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5. Januar 2008, 12:25 Uhr

Watschen für Westerwelles Mann

"Ungehörig", hat FDP-Ikone Genscher die verbale Entgleisung von Generalsekretär Niebel genannt. Eine deutlichere Ohrfeige für seinen Vergleich der Großen Koalition mit der Nationalen Front der DDR kann es kaum geben. Doch von Eigenverantwortung fehlt bei Niebel jede Spur. Von Hans Peter Schütz

Nach seinem Vergleich der Politik der grossen Koalition mit DDR-Verhältnissen sieht sich FDP-Generalsekretär Dirk Niebel mit Rücktrittsforderungen konfrontiert© Michael Latz/DDP

Ist jemals ein FDP-Generalsekretär peinlicher in aller Öffentlichkeit geohrfeigt worden als Dirk Niebel? Nein. Und vor dem Hintergrund, dass es der Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher, eine FDP-Ikone, war, der Niebel "ungehöriges Verhalten" vorgeworfen hat, wäre an sich ein Rücktritt fällig. Wäre, wenn bei den Liberalen von heute noch jene intellektuellen und moralischen Kriterien gelten würden, mit denen manche FDP-Politiker in der Nachkriegsrepublik Maßstäbe gesetzt haben. Tun sie leider nicht.

Einige Vergleiche sind tabu

Doch selbst politisch Spätgeborene wie Niebel müssten inzwischen wissen, dass es in der Politik zwei Dinge gibt, die man besser nicht bemüht in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner: Vergleiche mit der NS-Zeit und Parallelen mit Verhältnissen in der DDR-Diktatur. Dass Niebel die Bundeskanzlerin und ihre Regierung quasi in die Erbfolge mit Ulbricht, Honecker und Co. gerückt hat, ist eine Entgleisung, für die das Adjektiv "ungehörig" fast als Verniedlichung daherkommt.

Noch unerträglicher ist freilich, dass Niebel im Nachhinein unschuldig die Augen aufschlägt und erklärt, es habe ihm sternenfern gelegen, die Kanzlerin zu verunglimpfen. Das sagt er außerdem nicht einmal selbst, sondern lässt es von einem FDP-Sprecher erklären. Von Selbstverantwortung für sein Reden und Tun scheint dieser Mann noch nichts gehört zu haben. Erst lässt er sich einen Text aufschreiben, dessen Inhalt sein Urteilsvermögen übersteigt. Dass er ihn vielleicht selbst geschrieben haben könnte, schließen alle FDP-Insider aus; so polemisch mit der deutschen Sprache umzugehen, sei ihm nicht gegeben. Und dann wird es gedankenlos zum Druck frei gegeben. Das liegt auf der Ebene des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger, der auch nichts dabei fand, am Grabe des Ex-Ministerpräsidenten Hans Karl Filbinger vorzulesen, dieser sei ein bekennender Nazi-Gegner gewesen.

Erste Rücktrittsforderungen

"Ungehörig," sagt Genscher. Nur das? Ein FDP-General, der so daherredet, ist untragbar. Wenigstens spricht dies der Altliberale Gerhart Baum offen aus. Zumindest in einer FDP, in der auf Niebels Stuhl schon so herausragende Männer saßen wie Karl Hermann Flach oder Günther Verheugen. Guido Westerwelles "General" ist bisher nicht über das Niveau eines Marktschreiers hinausgekommen.

Berufen hat im Übrigen den Mann mit der DDR-Keule der Parteivorsitzende Guido Westerwelle. Damit trägt er auch die politische Verantwortung für dessen Reden. Vielleicht merkt der FDP-Chef jetzt endlich, dass er auch deshalb in der Kritik seiner Partei steht, weil er einen Generalsekretär beschäftigt, der sich vor allem als Stimme seines Herrn versteht. Insofern kann man Niebel Beschädigung seines Vorsitzenden vorhalten.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Eisenbaer (06.01.2008, 19:49 Uhr)
Wie der Herr, so´s Gescherr
Heißt ein altes deutsches Sprichwort. Vielleicht aber wollte Herr Niebel nur etwas von der Aufmerksamkeit der Presse von Herrn Westerwelle abziehen; wer weiß? Auf jeden Fall war es sehr beeindruckend mitzuerleben, was aus der "guten alten FDP" nach dem unfreiwilligen Abgang von Herrn Möllemann inzwischen geworden ist.
"Pfui Teufel", kann man da nur sagen!
mutti1 (06.01.2008, 12:58 Uhr)
danke herr niebel
er hat immer 1 scharfe zunge, aber diese darstellung ist echt gut,in der ddr wurden wir unterdrückt, verarscht, ausgebeutet, und entmündigt. schade, das er in der fdp ist.nicht umsonst hat man auf einmal 1990 sich mit den roten verbündet.1 land kampflos eingenommen, opfer sind die verfolgten in der ddr-diktatut, die 1 dreck an mitleid, geschweige denn wiedergutmachung erhalten. solche wendehälse und a......kriecher sind wieder überall dabei, uns "kleine" unterzubuttern.siehe alg2 und steuererlasse für großunternehmen.in der welt rumreisen u. zu hause den dreck untern teppich kehren geht nicht auf dauer.
Roy05441 (05.01.2008, 19:31 Uhr)
Das ist deutsche Politik
ganz pur! Wer sponsert solche Arschlöcher nur?
Daisan (05.01.2008, 18:39 Uhr)
Isno, wenn ich Ihren Kommentar lese
packt mich wirklich das Grauen.
Glauben Sie vielleicht, daß Politiker für das reichlich gezahlte Geld einen Freibrief zum Blödsins verzapfen haben?
Und SIE finden das gut?
Sie können ja gerne den Herrn Niebel privat sponsern, wenn Sie schlechte PR für etwas gutes halten.
Aber ich (und wohl die meisten Bürger auch) wollen für so unsäglich schlechte Leute keine Steuern zahlen.
Isno (05.01.2008, 14:06 Uhr)
Niebel machts
Der Mann tut das richtige. Bis gestern wußte ich nichtmal das die FDP derzeit sowas wie einen Generalsekretär hat. Denke das ging und geht vorallen noch vielen so. Also lieber eine schlechte PR, als gar keine PR.
mfG Isno
Daisan (05.01.2008, 13:59 Uhr)
Wer schützt die Deutschen
vor solchen Knallchargen wie diese erbärmliche Politikerkarikatur?
Ab ins Guidomobil, Türen und Fenster zuschweißen und Fahrzeug weitab der Zivilisation stehen lassen....
chb74 (05.01.2008, 13:11 Uhr)
Vielleicht...
...sollte Herr Niebel einfach endlich seinen Hut nehmen und sich wieder zurück an seinen ursprünglichen, weich gepolsterten Sitz in der Arbeitsverwaltung begeben. Offensichtlich reicht sein intellektuelles Niveau selbst für den meist nicht gerade hochgeistigen Berliner Politikbetrieb nicht aus...
klauknie (05.01.2008, 13:02 Uhr)
Mit diesem Generalsekretär...
...wird die FDP in absehbarer Zeit keinen Blumentopf gewinnen. Farblos und nichtssagend!!! Und wenn er mal etwas sagt, was Aufsehen erregt, dann dieser Schwachsinn.
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