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8. Juni 2007, 16:33 Uhr

Stoppschild für Schäuble

Der Bundesrat hat die sicherheitspolitischen Scharfmacher in Bund und Ländern ausgebremst. Die heimliche Schnüffelei des Staates in Computern findet nicht statt. Gut so. Der Rechtsstaat ist längst eingeengt genug. Von Hans Peter Schütz

Eine Verschärfung der Telefon- und Internetüberwachung fand im Bundesrat keine Mehrheit.© DPA

Zugegeben: Föderalismus ist manchmal mühsam, zuweilen sogar nervtötend, weil sich oft nur im Teppichhändlerstil die Interessen von Bund und 16 Länder auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Aber seien wir den Verfassungsvätern im Nachhinein dankbar. Der jeweils notwendige Balanceakt, zu dem die unterschiedlichen Interessen im Bundesrat die politischen Lager zwingen, bremst die legislativen Scharfmacher und Haudraufs vorzüglich.

Zu besichtigen war die wohltuende Wirkung jetzt wieder einmal im Bundesrat bei der Beschlussfassung über sicherheitspolitische Gesetze. Was hatte doch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble im Vorfeld nicht alles gefordert: Vernetzte Speicherung der Fingerabdrücke, die künftig bei neuen Reispässen abgeliefert werden müssen. Die Sicherheitsbehörden sollten jederzeit unkontrolliert Zugriff auf diese Daten bekommen. Nach schärferer Telefonüberwachung rief der sicherheitspolitische Scharfmacher der Nation. Nach heimlicher Schnüffelei in den Computern der Bürger per Staats-Trojanern. Drastisch wollte er den Katalog der Straftaten ausweiten, bei denen Telefonüberwachung möglich sein sollte.

Aus dem Schäuble-Wunschkatalog ist schon im Vorfeld einiges am Koalitionspartner SPD gescheitert. Der Justizministerin Brigitte Zypries sei Dank. Ganz unspektakulär hat sie Schäuble bereits bei der Formulierung des Regierungsentwurfs ausgebremst. Den Rest besorgten jetzt ihre SPD-Verbündeten in den Landesregierungen, die FDP, die in wichtigen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Niedersachsen mitbestimmt und schließlich auch die PDS, die in Berlin mit der SPD am Drücker ist.

Über Wortgeklingel kamen die Scharfmacher nicht hinaus

Zwar warben die Vertreter von CDU, vor allem jedoch der CSU für ein weit strammeres Sicherheitskonzept. Über Wortgeklingel sind die Scharfmacher der Union jedoch nicht hinausgekommen. Gut so! Der Beweis, dass mit immer neuen Abstrichen am verfassungsrechtlich verbürgten Recht auf informationelle Selbstbestimmung mehr Sicherheit vor Terrorismus und organisierter Kriminalität erreichbar ist, sind die Befürworter von Schily über Schäuble bis Beckstein bis heute schuldig geblieben. Ganz besonders gilt dies für die Behauptung, dass dies mit der Verlängerung der Speicherfrist der Telefondaten von sechs auf zwölf Monate erreichbar gewesen wäre. Die Verfassungsrichter haben ohnehin deutlich ihr Missfallen darüber ausgedrückt, dass unentwegt versucht wird, die Delikte, die Telefonüberwachung erlauben, immer weiter auszuweiten.

Man muss immer wieder daran erinnern, dass der Rechtsstaat ohne ein gewisses Risiko nicht existieren kann. Wer jedes Risiko ausschalten will, nimmt ihm die Luft, die die Bürger zum Atmen brauchen. Höchste Zeit, dass sich der gesetzgeberische Aktionismus der Großen Koalition anderen Themen zuwendet – etwa der Bildungspolitik.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
atride (08.06.2007, 20:31 Uhr)
Ohne jeden Zweifel
ist Schäuble im Moment der gefährlichste Mann ist Deutschland. Diese Person ist krank und muss weg.
DropBearHunter (08.06.2007, 20:20 Uhr)
Verfolgungswahn
Ich habe zunehmend den Eindruck Herr Schäuble hat sich am 12. Oktober 1990 bei Dieter Kaufmann mit paranoid-halluzinatorischer Schizophrenie angesteckt. Dieser Mann ist krank und gehört in den Ruhestand.
lockeboemmel (08.06.2007, 19:23 Uhr)
durch die Hintertür
Ein Teil der der Schäuble-Phantasien wurde zum Glück verhindert.
Gleichzeitig wurden die Befugnisse des Zolls erweitert. Dieser darf künftig "zur präventiven Aufdeckung noch unbekannter Verbrechen .. Bildaufnahmen und -aufzeichnungen sowie Abhören und Aufzeichnen von Privatgesprächen" einsetzen". Bei der Polizei heisst es künftig wohl öfter "ruf mal eben beim Zoll an, da müsste mal was abgehört werden".
Unser Grundgesetz ist mittlerweile nicht mehr das Papier wert auf dem es steht!
Freigeist5 (08.06.2007, 18:35 Uhr)
Verstehen.......
..ich kann unseren Innenminister sehr gut verstehen.........man traut den anderen immer das zu, was man selbst imstande ist zu tun......
Wie schön, wenn einen da das Gedächtniss ab und zu verläßt...siehe Spenden Affäre.....
bR4iNST0RM (08.06.2007, 17:45 Uhr)
Toll!
Zum Glück haben doch noch die Mehrheit der Abgeordneten einen klaren Kopf! Herzlichen Glückwunsch für diese Entscheidung!
Dennoch: Schäuble muss weg! Da hilft auch keine Ohrfeige. Mehr und mehr festigt sich der Gedanke, dass dieser Schäuble nur noch die Behindertenquote erfüllt.
Malt (08.06.2007, 17:35 Uhr)
Gut so...
...aber im Gegenzug ist der Fingerabdruck im Pass durchgewunken worden, während das "Ablenkungsmanöver G8" Schlagzeilen macht.
-
Rollt Schäuble aufs Abstellgleis... oder spannt ihn auch vor nen LKW bevor dieser auf eine Autobahn fährt!
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