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26. März 2006, 21:06 Uhr

Oettingers Aufstieg in die Bundesliga

Günther Oettinger hat im Ländle ein Spitzenergebnis erzielt und bewegt sich nun auf Augenhöhe mit den CDU-Granden Wulff und Koch. Oettinger hatte allerdings auch Glück mit seiner sozialdemokratischen Gegnerin Ute Vogt - sie hat es ihm leicht gemacht, sehr leicht. Von Hans-Peter Schütz

Die eine gehört nicht mehr in die Regionalliga, der andere ist gerade in die Bundesliga aufgestiegen: Vogts und Oettinger© Johannes Simon/DDP

Besser hätte es für Günther Oettinger nicht laufen können. Nur haarfein an der absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt, das ist für ihn ein Traumergebnis. Jetzt muss er nicht länger wie Zappelphilipp persönlich durchs Ländle hasten, Termine im Stundentakt abhaken und sich unentwegt vorhalten lassen, wie viel bessere persönliche Werte Amtsvorgänger Erwin Teufel vorweisen konnte.

Das Wahlergebnis von Baden-Württemberg müsste daher auf Oettinger wie eine Sonderdosis Retalin wirken: Er kann es jetzt gelassener angehen lassen. Er startet nach seiner ersten Wahl als Ministerpräsident in die nächsten Jahre mit einem Wahlergebnis, das sein Vorgänger erst nach einem Dutzend Regierungsjahren einfahren konnte. Landesvater hin, Landesvater her - Schwaben und Badener haben sich eindeutig dafür entschieden, Oettinger das Ländle weiter anzuvertrauen, weil sie ihm Kompetenz zutrauen.

Mit diesem Sieg im Rucksack bringt der Schwabe künftig auch in Berlin mehr politisches Gewicht auf die Waage. Dort hat er sich in der Vergangenheit bisher sehr zurückgehalten. Jetzt fühlt er sich in einer Liga mit Niedersachsens Christian Wulff und dem Hessen Roland Koch. Das wird der ehrgeizige Mann in den Führungsgremien der CDU nutzen wollen. Was Oettingers Sieg zusätzlich besonders wertvoll macht, ist das Abschneiden der konkurrierenden Parteien.

Die SPD blamiert sich mit dem schlechtesten Wahlergebnis aller Zeiten. Das mag zu kleinen Teilen den Berliner Ereignissen geschuldet sein, doch die Hauptverantwortung für das Desaster trägt die SPD-Spitzenkandidatin Ute Vogt. Das Ausmaß der Niederlage verlangt von ihr Verzicht auf das Amt der Oppositionsführerin, zumindest dann, wenn das Wort von der "politischen Verantwortung" irgendeinen Sinn haben soll.

Kopfschütteln und Gelächter über Orgasmus-Probleme

Vogt hat keine landespolitischen Themen gefunden, mit denen ihre Partei hätte punkten können. Höhepunkt einer völlig versiebten Kampagne war ihr öffentliches Geständnis, schon mal Orgasmus-Probleme gehabt zu haben. Heilige Einfalt! Man kann sich gut vorstellen, wie sie bei der CDU über den Patzer der Genossin gewiehert haben. Und ebenso darf man vermuten, dass in der SPD-Zentrale stundenlang fassungslos der Kopf geschüttelt wurde. Ute Vogt hat bewiesen, dass sie nicht einmal in der Regionalliga zur politischen Elite zählt. Als Staatssekretärin im rotgrünen Innenministerium hatte sie sich zuvor auf ähnliche Weise blamiert.

Dass FDP-Chef Guido Westerwelle das Ergebnis der Liberalen in Baden-Württemberg "traumhaft" nennt, ist ein schönes Stück Schönfärberei. Richtig daran ist, dass die FDP zwar das beste Ergebnis seit 1968 erreicht hat. Aber die Grünen haben sie im Landtag überflügelt. Das stärkt Oettinger zusätzlich. Er pflegt die Beziehungen zum grünen Vorsitzenden Winfried Kretschmann seit langem. Man kennt sich, man versteht sich. Das heißt: Zur Not hat Oettinger auch die Option einer schwarz-grünen Koalition, als deren Befürworter er schon vor Jahren Schlagzeilen gemacht hat. Aus diesem Grund muss die FDP zufrieden sein, dass sie überhaupt wieder mitregieren darf. Große Töne verbieten sich vor diesem Hintergrund von selbst.

Von Hans-Peter Schütz
 
 
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