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1. Oktober 2007, 13:13 Uhr

SPD eiert jetzt nach links

Aus dem Kurs der SPD kann niemand so richtig schlau werden. Gestern verkünden Steinmeier und Steinbrück das Ende des Sozialismus, heute rüttelt Parteichef Kurt Beck am Schröderschen Erbe der Agenda 2010. Vor allem einen dürften diese ewigen Wechselspielchen verwirren: den Wähler. Von Hans Peter Schütz

Der SPD-Vorsitzender Kurt Beck zu Beginn der Sitzung des SPD-Präsidiums in Berlin© Johannes Eisele/DPA

So manchem dürfte schwindlig werden beim Verfolg der derzeitigen programmatischen Positionssuche der SPD. Mal nach rechts, mal nach links. Mal rücken die Genossen den "vorsorgenden Sozialstaat" ins Zentrum des neuen Grundsatzprogramms und verabschieden sich vom "demokratischen Sozialismus", dann läuft es wieder umgekehrt. Mal präsentiert sich die Partei modernistisch und definiert Bildung als zentrales Element der Sozialpolitik in Zeiten der Globalisierung. Dann tüncht sie ihr Programm wieder in rosarote Farbe, kehrt zurück zu der guten alten Kampfformel, mit der schon die Väter und Großväter in den gesellschaftspolitischen Stellungskampf gezogen sind.

Und wofür steht Beck?

Dass das hin und her binnen wenigen Monaten stattfindet, macht das Ganze fürs interessierte Publikum, sprich: potentielle Wähler, nicht einfacher. Der erste Entwurf des neuen Grundsatzprogramms vom Jahresanfang kam modern daher, die umformulierte Fassung, die jetzt auf dem bevorstehenden Hamburger Parteitag beschlossen werden soll, bürstet den alten Hut des Sozialismus neu auf. Was da geschehen ist, besitzt den Segen von Parteichef Kurt Beck, der lange nicht erkennen ließ, wofür er den nun selbst steht. Treu zur Agenda 2010 und zum Reformkurs seines Vorgängers Gerhard Schröder? Eine Zeitlang hat er sich politisch so geäußert, beliebte sich als Apostel der Neuen Mitte darzustellen. Jetzt rückt er davon ab, indem er das Kernstück der Agenda kippen will, die Einschränkungen beim Bezug von Arbeitslosengeld. Dass sie ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit waren, dass damit der Sozialstaat um Milliarden entlastet worden ist, dass damit jetzt Geld des Staates für andere wichtige Reformen zur Verfügung steht, etwa in der Familienpolitik – alles vergessen, ruckzuck vorbei. Kaum ist es um die Lage der Staatsfinanzen besser bestellt, folgt der Rückfall in die alte Politik der allzu freigiebigen Hände.

Beck, der Problembär der SPD, begibt sich damit auf einen gefährlichen Weg bei der Suche nach innerparteilicher Autorität, die er bislang nicht erringen konnte. Jetzt soll es der Linksruck auf dem Hamburger Parteitag bringen. Der SPD-Vorsitzende liefert sich damit dem linken Flügel um Andrea Nahles aus. Er beugt sich zugleich dem anhaltenden Druck der Linkspartei, deren Programm er oft genug zum Teufelswerk erklärt hat und deren Positionen er sich nun doch annähert. Mag ja sein, dass er damit den Abmarsch weiterer Genossen zur linken Konkurrenz verringert. Zugleich jedoch handelt er sich neue Fragen nach seiner politischen Glaubwürdigkeit ein.

Steinbrück und Steinmeier feiern das Ende der alten Sozialdemokratie

Erst vor kurzem haben Peer Steinbrück und Frank Walter Steinmeier in einem Buch das Ende der alten Sozialdemokratie gefeiert und Schröders Agenda zum Fahrplan einer besseren SPD-Welt ausgerufen. Beck will das Duo in Hamburg zu seinen Stellvertretern wählen lassen. Da geht inhaltlich nichts zusammen, neue Auseinandersetzungen um den Kurs sind daher vorprogrammiert. Was außerdem Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering zum neuen Kurs des Vorsitzenden sagt, bleibt abzuwarten. Erfreut kann er kaum sein, dass die SPD jetzt Geld für Abmilderungen beim Arbeitslosengeld ausgegeben will, die den Druck von den Arbeitslosen nehmen, sich möglichst schnell um einen neuen Job zu bemühen. Und würde das Politik, was die SPD jetzt programmatisch beschließen will, kann sich Finanzminister Peer Steinbrück voraussichtlich das schöne Ziel der Null-Neuverschuldung alsbald abschreiben.

Natürlich kann man sich auf den zynischen Standpunkt stellen, dass letzten Ende nicht zählt, was in Grundsatzprogrammen steht, sondern nur, was in der politischen Praxis stattfindet. Das allerdings ist ein riskanter Weg. Denn dabei wird schlicht gesagt auf die Dummheit der Wähler spekuliert. Man hofft, dass sie nicht merken, wenn Theorie und Praxis weit auseinander klaffen. Der SPD-Vorsitzende hat sich damit auf einen gefährlichen Weg begeben. Er will erkennbar aus alten Fehlern nichts lernen, sondern kehrt zu Positionen zurück, die letzten Endes zu fünf Millionen Arbeitslosen geführt haben. Das ist Opportunismus pur eines SPD-Chefs, der nicht weiß, wie er die Partei aus dem 30-Prozent-Turm befreien könnte. Da ist fast ein guter Rat, was der Christdemokrat den Genossen rät: Beck abwählen!

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
na_bitte_geht_doch (03.10.2007, 01:27 Uhr)
zu spät - Arbeiterverräter
das schielen auf die Prozentwerte hat wohl bei der Einsicht geholfen.
Selbst der Dicke aus Ockersheim hat sich nicht zu einem solchen Ausmaß an Sozialabbau getraut wie Schröder, SPD und Grüne. Und mit Angela Merkel wären wir bereits mit den Amerikanern im Irak.
Aber mit Oskar und Co sind wir schnell raus aus Afghanistan, dem Sozialabbau und werden nie im Irak landen.
Ich freue mich schon auf die Wahlen.
Georgien (02.10.2007, 13:20 Uhr)
Beck läßt kein Profil erkennen
Die einstmals große, bedeutende SPD wird in den letzten Jahren zu einem kleinen "Partei-Verein" gestutzt. Schuld daran tragen die jetzigen Häuptlinge wie Beck, Müntefering,Struck,Steinmeier und noch einige andere.
Politiker von Format wie Brandt, Wehner u.a. gaben dieser Partei Profil, was ihr heute gänzlich fehlt. Das konzeptionslose Verhalten von Beck und seinen engsten Mitstreitern, ihr einseitiges Schimpfen und/oder Meckern gegen die LINKEN wirkt und ist hilflos. Den Status einer Volkspartei hat diese Partei ebensowenig die die CDU oder CSU.
Heinrich Heine vermerkte mal: Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich uzm den Schlaf gebracht.
Beck sollte seine Mannschaft auf die ihr zustehende Rolle in der Opposition vorbereiten, einige Damen und Herren in den Ruhestand schicken. Allen voran den Populisten Struck, der die merkwürdige Meinung vertritt, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt. So ein Schwachsinn.
Unsere zuständigen Einrichtungen haben mitunter Mühe, für Ruhe und Ordnung im eigenen Lande zu sorgen. Und der sehr fragwürdige Schäuble entwickelt Theorien, die keine Mehrheit beim Wählervolk finden. Bei der abgehobenen Kaste im Bundestag dagegen schon eher.
Die Politikverdrossenheit wächst weiter an. Schuld daran sind aber alle Parteien.
Link23 (02.10.2007, 10:52 Uhr)
was soll man da schreiben?
Wir haben leider immer nur die Wahl zwischen einem riesen Scheisshaufen und einem kleinen Scheisshaufen. Ist doch klar was gewählt wird. Der kleine (SPD).
Was die CDU/CSU sich leistet macht mir Angst. Ich habe keine Lust auf einen Nachtwächterstaat.
Und bei der Frage Mindestlohn sollte es keine Diskusionen geben. In Deutschland hat kein Arbeitnehmer in Armut zu leben.
Roy05441 (01.10.2007, 22:57 Uhr)
Wenn das die Gründerväter..
dieser Republik denn wüssten, dass solche Trottel sich als Gründer brüsten! So als wären sie gewesen dabei, oh Turnvater Jahn, sage es mir, : Das waren doch nur verblödete Deppen, die nach eigenem Kontostand ihr sogenanntes Konto ermessen.!
Nachdem ich denn wieder erwacht, sag dem deutschen Volk ich gut Nacht!"die SPD hat das meißte vollbracht!
So treibe ich den geilen Geiz denn auf die Spitze, wie ein BordellinoVI-Empfänger denkt auf der allerletzten Schröderritze, benutze deinen Einwegrasierer 7X, pro Woche, dann brauchst Du das ganze Jahr nur 52 Stück dank Schröder, wie wunderbar!
Fehlt noch zu deinem Glück, gib dein Geburtskonto an die SPD zurück!
Roy05441 (01.10.2007, 14:42 Uhr)
Egal wo sie hineiert,..
nach jeder Seite da stinkt's!
Sie hat seit 4 Jahrzehnten das beste geschafft, ihre eigenen Lobbyisten ans Ruder gebracht!
So tummeln all ihre eigenen Lobbyisten sich, auf des Steuerzahlers Tisch! Und immer noch wundern sie sich, dass selbst der letzte Trottel versteht sie nicht!
Sie ströhmen hinweg wie der Schnee in der Sonne, eventuell ist dies des Neubürgers Sonne!
Ich sag es immer, es ist wie mit der Jungfrau, vielleicht hast du Glück, und das Mensch zieht den Arsch nicht zurück!
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