. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. Oktober 2005, 18:30 Uhr

Schröder darf noch einmal in die Elefantenrunde

Mit dem "Spitzengespräch" am Donnerstag schaffen SPD und Union die Möglichkeit dafür, dass Kanzler Schröder in Würde abtreten kann. Ob der Schröder-Faktor wieder alles anders kommen lässt, ist eine andere Frage. Von Florian Güßgen

Der K-Gipfel als Brücke für den Abgang von Bundeskanzler Gerhard Schröder: ein gleichsam höchstrangiges Super-Spitzen-Acht-Augen-Gespräch mit Merkel, Stoiber und Müntefering© Felix Heyder/DPA

Nein, eigentlich ist auch nach diesem Sondierungsgespräch am Mittwoch nichts sicher. Weder, wer die nächste Regierung anführen wird, noch, wer welchen Ministerposten kriegt. Es ist noch nicht einmal sicher, dass die Sondierungsgespräche zu Koalitionsverhandlungen führen werden. Sicher ist nur, dass alles, was derzeit in Berlin geschieht, unter Vorbehalt bewertet werden muss, weil man den Schröder-Faktor nie, nie, nie mehr vernachlässigen darf.

Solide Stahl-Brücke für Schröders Abgang

Aber genau um die Personalie Schröder geht es. Am Wahlabend hatte er seinen Anspruch auf den Chefposten lauthals polternd in der "Elefanten-Runde" zementiert. Weil die Union jedoch auf Merkel und Merkel auf dem Kanzler-Job beharrte, waren die Gespräche festgefahren. Es schien kaum einen Weg für Schröder zu geben, die Arena hoch erhobenen Hauptes zu verlassen. Mit ihrer Idee, am Donnerstag ein gleichsam höchstrangiges Super-Spitzen-Acht-Augen-Gespräch mit Merkel und Stoiber, Müntefering und Schröder anzuberaumen, haben die willigen Großkoalitionäre Schröder nun eine Brücke gebaut. Aus Gold ist sie zwar nicht, aber immerhin aus ehernem Stahl. Sie ermöglicht Schröder, mit der größtmöglichen Geste auf sein Amt zu verzichten - und so den unglücklichen Elefanten-Auftritt vom Wahlabend vergessen zu machen. Am späten Donnerstagabend, nach seiner Reise nach Madrid, vor seiner Reise zu Freund Wladimir, könnte Schröder im Anschluss an das Spitzengespräch vor die Kameras treten.

Sieg für Merkel

Er könnte sagen, dass die Spitzenpolitiker dieses Landes, jene Politiker, denen die Bürger - der Souverän - soeben die Verantwortung für ihr Wohl und Wehe übertragen haben, sich verständigt hätten, Deutschland gemeinsam zu führen. Er selbst, könnte Schröder sagen, hätte seinen Teil dazu beigetragen, die enormen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft stehe, anzugehen, sie zu bewältigen. Auch, dass er dafür gesorgt habe, der Stimme der sozialen Gerechtigkeit Kraft zu verleihen bei der Gestaltung der Zukunft - er würde die SPD meinen, könnte Schröder als sein Verdienst anführen. Mit fester Stimme könnte er dann, zur besten Fernseh-Zeit, zu seinem Volk sprechen. Weil er, Schröder, nicht im Weg stehen wolle, wenn das Land den dringenden Weg der Erneuerung gehe, werde er Frau Merkel den Vortritt lassen. Dieser Schritt, könnte er sagen, sei ihm nicht leicht gefallen, aber er sei notwendig - er stelle persönliche Ambitionen nicht über das Wohl des Landes.

Auf dem Weg zur Macht? Edmund Stoiber und Angela Merkel treffen beim K-Gipfel noch einmal auf Schröder und Müntefering© Andreas Rentz/Getty Images

Der Gipfel schafft eine bessere Kulisse

So könnte die Brücke aussehen, die das Spitzengespräch am Donnerstag Schröder baut. Die Kulisse dieses K-Gipfels wäre jedenfalls glorreicher als jene eines x-beliebigen, armseligen Sondierungsgesprächs. Im Prinzip würden alle noch einmal Wahlabend spielen und Schröder einen zweiten Versuch gestatten, staatsmännisch abzutreten. Dass dies ein Sieg für die von dem Wahlergebnis arg gebeutelte Merkel wäre, könnte dennoch niemand - selbst Ludwig Stiegler nicht - bestreiten. Auch schon vor dem K-Gipfel hat sie es in den vergangenen Wochen geschafft, die Partei auf Linie zu halten. Anders als im Wahlkampf hat sie nach dem 18. September keinen einzigen Fehler gemacht.

Paketlösung für künftige Machtverteilung

Zusätzlich eröffnet das Spitzengespräch - wenn wir schon dabei sind - der SPD die Möglichkeit, alle anderen Machtfragen sofort zu klären - nicht, wer Minister wird, aber welche Partei welches Ministerium bekommt, welche Inhalte in einem Koalitions-Vertrag unverhandelbar sind. Im Austausch für den Kopf des Königs dürfte die SPD die Konturen der Regierung Merkel bestimmen. Für die Sozialdemokraten wäre das nicht einmal ein schlechter Deal, denn sogar über die Kanzlerin Merkel müssten sie eigentlich froh sein. Eine mittelfristig angeschlagene Merkel ist für sie besser als ein Überraschungs-Kanzler Koch oder Wulff.

Durchbruch auf dem Weg zu einer großen Koalition

Und so hat sich am Mittwoch, an dem eigentlich keiner mit Bewegung gerechnet hatte, doch etwas bewegt. Schröder, der seinen möglichen Abgang Anfang dieser Woche angedeutet hatte, verlässt langsam das Kanzleramt. Auf dem Weg hin zu einer großen Koalition ist das ein Durchbruch. Sicher, darauf sei hier noch einmal verwiesen, ist das alles natürlich nicht, denn wieder urteilt der gemeine Journalist hier gemäß der Kriterien der allgemeinen politischen Rationalität. Der ungewisse, aber wirkungsmächtige Schröder-Faktor muss auch hier vernachlässigt werden. Und so kann es sein, dass dieser, bei vollem Einsatz, am Donnerstag ganz andere Resultate zeitigt als hier skizziert: Einen Außenminister Schröder vielleicht, eine Doppelspitze im Kanzleramt, eine Krönung oder gar Neuwahlen. Bis dahin muss es heißen: Tschüss, Gerd - unter Vorbehalt!

Von Florian Güßgen
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Sondierungen Spitzengespräch soll K-Frage klären

Union und SPD haben ihre dritte Sondierungsrunde beendet, ohne die umstrittene Kanzlerfrage gelöst zu haben. Jetzt soll ein Spitzengespräch Klärung bringen, ob Koalitionsverhandlungen aufgenommen werden können. mehr...

Kritik Merz gibt Merkel Mitschuld am Wahlergebnis

CDU-Chefin Angela Merkel wird erstmals aus den eigenen Reihen offen kritisiert: Friedrich Merz gibt ihr eine Mitschuld am schlechten Abschneiden der Partei bei der Bundestagswahl. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe