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4. Juni 2008, 15:10 Uhr

Partei der Hasenfüße

Der Zustand der Sozialdemokraten ist erbärmlich. Nur 20 Prozent erreichen sie in der Politumfrage des stern. Eine Volkspartei ist die SPD so nicht mehr. Verantwortlich dafür ist eine falsche strategische Haltung gegenüber der Linkspartei und eine miserable Führung. Bei beidem muss die SPD einen Schnitt wagen. Von Florian Güßgen

Allesamt Mitglieder des SPD-Bundesvorstandes: Frank-Walter Steinmeier, Andrea Nahles, Kurt Beck und Peer Steinbrück (v.l.)© Franke Bruns/AP

Eine Volkspartei hat den Anspruch zu regieren. Eine Volkspartei hat den Anspruch, die Regierenden zu stellen. Eine Volkspartei hat den Anspruch, die Interessen großer Teile der Bevölkerung zu repräsentieren, das große Ganze im Blick zu haben, nicht nur die Einzelinteressen einer eng begrenzten Klientel. Eine Volkspartei schafft es, Widersprüche in sich zu vereinen, Extreme, so sie sich noch im Rahmen der Verfassung bewegen, aufzusaugen, und darauf ein machbares Programm zu entwickeln. Eine Volkspartei bekommt bei Wahlen, wenn es gut läuft, die absolute Mehrheit, wenn es schlechter läuft, irgendetwas zwischen 30 Prozent und 45 Prozent.

Die SPD ist bald keine Volkspartei mehr. Deutlichstes Zeichen dafür sind die fatalen Umfragewerte. In der jüngsten Forsa-Umfrage des stern stürzt sie auf 20 Prozent. Auf 20 Prozent! Den Atem Oskar Lafontaines kann Kurt Beck jetzt schon spüren. Damit erhält die Partei die Quittung für eine desaströse strategische Ausrichtung und schwaches Personal. Beides wird den Maßstäben, die für eine Volkspartei gelten müssen, nicht mehr gerecht.

Die Tabuisierung der Linken ist ein Fehler

Zunächst die Strategie. Wer an die Macht will, braucht Optionen. Die ehemalige Volkspartei SPD verzichtet auf Optionen. Eine Koalition mit der Linkspartei erlauben die SPD-Granden in den Ländern, im Bund schließen sie Rot-Rot-Grün kategorisch aus. Die Linkspartei wird tabuisiert - offiziell nicht wegen Oskar Lafontaine, sondern wegen der historischen Verstrickung der SED-Nachfolger und der programmatischen Unvereinbarkeit.

Diese Haltung ist ein Fehler. Die Sozialdemokraten berauben sich einer realen Koalitionsmöglichkeit. Gleichzeitig machen sie die Linkspartei durch die Tabuisierung nur attraktiver für enttäuschte SPD-Wähler. Dabei wäre ein offener, kritischer Dialog mit der Linkspartei, wie ihn etwa Gesine Schwan glaubwürdig pflegt, für die SPD geboten. Programmatisch müssen sich die Genossen nicht scheuen, die Luftblasen der Linken könnten sie in der Konfrontation auf offenem Felde locker und publikumswirksam platzen lassen.

Den Mut, die Linken trotz aller Bedenken anzufassen, muss die SPD dafür allerdings schon aufbringen, frei nach Franz Josef Strauß selig. Der hatte gesagt, dass es rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben dürfe. Das gleiche muss für die SPD auf der Linken gelten. Den Wählern, die ihr den Rücken in Richtung Lafontaine gekehrt haben, könnte sie so zudem signalisieren, dass sie ihre Sorgen, Probleme, Ängste Ernst nimmt. Die Tabuisierung der Linkspartei dagegen signalisiert der Ex-Klientel der SPD nur eines: Euren Protest nehmen wir nicht ernst.

Ein Heer von Hasenfüßen

So aber ist die SPD schwitzend in der Defensive, nämlich in der strategischen Ypsilanti-Falle. Jede Annäherung an die Linke kann zu Recht als Wortbruch gegeißelt werden, aber eine offene Konfrontation fällt dadurch flach. Die SPD, einst stolze Volkspartei, steht da wie ein Heer von Hasenfüßen.

Aber eine gute Strategie ist ein Ergebnis von kluger Führung - und gerade daran mangelt es der SPD. Sie hat schlicht keine überzeugenden Köpfe. Kurt Beck ist spätestens nach seinem Fauxpas vor der Hamburg-Wahl und seinem Kokettieren mit einer Linkspartei-Liaison in Hessen unglaubwürdig. Zudem ist er durchsetzungsschwach. Weder bei der Bahnreform noch bei der Position der Partei zur Präsidentenwahl konnte er seinen Willen durchsetzen. Gegen den Strippenzieher Franz Müntefering hat er keine Chance. Im Amt kann er sich nur halten, weil es in der Partei scheinbar keine Alternativen gibt. Den Wähler wird das allerdings nicht scheren. Deshalb muss Beck eigentlich gehen - und die SPD muss sich entscheiden, wer sie glaubwürdig in eine neue Richtung führen kann - und diese Richtung auch beibehält. Zur Wahl stehen der Alt-Schröderianer und Neu-Politiker Frank-Walter Steinmeier und das Parteigeschöpf Andrea Nahles. Dabei wäre Nahles die bessere Wahl, denn so sehr sie sich auch von Oskar Lafontaine betrogen fühlt, so hemdsärmelig und volksnah dürfte sie auch in die Auseinandersetzung mit ihm gehen. Konsequent wäre es entsprechend, sie zur Kanzlerkandidatin zu küren.

Im Kern muss die SPD ihre Hasenfüßigkeit ablegen, Mut beweisen, auch einmal einen gefährlichen Weg gehen. Die Nominierung Gesine Schwans war diesbezüglich ein wohltuender Schritt. Es müssen weitere folgen. Und die Zeit drängt. Denn die Wähler haben schon jetzt gemerkt, dass die SPD sich selbst nicht mehr zutraut, eine Volkspartei zu sein.

Von Florian Güßgen
 
 
KOMMENTARE (10 von 52)
 
Eisenbaer (06.06.2008, 17:22 Uhr)
Besserverdiener
Ab wann ist man denn ein "Besserverdiener"? Sind das Leute, die sich ein Auto leisten können? Muss man dazu ein Haus besitzen oder sich nur die Hundesteuer erlauben können? Vielleicht gar Leute mit Hund, Auto und Haus? Und was für ein Haus soll es denn sein? Reihenhaus = Nein aber frei stehendes Einzelhaus = Ja? Und ganz suspekt ist sowieso, wer dann noch ein paar Euro Sparguthaben hat...

Oder soll gelten: "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen?" Da würden aber einige sehr Hilfsbedürftige sehr dünn aussehen.

Naja, man merkt halt immer wieder, dass irgendwelche alten Geister noch immer in einigen Hirnen herumspinnen. Da ist dann ganz schnell wieder ein Sündenbock ausgemacht. Dabei ist die Sache doch ganz einfach: Auch die Arbeiter in anderen Ländern wollen ein Stückchen vom Kuchen abhaben. Nicht "man" erlaubt uns ganz einfach nicht mehr auf anderer Leute Kosten zu leben. Nicht "unsere Regierung" ist die Wurzel allen Übels, sondern na sagen wir mal: Das Internet.

Durch das Internet kann in jedem kleinen afrikanischen Dorf gesehen werden, wie wir auf deren Kosten leben. Und die Welt ist klein geworden. Wenn nun der Dorfbewohner ein paar Cent in der Stunde mehr für seine Arbeit in irgendeiner Mine bekommt, dann steigen eben die Rohstoffpreise. Denn dann will auch der Lkw-Fahrer mehr, dann der Eisenbahner, der Hafenarbeiter. Für die Reederei steigt die Heuer und damit auch die Schiffsfracht und an der Rohstoffbörse notieren die Rohstoffpreise auch höher. Das ist eine simple Kettenreaktion. Das nennt man auch Globalisierung.

Dagegen hilft es "natürlich" die Preise unserer Waren anzuheben, damit unser Freund in Afrika eben seinen Mehrverdienst in unser neues Radio für ihn investiert. Bisschen kurz gedacht, denn auch der Inder stellt gute Radios her, aber für weniger Geld in der Anschaffung...

Tja, so ist das: Wir sind gerade wieder mal dabei "etwas näher zusammenzurücken". Nach dem Krieg und nach der Wiedervereinigung im eigenen Land. Und jetzt eben im globalen Maßstab. Einen Vorteil hat dieses jetzige Zusammenrücken aber: Bis zur Entdeckung außerirdischen Lebens war es dann erst einmal das Letzte ;-))
h-p-t (06.06.2008, 00:23 Uhr)
@MamfredBuchholz
Zitat: " es gibt durchaus eine Mitte in diesem Land.."
diese Aussage ist schlichtweg falsch, betrifft ebenfalls alle anderen die diese Meinung vertreten.
Es ist statistisch nachgewiesen das die ehemalige "Mitte" stetig schwindet, und vor allem "dieses Ereignis ist nicht mehr zu stoppen" !
Natürlich kann man nun wieder mit "Statitiken kann man fälschen" etc. anfangen, aber es gibt nun mal recht wenige Mittel um solche Vorgänge zu messen, zu erheben.
Diese Erkenntnisse basieren übrigens nicht nur auf Bild Zeitungsartikeln und sollten eigentlich auch jedem langsam geläufig sein.
Das Leugnen der Situation der "Sozialschwachen" ( die wirklich immer mehr werden...), das Schimpfen auf "Besserverdiener" bringt leider überhaupt nichts.
Dieses Land braucht nur eine Regierung / Partei die an seine Bürger denkt und dann erst an sich und das Ausland / EU.
Solange dies nicht der Fall ist ( und das sehe ich bei keiner der Parteien die in Deutschland z.Z. regierungsfähig wären..) wird sich bei uns keine Besserung der Lage einstellen, eher eine weitere Verschlechterung, was zwangsläufig zu einer "amerikanisierung" unserer Gesellschaft führt. ( bezgl. 2 oder 3 Arbeitsstellen, weniger Urlaub, kranken- und sozialversicherung etc.)
und natürlich Anstieg der Kriminalität.
rainer11 (05.06.2008, 14:50 Uhr)
@babylon
schöne selbstbeschreibung, der letzte kommentar (ICH FINDE ES BEEINDRUCKEND DAS IMMER...) trifft aber auf viele nicht zu.
ganzbaf (05.06.2008, 13:14 Uhr)
Weiß nicht...

wie laut die schreien.
Aber wahrgenommen werden meist eh nur die "Jammerer" auf allerhöchstem Niveau: die Unternehmer, Reichen und Ultrareichen!
"Die Steuern sind zu hoch, die Lohnebenkosten auch, Mindestlöhne hat der Teufel gemacht, Hungerlöhen sind nicht schlimm, man kann doch auch Pfandflaschen im Park sammeln gehen..." ;-PpP
.
Na ja. D
ie können sich ja auch die lautesten Sprachrohre (wie z.B. die Bild) leisten... )-:
babylon (05.06.2008, 12:56 Uhr)
ganzbaf
wie schon ausgeführt, die die nichts haben und nichts leisten schreien am lautesten. solche leute sind zum kotzen!
ganzbaf (05.06.2008, 12:16 Uhr)
Die Gewinnmargen sind...

zu hoch!
Die Besserverdienenden verdienen zu gut! Und die Steuerhinterziehungsmöglichkeiten für Überbegüterte sind zu opulent... ;-P
.
Die Umverteilung findet statt, und zwar schon lange!
Und zwar nach "oben"!
Das ist erwiesen.
.
Was wir brauchen sind effektive Maßnahmen zur RE(!)-Umverteilung.
.
Als da wären:
- Mindestlöhne
- Höchstlöhne
- Luxussteuer
- Steuerhinterziehungssteuer
- Vermögenssteuer
- extreme Erbschaftssteuern auf extreme Privat-Erbschaften usw.
.
Wir haben schon viel zu viele müßiggängerisch veranlagte "Millionäre und Aktionäre" die es sich auf ihren Geldbergen gemütlich machen können.
.
Sie drücken sich eindeutig vor der Eigentumsverpflichtung nach Art 14 GG.
Ich sage PFUI!... ;-P
rainer11 (05.06.2008, 09:04 Uhr)
bedauerlicher...
vertreter des neoliberalen mainstraems oder dessen wahres gesicht? @bedauerlich
babylon (05.06.2008, 08:51 Uhr)
bEDAUERLICH
ICH FINDE ES BEEINDRUCKEND DAS IMMER AUF DEN BESSERVERDIENERN RUMGEHACKT WIRD: AB WANN IST MAN DENN BESSERVERDIENER? MAN DARF NICHT VERGESSEN DAS DIE BESSERVERDIENER; DAMIT MEINE ICH LEUTE DIE IM ANGESTELLTENVERHÄLTNIS GUT VERDIENEN; AUCH EINEN HAUFEN ABGABEN ZAHLEN; VON DENEN SICH DIE LINKSRADIKALE MEUTE HIER IM FORUM GUT ERNÄHRT WIRD. WENN DIESE LEUTE AUSFALLEN MÜSSEN UNSERE ROTEN BRÜDER SELBST LEISTUNG ERBRINGEN; SPRICH ARBEITEN GEHEN. ABER BEI DIESEN LEUTEN GILT JA "ARBEIT SCHÄNDET; ZUHAUSE SITZEN UND MOTZEN IST EINFACHER!". ALSO IHR ROTEN ZECKEN BRINGT ERST EINMAL LEISTUNG!!!!!
rainer11 (05.06.2008, 08:33 Uhr)
@buchholz : dummheit...
...gepaart mit einer großen portion arroganz, dazu ein gehöriger schuss selbstüberschätzung und in abwesenheit jeglicher sozialen intelligenz: das sind die Personen ihres schlages. anderweitig sind solche aussagen "Diese Zusammenhänge wird hier im Forum kaum jemand begreifen." nicht erklärbar.
amigott (05.06.2008, 07:27 Uhr)
viel zu lange...
...wählte ich die Sozen.
20%? So viel?
Welche Trottel sind das denn noch?
Sehen diese 20% denn nicht die 100%ige Inkompetenz der fett gewordenen ehemaligen Sozialpartei?
Die sitzen an den Töpfen und ihr einziges Ziel ist nicht das Wohl der Bürger, sondern ihr eigenes.
Zur Diäten-Erhöhung hamse alle gleich genickt, diese Heuchler!
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Nie wieder wähl ich diese Losertruppe!
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