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7. November 2009, 16:07 Uhr
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Regierung vertagt Steuerstreit bis nach der NRW-Wahl

Der Steuerstreit schwelt und belastet schon zum Start das schwarz-gelbe Klima. Damit er Union und FDP nicht auch die Wahl in NRW verdirbt, wird die Lösung des Konfliktes kurzerhand vertagt. Eine Kommission soll schlichten.

Angela Merkel, Steuerstreit, Schwarz-Gelb, NRW

Sie bastelt es sich irgendwie zurecht: Im Steuerstreit setzt Angela Merkel jetzt auf den Faktor Zeit© Marcus Brandt/EPA

Die schwarz-gelbe Koalition will erst nach der Steuerschätzung im Mai 2010 über die versprochene große Steuerrefom entscheiden. Dazu soll eine Kommission eingesetzt werden. Entsprechende Pläne bestätigten am Samstag Politiker von CDU und CSU. Ziel ist es offenbar, die Landtagswahl am 9. Mai in Nordrhein-Westfalen nicht mit einer neuerlichen Steuerdebatte zu belasten.

Angesichts des Bund-Länder-Streits über die Finanzierung des 8,4 Milliarden Euro umfassenden Steuerpakets 2010 verschärfte die FDP den Ton und erinnerte an die Koalitionsvereinbarung. Ihr Ehrenvorsitzender Hans-Dietrich Genscher lenkte dagegen ein und mahnte vor endgültigen Entscheidungen über eine große Steuerreform einen Kassensturz an.

Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, soll das Bundesfinanzministerium die Federführung übernehmen. Merkel habe den CDU-Ministerpräsidenten in der sogenannten Kaminrunde am Donnerstagabend die Einsetzung einer solchen Kommission vorgeschlagen und sei "auf breite Unterstützung" gestoßen.

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, bestätigte, die Arbeit der im Koalitionsvertrag von Union und FDP vereinbarten Kommission werde direkt nach der Steuerschätzung im Mai beginnen. Die Reform, die frühestens 2011 kommen soll, könne äußerstenfalls noch gut 19 Milliarden Euro Entlastung bringen, sagte er der "B.Z. am Sonntag". Dies sei die "absolute Obergrenze".

Von den häufig genannten 24 Milliarden Euro seien 4,6 Milliarden abzuziehen, mit denen die Familien mit Kindern bereits von 2010 an entlastet würden. Dies sei Teil des kleinen Steuerpakets von 8,4 Milliarden für Eltern, Unternehmen, Erben und Hoteliers, das das Bundeskabinett an diesem Montag beschließen will und das Anfang Januar wirksam werden soll. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nannte dieses Gesetz "eine wichtige Weichenstellung für mehr Wachstum und Beschäftigung". Hinzu kommen noch rund 14 Milliarden Steuerentlastungen aus Gesetzen der alten Unions-SPD-Koalition.

Westerwelle setzt auf "faire Steuern"

FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle ließ sich von Finanzierungs-Bedenken der Länder nicht beeindrucken. "Gerade weil die Kassen leer sind, brauchen wir ja faire Steuern, damit der Wirtschaftsmotor wieder anspringt und damit so unterm Strich auch mehr Geld in die Staatskassen kommt, sagte er der "Bild"-Zeitung. "Der (steuerliche) Stufentarif wird kommen", erklärte auch FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt". "Möglichst 2011, spätestens bis Ende dieser Wahlperiode. Der Stufentarif steht im Koalitionsvertrag, und die FDP erwartet Vertragstreue", griff er die Union an.

Genscher trat dagegen auf die Bremse: Zunächst müsse der "verantwortungsbewusste" Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach den "verborgenen Risiken" im Haushalt schauen, sagte der ehemalige Parteivorsitzende im Gespräch mit dem Radiosender hr-Info. "Ich bin der Meinung, dass wir ein Gleichgewicht schaffen müssen, zwischen den vorgeschlagenen Entlastungen, und dem was möglich ist." Die von der FDP aufgezeigten "weitergehenden Perspektiven" für Steuersenkungen könnten auch erst in einer zweiten schwarz-gelben Regierungsperiode umgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch der Wählerwille im Herbst 2013 für eine Legislatur bis 2017.

Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) sieht in der aktuellen Wirtschaftskrise kaum Spielraum für Steuersenkungen. "Eine Krise kann man nicht dadurch bewältigen, dass man heute Steuererleichterungen durchführt, die auf Pump erfolgen", sagte er. Tillich erinnerte auch an die demografische Entwicklung: "In fünf Jahren müssen weniger Köpfe mehr leisten. Die müssen die tägliche Leistung für das Gemeinwesen erbringen und de facto noch Schulden abtragen."

AP/DPA
KOMMENTARE (10 von 11)
 
erichmonika (08.11.2009, 17:57 Uhr)
Fehlt euch doch die SPD?
Das wird immer erkennbarer. in der großen Koalition war es die SPD und ihre Minister/innen, die stabilisierend gewirkt haben, die einigermaßen innovativ waren, während die Frau Merkel in der Weltgeschichte herumfuhr und eine gute Figur abgab. Die erfolge hat sie in ihre Scheine gefahren und unbequemen Beschlüsse hat sie der SPD angelastet oder überlassen. So gewinnt man offenkundig Wahlen aber bringt man auch einen Staat voran? Aber ihr habt sie zusammen mit ihrem Westerwelle gewählt. Jetzt beschwert euch nicht. Ihr habt wohl zu viel Jörges gelesen.
deholgi (08.11.2009, 11:38 Uhr)
Wer hätte das gedacht
ich habe es schon vor der Wahl gesagt. Aber das politische Gedächtnis der Deutschen scheint recht kurzlebig zu sein. Vergessen wer Euch 16 lange Jahre verarscht hat und genau die Probleme, die wir jetzt haben, verursacht hat (Rente, Schulden, Verteilung von unten nach oben...). Genau, es war CDU/FDP unter Kohl. Und nun auf ein Neues. Bin gespannt, wann die nächste Umverteilungswelle gestartet wird. Oder glaubt hier noch Jemand dass das gemeine Volk an den Steuergeschenken beteiligt wird. Wohl eher mal wieder die Unternehmen und Aktienbesitzer.
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Bin ich froh dass ich diesem korrupten Land den Rücken gekehrt habe.
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Ciao Angie, dass dir deine Gier nach Macht im Halse stecken bleibt.
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Holgi
oppenwehe (07.11.2009, 22:57 Uhr)
komisch...
jetzt mal ehrlich: Ihr habt diese Dame gewählt. Jetzt müsst Ihr damit leben.

Willkommen in der Demokratie!
rockyciano (07.11.2009, 19:39 Uhr)
Die Strategie dieser Regierung ist
doch so leicht durchschaubar........Den Wähler vor der NRW Wahl erstmal mit 20 Euro Kindergelderhöhung besänftigen und ruhigstellen.-AKW-Laufzeiten und Afghanistan möglichst nicht thematisieren......könnte den Wähler überfordern!!!-Dann steigt ein Herr Rüttgers wie Phoenix aus der Asche als designierter Retter von Opel.......Das Stück und seine Besetzung ist doch an Dramaturgie nicht zu überbieten......oder
teresila (07.11.2009, 18:42 Uhr)
Merkel und etwas entscheiden?
War und ist ihre Sache.Immer schön abwarten.Läufts gut,war es doch ihre Meinung,läufts schlecht,sind die Anderen schuld.In 4 Jahren grosse Koalition wurde keine Entscheidung von ihr initiiert.
Acco21 (07.11.2009, 18:24 Uhr)
Machen wir uns doch nix vor.
nach der Wahl wird es nix werden mit Steuererleichterungen.
es werden die Steuern für die Reichen reduziert und für das dumme normale Volk wird es die PKW Maut geben, und weiterhin die KFZ-Steuer...
endbenutzer (07.11.2009, 16:41 Uhr)
War ja klar...
..dass die wichtigen Entscheidungen nach der Wahl in NRW getroffen werden. So wird das dumme Wahlvolk wenigstens nicht verunsichert und macht die Kreuzchen nicht an der falschen Stelle. Das Schlimme aber ist: Es wird funktionieren wie schwarz/gelb es sich wünscht. Und hinterher darf dann wieder gejammert werden, wenn die PKW-Maut durchgedrückt wird und die falschen von der "Steuerreform" profitieren..
flyingfree (07.11.2009, 16:25 Uhr)
Steuerstreit bis nach der NRW-Wahl vertagt
Die sind ja so jämmerlich berechenbar.
Sternchen2020 (07.11.2009, 15:46 Uhr)
Ja, alles wie gehabt
und nun das Gesetz mit der beschönigenden Bezeichnung "Gesetz zur Beschleunigung des Wachstums. Wieder einmal glaubt Politik, sie können Wirtschaft lenken.

Es sollte im bringen ein Gesetz zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der der Bürger geben. Das macht mehr Sinn und Politiker wären die nächsten fünf Legislaturperioden ununterbrochen beschäftigt.
dalamar (07.11.2009, 15:43 Uhr)
Politik a la Merkel
Nichts sagen bis der gemeine Wahlpöbel seine Schuldigkeit getan hat. Wozu den Wähler auch am Entscheidungsprozess partizipieren lassen?
Da müsste man ja mit Wahrheiten rausrücken. Diese Konsequenz versinnbildlicht die Weltanschauung dieser Regierung. Das Wahlvolk nur als Last im Entscheidungsprozess empfindent. Widerlich
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