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23. Juli 2008, 16:27 Uhr

Merkels Null-Nummer

Wer von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Sommerurlaub klare Worte erwartet hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen hat die Pressekonferenz der Kanzlerin gezeigt, dass von der Großen Koalition bis zur Bundestagswahl 2009 nicht mehr viel zu erwarten ist. Von Hans Peter Schütz

Bis zur Bundestagswahl 2009 wird ihre Wertschätzung nicht mehr gefährdet: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)© Michael Gottschalk/DDP

Sie werde wohl Tacheles reden, hatte dieser Tage eine Schlagzeile mit Blick auf die bevorstehende Pressekonferenz der Bundeskanzlerin vor Beginn der Sommerpause angekündigt. Hoffnungen verbargen sich dahinter, Angela Merkel werde Perspektiven aufs kommende Wahljahr bieten. Werde programmatische Neuansätze skizzieren, mit denen die Unionsparteien der Bundestagswahl 2009 entgegen gehen. 50 Fragen wurden ihr jetzt vom Berliner Pressecorps gestellt, doch nach politischen Inhalten sortiert waren ihre Antworten eine glatte Null-Nummer. Nichts Neues. Nette Plauderei.

So wissen wir jetzt, dass sie im Urlaub mal richtig ausschlafen will. Auf dem Weg dahin wird sie in Bayreuth "Parsival" in neuer Inszenierung mitnehmen. Und die bohrende Frage, ob sie sich vom neuen US-Präsidenten auch einmal die Schultern massieren lassen werde, wie dies Präsident Bush getan hat, beantwortete die Kanzlerin diplomatisch: Es werde mit Sicherheit mit dem neuen Mann im Weißen Haus ein hohes Maß an Kontinuität stattfinden. Da durfte gelacht werden.

Kanzlerin sagt dasselbe wie immer

Gesagt worden ist von der Kanzlerin, was sie schon immer sagt. Dass das Motto der Großen Koalition mit "Investieren, Sanieren, Reformieren" richtig gewesen sei. Das lasse sich durch den Rückgang der Arbeitslosigkeit ebenso belegen wie durch die Chance, 2011 endlich wieder einmal zu einem Bundeshaushalt ohne Neuverschuldung zu kommen. Die Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft seien noch gut, beim Streit um den Mindestlohn befinde man sich auf einem guten Weg. Kurzum, die große Arbeit der Weichenstellungen sei getan.

Ausgeblendet blieben wichtige Antworten, die sich schon heute mit Blick aufs Wahljahr 2009 stellen. Die wirtschaftlichen Perspektiven sind alles andere als rosig. Dass es gelingen könnte, die Zahl der Arbeitslosen weiter zu drücken, ist eher fraglich. Der Aufschwung verliert Fahrt, die Inflation nimmt Tempo auf. Wie die Große Koalition sich auf diese neue Situation einzustellen gedenkt, wurde nicht sichtbar bei der Kanzlerin. Typisch ihre Ausweichmanöver bei der inzwischen für viele Menschen schwer wiegenden Energieproblematik. Natürlich beschreibt auch Merkel den Anstieg der Energiepreise bei Strom, Gas und Benzin als "zentrales Problem." Konkrete Lösungsansätze nannte sie keine, von einem Plädoyer für die längere Laufzeit von Kernkraftwerken einmal abgesehen.

Ein merkwürdiger Widerspruch

Es bleibt ein merkwürdiger Widerspruch bei der Analyse der restlichen Laufzeit dieser Koalition. Einerseits soll die bisherige Arbeit entschlossen und geschlossen fortgesetzt werden. Andererseits wird nicht gesagt, welches denn zusätzliche Ziele sein könnten. Es stimmt ja, dass die Kooperation im Kabinett einigermaßen kooperativ läuft. Sinn macht diese schwarz-rote Kooperation jedoch nicht, wenn in den Bundestagsfraktionen der beiden Regierungsparteien die Händel munter fortgesetzt werden, die man am Regierungstisch einfach ausgeklammert hat.

Typisch ist in diesem Zusammenhang der Kampf um eine Mindestlohn-Regelung. Das Kabinett hat einen Vorschlag gemacht, ab sofort darf der Bundestag daran herumschnipseln, wie es gefällt. Die Kanzlerin selbst sagt aber schon mal klipp und klar, dass die gefundene Lösung in der Zeitarbeitsbranche nicht umgesetzt werden soll. Unterm Strich steht die fatale Gedankenspielerei dieser Regierung, dass die demografische Entwicklung schon dafür sorgen wird, dass die Chancen auf einen Arbeitsplatz automatisch steigen.

Sie wolle, sagt Angela Merkel, Politik nicht nur auf der Basis von Meinungsumfragen machen. Für ihre Person sind die Sympathiewerte in der Tat glänzend. Man mag sich aber ungern vorstellen, dass in den anderthalb Jahren bis zu Neuwahl nur noch Politik stattfindet, die diese Wertschätzung der Kanzlerin nicht in Gefahr bringt.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
starmax (24.07.2008, 22:05 Uhr)
Merkel für Arbeitslager in Ostdeutschland?
Die halbe schreckliche Wahrheit darf die Finanzwelt auf englisch in der FT erfahren, dem dummen deutschen Stimmvieh wirds erschwiegen:
http://www.ft.com/cms/s/0de691b6-58dc-11dd-a093-000077b07658,Authorised=false.html?_i_location=http%3A%2F%2Fwww.ft.com%2Fcms%2Fs%2F0%2F0de691b6-58dc-11dd-a093-000077b07658.html&_i_referer=http%3A%2F%2Fwww.weissgarnix.de%2F%3Fp%3D366
Kurzübersetzung hier:
utospatz (24.07.2008, 14:46 Uhr)
Und du kennst ein Volk,
das sich christlich dermaßen verarschen lässt?
Gisella (24.07.2008, 11:37 Uhr)
Frau Merkel
- und wer hat sie denn gewählt- und wer wird sie wiederwählen??????-als ihr "friend"Bush an der Macht war -hatten die Wähler in Amerika ihr gedächtnis verloren- niemand hatte ihn gewählt. - so, lasst uns diese Dame abwählen- und "Frischfleisch"ran. es liegt in unseren Händen.
utospatz (24.07.2008, 11:05 Uhr)
Gruß an ganz Deutschland,
und komm ich Dereinst mal wieder zur Welt, weiss ich sofort was mir so fehlt. In diesem Land möcht ich dumm geboren werden, man sollte Dackelhaft mich Großziehn, weil sichergestellt ist, dass ich nichts Dazulernen werde!
ganzbaf (24.07.2008, 09:58 Uhr)
Alfred E. Neumann, bitte!

Und Bush sieht dieser Karikatur sogar noch weitaus ähnlicher! ;-P
Countryjoe (24.07.2008, 08:10 Uhr)
Deutlich
Es zeigt sich immer deutlicher, welche Klientel die Bundeskanzlerin wirklich vertritt. Maximal 10% des Volkes mit minimal 90% der Kohle und da sollen sie 60% gut finden? Lächerlich!
Dieser Staat wurde zu einem lobbyistengesteuerten Selbstbedienungsladen für die Geldelite umfunktioniert in dem bald die Vollbeschäftigung dank Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft eingeführt wird.
gmathol (24.07.2008, 00:35 Uhr)
Verblueffende Aehnlichkeit...
...von Merkel mit Alfred Neumann (MAD Magazine).
Ehemann Joachim konnte waehrend der Amtszeit seiner Ehefrau einige "Geldkoefferchen" einsammeln und nach London in seine als Geldwaescherei betriebene "Investment-Firma" schleppen.
Null Nummer?
Reality (23.07.2008, 22:29 Uhr)
Man muß heutzutage wirklich dankbar sein..
für einen Artikel wie diesen hier.
Denn Kritik ist selten geworden für schlechte Politik in diesem Lobbyistenrechtsstaat.
Frau Merkel macht nicht nur eine 0 Nummer, sie kann vermutlich nicht mehr. Nicht weil nicht mehr geht, sondern weil sie an die Grenzen ihrer persönlichen Fähigkeiten stoßt. Leider muß man dies so feststellen. Denn wäre es nicht so, würde und müsste sie anders handeln.
Doch wenn man sich nur auf jene verlässt die dort Lobbyistenarbeit, in der Regierung, auf kosten der Steuerzahler machen, da darf und kann man nicht mehr von dieser Kanzlerin erwarten.
Nein, Regieren kann und tut diese Frau nicht, das ist es was der einfache Bürger von ihr wahr nimmt. Wer es anders sieht, der hat wohl eine andere Sichtweise oder ein rosarote Brille auf.
SethusCalvisius (23.07.2008, 21:14 Uhr)
Danke
Gerade hatte ich noch an anderer Stelle die unkritische Berichterstattung über Frau Merkel angeprangert (z.B. "Merkel ganz relaxed"), da erschien dieser Kommentar, der es tatsächlich wagt, die Kanzlerin ein wenig zu kritisieren. Es besteht also doch noch Hoffnung.
lazarus06 (23.07.2008, 20:29 Uhr)
Zur 0 Nummer,
gibts nichts aber auch gar nichts hinzuzufügen.
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