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4. Dezember 2008, 09:09 Uhr

SPD streitet über Konsumgutscheine

Die Debatte um Konsumgutscheine hält an. Insbesondere die Sozialdemokraten streiten um den Effekt einer solchen Konjunkturspritze. Während sich immer mehr Kritiker in Position bringen, bringt ein SPD-Minister einen weiteren Vorschlag zur Ankurbelung der Konjunktur ins Spiel.

Konjunktur, Konjunkturprogramm, Konsumgutscheine, SPD

Befürworterin einer Ausgabe von Konsumgutscheinen: die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles© Markus Schreiber/AP

Trotz aller Kritik hat sich die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles erneut für eine Ausgabe von Konsumgutscheinen zur Belebung der schwächelnden Binnenkonjunktur ausgesprochen. Vor allem weil Deutschland als Exportweltmeister besonders von der Weltwirtschaftskrise betroffen sein werde, "wäre ein Konsumgutschein Anfang nächsten Jahres richtig", sagte Nahles der "Passauer Neuen Presse". Um die Auswirkungen der fehlenden Auslandsnachfrage wenigstens teilweise zu kompensieren, müsse so der Binnenmarkt angeschoben werden. "Ein neuer Kühlschrank, kleinere Renovierungen, Dinge, die bisher aufgeschoben wurden, könnten damit realisiert werden", wird die SPD-Politikerin zitiert.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) bleibt dagegen zurückhaltend: "Ich mahne zur Besonnenheit", sagte der Minister der "Stuttgarter Zeitung". Die Bundesregierung habe gerade erst ein Milliardenpaket auf den Weg gebracht. Die SPD werde zwar nicht zögern, mehr zu tun, wenn es nötig und sinnvoll sei, zunächst aber "müssen all diese Dinge erst einmal wirken".

Um der Wirtschaftskrise zu begegnen will der Arbeitsminister die Zahl der Arbeitsvermittler aufstocken. Bei der Bundesagentur für Arbeit soll die Zahl der Vermittler um 1000 aufgestockt werden, bei den Arbeitsgemeinschaften sollen in den kommenden Jahren 7000 Vermittler hinzukommen.

Auch ohne Konsumgutscheine dürfen den Worten von Scholz zufolge zumindest die Rentner 2009 auf mehr Geld hoffen. Scholz stellte ihnen eine deutliche Rentensteigerung in Aussicht: "Alles spricht dafür, dass wir eine deutlichere Rentenerhöhung bekommen als in diesem Jahr", sagte der SPD-Politiker der "Stuttgarter Zeitung". Es werde einen "ordentlichen Aufschlag" geben, der angesichts der Kassenlage auch gerechtfertigt sei.

Vor der Bundestagsabstimmung über das Konjunkturpaket am heutigen Donnerstag hat SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann eine sorgfältige Prüfung weiterer Maßnahmen angemahnt. "Am 5. Januar wird eine Bestandsaufnahme gemacht", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". "Wir brauchen jetzt erstmal auch ein bisschen Zeit, um genau zu sehen, wie diese Krise wirkt, in welchen Branchen sie einschlägt, wo sie Beschäftigung zerstört."

Oppermann äußerte sich ebenfalls skeptisch über die Ausgabe von Konsumgutscheinen: "Konsumgutscheine verbrennen ja regelrecht in drei Monaten", kritisierte er. "Wir dürfen uns nicht von einem Programm in das andere Programm jagen lassen."

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte unterdessen im Kampf gegen die Rezession eine sofortige Senkung der Sozialbeiträge. "Der Beitragssatz zur Rentenversicherung kann und muss sofort von 19,9 auf 19,6 Prozent gesenkt werden", sagte Hundt laut "Bild"-Zeitung. Dies würde demnach ausreichen, um die Rentenausgaben zu finanzieren ohne die Rücklagen zu belasten.

Umfrage zu Konsumgutscheinen stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges würde sich ein Fahrrad kaufen. Angenommen, Sie bekämen einen Konsumgutschein in Höhe von 500 Euro, den sie in den kommenden vier Wochen einlösen müssten: Welches Produkt würden Sie kaufen? Einen Flachbildschirm, eine Weihnachtsgans, ein paar Schuhe oder etwas ganz anderes? Die Konsumgutscheine werden vermutlich an einen Eigenanteil gekoppelt sein, sie müssen also einen Teil Ihres privaten Geldes dazu tun. Daher die zweite Frage: Wieviel würden Sie freiwillig obendrauf legen? 100, 200 oder gar 500 Euro? Schreiben Sie an aktion@stern.de. Wir werten Ihre Antworten aus und werden sie veröffentlichen.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
Tempelhofer (04.12.2008, 20:22 Uhr)
@ pitiplatsch: Verfälschen Sie nicht die Tatsachen
Die Idee mit den Konsumgutscheinen kam nicht wie von Ihnen behauptet von Merkel, sondern von der SPD-Politikerin Nahles. Merkel und die CDU sowie der überwiegende Teil der SPD haben diesen Vorschlag gleich abgelehnt.
Sie können Merkel nicht etwas vorwerfen, womit Sie überhaupt nichts zu tun hat.
pitiplatsch (04.12.2008, 19:25 Uhr)
Tja so langsam
kommen die DDR Praktien zum Vorschein. Die Probagandistin will uns gefügig machen mit nem 500 Euroschein, uns sozusagen kaufen, wie erbärmlich. Anstatt den Soli abzuschaffen, die Einkommenssteuer zu senken, sollen wir dem Schein hintrherhecheln. Was kostet der fiese und Menschrechtsverletzende Krieg in Afghnistan in der Minute ?? Da könnte die Kriegskanzlerin Gelder sparen, aber nein der Krieg muß sein, das Opium muß gefördert werden. Ne ne diese Kanzlerin schaut nicht nach ihrem Volk, sie gibt den Reichen und nimts bei den Armen Arbeitern und Rentnern. Frohe Weihnachten.
Corazito3333 (04.12.2008, 18:40 Uhr)
Super Idee geradezu genial
wer sich nichts leisten kann, ein Kleinkredit und her mit dem Flachbildschirm, schnell was kaufen denn wir wollen auch gierig sein (ist kein Vorrecht der Manager und Reichen) und was kommt danach... Es gibt höchstens einen kurzfristigen Aufschwung und dann gehts weiter bergab. Hartz4 abschaffen, Renten bezahlen mit denen Menschen ihren Lebensabend geniessen können, vernünftiges Konzept bei den Krankenkassen keine Erhöhungen, keine Studiengebühren....usw.
universal1909 (04.12.2008, 16:16 Uhr)
Soviel hierzu...
... unter http://www.nachdenkseiten.de/?p=3630 Erspart jeden weiteren Kommentar in dieser Sache...
balldurian (04.12.2008, 16:08 Uhr)
Wer meint, dass 'leistung belohnt werden muss' ...
... soll man nicht ausverschämt werden und mit einer billion 'D-Mark' für die elite der bank-manager langsam mal zufrieden sein!
vegefranz (04.12.2008, 15:53 Uhr)
Konsumgutscheine kennt unser Sozialsystem längst
Für Konsumgutscheine ist unser Sozialsystem in aller welt bekannt. Ich stehe politisch etwas links von der Mitte, dennoch meine ich, dass Leistung belohnt werden sollte. Konsumgutscheine von Nahle oder vom Amt belohnen lediglich Leute, die micht tun
Diavolos (04.12.2008, 14:19 Uhr)
Es scheint...
... so absurd gar nicht zu sein. Immerhin stehen einige Experten auch dahinter.
Auf jeden Fall besser, als den entsprechenden Brachen direkt das Geld in den Schlund zu stecken.
Und für manche Leute ist das doch ne Menge Geld.
Es mag zwar nur von kurzer Dauer sein, aber vielleicht ist es der Schubs um den Stein (in dem Fall die Konjunktur) ins Rollen zu bringen.
Es wird ja nicht bei den 500€ bleiben, sondern wir werden vielleicht die 500€ mit weiteren 500€ aus der eigenen Tasche kombinieren und uns größeres kaufen für 1000€, was wir davor wohl nicht getan hätten. Und mal ehrlich: Wieviel sind 40.000.000.000 € für den Bund? Vergliechen damit was wir ihm Monat für Monat an Steuern geben. Zu 19 Prozent bekommt er das Geld sowieso wieder zurück.
Ich bin dafür.
brainuser (04.12.2008, 13:29 Uhr)
Ganz schlechte Idee
Selten so ein Quatsch gehört. Jetzt drehen unsere Regierung und deren Berater gang durch.
.
Der Feldversuch 2007 in den USA zeigte ein Strohfeuer, das nicht einmal zwei Monate anhielt und die Rezession nicht spürbar bremsen konnte.
.
Und dennoch bringt jemand diese absurde Idee hier auf den Tisch? Ich glaube es nicht.
.
Stimmenfang oder erste Anzeichen von kollektiver Debilität?
Tom3 (04.12.2008, 13:25 Uhr)
@UR63
hab mich mit denen leider nicht beschäftigt, oder muss ich sagen gott sei dank?
... ich bin generell eher links als rechts, war also immer mehr auf die SPD fixiert als auf CDU/CSU, aber mit dem Schröder hat sich das schon geändert u. seit der Koalition ist die SPD nur noch ein schlechter Witz für alle Arbeitnehmer...
...ich wähle weder die noch sonst eine von den etablierten Parteien, die sind nämlich alle weit über ihren Zenit, beweise dafür liefern die uns ja mittlerweile im Tagesrhythmus
RomanTicker (04.12.2008, 12:36 Uhr)
Schlechte Idee
Die Kosten für diese Konsumgutscheine müssten im besten Fall später über Steuern wieder eingenommen werden und im wahrscheinlicheren Fall führen die Kosten zu weiteren Schulden, die aufgrund der Zinsen zu einem immer höheren Betrag anwachsen. Der Staat wäre in der Zukunft gewungen, immer mehr Ausgaben zu kürzen und die Einnahmen durch Steuererhöhungen zu stärken. Wollen wir das? Ich jedenfalls nicht.
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