. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Dezember 2007, 16:21 Uhr

Mindestlohn, eine CDU-Passionsgeschichte

Auch der Bundesrat hat den Post-Mindestlohn abgenickt. Nun wird die SPD darauf drängen, dass weitere Branchen Mindestlöhne bekommen - und die CDU kann kaum Nein sagen. Das Thema klebt den Konservativen wie Hundedreck an den Schuhen. Von Lutz Kinkel

Die SPD will den Mindestlohn für möglichst viele Branchen durchsetzen© Franka Bruns/AP

Koalitionsvereinbarung ist Koalitionsvereinbarung. Also wird die Postbranche mit einem Mindestlohn versorgt. Just hat auch der Bundesrat zugestimmt. Aber damit ist die Messe noch nicht gesungen. SPD und Gewerkschaften werden nachlegen: Mindestlöhne für die Zeitarbeit, für die Wachdienste, für das fleischverarbeitende Gewerbe. Wenn nicht über das Entsendegesetz, dann über das Mindestarbeitsbedingungsgesetz. Die CDU würde diesen Prozess lieber heute als morgen stoppen. Kann sie aber nicht.

Zwei Gleichungen der SPD

Also wird sie eine Mindestlohndebatte nach der anderen erleiden. Die Wirtschaftsliberalen der Union werden ein ums andere Mal aufjaulen und sich verzweifelt wehren. Doch damit besorgen sie nur das Geschäft der SPD. Denn die kann in solchen Situationen zwei Gleichungen aufmachen. Soziale Gerechtigkeit = Mindestlohn = SPD. Und andersherum: CDU = Dumpinglöhne = soziale Kälte. Der Schaden für die Union ist immens, denn alle Umfragen zeigen, dass die überwältigende Mehrheit der Deutschen Mindestlöhne völlig in Ordnung findet.

Angela Merkel weiß das. Sie will das Thema, das ihren wahlkämpfenden Ministerpräsidenten in Hessen, Hamburg und Niedersachsen gefährlich werden kann, möglichst rasch wegmoderieren. Deswegen hatte sie beim Post-Mindestlohn ihren Widerstand aufgegeben. Doch der Preis, den sie dafür zahlen muss, ist hoch. Ihr Verhältnis zu den Wirtschaftsliberalen in der eigenen Partei ist miserabel, einer von ihnen, Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, saß auf dem CDU-Parteitag mit geballter Faust in der Tasche. Auch das Verhältnis zu den Wirtschaftsbossen ist miserabel. Merkel hat sich im Fall des Post-Mindestlohnes sogar dazu genötigt gesehen, Mathias Döpfner, den Chef des Springer-Verlages, zu düpieren. Wer glaubt, dass die Bild-Zeitung dies nicht rächen wird, ist naiv.

Die Preise steigen

Was tun, Frau Merkel? Den jüngsten Meldungen zufolge wird in der Union erörtert, ob nicht doch ein flächendeckender, gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden solle. Kurt Lauk, Vorsitzender des CDU-Wirtschaftsrates plädiert dafür. Aus dem Umfeld der Unternehmensverbände ist zu hören, dass ein Korridor von sechs bis sieben Euro denkbar wäre. Eine Einigung darauf wäre mit der SPD vermutlich auch zu machen gewesen - im vergangenen Sommer. Jetzt sind die Preise höher, in jeder Hinsicht. Die Gewerkschaften verlangen 7,50 Euro und die SPD wäre blöd, wenn sie es der CDU einfach machen würde.

Merkel hat das Thema anfangs unterschätzt, nun klebt es der CDU wie Sch... an den Schuhen. Bei den Landtagswahlen wird sich zeigen, ob der Brocken schon so groß ist, dass man darauf ausrutschen kann.

Ihre Meinung

Mindestlohn - was kann die CDU tun?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (9)
Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Roy05441 (21.12.2007, 00:25 Uhr)
Seh zur Zeit wie Gerster,
werd ich Deutschlands Oberförster!
Mein Gott, was hat der Mensch geleistet, nachdem er von der Bundes-Agentur denn weggeeistet, oh Herr,was hat ein Depp für die Mensachheit geleistet?
So ein Arschloch führt PIN in die Solvenz, weil ein Gerster in Springerstiefeln so kennts!
JoDo (21.12.2007, 00:00 Uhr)
Maximale Leistung...
muß doch mal anerkannt werden! Ein neuer MinimaxLohn für Politiker, zB. Hartz IV Niveau, der Dienstwagen ist selbst zu betanken wäre eine neue denkbare Alternative.
Vor den Wahlen stimmen die doch allem zu. Danach koalieren und kassieren...
Frohe Feiertage Deutschland
Solartaschenlampe (20.12.2007, 22:31 Uhr)
Lieber neandermann
Wenn die Geschäftsidee Ihres hypothetischen 'Ladens' einzig und allein daruf fußt, Dumpinglöhne zu zahlen, sollten Sie vielleicht Ihr Geschäftsmodell überdenken.
Natürlich wählen Kunden in der Regel den billigeren Anbieter, der in der Regel bei den Personalkosten einspart. Aber was passiert, wenn dies alle machen?
Btw: Wieso brechen in anderen Ländern, die einen gesetzlichen Mindestlohn haben, die Wirtschaftssysteme nicht zusammen? Warum haben diese Länder so niedrige Arbeitslosenzahlen?
Darüber sollten Sie vielleicht mal nachdenken, bevor Sie hier neokonservative Plattitüden zum Besten geben
iovialis (20.12.2007, 22:26 Uhr)
Bürgergeld ala Althaus
Werden hier Weichen für das Bürgergeld von Althaus gestellt? Die Hartz-IV-Schlappe vor dem BVG zwingt zu der Reform der Reform. Hier geht es um Mindestlöhne, die scheinbar ein "Nachteil" für die CDU sei. Doch wenn ich's mir zweimal überlege, könnte das in Richtung Althaus mit seinem Bürgergeld gehen.
Dann hätte die SPD ein gravierendes Problem, denn in Sachen Grundeinkommen (BGE) gilt eine andere Rechnung: Soziale Gerechtigkeit = Grundeinkommen = Althaus (CDU).
Von Mindestlohn wird dann kaum mehr jemand reden und soweit mir bekannt ist, wurde dem Althaus-Vorschlag die "Finanzierbarkeit" von "Experten" bestätigt.
Merkel ist nicht dumm und hier geht's um Politik. Die Angriffe auf Oettinger passen dazu "gut" ins Bild. Lassen wir uns überraschen - nächstes Jahr ist "Wahlkampfjahr"...
Roy05441 (20.12.2007, 22:09 Uhr)
Was kann ein sogenanntes christliches Huhn,
denn so ist in Frankfurt ein christlicher Vorstand für Mainova, Rothmäßig will kaufen ganz Europa!
Dann stellt Sie wieder christlich sich zur Wahl, ich hoffe selbst der letzte christliche Idiot bedenkts bei der nächsten Wahkl!
Roy05441 (20.12.2007, 21:49 Uhr)
Wenn in Springerstiefeln ich so steh,
alle christlichen stramm stehen ich seh, bin im Reinen ich mit der Welt,weil als 70jährigem beim Ableben gar nix mehgr fehlt!
neanderman (20.12.2007, 21:22 Uhr)
Mindestleistung
Der Mindestlohn ist mehrheitlich gefordert und viel diskutiert. Erstaunlich ist nur, dass die öffentliche Diskussion ohne Definition des geforderten Mindestlohns auskommt.
Diesem schwerwiegenden Mangel wird mit folgendem Vorschlag abgeholfen:
„Der Mindestlohn ist der Mindestbetrag, den der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber einbringen muss.“ Wenn Ihnen diese Definition nicht gefällt, weil Sie Arbeitnehmer oder Sozialpolitiker sind, dann sollten Sie selbst einmal irgendeinen Laden aufmachen und Arbeitnehmer beschäftigen, denen Sie mehr zahlen als diese Ihnen einbringen. Sie gehen zwar pleite, und die Arbeitsplätze gehen verloren. Aber Sie werden den Mindestlohn nicht mehr sozialdusselig propagieren. Sie werden zum Beispiel nicht mehr den Gefälligkeitssatz propagieren, der Mindestlohn müsse so hoch sein, dass man davon anständig leben könne.
Roy05441 (20.12.2007, 20:28 Uhr)
Als ich denn damals kam zur Welt,
sagt mein Pappa zu mir, du brauchst kein Geld. Kennst den Begriff"Globalisierung" du, bist christlich der beste Mensch du der Welt!
Du kannst geboren sein im chinesischen Jahr vom Hundt, selbst wenn der nur rülpst, tut Merkel jedwede ABSCHWÄCHUNG KUND!
Und so ist es nun wie immer es ist,
die verblödeten Deutschen, wählen ihren eigenen Mist!
westerhei (20.12.2007, 20:17 Uhr)
Anpassung der Lebensverhältnisse in der EU
Natürlich haben Manager und Eigentümer der Post mit der Einführung des Mindestlohns einen brutalen Arbeitsplatzabbau bei Post mit entsprechend hohen Sozialkosten vermieden. Auch kann der Bundeshaushalt weiterhin Dividenden erwarten. Es werden also viele Unannehmlichkeiten vermieden.
Aber die Portokosten werden steigen, zumindest werden sie nicht sinken. "Was sind schon ein paar Cent mehr schon für einen Brief!", sagen die Politiker. Was sind schon ein paar Cent mehr für die Kilowattstunde, was sind schon ein paar Cent mehr für den Kubikmeter, Gas, Wasser, Heizöl etc werden sie sagen.
Diese geringe Teuerung können sich die in Deutschland lebenden Konsumenten durchaus leisten, da sie ja ohnehin die Möglichkeit haben, günstige, zu niedrigen Löhnen im Ausland hergestellte Produkte zu kaufen, und außerdem kann lokale Dienstleistungen nicht in China beauftragen.
Bei der Zeitarbeit ist die Situation durchaus anders. Dort werden nicht nur die inländischen Abnehmer von den höheren Kosten- und den folgenden Preissteigerungen der in Deutschland hergestellten Produkte betroffen sein.
Alle Arbeitgeber, die Zeitarbeitskräfte für die Erstellung von Exportleistungen einsetzen, werden sich wohl in den Ländern nach Arbeitskräften umsehen müssen, in denen die Importeure keine Preiserhöhungen akzeptieren müssen, weil sie die Wahl haben.
Die Politiker möchten mit den Mindestlohnregelungen die mit den Verträgen von Maastricht angestrebte und seit Jahren tatsächlich stattfindende Anpassung der Lebensverhältnisse zwischen den Ländern stoppen. Sie werden diesen Prozess aber nicht mehr anhalten können. Als Folge der Mindestlohneinführung werden Preise in Relation zu den übrigen EU-Ländern steigen, die Arbeitslosigkeit wird steigen, weil es keine Kontraktionspflicht gibt, und die Kaufkraft wird sich zwischen den Ländern weiter angleichen. So ist das halt mit verbundenen Gefäßen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Mindestlohn Springer gibt Rettung von Pin auf

Springer sieht keine Chance für eine Fortführung des Geschäfts beim Post-Konkurrenten Pin und schreibt mehr als 600 Millionen Euro ab. Ein Sanierer übernimmer das Ruder, die operativen Geschäfte laufen vorerst weiter wie bisher. mehr...

Mindestlohn Glos warnt vor "Dammbruch"

Wirtschaftsminister Michael Glos hat vor der generellen Einführung von Mindestlöhnen gewarnt. Es müsse eine "Brandmauer" gegen weitere Maßnahmen her. Auch Arbeitgeberpräsident Hundt warnte vor der flächendeckenden Ausweitung. mehr...

Arbeitsmarkt Wer bekommt alles einen Mindestlohn?

In mindestens zehn Branchen will die SPD Mindestlöhne über eine Ausweitung des Entsendegesetzes durchsetzen. stern.de stellt einige davon vor und sagt, in welchen es wirklich zu einer Lohnuntergrenze kommen könnte. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe