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20. Januar 2008, 16:06 Uhr

Wolfgang Clement hat Recht

Peter Struck hat den Parteiausschluss von Wolfgang Clement gefordert. Dieser hatte vor der Wahl von Hessens SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti gewarnt. Er wirft ihr eine verfehlte Energiepolitik vor - und das völlig zu Recht, findet stern.de-Autor Hans Peter Schütz.

Steht wegen seiner Äußerungen in der Kritik: Wolfgang Clement© AP

Fast möchte man sich Sorgen machen um Peter Strucks Gesundheit. Der hessische Landtagwahlkampf stresst ihn erkennbar so, dass er Dinge sagt, die ihm bei weniger hohem Blutdruck nicht über die Lippen kämen. Die könnten ihn mal, beschimpfte er die mit ihm verbündete Union. Jetzt will er seinen Parteifreund Wolfgang Clement unverzüglich aus der SPD gefeuert sehen.

Nun kann man natürlich keinen daran hindern, sich so lächerlich zu machen, wie es nur geht. Aber bevor ein SPD-Fraktionsvorsitzender wie Struck sich derart hinreißen lässt, sollte er einen guten Rat befolgen: Erst mal Gehirn einschalten, dann reden.

Clement hat sich um die SPD verdient gemacht

Das hätte ihm in Sachen Wolfgang Clement sagen können: Natürlich ist es ärgerlich, wenn ein so bekannter Genosse an der Politik der hessischen Genossin Ypsilanti herumnörgelt. Von Wirtschaft versteht der Ex-Wirtschaftsminister schließlich was. Aber Clement hat sich in seiner Parteikarriere um die SPD vergleichbar verdient gemacht wie Struck, mindestens, wenn nicht mehr. Und einem Genossen, der sich die Meinungsfreiheit nicht nehmen lässt, mag es auch zum taktisch unangenehmen Zeitpunkt geschehen, sollte man nicht gleich mit dem dicken Knüppel des Parteiausschlusses kommen.

Struck weiß ganz genau, dass Clement ein Überzeugungstäter ist, immer war. Von Kadavergehorsam hält der Mann nichts, überhaupt nichts. Er hat klipp und klar gesagt, dass er die Abkehr von der Agenda 2010 durch die SPD von heute für einen Fehler hält. Er warnte ebenso unmissverständlich vor einer Annäherung der SPD an die Linkspartei. Und jetzt nennt er den parallelen Ausstieg aus Kernenergie und Kohlkraftwerken einen schweren energiepolitischen Fehler. Das soll für einen Parteiausschluss reichen? In der SPD denken Zehntausende wie Clement.

Vorwurf der Lobbyarbeit ist ehrenrührig

Geradezu ehrabschneidend ist es, Clement in diesem Zusammenhang vorzuhalten, er rede nur so, weil er im Aufsichtsrat des Energiekonzerns RWE sitze, der bekanntlich die Atommeiler Biblis A und Biblis B in absehbarer Zeit vom Netz nehmen soll. Wolfgang Clement ist keiner, der sich kaufen lässt. Einst verließ er den Dienst bei Willy Brandt, weil er dessen Urteil über Johannes Rau für unerträglich hielt. Und wenn ein Struck schon behauptet, es ginge hier nach der Melodie "Wes Brot ich ess', des Lied ich sing", dann sollte er zuerst mal den Namen seines Ex-Kanzlers Schröder erwähnen. Der hält Herrn Putin bekanntlich für einen "lupenreinen Demokraten," was er nun ganz gewiss nicht ist. Weil Putin Schröder bei Gasprom glänzend bezahlt? Hier könnte man auf einen verqueren Gedanken kommen: Die SPD macht deshalb so energisch gegen Kernkraft und Kohle mobil, damit die deutsche Wirtschaft in eine noch stärkere Abhängigkeit vom russischen Gas gerät und Gasprom der Bundesrepublik die Preise diktieren kann.

So ist es natürlich nicht. Aber Clement hat in der Sache die besseren Argumente als Struck und die anderen Kritiker. Wer sich überstürzt von den bisherigen Energieträgern verabschiedet und die Forderung nach "alternativer Energie" wie eine Monstranz vor sich herträgt, argumentiert nicht seriös. Die Veränderung der Strukturen unserer Energieversorgung ist ein Prozess mit langen Fristen. Wer dabei auf die Gefahren hinweist, die hier mit einem im Wahlkampfeifer versprochenen Schweinsgalopp verbunden sind, sollte nicht mit Parteiausschluss bedroht werden. Erst dieser Tage klagte SPD-Umweltminister Gabriel über die zu hohen Energiepreise und forderte einen Sozialtarif für sozial Schwache, von denen immer mehr ihre Stromrechnung nicht bezahlen können. Sollen diese ohnehin schon hohen Strompreise noch schneller steigen?

Wer Clement kennt, weiß, dass er über die Drohung Struck allenfalls lächelt. So ist er halt, der gute Peter, wird er denken. Immer schnell mit dem Mund. Fährt gerne dicke Motorräder - Klimaschutz hin, Klimaschutz her. Nur Kohlekraftwerke kann der nicht ab. Und unterm Strich wird er Struck mitteilen: Mein lieber Genosse, ob ich die Partei verlasse und wann, das entscheide ich immer noch selbst.

Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 102)
 
audio001 (25.01.2008, 05:45 Uhr)
audio001
Ob er Recht in der Sache hat oder nicht, ist nicht die Frage!
Das er eine eigene Meinung hat ist auch nicht das Problem (auch nicht das Problem seiner Partei!)!- Das Problem ist, dass der frühere SPD-Vizevorsitzende, der frühre SPD-Ministerpräsident und frühere SPD-Arbeitsminister Wolfgang Clement aktiv in den Wahlkampf in Hessen eingegriffen hat!- Nicht um seine Parteifreunde in Hessen zu unterstützen, sondern um gegen seine Partei und deren Spitzekandidatin zu opponieren!
Und als Parteimitglied ist er, ohne jeden Zweifel, mit diesem Vorgehen im Unrecht gegenüber seiner Partei!
Alles andere als ein Parteiausschluss würde überraschen!
talkingkraut (22.01.2008, 21:44 Uhr)
Wer ist hier bitte schön der Lobbyist?
Clement war als Unterdreissigjähriger schon Chefredakteur, und da war er noch nicht einmal in der SPD. Wegen seines Aufsichtsratmandats bei einer RWE-Tochter bei ihm von Lobbyismus zu sprechen, ist falsch. So ein Mandat macht Ärger und bringt Arbeit. Leichter verdient da schon Scheer, der Umweltexperte, Solarpapst und MdB sein Geld mit Lobbyismus für die Solar- und Windenergiebranche, Scheer, den Ypsi in ihrem Kompetenzteam hat. Eine intensive und ertragreiche Vortrags- und Buchvorstellungstätigkeit gibt Zeugnis davon, honoriert jeweils mit MdB-Stufe 1, genauso wie Verlagshonorare in der höchsten MdB-Stufe 3. Meinen Schätzungen zufolge übersteigen die jährlichen Nebeneinkünfte des Solarpapstes aus Lobbyismus die 100 000der Grenze.
nemetico (21.01.2008, 16:05 Uhr)
Aha
Einen solchen "Kommentar" gibts auf STERN Online also umsonst. Ist wohl schon bezahlt worden.
Wieso sollte man als "Otto Normalverbraucher" denn auch noch Geld zahlen für die Printausgabe, wo wahrscheinlich auch nichts anderes mehr drinsteht als neoliberales Gewäsch.
Nee, nee, meine Damen und Herren von STERN, richten Sie sich darauf ein, daß auch Ihre Printausgabe künftig von RWE allein finanziert werden muß. Durch Inserate beispielsweise. Oder auch Honorare.
Und den STERN in der Printausgabe könnten Sie dann ja auch einfach verteilen.
Falls den außer Clement und dem Vorstand der RWE noch irgendjemand lesen will.
inselkarl (21.01.2008, 13:52 Uhr)
Respekt
Ich bin seit Herrn Jörges kritischen Tagen vor 2 bis 3 Jahren nicht mehr solch ehrlichen Artikel im Stern gewohnt,dafür meine Hochachtung , Herr Schütz. Natürlich musste dies sofort durch Hern Borchers Dschungelcamp Artikel konterkariert werden. Aber Fakt ist auch, dass alle die lieben Gutmenschen, inclusive der Sternredakteure und der jetzigen SPD Spitze sich keinen Kopf über bezahlbaren Strom in Deutschland machen. Das mehrheitlich wohlfeile Dämonisieren der Kernkraft ist zur neuen Religion der Linken geworden( neben und parallel zum Mythos Klimakatastrophe)- und jeder Realist wird in die rechte Schmuddelecke gestellt, der an diesen Glaubenssätzen rüttelt. Ja, schaltet ruhig alle AKWs und alle Kohlekraftwerke ab,in 20 Jahren wird das europäische Drittweltland Deutschland um Energie und Rohstoffe bei den Russen und um Atomstrom bei den Franzosen nachbetteln.
feldsalat (21.01.2008, 13:24 Uhr)
Hamburg73/Hannes73 ...
Aha, hier muss man anscheinend schon mit mehreren Nicks unterwegs sein, um seine Lobbyisten-Meinung unters Volk zu bringen. Interessant.
Aber wenig kreativ. Aufgefallen ... ;-)
Hamburg73 (21.01.2008, 11:47 Uhr)
Sicherheit der Energieversorgung
bei einigermaßen erträglichen Preisen dürfte so ziemlich der einzige Standortvorteil haben, den wir der gewerblichen Industrie gegenüber anderen Ländern noch bieten können (neben den Nachteilen hohe Lohnnebenkosten, Fachkräftemangel, hohe Abgabenlast, starke Reguliergung, etc.). Warum diesen einzigen Vorteil durch gleichzeitigen Ausstieg aus Kohle und Kernkraft aufs Spiel setzen, während weltweit (etwa UK, China) neue AKWs zur günstigen Stromerzeugung gebaut werden ? Diese Energiepolitik wäre auch zutiefst unsozial, weil die Folgen als erstes mal wieder die gering Qualifierten in den energieintensiven Fertigungsbereichen treffen würden. Will die Hessen-SPD jetzt auch nur noch Politik für die reiche Grünen-Klientel machen ? Als Architekt oder Biolehrer wäre mir die Energieversorgung (Grundlastsicherheit/Preise) ebenfalls schnurzpiepegal, als Bandarbeiter bei Opel oder VW allerdings nicht.)
Hannes73 (21.01.2008, 11:38 Uhr)
Die SPD wird immer mehr von den Grünen unterwandert
Die SPD wird immer stärker von den Grünen unterwandert. Und wenn man sich Kommentarseiten wie diese hier ansieht, dann kommt man von dem Gefühl nicht los, dass diese Grünen auch ganze Scharen von Kommentarschreibern unterhalten.
Der starke Mitgliederschwund bei der SPD hat allein damit zu tun, dass dort immer weniger die Bedürfnisse der Arbeitnehmer, der Rentner und der Alleinstehenden vertreten werden. Die SPD ist nicht mehr die Partei der kleinen Leute, die sie früher mal war. Eine neue Umwelt- und Energiepolitik muss mindesten EU-weit angestrebt werden, sofern sie für unseren Globus überhaupt etwas bewirken soll. Ein weiteres Ansteigen der Armut in unseren Kleine-Leute-Schichten durch diese ideologisch überfrachtete Energiepolitik können viele Leute einfach nicht mehr bezahlen. Wir sollten die Menschen unserer Nachbarländer, wo der Bau neuer Generationen von Atommailern schon beschlossen wurde, nicht für dumm halten. Die Politiker in diesen Nachbarländern handeln nicht unverantwortlich, eher im Gegenteil!
Skarrin (21.01.2008, 10:49 Uhr)
Ewiggestrige unter sich
Wie wärs, wenn Clement und der Kommentator zusammen eine neue Partei pro Atom- und "Kohlkraftwerke" (ja so steht es wirklich momentan im Kommentar!) gründen würden?
Mit dem Energie-Konzept von Scheer und Ypsilanti haben (nicht nur) die Hessen Chancen auf eine sichere, preiswerte und umweltfreundliche Energieversorgung auch in Zukunft - gut möglich dass sie das bei der kommenden Wahl auch so sehen werden.
Und für Clement gibts sicher noch ein Pöstchen bei Gazprom...
Daisan (21.01.2008, 10:44 Uhr)
Lobbyismus
Es zeigt sich zunehmend, daß es von großem Übel ist, wenn Politiker "nebenbei" Mandate in der Wirtschaft ausüben. Wie man an Clement sieht, agieren diese Leute wie Marionetten der Industrie.
Ich fordere das Verbot von "Nebentätigkeiten" egal welcher Art. Bei Verstoss Gefängnis nicht unter zwei Jahren.
Herr Schütz wie ist das eigentlich bei Ihnen? Wieso schreiben Sie eigentlich so servil pro Clement/Atomlobby? Glauben Sie wirklich Sie können die Intelligenz der Bürger derart beleidigen? Was haben Sie eigentlich davon wenn Sie hier wie ein Lohnschreiber auftreten?Wieso geben Sie sich die Blösse und lassen hier einen "Kommentar" ab der widerlegbar ist?
Ein Gutes hat Ihr Kommentar: Endlich zeigen die Lobbykraten unverhohlen ihr Gesicht und man kann einfacher identifizieren wo die Feinde des Volkes sind.
Als Journalist würde ich mich für Ihr Elaborat in Grund und Boden schämen. Tiefer kann man nicht mehr sinken.
Entsinne ich mich richtig daß Sie ziemlich gute Verbindungen mit dem früheren Chefredakteur des Stern, Herrn Funke haben?
Funke war ja nicht lange dabei, zu recht wie ich finde.
Vielleicht streben Sie auch nach Veränderung Ihres Wirkungskreises?
Henri Nannen würde sich im Grabe umdrehen, davon bin ich überzeugt.
Konrad240335 (21.01.2008, 10:42 Uhr)
Clement hat Recht
Was die Energiepolitik der Linken Ypsilanti anbetrifft, so kann man nur den Kopf schütteln.
Der spinnerte Illosionist Scheer ist absolut nicht ministrabel. Er will dann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, ganz einfach den Strom rationieren.
Pfui Teufel, kann man da nur sagen.
Gruß H.K.
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