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31. Januar 2008, 10:15 Uhr

Merkels Mitte zerbricht

In der Union rumort es: Oberflächlich betrachtet geht es um den Wahlkampf von Roland Koch. In Wirklichkeit steht jedoch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fadenkreuz der Kritik. Der Streit über die verfehlte Politik in Berlin wird mittlerweile offen und ohne Rücksicht ausgetragen. Von Hans Peter Schütz

Im Hamburger Wahlkampf tritt CDU-Mann Ole von Beust gegen den SPDler Michael Naumann an© Patrick Lux/ AP

Die Ursachenforschung wegen der verheerenden Verluste der CDU in Hessen und auch Niedersachsen kommt in Schwung. Josef Schlarmann, Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung wagte sich mit Kritik an Themen und Stil der CDU als Erster nach außen, der CDU-Wirtschaftsratpräsident Lauk moserte am Merkel-Kurs herum und der baden-württembergisch Ministerpräsident Oettinger mahnte mehr Mut in der Wirtschaftspolitik an. Der Brandbrief der 17 Unionspolitiker zum Thema Wahlkampfstrategie macht deutlich, wie sehr es in der Union rumort. Das alles ist in Anbetracht des CDU-Desasters bei den jüngsten Landtagswahlen nicht verwunderlich.

Es geht dabei nur oberflächlich um den rüden Wahlkampfstil von Roland Koch. Im Fadenkreuz steht Angela Merkel selbst, die mit Koch fraternisiert hat und dies jetzt schnell wieder vergessen machen möchte. Jetzt ballen viele die Faust offen und nicht mehr nur in der Hosentasche. Dass damit keine taktische Rücksicht mehr auf die alsbald bevorstehen Wahlen in Hamburg genommen wird, zeigt, wie tief das Missvergnügen auch über die CDU-Vorsitzende geworden ist.

In der Tat ist die Situation von eindeutiger Trostlosigkeit. Das bürgerliche Lager wendet sich kopfschüttelnd von einer Berliner Politik unter Führung dieser Kanzlerin ab, in der seine wichtigsten Figuren erkennbar nur noch die Funktion von Milchkühen übernehmen. Melken, immer weiter melken, heißt die regierungsamtliche Devise. Noch schweigt die bürgerliche Mitte, aber sie handelt, etwa dadurch, dass sie nicht mehr CDU wählen geht, wenn die Partei ruft. Oder dass sie den Aufstieg der Linken zur bundesweiten Partei mit Schadenfreude betrachtet. Und dass sie die Parteibücher wegwirft, wie etwa in Baden-Württemberg. Dort wird die bürgerlich-konservative Mitte ja noch am meisten hofiert – und dennoch verliert die CDU in diesem Land übers Jahr gesehen drei Prozent ihrer Mitglieder.

Der Rollgriff des Staates

Die Mitte der Gut- und Durchschnittsverdiener ist das bevorzugte Opfer eine Wirtschafts- und Steuerpolitik, die vor allem sie einseitig abzockt. Die Mehrwertsteuer gleich mal drei Prozent rauf. Sozial- und Gesundheitsversicherung teurer. Die Energiekosten – Strom und Benzin – explodieren. Der Staat kassiert durch eine Kürzung der Kilometerpauschale zusätzlich ab. Der normale Rentenbeitrag muss durch die Riesterrente ergänzt werden. Von Lohnzuwachs ist keine Rede mehr, denn der Rollgriff des Staates in die Taschen der Bürger folgt unverzüglich. Bald kommt die energiewirtschaftliche Sanierung der Altbauten, die jetzt schon in Baden-Württemberg als Pflichtaufgabe aller Häuslebesitzer beschlossen ist. Wie soll die Oma das für ihr klein Häuschen bezahlen, wenn die Rente jetzt schon kaum zum Überleben reicht?

Vom Brutto bleibt diesen bürgerlichen, leistungsbreiten Wählern immer weniger als Netto zum Leben. Die Mindestlohnmisere gehört ebenfalls in diesen Kontext. Dass ein Stundenlohn von 9,50 Euro kaum zu mehr reicht als zur nackten Existenz, hängt auch damit zusammen, dass die Gesamtbelastung der Arbeitenden immer größere Ausmaße annimmt. Den Unternehmern hat Merkel eine Steuerreform mit ordentlicher Entlastung beschert. Den abhängig Beschäftigten wird sie nur versprochen. Für welchen fernen Tag? Für St. Nimmerlein?

Die Frustation der Mitte

In Hessen und Niedersachsen hat sich diese Frustration der Mitte zum ersten Mal an der Wahlurne niedergeschlagen. Bis zur Bundestagswahl dürfte sich dieser Trend verstärken. Denn neben die finanzielle Abzocke ist inzwischen eine andere Entwicklung getreten, die sich auf die Wahlchancen der CDU/CSU zusätzlich negativ auswirken wird: die hingeschlampte Bildungspolitik.

Zwar ist die Schulpolitik Ländersache. Aber in den CDU/CSU-regierten Bundesländer ist zum Beispiel das Abitur nach acht Jahren so hastig nach dem Pisa-Schock umgesetzt worden, dass an den betroffenen Schulen das blanke Chaos herrscht. Die bildungsbeflissenen Schichten, an sich CDU-geneigt, müssen jetzt noch mehr Geld aufbringen, um die Kinder durchs Abitur zu bringen. Die Geringverdiener haben in diesem Schulsystemnoch weniger Chancen. Wenn es richtig ist, dass die deutsche Wirtschaft auf Dauer nur gut global überleben kann, wenn sie von einem soliden Bildungssystem getragen wird, dann ist auch die Bildungspolitik ein Zeichen dafür, dass die CDU-Vorsitzende Merkel noch immer nicht begriffen hat, dass sie ihre Partei wenigstens in den von der Union regierten Ländern davon abhalten muss, weiter auf abschüssigem Pfad zu marschieren. Denn Hamburg wird die nächste Station auf dem Weg nach unten sein.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
Europaer (02.02.2008, 06:03 Uhr)
Jaja
Ach da bin ich ja ganzbaf. Der selbe ganzbaf befuerwortet ja auch Enteignungen(http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/608794.html?id=608794&rendermode=comment).
Doch einmal ehrlich, denkst du wirklich Volksentscheide wuerden helfen? Solange wir Links und Rechtsextremisten auf allen politischen Ebenen in unsere Volksvertretungen gewaehlt werden, ist doch ein gesunder Zweifel angebracht, ob Direktwahl wirklich die richtige Wahl ist.
Wenigstens haben sie den zentralen Punkt bekommen - dass wir nicht noch mehr Laberbacken brauchen, sondern einen "Masterplan". Und um dich vor erneuten Entruestungsstuermen zu bewahren warne ich diesmal davor das dieser Kommentar Ironie enthaelt.
salochin (02.02.2008, 03:19 Uhr)
Deutsches Elend - 75 Jahre danach
Die Partei mit der wirtschaftspolitischen Kompetenz, der geballten Kompetenz und all dem anderen gerührten Quark, der die Anderen in der "Quasselbude" und Gewerkschaften überflüssig machte, hatten wir doch schon. Die hat dann großangelegte Verschickungen in "Ostgebiete", Autobahnen und schließlich ein großangelegtes Neubauprogramm in den Fünfzigern herbeigeführt. Das traut aber niemand der FDP wirklich zu. Vielleicht Graf L. noch einen Silberstockangriff auf die Finanzbeamten. Doch daß sich die "Ökoterroristen" mit einer Wirsingkohl-Ladung um den Bauch vor in der Frankfurter Börse in die Luft sprengen! Schluß damit! Der ganze Kohl ins Lager! Oder zur FDP, die "Wirtschaftskanonen" wissen schon, als was sie das verkaufen können. Vielleicht fliegt ja der neue A 380 auch damit. Dann kann er Ole-von aus Hamburg gleich mitnehmen am 25.2. - nach Uru-oder Paraguay. Zu den anderen deutschen Helden mit geballter Kompetenz, die die Rechnungen nicht bezahlen konnten oder wollten. Tschüß! Und: Eilt nicht mit dem Rückflug...
ganzbaf (01.02.2008, 13:21 Uhr)
Die FDP hat keine Wirtschaftskompetenz
Und das ist nur ein Fehler in ihrer "Analyse". ;-P
Richtig ist, das zu viel geschwätzt und gestritten. Dagege hilft nur mehr DIREKTDEMOKRATIE !
(=Volksabstimmungen.)
Europaer (01.02.2008, 04:34 Uhr)
Deutsches Elend - Unsere Parteienlandschaft
Hurra, Hurra Weimar ist wieder da!
Denn wie damals treibt die Visionslosigkeit unserer Parteien mal wieder einige Stilblueten in den Bereichen Extremismus und Populismus hervor. Sei es der Koch mit seinem "Wah(r)nschuss"-Geschwaetz, die Oekoterroristen und Hanflegalisierer bei den Gruenen, die ideenlose SPD, der Gazprom wichtiger ist als der Waehler oder die Populisten von der Linkspartei, die unsere Bildungs-Unterschicht und Protestwaehler anziehen wie sonst nur die NPD...
Was Deutschland wirklich braucht ist nicht noch mehr Geschwaetz, sondern Ideen. Mir kommt es so vor, als schreie die Oeffentlichkeit gerade zu nach einer Partei, welche die Wirtschaftspolitische Kompetenz der FDP, ein bisschen gruene Umweltpolitik und die geballte Kompetenz von CDU und SPD erfordert. Eine neue Partei, welche unabhaenig ist und Minister aus verschiedenen Parteien ernennen wuerde mit dem einzigem Ziel eines gerechteren, besseren Deutschlands, zum Wohle des Buergers.
Danne (31.01.2008, 22:33 Uhr)
Jetzt mal ehrlich!
Seit allen Zeiten wettern die einen Parteien gegen die andren! Die Parteien wechseln sich in der Regierung und der Opposition ab und jedesmal weiß es die Opposition besser als die jeweilige Regierung! Sind wir denn so blöd, dieses Spiel nicht endlich zu durchschauen und zu stoppen? Es geht niemals um die Inhalte und Ziele der Regierung, niemals darum, ob diese gut für das Land und die Bevölkerung sind, sondern immer nur um die Stellung der eigenen Partei!
Auch die besten Ideen werden boykottiert, weil die Opposition nicht zulassen kann, dass eine Regierung ihre Sache gut macht, denn dann wären die Oppositions-Parteien ja überflüssig und nicht mehr gewählt werden. Man stelle sich dieses mal vor! Die CDU hätte zugelassen, dass die Regierung Schröder ihre Programme durchzieht (diese wurden ja von CDU/CSU und FDP beschnitten oder auch abgelehnt), dann auch noch die dadurch erfolgten Entwicklungen gelobt und anerkannt, was wäre denn dann gekommen? Die Wähler hätten in sehr großer Zahl diese Regierung wiedergewähl und das nicht nur die Wähler von SPD und Grüne, sondern auch viele von CDU und FDP. Dadurch wären bei den darauffolgenden Wahlen die Stimmen der CDU in den Keller gegangen, wahrscheinlich so auf 10 Prozent und die FDP hätte keine 2 Prozent mehr bekommen.
Das wissen sie natürlich und wollen sie verhindern. Deshalb ist deren Verhalten aus Parteisicht verständlich! Aber das nur zu Lasten unseres Wohlstandes und unserer Sicherheit.
Die Zeit ist reif für Veränderungen!
Lasst uns nicht mehr so verar.....!
Salzsteuer (31.01.2008, 19:38 Uhr)
Der Unfug,
den heutige CDU - Anhänger von sich geben läßt vermuten das es sich bei Konrad Adenauer, Ludwig Erhardt und Franz-Josef Strauß um Linksradikale gehandelt hat.
starmax (31.01.2008, 16:07 Uhr)
Nur eine Revolution
wird diese macht- und geldgeilen "Eliten" samt ihrer beamteten Wasserkopf-Vasallen aus der Pfründe hebeln - oder der kommende Währungssystem-Crash. Und: Gold kaufen!
H.P. (31.01.2008, 15:36 Uhr)
Du bist Staat
Du bist Deutschland.
Du bist Staat.
Jeder Bürger ist ein Teil des Staates und jeder Bürger hat Rechte und Pflichten.
Da wir ein christlich geprägtes Volk sind, so steht in den Schriften, der Stärkere trage die Last des Schwächeren mit, also eine Demokratie des Teilens.
Leider leben wir nach dem Motto, der Stärkere überlebt ohne Rücksicht auf seine Mitbürger. Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Barbarei und ich hoffe nicht, das diese Barbarei im 21. Jahrhundert seinen Hörpunkt findet. Politiker stehen mehr auf der Seite der Privilegierten, Ausbeuter und Kriegstreiber, selbst seriöse Banken spekulieren mit dem Geld das ehrliche Bürger hart erarbeitet haben.
Prof. Lorenz Jarass, Wirtschaftswissenschaftler: "Der einzige, der in Deutschland noch nennenswert Steuern und Abgaben bezahlt, ist der deutsche Arbeitnehmer mit normalem Einkommen. Er bezahlt Sozialabgaben, er bezahlt Lohnsteuer und er bezahlt erheblich Verbrauchssteuern. Er subventioniert sozusagen den Export seines eigenen Arbeitsplatzes."
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=672&sid=126
http://www.lebedeinbestes.de/
Tomrobert (31.01.2008, 15:32 Uhr)
Kanzlerin ohne Hausmacht
und ohne ausreichende Durchsetzungsmöglichkeiten,zerrieben zwischen den innerparteilichen Fronten.Mit besten Absichten angetreten,holt sie jetzt die anrollende Rezession ein, die zuerst durch andere Forderungen kaschiert werden.Da der Arbeitnehmerflügel, dort die Wirtschaftsliberalen.
Aurum (31.01.2008, 14:55 Uhr)
Es ist doch nicht nur die Pfarrestochter
,sondern der gesamte aufgeblähte Ballast, der sich mit aus der großen Schüssel bedienen will. Demokratie gibt es in D schon lange nicht mehr, geschweige denn freie Meinungsäußerung. Es ist eine Diktatur beherrscht von Bonzen übelster Sorte. Hinzu kommt, daß die BRD rein rechtlich gesehen gar nicht existiert!!! Die Gesetze und die Gerichtsbarkeit sind eine Farce!
Und, was ist ein Staat? Braucht der Bürger diesen überhaupt? Was für Vorteile ergeben sich daraus? Parteien sollen unterstützend sein, aber in D hängen sie an der Macht, schlimmer als Honeckers Konsorten. Selbstbeweihräucherung und Koruption bis in die höchsten Etagen. Wahlen, deren Ergebnisse manipuliert werden? Man sollte den Bundestag von diese ganzen Bande von Verbrechern ein für alle mal säubern. Denn das Volk ist die Macht, nicht ein paar dahergelaufene Ideoten, welche sich anmaßen ein Volk zu regieren, ohne es nach seiner Meinung zu fragen.
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