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16. Januar 2008, 11:06 Uhr

Wechselt Mehdorn aus!

Höhere Fahrpreise? Entlassungen? Mit patzigen Drohungen hat Bahnchef Hartmut Mehdorn seiner Wut über die Niederlage gegen die Lokführer Luft gemacht. Mittlerweile schadet der mehdornsche Egotrip dem ganzen Konzern. Er muss gehen. Von Marcus Gatzke

Der wütende Bahn-Chef: Helmut Mehdorn droht mit Entlassungen und Fahrpreiserhöhungen© Martin Oeser/ddp

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn muss mächtig verzweifelt sein. Anders sind die jüngsten Ausfälle des seit 1999 an der Spitze der Bahn agierenden Mannes nicht zu erklären. Dass er mit einem ausgesprochenen Selbstbewusstsein und einer ordentlichen Portion Temperament ausgestattet ist und beides oft zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort auslebt, ist hinlänglich bekannt. Was er aber jetzt macht, gleicht einem politischen Selbstmord. Jemand, der seine Verbündeten ohnehin an einer Hand abzählen kann, läuft Amok und unterscheidet nicht zwischen Freund und Feind.

Höhere Preise. Weniger Jobs. Mehdorns Einlassungen nach der von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erzwungenen Tarifeinigung mit den Lokführern machen eines klar: Der Mann hat den Kampf um sein Lebenswerk, eine privatisierte und globalisierte Deutsche Bahn, aufgegeben. Jetzt lautet die Devise: Nach mir die Sintflut.

Der Bund kann sich diesen Affront nicht bieten lassen

Der Bund als Bahneigentümer kann sich einen solchen Affront nicht lange bieten lassen und muss die Konsequenzen ziehen. Es kann nicht sein, dass Mehdorn dem Eigentümer des Unternehmens, bei dem er angestellt ist, offen mit Entlassungen und Preiserhöhungen droht und den gesamten Standort Deutschland madig macht, nur weil er selbstverschuldet in einem Tarifkonflikt den Kürzeren gezogen hat.

Die Tarifeinigung kommt die Bahn teuer, sogar sehr teuer. Die Kosten werden auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Soll die Bahn, wie vom Bund gefordert, schon jetzt wie eine echte Aktiengesellschaft agieren, muss Mehdorn den zu hohen Abschluss kritisieren und vor über die Maßen steigenden Personalkosten warnen. Nur wer trägt die Schuld daran? Tiefensee, der es nach zehn Monaten leid war und unbefristete Streiks vermeiden wollte? Nein, Hartmut Mehdorn muss sich an die eigene Nase fassen.

Im Kanzleramt hat er kaum Freunde

Mehdorns altbewährte Strategie, einfach mit dem Kopf durch die Wand zu laufen, hat diesmal nicht funktioniert. Und dass hätte er sehen können und müssen. "Konflikte muss man angehen", sagt Mehdorn. Nur hatte er es diesmal nicht mit ein paar renitenten Verkehrspolitikern im Bundestag zu tun, sondern mit einem störrischen Gewerkschaftschef, der sich nicht so einfach kaltstellen lässt. Und auf Verbündete im Kanzleramt konnte Mehdorn diesmal nicht zurückgreifen. Sein Bittgespräch bei der Kanzlerin blieb ohne Erfolg.

Taktgefühl und Diplomatie waren gefragt, Eigenschaften, die in Mehdorns Wortschatz nicht vorkommen. Der Titel seiner im vergangenen Jahr erschienen Biografie bringt seinen Charakter auf den Punkt: "Diplomat wollte ich nie werden". Nur: Ein echter Vorstandsvorsitzender eines globalisierten Logistikkonzerns braucht genau das, um erfolgreich zu sein. Reines Machtstreben und ein übergroßes Ego reichen nicht. Jetzt die Schuld allen anderen zu geben, ist peinlich und zeigt, dass Mehdorn ein schlechter Verlierer ist.

Über Mehdorns Nachfolge wird schon nachgedacht

Schon während der Hochphase des Tarifkonflikts mit den Lokführern hat Mehdorn angeblich seinen Rücktritt in den Raum gestellt. Im Aufsichtsrat soll bereits über die Nach-Mehdorn-Ära nachgedacht worden sein. Nicht zum ersten Mal übrigens. Jetzt wäre es an der Zeit, diese Gedankenspiele in die Realität umzusetzen.

Die große Koalition wird sich aber nicht zu diesem Schritt durchringen. Zu oft hat Mehdorn mit der Politik Katz und Maus gespielt. 2008 soll das Jahr der großen Privatisierung werden, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Kurz zuvor noch schnell den Vorstandsvorsitzenden auszuwechseln, passt da nicht ins Drehbuch, zumal der Mehdorns Vertrag gerade erst verlängert wurde. Aber warum nicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die schon jetzt als gescheitert einzustufende Bahn-Privatisierung absagen und mit einem neuen Vorstandsvorsitzenden einen echten Neuanfang wagen?

Von Marcus Gatzke
 
 
KOMMENTARE (10 von 67)
 
ganzbaf (18.01.2008, 14:41 Uhr)
Eben nicht...
würde es den Steuerzahler mehr kosten!
Als Staatsunternehmen braucht man nämlich KEINE Gewinne zu machen! Diese Gewinne muß man jetzt aber als Fahrgasst mitbezahlen, und die Gewinnerwartungen werden weiter steigen, da kannst du dir sicher sein...!
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Bei den "Basics" hilft nur Verstaatlichen (-:
BaSch (17.01.2008, 16:48 Uhr)
Mehdorns Job
Mal ehrlich, auch mir schmecken die Preiserhöhungen nicht. Aber welche Alternative gibt es bei den gestiegenen Mehrkosten? Aber die Bahn muss doch irgendwie wettbewerbsfähig bleiben. Und auch für unbequeme Entscheidungen wurde Mehdorn einst eingestellt. Die Bundesbahn kann doch niemand wiederhaben wollen. Das würde uns Steuerzahler ja noch mehr Geld kosten.
feldsalat (17.01.2008, 15:56 Uhr)
Josh67 (16.1.2008, 16:31 Uhr)
Ganz genau, lieber Josh!
Ihr Beitrag hätte von mir stammen können, ich kann ihn nur voll unterschreiben!
ganzbaf (16.01.2008, 23:30 Uhr)
He, Eisenbär....
tendenziell richtig erkannt.
Die Linkspartei wird nie die Mehrheit in D. bekommen und wenn, würde man auch nicht wissen, was siew daraus wirklich machen.
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Ich fordere dagegn an dieser Stelle immer die Einführung der "Brutalstmöglichen Volksabstimmungsdemokratie" da weitestgehend ideolgiefrei!
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Außerdem, wenn schon Unmögliches fordern, dann ja wohl richtig.... ;-DD
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....Auf, auf Genossen!... Auf zum Marsch nach Berlin! WIR sind das Volk und der Souverän!!........
gsc777 (16.01.2008, 20:48 Uhr)
Es war einmal....
.... ein kleiner wütender König.
Man nannte ihn Rumpelstilzchen. Aber richtig hiess er Hartmut. Den hat ein alter Mann sehr geärgert. Und als der weg war, hat er einen heißen Tanz aufgeführt. Und hat Sachen gesagt, die ein Eisenbahnkönig nicht sagen darf. Da haben sich die anderen sehr erschrocken und geärgert und haben ihn einfach fortgejagt.
Das ist die Geschichte des Hartmut Mehdorn.
Eisenbaer (16.01.2008, 18:30 Uhr)
@hardius
Der Wählerwille, also der Leute die gewählt haben, wird ausgeführt. Die einzige im Parlament vertretene Partei, die meines Wissens einen anderen Standpunkt einnimmt, sprich die Linke, stellt nicht den Bundeskanzler. Solange letzteres nicht eintritt und dieser mit einer absoluten Mehrheit regieren kann, wird sich an dem Kurs dieses unseren Landes auch nicht viel ändern.
Dass ich hier die Realität niederschreibe hat nichts mit meiner Überzeugung zu tun. Es ist nur so, dass aus den Handlungen der Bevölkerung zu einem nicht geringen Teil auch die Handlungen der Bundesregierungen resultieren. Sich einmal nicht über die Konsequenzen von anders wählen oder "Stimmenthalten" nicht im Klaren zu sein ist die eine Sache. Aber immer wieder den gleichen Fehler begehen und immer wieder nur anschliessend klagen, nicht aber das eigene Verhalten überdenken und sich selbst zu ändern, das ist eine ganz andere Sache. Denn wenn Letzteres mehr Leute täten, dann sähe die realitätz in Deutschland in nur ein paar Jahren viel rosiger für uns aus.
Allein, mir fehlt der Glaube an die Einsichtigkeit des deutschen Michels´. Der wartet immer nur darauf, dass ihn einer an die Hand nimmt und trabt dann wie das Lämnmlein zur Schlachtbank geduldig mit. Mäh. Mäh. Mäh.
Eisenbaer (16.01.2008, 18:19 Uhr)
Betreff: Staatsbetrieb
Leute, löst Euch von der Vorstellung, dass die DB AG ein Staatsbetrieb ist. Das ist bereits seit 1994 nicht mehr richtig. Die DB AG ist eine Aktiengesellschaft (ja tatsächlich!!) deren alleiniger Eigentümer meines Wissens die Bundesregierung ist. Also nicht einmal das Kabinett, soviel ich weiss. Von Volkswohl, Grundversorgung und ähnlicher "Sozialromatik" ist der real existierende Konzern weit entfernt. Und die werden auch so schnell nicht wieder kommen.
hardius (16.01.2008, 18:16 Uhr)
@Eisenbaer
Aus Dir wäre ein guter Parteisekretär geworden. Schade!
Eisenbaer (16.01.2008, 18:11 Uhr)
Betreff: Tafelsilber
Die Deutsche Bundesbahn wurde in den letzten 20 Jahren ihres Bestehens (Ende 1994) von ihrem Eigentümer (dem Bund) systematisch heruntergewirtschaftet: Keine Investitionen, überaltertertes Rollmaterial mit dramatisch erhöhten Wartungsintervallen, die Schienenwege bis auf wenige Vorzeigeobjekte verschlissen, die Technik von Anno Toback. Der Reichsbahn im anderen Teil Deutschlands ging es nur wenig besser. (Ja, tatsächlich: "besser"!!). Als die DB AG formiert wurde bestand diese aus einem riesigen Haufen Schrott, vielen dringend sanierungsbedürftigen baulichen Anlagen und einem ob der Verhältnisse zusammengeschweißtem Wir-Gefühl der Personale.
In nur 10 Jahren wurde aus diesem Schrotthaufen ein funktionierender weltweit agierender Konzern geformt, der mittlererweile Gewinne erwirtschaftet, was der alten Bahn seit Jahrzehnten nicht mehr gelungen war. Ein Teil der Personale, verstärkt von vielem frischen Blut zieht immer noch kräftig mit, nur eine Minderheit ist knaatschig, weil es nicht mehr den früheren Schlendrian gibt. Wie hieß doch früher ein Spottvers: "Wer in der Witschafts nichts wird, geht zu Bundeswehr und -bahn. Und wer dort nichts wird, wird Wirt."
Und jetzt, wo der DB Konzern agiert, wie es jeder Weltkonzern tut, jetzt sehnt man sich wieder nach der guten alten Bimmelbahn zurück. - Haha, und in ein paar Wochen kommt der Osterhase vorbei.
mimmko (16.01.2008, 17:57 Uhr)
Bahn ein Staatsbetrieb ?
Wie passt dann die monatliche Vergütung des Mehdorn und seiner schrägen Gehilfin Suckale in dieses System ?
Daneben nimmt sich das Einkommen ihres unmittelbaren Vorgesetzten Tiefensee ja gerade zu ärmlich aus.
Wer die bisherigen Verhandlungen und die dadurch entstandenen Kosten zu vertreten hat, wird ja nun in aller Deutlichkeit sichtbar.
Kaum war eine Sitzung zu Ende, wurde diese am nächsten Tag von der geistigen Etage der Bahn " ad absurdum " gestellt.
So ist mit kleinen Männern ( da bildet der Mehdorn keine Ausnahme )
da ist ein gewaltiger Minderwertigkeitskomplex vorhanden, der nur durch solche Ausbrüche kompensiert wird.
Der Mann gehört schleunigst entfernt,
bevor er noch mehr Schaden zu Lasten des Steuerzahlers verursacht.
Hans-Juergen Matschiske
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