30. Juni 2008, 13:53 Uhr

Merkels Wortbruch

Sie ließ sich als moralische Autorität in der Entwicklungspolitik feiern. Doch Kanzlerin Angela Merkel hat ihr Wort gebrochen. Sie will für die Entwicklungshilfe nun doch nicht so viel ausgeben, wie angekündigt. Dabei gäbe es Möglichkeiten, mit den vorhandenen Geldern die Dritte Welt besser zu unterstützen. Von Hans Peter Schütz

Noch im Dezember 2007 hat Afrika-Aktivist Bob Geldof Bundeskanzlerin Angela Merkel gelobt. Nun bricht sie mit ihren Zusagen für mehr Entwicklungshilfe©

Versprochen, gebrochen. Das war einmal eine beliebte Angriffsformel der Oppositionsführerin Angela Merkel gegen Rot-Grün. Jetzt lässt sie sich auch gegen die Kanzlerin Merkel richten wie dies einst gegen den Kanzler Schröder geschah. Versprochen hatte die Kanzlerin, sie werde bis 2010 die Ausgaben für Entwicklungshilfe von 0,38 auf 0,51 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigern. In Taten umgesetzt wird das eindeutig nicht, auch wenn die Mittel für Entwicklungshilfe im Haushalt für 2009, der am Mittwoch im Kabinett verabschiedet wird, deutlich erhöht worden sind. Aber mit diesem Haushalt gibt es so gut wie keine Chance mehr, das 0,51-Prozent-Ziel bis 2010 zu erreichen. Schlimmer noch: Die Regierung muss froh sein, wenn sie nicht noch weiter unter den Stand von heute absackt. Sie klingt ja ziemlich gering, die Differenz zwischen 0,38 und 0,51 Prozent. In Geld umgesetzt bedeutet das jedoch eine Finanzierungslücke von drei Milliarden Euro.

Die Kanzlerin verliert damit ein Stück Glaubwürdigkeit, wie dies auch schon bei vielen anderen Reformprojekten der Fall gewesen ist. Angela Merkel steht nicht zu ihren Zusagen. Mit glänzenden Augen hat sie zum Beispiel am Ende der deutschen G-8-Präsidentschaft Komplimente des Popstars und Afrika-Aktivisten Bob Geldof entgegen genommen. In Deutschland regiere nun eine "moralische Autorität", deren entwicklungspolitisches Engagement bewundernswert vorbildlich sei. Im Gegensatz zu anderen Politikern wisse man bei Angela Merkel, "woran wir sind".

Denkansätze verschwinden von der Agenda

Weiß man eben nicht. Längst von der Agenda verschwunden sind alle Denkansätze, wie neue Finanzierungsinstrumente in der Entwicklungspolitik aussehen könnten. Nachgedacht worden ist über eine Kerosinsteuer und eine Devisenumsatzsteuer, um den Kampf gegen Hunger und Armut zu finanzieren. Aber die Bundesregierung denkt nicht im Traum mehr daran, etwa eine Flugticketabgabe zu erheben, die es in anderen Ländern schon gibt. Ohne Echo im Kanzleramt blieb auch der dramatische Appell von Wirtschaftsvertretern, Künstlern und Sportlern, in der Entwicklungspolitik nicht wieder auf Sparkurs zu gehen, nachdem man sich auf internationalen Konferenzen als moralische Instanz habe bejubeln lassen. Politik gerät jedoch bei Merkel immer wieder zur Märchenstunde, wie die grüne Politikerin Renate Künast schon beklagt hat. Am Ende steht viel heiße Luft.

Vor allem fehlen in der Entwicklungshilfepolitik jedoch Gedanken, die über die reinen Zahlen hinausgehen und neue Strategien beinhalten. Ist es zum Beispiel noch immer gerechtfertigt, China mit Millionen Euro Entwicklungshilfe zum Umbau alter Kohlekraftwerke zu bedienen? Das ist ein Land, das als Wirtschaftsriese auf weit über einer Billion US-Dollar Devisenreserven sitzt. Muss diesem Land beim Umweltschutz geholfen werden, zumal es - siehe Tibet - mit dem Schutz der Menschenrechte nicht viel im Sinn hat?

Mittelvergabe nach Qualität

Es gibt in diesem Zusammenhang durchaus eindrucksvolle Vorschläge. Etwa jenen der grünen Afrika-Expertin Uschi Eid, mit Entwicklungshilfe vor allem Staaten zu unterstützen, etwa in Afrika, die zu Reformen bereit sind. Diese Idee gibt es seit dem Jahr 2002, ernsthaft umgesetzt wurde sie nicht. Würden solche Kriterien in der Entwicklungshilfe eingesetzt, entschärfte sich auch die Frage der Quantität bereit gestellter Mittel. Dann würde nach qualitativen Maßstäben entschieden. Aber damit wollen sich weder Merkel noch die Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sich ernsthaft beschäftigen.

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
starmax (01.07.2008, 18:55 Uhr)
Ja, lieber Mamfred,
das könnten flüchtige Leser oder Unterbelichtete natürlich vermuten, war aber nicht meine Aussage ! Es geht um den Transport des Öls per Pipeline, den Rst mußt Du jetzt zur Strafe selber rausfinden...
Oetker333 (01.07.2008, 17:58 Uhr)
Aha!
Euch kümmert es wohl ein Dreck wenn andere Menschen auf der Welt verrecken während wir auf ihre Kosten unseren Luxus genießen. Dass Geld muss sein, aber es muss effektiv verteilt werden. Zuviel Geld geht verloren. Hier muss eine neutrale Institution über die Geldverteilung wachen. Klar gibt es in Deutschland genug Probleme. Aber diese Probleme bedrohen ja nicht unser Leben wie in anderen Gebiete. Wie schrecklich wenn sich Arbeitslose das Autofahren nicht leisten können. Andere können sich kein Essen leisten!
bayerbienengift (30.06.2008, 20:42 Uhr)
35 Mrd. EUR Für Waffen
35 Mrd. EUR Für Waffen und Militär sind die Entwicklungshilfe, die wir reichlich leisten. Da reicht es dann auch sich ein bischen mit Popstars ablichten zu lassen, ein paar PR-Gacks zu machen und einen Millionenscheck zu überreichen. Die Politik war schon immer ein Witz! Die Wahrheit ist dann allerdings nicht mehr zum Lachen.
MamfredBuchholz (30.06.2008, 20:22 Uhr)
in Afghanistan
ist ja auch soooviel Öl!
starmax (30.06.2008, 19:02 Uhr)
Wieso ? Wir helfen doch überreichlich...
..in Afghanistan! Da ist uns kein Euro zu schade, den Amerikanern bei der Sicherung der Ölvorräte und Transportwege beizustehen! Oder den Israelis mit U-Boot-Geschenken!
Wir sollten auch nicht vergessen, daß "Entwicklungshilfe" immer auch zum großen Teil Auftragsbeschaffung für die deutsche Industrie war
Countryjoe (30.06.2008, 18:05 Uhr)
Das Hemd..
..ist näher als der Rock! Wird Zeit das unsere Volksvertreter das verstehen. Hier gibt es genug Löcher zu stopfen. Wenn diese einmal gestopft sind und dann noch Geld übrig ist, dann kann man ja wieder über Entwicklungshilfe nachdenken.
Elkewustmann (30.06.2008, 17:35 Uhr)
Richtig so!
Es ist wirklich nicht einzusehen, warum Deutschland soooo viel Geld in Entwicklungshilfe ausgeben soll,wenn in den sogenannten Entwicklungsländern Reichtum herrscht (siehe z.B. Peru) der von der regierenden Bevölkerung einfach nicht verteilt wird. Deutschland sollte lieber mit dem eingesparten Geld im eigenen Land Entwicklungshilfe leisten (Bildung/Familienhilfe/Rentner...)
Klaus_P (30.06.2008, 17:01 Uhr)
Altes Sprichwort...
Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, wer dauernd lügt wird P****er. Wer wundert sich überhaupt noch über "Versprechen" von bestimmten Leuten? Das ist doch von vornherein klar dass da nix dran ist. Es gab mal Zeiten da konnte man Achtung und Respekt vor den Staatsmännern haben, doch in der heutigen Zeit ist das wohl vorbei...
naiv02 (30.06.2008, 16:53 Uhr)
"Sie kann es nicht"
Sobald es außer Sonntagsreden und Grönlandfotos einmal konkret wird, und sie sich nicht im Koalitionsstreit verstecken kann wird ihre visionslose Unfähigkeit sichtbar.
Mindsplitting (30.06.2008, 16:51 Uhr)
Warum...
Helen erst alle rum die Regierung wirft zu viel Geld aus dem Fenster und auf der anderen seite schreit man sie Gäbe zu wenig aus???
ICh persönlich finde wie geben noch viel zu viel für sowas aus... Ausserdem Frage ich mich, wenn grob 25% der versprochenen Summe 3 Millarden sind, also 9 übrig bleiben, jedes Jahr was gibt es dann zu meckern, ich finde das eine verdammt hohe Spende bei der es nichts zu meckern gibt. Und wenn da ein blöder Müslikackender Mensch meint das wäre zu wenig dann spende ich auch nichts mehr, weil ich kann wenn überhaupt nur mal hier und da es Wechselgeld spenden, aber das is ja im Prinzip ein Fliegenschiss zu 9 Millarden und nichtmal das Dankeschön wert.
Ich hasse Spendenorganisationen mitderweile wie die Pest, die Verschlingen eh mehr Geld als die den Menschen wiedergeben.
Und was China, Weltkonzernen und co angeht, denen solltem an auch nichts schneken, genausowenig Isreal oder sonst wem. Erstmal sollten wir uns selber Helfen bevor wir anderen Kraftwerke (China) und Waffen (Israel)finanzieren. Aber trotz der Ganzen Öko-.."Lügnern" fänd ichs okay wenn die Regierung vielleicht selbst eine kleine wenig Geldverschwendende Gruppe unterstützt mit den 9 Millarden dieses Jammerheinis damit ein paar Kinder ein bissl leben können. Diese wären wenigstens Dankbar für das Geschenk.
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