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26. Januar 2009, 18:16 Uhr

Koalition einig über Kfz-Steuer

Nach massivem Streit über die angekündigte Kfz-Steuerreform ist der Bundesregierung ein Kompromiss gelungen: Danach wird die Besteuerung des Hubraums bei PS-starken Fahrzeugen nicht auf 300 Euro begrenzt. Mit den Mehreinnahmen soll der Steuerbetrag gesenkt werden.

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Die Kfz-Steuer soll sich bereits ab Juli zum Teil am Kohlendioxid-Ausstoß der Autos ausrichten© Jörg Sarbach/AP

Nach zähem Ringen bis zur letzten Minute hat sich die Große Koalition am Montagabend nach Mitteilung des Finanzministeriums auf ein Konzept zur Reform der Kfz-Steuer geeinigt. Danach werden Besitzer umweltfreundlicher und spritsparender Fahrzeuge entlastet, nicht aber die Besitzer besonders großer Wagen. Damit ist der Weg frei für die Kabinetts-Entscheidung über das zweite Konjunkturpaket am Dienstag. Noch diese Woche soll sich auch der Bundestag damit befassen.

Die Kfz-Steuer soll sich bereits von Juli an zum Teil am Kohlendioxid-Ausstoß der Autos ausrichten. Bis zuletzt hatten Union und SPD heftig darüber gestritten, wie hoch die Steuer für klimaschädliche Luxusautos mit hohem Verbrauch sein soll. Umweltminister Sigmar Gabriel hatte sein Veto gegen Pläne eingelegt, die solche Wagen begünstigt hätten. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Hans-Peter Friedrich (CSU), sagte, nun habe man sich darauf geeinigt, die Besteuerung des Hubraums bei PS-starken Diesel-Fahrzeugen nicht auf 300 Euro zu deckeln.

Im Gegenzug sollen die Mehreinnahmen, die dadurch bei großen Autos anfallen, zur Senkung der Steuersätze verwendet werden. Pro 100 Kubikzentimeter Hubraum sollen nur noch 9,50 Euro erhoben werden, und nicht wie geplant zehn Euro. Friedrich hatte schon vor der letzten Verhandlungsrunde vorgerechnet, dass eine vollständige Umstellung der Steuer auf CO2-Ausstoß zu viele Steuereinnahmen gekostet hätte. Das sei nicht zu bezahlen, sagte Friedrich.

Auch die SPD-Fraktion hatte heftigen Widerstand gegen das ursprüngliche Konzept geleistet. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber sagte im Deutschlandfunk, die klimapolitisch falsche Begünstigung großer Spritschlucker sei erst auf Druck der Unionsfraktion sowie von Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in den Gesetzentwurf gekommen. Eine Kfz-Steuerreform müsse zwei Elemente enthalten, verlangte er: "Die sparsamen Fahrzeuge müssen billiger sein als heute und die Spritschlucker müssen mindestens so teuer wie heute sein, eher teurer." Die Reform war jahrelang ergebnislos debattiert worden. Die Koalition hat sie nun als Teil des zweiten Konjunkturpakets erneut in Angriff genommen und will sie im Eiltempo bis 1. Juli 2009 in Kraft setzen. Sie soll den Autoabsatz ankurbeln und gleichzeitig Anreize für klimafreundliche Wagen bieten.

Dem Plan zufolge bleibt 2010 und 2011 die Basismenge von 120 Gramm pro Kilometer steuerfrei, 2012 und 2013 sollen es 110 Gramm sein. Die Erträge fließen künftig komplett dem Bund zu, die Länder bekommen einen Festbetrag als Ausgleich. Die FDP forderte die Abschaffung der Kfz-Steuer anstelle einer Reform. Die Steuer solle gestrichen und stattdessen im gleichen Umfang - rund neun Milliarden Euro - die Mineralölsteuer erhöht werden, sagte Generalsekretär Dirk Niebel. Das sei "sowohl öko als auch logisch", weil nicht der Besitz eines Autos, sondern die Kilometerleistung zähle. "Wer viel verbraucht, zahlt auch mehr", sagte Niebel.

Noch in der vergangenen Woche waren Vorschläge aus dem Bundesfinanzministerium unter anderem auf Widerstand im Umweltministerium gestoßen, da danach nicht nur Kleinwagen, sondern besonders schwere Geländewagen entlastet worden wären.

Das nun gefundene Modell ist demgegenüber leicht verändert und belastet große Spritfresser stärker. Es ist aber weiter eine Mischung aus der früheren Steuer nach Hubraum und einer CO2-Abgabe und gilt nur für Neuwagen: Je 100 Kubikzentimeter sind dann bei Benzinern 2 Euro fällig, bei Diesel-Fahrzeugen 9,50 Euro. Auf die zuletzt diskutierte Obergrenze, die schwere Wagen entlastet hätte, wurde verzichtet.

Einige Beispiele zeigen die Be- oder Entlastungen:

Benziner:
Für einen "Smart fortwo" mit 999 Kubikzentimetern Hubraum und einem CO2-Ausstoß von 112 Gramm pro Kilometer sinkt die Steuer von derzeit 67 auf 20 Euro.

Für einen VW Golf mit 1390 Kubikzentimetern Hubraum und einem Ausstoß von 149 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer sinkt der Betrag von 94 auf 86 Euro.

Für den Mercedes A170 mit 1699 Kubikzentimetern Hubraum und einem CO2-Ausstoß von 157 Gramm pro Kilometer verringert sich die Steuer von 114 auf 108 Euro.

Beim Porsche Boxster mit 2678 Kubikzentimetern Hubraum und einem Ausstoß von 222 Gramm CO2 steigt die Steuer von 182 auf 258 Euro.

Beim BMW der 5er Reihe mit 4799 Kubikzentimetern und einem CO2-Ausstoß von 246 Gramm erhöht sich die Steuer von 324 auf 348 Euro.

Diesel:
Für einen Opel Agila mit 1248 Kubikmetern Hubraum und einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer werden statt bisher 200 Euro künftig nur noch 123 Euro Steuern fällig.

Für den Ford Focus mit 1560 Kubikzentimetern und einem CO2-Ausstoß von 119 Gramm müssten statt 247 Euro nur noch 152 Euro an Steuern bezahlt werden.

Beim VW Passat mit 1960 Kubikzentimetern Hubraum und einem CO2-Ausstoß von 129 Gramm CO2 pro Kilometer sinkt die Steuer von 308 auf 208 Euro.

Für den Mercedes GLK320 mit 2987 Kubikzentimetern Hubraum und dem CO2-Ausstoß von 220 Gramm pro Kilometer steigt die Steuer von 463 auf 485 Euro.

Beim Audi A8 mit 4134 Kubikzentimetern Hubraum und dem CO2-Ausstoß von 249 Gramm erhöht sich der Betrag von 648 auf 657 Euro.

AP/Reuters/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Corazito3333 (28.01.2009, 18:33 Uhr)
Kapitalismus funktioniert nur über Kommerz
also muß gekauft, gekauft und nochmals gekauft werden! Weg mit allem was alt ist, auch wenns einwandfrei funktioniert. Der Müllberg wächst, aber die Wirtschaft funktioniert noch ne Zeit. Politiker die mitdenken, die vorausschauend denken!!!!
Corazito3333 (28.01.2009, 18:30 Uhr)
Super, es geht weiter
die Umverteilung von unten nach oben. Nur wer Kohle hat und sich einen Neuwagen kauft, der kriegt Steuererleichterung. Der, der schon seit Jahren Smart fährt, kriegt nix!
Gratuliere, gut gemacht!
Clibanarius (28.01.2009, 15:48 Uhr)
Vielen Dank...
...ihr elenden und charakterlosen Sch****. Für meinen 2005er Astra 1.8 (also weit weg von Luxus), ein eigentlich verbrauchsarmes Fahrzeug und u.a. deswegen damals erworben, darf ich unter dem Deckmantel des Klimaschutzes demnächst statt 120€ über 200€ zahlen - eine Erhöhung um gleich 80€. Zum Vergleich wird ein BMW 5er mit 4.8 Kubik nur 24€, ein Audi A8 4.2 gar nur ca. 7€ "teurer" und bei einem Audi Q7 bleibt alles beim alten. Wenn ihr Sauhaufen glaubt, ich Stiefel gleich los um ein Auto nach seinem CO2-Ausstoß zu erwerben, hattet ihr euren Kopf zu lange unter der Kloake.
feingold (27.01.2009, 18:11 Uhr)
Wenn ich hier...
...die Kommentare so lese, habe ich Zweifel, ob einer hier kapiert hat, was hier geplant ist: Dieses Steuermodell gilt nur für N e u w a g e n. Jeder Porsche- und SUV- und A8-Fahrer behält seinen "Rabatt" und jeder Smart- und Renault-Fahrer (z.B. 116 g CO2/km 248,-Eu Steuer)behält seine Strafsteuer, bis er sich ein neues Fahrzeug kauft.
Und das ist die Unverschämtheit: Das neue Steurmodell dient nicht der Umwelt sondern soll allein der Konjunktur dienen. (Spritschlucker werden noch länger gefahren, da steuergünstig, Sparautos früher verschrottet - Schwachsinn) Aber dazu ist die KFZ-Steuer nicht da. Hoffentlich findet sich jemand, der nach Karlsruhe geht.
acitapple (27.01.2009, 16:05 Uhr)
super !
76 taler mehr steuern pro jahr für einen boxster. ich seh schon horden von porschefahrern, die ,kurz vorm ruin, ihre karosse an den erstbesten verscherbeln um sich einen smart zu kaufen. kein wunder bei solch horrenden mehrkosten. von den a8-fahrern und ihren 9 euro mehr wollen wir gar nicht erst reden....
Salzsteuer (27.01.2009, 12:28 Uhr)
Bekloppt,
wie die ganze Regierung aus CSPDU!
Wittigofranko (27.01.2009, 10:40 Uhr)
Kfz-Steuer abschaffen und Ökoabgabe mit Ökobonus einführen
Die Kfz-Steuer ist steuersystematisch völlig veraltet und extrem verwaltungsaufwändig. Sie sollte schon alleine deswegen abgeschafft werden. Eine CO2-orientierte Kfz-Steuer wäre nur neuer Wein in alten Schläuchen und verwaltungstechnisch noch komplizierter ohne die gewünschten positiven ökologischen Verbesserungen. Eine Innovation stellte sie beileibe nicht dar.
Um wirklich Neues zu ermöglichen muss Altes abgeschafft werden - also weg mit der Kfz-Steuer. Damit hätten wir auch endlich einmal Steuersenkungen für Pendler wie Rentner.
Was wäre wirklich neu? Die Einführung von Ökoabgaben mit Ökobonus! Das derzeitige Kfz-Steueraufkommen von rund acht Milliarden Euro jährlich würde als Ökoabgabe auf einen Liter Kraftstoff umgerechnet den Liter um ca. 15 Euro-Cent verteuern. Am Ende eines Jahres hätte der Staat also wieder rund acht Milliarden an Einnahmen. Da Abgaben aber zweckgebunden sind, besteht ein Zweck der Ökoabgabe - neben der ökologischen Lenkungsfunktion - in der Rückvergütung. Durch die jüngst eingeführte lebenslange, persönliche Steueridentifikationsnummer könnten die Einnahmen an jedeN BürgerIn(der rund 80 Millionen EinwohnerInnen)rückvergütet werden: immerhin rund 100,-- Euro pro Jahr und Kopf.
Die Ökoabgabe liese sich z.B. schrittweise auf z. B. 45 Euro-Cent erhöhen. Die Rückvergütung stiege damit auf 300,-- Euro pro Kopf und Jahr.
Das würde die Nachfrage - ganz marktwirtschaftskonform - nach Sprit sparenden Neuwägen erhöhen, weil ja das Geld durch die Rückvergütung im volkswirtschaftlichen Kreislauf bliebe.
JedeR BürgerIn könnte auf den Tankbelegen nachprüfen, wie viel an Ökoabgabe sie/er gezahlt hat. Vielfahrer und damit die Umwelt mehr belastende würden systemgerecht mehr zahlen, Wenigfahrer entsprechend weniger.
Alle würden gewinnen, die Umwelt, die Automobilindustrie und der Staat durch einen drastisch gesunkenen Verwaltungsaufwand.
Ökoabgaben mit Ökobonus bringen Umweltpolitik, Steuerpolitik und Wirtschaftspolitik endlich in Einklang.
Also weg mit der Kfz-Steuer und her mit Ökoabgaben und Ökobonus.
Ludwig Paul Häußner
Universität Karlsruhe (TH) - IEP
www.iep.uni-karlsruhe.de
Silbador (27.01.2009, 07:18 Uhr)
Die FDP hatte recht
Das wäre am sinnvollsten gewesen und der Steuer-Hickhack hätte ein Ende.
Zu den Pendlern: die haben heute schon meist ein sparsames Auto, fahren mit Fahrgemeinschaften, wären also auch damit zurecht gekommen - immerhin mindern sich ja die Gesamtkosten um die Steuerersparnis und bei einem bürgerlichen Diesel sind dies immerhin auch 300.- pro Jahr.
-
Etwas Gutes hatte die ganze Sache aber doch: wir wissen nun etwas besser, wo wir dieses Jahr unser Kreuzchen machen sollten, vor allem aber, wo auf keinen Fall.
gmathol (27.01.2009, 06:14 Uhr)
Murksel gibt unlimitierte Hilfen fuer Banken die durch die US Finanzbetrueger an Wall Street ausgeraubt wurden.
Da muss natuerlich die Knete den deutschen Buergern aus der Tasche gezogen werden.
Finanzkrise hin un her, wie lange haelt das Volk noch still und laesst sich von dem etablierten Gesox das dem Ami dient ausrauben.
Ihr werdet wohl noch 30% Arbeitslosigkeit schlucken muessen denn die USA werden ihre Grenzen fuer Einfuhren dicht machen.
Was dann Murksel? Kommt dann die Brot-, Armuts- oder Atemsteuer? Gut das die Russen der NATO den Nachschub sperren, noch besser ist das Pakistan auch wegen permanenter US Angriffe auf seinem Territorium darueber nachdenkt den US/NATO Nachschub zu sperren.
Die Deutschen sind ein intelligentes Volk nur hin und wieder wollen die sich ausrotten. Amis raus!
susiwolf (27.01.2009, 05:50 Uhr)
@stern-admins....Die CO-2-Säue ....
Versauen kann man das Klima schon mit dem Co2-Ausstoß. Nur: in Ihrem Artikel vom 22.01.09 ... 09.15h von Gernot Kramper verbessern Sie sicherlich noch auf 'SäuLe' ... ? Wieso kann dieser Artikel nicht mehr kommentiert werden ? Einiges wäre dazu noch zu sagen.
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