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5. Januar 2009, 06:49 Uhr

Union will Steuern senken

Etappensieg für Horst Seehofer: In zähen Verhandlungen hat sich der CSU-Chef mit seiner Forderung nach Steuersenkungen bei der Schwesterpartei durchgesetzt. Insgesamt will die Union für das zweite Konjunkturpaket bis zu 50 Milliarden Euro bereitstellen. Allerdings sollten sich die Deutschen nicht zu früh freuen, denn die SPD schließt Steuersenkungen nach wie vor aus.

Konjunkturpaket II, CDU, CSU, SPD Steuersenkung

CSU-Chef Horst Seehofer hat den unionsinternen Streit um Steuersenkungen für sich entschieden© Tobias Schwarz/Reuters

Nach zähem Streit haben sich CDU und CSU auf ein gemeinsames Konzept für das nächste Konjunkturpaket der Bundesregierung verständigt. Überraschenderweise konnte sich CSU-Chef Horst Seehofer in den Verhandlungen Sonntagnacht mit seiner Forderung nach Steuersenkungen durchsetzen. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla berichtete nach fast sechsstündigen Verhandlungen im Berliner Kanzleramt, dass zu den geplanten Maßnahmen auch Steuersenkungen noch in diesem Jahr gehören.

Die Union will nach seinen Worten die sogenannte kalte Progression bei der Einkommensteuer abmildern. Dazu soll der Grundfreibetrag auf 8000 Euro erhöht und der Steuertarif entsprechend nach oben angepasst werden. Der Grundfreibetrag sichert das Existenzminimum und unterliegt keiner Einkommensteuer; für Ledige beträgt er derzeit 7664 Euro. Kalte Progression bedeutet, dass immer mehr Steuerpflichtige mit steigendem Einkommen in einen höheren Steuersatz "hineinwachsen".

Weiter sagte Pofalla, die Union könne sich vorstellen, den von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam finanzierten Beitrag zu gesetzlichen Krankenkasse zu senken. Details dazu nannte er nicht. "Wir sind für Abgabensenkungen und für Steuersenkungen in einem gleichwertigen Verhältnis", sagte Pofalla. Ebenfalls zu dem Konzept gehören nach seinen Worten zusätzliche Investitionen des Staates in die Infrastruktur, damit Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden.

Insgesamt stehen für das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung nach Angaben Kauders bis zu 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Diese Summe verteile sich auf die Jahre 2009 und 2010, sagte Kauder am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Ein Spielraum in dieser Höhe sei vorhanden, wenn Deutschland bei der Verschuldung die EU-Kriterien nicht verletzen wolle. Eine Einigung mit der SPD halte er für möglich, sagte Kauder. Die SPD spricht sich für ein Konjunkturprogramm im Umfang von 40 Milliarden Euro aus.

Feilschen mit der SPD

Die Koalition wird erst in der kommenden Woche konkrete Entscheidungen zum zweiten Konjunkturpaket treffen. Bei dem Spitzentreffen heute im Kanzleramt werde die Runde in der nächsten Woche intensiv vorbereitet, um dann Mitte Januar zu entscheiden, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin. "Wir sind sicher, dass wir gut gerüstet in die Verhandlungen mit der SPD gehen", sagte CDU-Generalsekretär Pofalla.

CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg sagte, während der langen Sitzung hätten sich die Schwesterparteien nicht etwa gezankt, sondern nach einer längeren Weihnachtspause auch schon ausführlich über Strategien für das beginnende Jahr gesprochen. Er begrüßte, das in dem gemeinsamen Unionskonzept auch Forderungen nach Steuerentlastungen enthalten sind. "Die CSU freut sich über diesen Abend", sagte er. Dies komme den seit Wochen von der CSU geforderten spürbaren Entlastungen der Steuerzahler gleich.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles reagierte skeptisch auf den Unionsvorschlag zur Anhebung des steuerlichen Grundfreibetrags. "Es wird sehr schwer werden, bei der Steuerfrage auf einen Nenner zu kommen", sagte Nahles am Montag im Deutschlandfunk. Die Vorschläge von CDU und CSU kämen vor allem den Beziehern mittlerer und höherer Einkommen zugute. Sinnvoller seien deshalb Abgabensenkungen, weil diese auch Niedrigverdiener und Arbeitslose entlasteten und damit direkt in den Konsum zurückflössen.

Die SPD geht mit der Forderung nach einem Konjunkturprogramm von 40 Milliarden Euro in die Gespräche mit der Union. Dazu gehören Bauprojekte, niedrigere Krankenkassenbeiträge, Abwrackprämien für alte Autos sowie eine Einmalzahlung von 200 Euro für jedes Kind mit Kindergeldanspruch. Das 19 Seiten starke Konzept wurde am Sonntag von der SPD-Spitze gebilligt. Gefordert wird darin auch, dass Gutverdiener zwei Jahre lang mehr Steuern zahlen sollen. Der höchste Steuersatz soll 2009 und 2010 von 45 auf 47,5 Prozent steigen und schon bei einem Jahreseinkommen von 125.000 Euro für Ledige (250.000 Euro für Verheiratete) greifen. Dieser "Solidarbeitrag Bildung" soll knapp eine Milliarde Euro einbringen und in die Modernisierung von Schulen und Kindergärten fließen. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte: "Die SPD hat ein Gesamtpaket und streitet sich nicht wie Kesselflicker bei CDU und CSU um die Gesichtswahrung einer bayerischen Schwesterpartei."

Dazu äußerte sich Pofalla bereits ablehnend: "Wir müssen doch alles dafür tun, die Menschen zu entlasten und ihnen Spielräume zu geben, Investitionen anzureizen. Diesen Teil kann es mit uns nicht geben."

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Pengolodh (05.01.2009, 15:56 Uhr)
"die SPD schließt Steuersenkungen nach wie vor aus"
Ach, und? Die SPD kämpft immer bis zum Umfallen, und sie fällt immer pünktlich kurz vor der Verabschiedung eines Gesetzes um. Wann ist gleich die nächste Sitzung des Bundestags?
endbenutzer (05.01.2009, 14:39 Uhr)
@Aaron71:
"...Man hätte sich schon seit Jahren auf ein einfaches Steuersystem a la Merz einigen können: 2-3 Steuersätze, keine Ausnahmetatbestände, keine Subventionen. Dann wäre deutlich mehr Geld im Lande und der Bürger weiß selbst am besten, wofür er es ausgibt...."
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Du glaubst im Ernst, die Stamm-Klientel von Merz ist an einem einfachen Steuerrecht interessiert?
endbenutzer (05.01.2009, 14:37 Uhr)
Union will Steuern senken.
Und natürlich wird es eine Steuersenkung nur dann geben, wenn man im September brav die Union wählt. Also Bürgerchen, gib brav Pfötchen, dann gibt's auch ein Leckerli!..
Nostradamus (05.01.2009, 13:44 Uhr)
Eher lernen Schweine fliegen
Wenn die davon reden Steuern zu senken oder eine Reform zu machen, dann kommt für uns nur heraus, dass wir weniger Geld in der Tasche haben.
michianso (05.01.2009, 13:12 Uhr)
Steuern senken - aber welche
Zuerst @Juris1
Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, gerade die zu unterstützen, die ohnehin kaum etwas haben und verdienen, aber die getroffene Aussage klingt gerade so, als würden all diejenigen, die 100'000 pro Jahr verdienen nicht arbeiten!?
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Dann generell: Würde eine Senkung der Einkommensteuer wirklich genau das bewirken, was intendiert ist? Letztendlich soll der Konsum gesteigert werden, also muss auch an einer Stelle angesetzt werden, die genau und ausschliesslich das bewirkt.
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Eine Senkung der Einkommensteuer hingegen lässt mit Sicherheit mehr Leute dazu neigen, mehr Geld auf die Seite zu legen - anstatt auszugeben. Eine Senkung der Mehrwertsteuer wäre aus dieser Sicht wesentlich sinnvoller.
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Aber bezüglich Steuern kann es ohnehin nie für alle gleich gerecht zugehen. Was für die einen von Vorteil ist, wirkt sich nachteilig für die anderen aus. Auch unsere Nachbarländer können das unter subjektiven Gesichtspunkten nicht besser.
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Ausser vielleicht die Schweiz, die bei weniger als 3% Arbeitslosen mit einer Steuerbelastung von durchschnittlich 25% und einer Mehrwertsteuer von 7.6% deutlich besser dasteht als Deutschland. An den Steuern kann es hier also nicht liegen ...
moorchen (05.01.2009, 11:38 Uhr)
Drohende Abwrackprämie senkt Lebensstandard!
Es werden künstlich Waren vernichtet und damit Werte zerstört, die der Bevölkerung dann nicht mehr zur Verfügung stehen, also volkswirtschaftlicher Blödsinn.
Wenn man der Autoindustrie helfen will, sollte man nach meiner Meinung mit dem Steuergeld die Herstellung und Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge fördern, anstatt die Produktion von Schrott zu belohnen!
So können deutsche Autos auch für das Ausland interessanter werden.
Juris1 (05.01.2009, 11:14 Uhr)
Steuern senken ....
Steuersenkungen sind notwendig, zumal der vielbesagte Aufschwung ja nun wirklich nicht angekommen ist.
Ein Vorschlag wäre, die Einkommenssteuer für das untere Segment zu senken/abzuschaffen. Wer arbeitet soll auch genügend Geld in der Tasche haben, ein vernünftiges Leben zu führen. Aber bitte: Solange sich an der Börse und an der Geldscheffelideologie der "untätigen Gewinner" nichts ändert, ist dies herausgeschmissenes Geld.
Wenn es den Bürgern gut geht, geht es auch der Wirtschaft gut. Es ist doch deutlich zu sehen, dass, wenn es der Wirtschaft gutgeht, es noch lange nicht den Bürgern gut geht. Diese Ideologie dürfte sich doch nun wirklich überholt haben.
Aber was passiert in Deutschland? - Man versucht den Status quo -den Status vor der Krise- wieder herzustellen, damit alles so weiter laufen kann wie bisher. Wer nicht kapiert hat, dass sich auch in den Köpfen von Unternehmern etwas ändern muss - ja auch in den Köpfen der Politiker - der hat seine Hausaufgaben nun wirklich nicht gemacht.
Jahrelang wurden Beamten und Beschäftigten in Öffentlichen Dienst vorgegaukelt, es sei kein Geld da für die gute qualitativ hochwertige Arbeit der Feuerwehrleute, Polizisten, Justizwachmeister, Krankenschwestern ... nun zeigt sich, dass alle belogen und betrogen worden sind. - Es sind Milliarden da, nur werden Sie jetzt für angeschlagene Wirtschaftsunternehmen verpulvert, anstatt Kaufkraft zu erzeugen.
Bedenke: Nur wer Geld hat, kann sich auch ein neues Auto kaufen. Sicherlich sparen viele Menschen Geld. Aber das sind doch nun wirklich vergleichbar wenige. Die Mehrzahl der arbeitenden Bevölkerung kann sich schon lange nicht mehr den Luxus erlauben, ein neues Auto zu kaufen. Auch hier ist Umdenken angesagt.
AchazIII. (05.01.2009, 11:05 Uhr)
Steuersenkung und/oder - erhöhung sollen helfen
Wenn es je eines Beweises bedurft hätte, das diese ganze Werkelei in Sachen Verhinderung Konjunkturkrise durch staatliche Eingriffe nur Murks sein kann, dann diese Vorschläge, dass sowohl Steuersenkungen (Union) als auch Steuererhöhungen (SPD) gut gegen die Konjunkturkrise gut sein sollen. Im Zweifel wird sich nun auch der Gutverdienende weigern, zu dieser Gruppe der "Besserverdienenden" (125.000 EURO Grenze) zu gehören. Dieser Betrag erwirtschaftet schon bald jeder mittelständische handwerrksmeister, dem man nun einzureden versucht, mit weniger Geld in der eigenen Tasche hilft er der Konjunktur.
Für Politiker wie den Altmeister Müntefering, der schon immer dem sozialistischen Staat mehr Geld geben wollte, ist die "Krise" natürlich die gerufene Spielwiese für sozialistische Feldversuche.
Irgendwann hat man es gesamtdeutsch geschafft, "DDR-Verhältnisse", in dem sich Arbeit nicht lohnte, zu schaffen und an denen dieser Staat unterging.
Ach ja, mit den Geldern sollen u. a. Straßen gebaut werden für Autos, die man erst noch kaufen soll, die aber kaum noch jemand will.
Schilda ist nun mal eine Stadt in Deutschland. Man wird immer wieder daran erinnert.
Und was die Begrenztheit von "Steuerzuschlägen anbetrifft" siehe Soli-Zuschalg von 1990. Der hat bald seinen 20. Geburtstag, obwohl er doch auch nur zwei Jahre gelten sollte.....
Silbador (05.01.2009, 10:57 Uhr)
Wahljahr
Wir werden wohl noch einige "Geschenke" präsentiert bekommen. Am meisten von denen, die sowieso nix zu melden haben.
Nursery (05.01.2009, 09:56 Uhr)
Getriebene
Die Probleme und Verfehlungen der letzten Jahre kommt dem Staat so oder so teuer zu stehen.Die Niedriglohnpolitik aller Volksparteien haben einen großen Teil dazu beigetragen das es dauerhaft zu kaum nennenswerten Steigerungen im Inlandkonsum kommt.Ganz im Gegenteil, Unser Land hat sich schon lange vom allgemeinen Trend der gleichmäßigen Verteilung der Gewinne verabschiedet.Die Besitzstandwahrer der Vergangenheit brüllen heute als erstes wenn es um neue Pfründe geht.
Wenn jetzt aucgh noch Konzerne im genuß der vielen zu verteilenden Milliarden kommt läßt das Faß endgültig überlaufen.Wo sind den die Gewinne der Autoindustrie,Stromkonzerne,Banken?In der Kreativen Buchführung waren diese Industriespaten nie verlegen.Völlig Unglaubwürdig diese Politik und deren Lobbysten.Wissmann und Co. lassen grüssen.Es ist peinlich und unverfroren zu gleich.Keine dieser Parteien wäre bei der nächsten Wahl zu wählen.Ganz im Gegenteil sie gehörten ausgesperrt,da sie zum Großen Teil dieser Probleme mitverschuldet hat.
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