyAltklug (31.08.2007, 15:49 Uhr)
Dieses kleinklein im Bildungswesen....
ist wirklich zum Kotzen. Immerhin scheint das Frau Schavan auch aufzugehen, seltsamerweise aber erst seit sie Bundesbildungsministerin ist. Merkwürdig, was für Metamorphosen Politiker zuweilen durchmachen. Damals im Ländle war die gute Frau Schavan die härteste Verfechterin für Länderrecht in der Bildungsfrage. Nirgends wollte sie sich die Butter vom Brot nehmen lassen. Auf einmal geht es also doch zentralisiert. Bezeichnend ist dabei mal wieder, dass es nur ums Abitur geht. Offensichtlich haben Politiker und Gesellschaft nur noch diesen Schulabschluss im Blickfeld. Dass über die Hälfte aller Schüler andere Schulformen als das Gymnasium besuchen, dass dabei auch deren Leistungen bundesweit vergleichbar sein sollten, fällt mal wieder unter den Tisch. Es mag ja sein, dass die Hauptschule in Bayern noch einen Abschluss garantiert, der die Wirtschaft zufriedenstellt, in Bremen hingegen beispielsweise verkommt die Hauptschule zunehmend zur Resterampe. Politiker verbringen ihre Zeit lieber mit Lamentieren über Zuständigkeiten und dem Verteilen von Alimenten an arme Kinder im Gießkannensystem, als endlich und kraftvoll in die Bildung zu investieren und zwar zu aller erst dort, wo die Kinder hingehen, die von zu Hause aus bereits benachteiligt sind: in den Hauptschulen! Anders kann man der Tatsache in Deutschland nicht entgegensteuern, dass Bildung erhält, wer das richtige Elternhaus hat.
paullogen (31.08.2007, 15:12 Uhr)
Beschämend
wie in unserem Land mit dem Gut Bildung umgegangen wird. Es kann doch wohl nicht so schwer sein, einheitliche Ferien zu planen? Oder einen gemeinsamen Prüfungstag, der nicht direkt in der Ferienzeit liegt. Ausser den Sommerferien sind die meisten Ferien doch wohl recht ähnlich, was wolh daran liegt, dass sie um bundesweite Feiertage wie Weihnachten und Ostern drapiert sind. Politiker sind einfach nur ein Elend...
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