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Konrads Erben machen Stimmung gegen Merkel

Angela Merkel erzürnt mit ihrer Flüchtlingspolitik so manch Konservative aus der CDU und ihrem Umfeld. Einige von ihnen haben Konrads Erben gegründet. Die Gruppe wettert ungeniert gegen die Parteichefin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Angriffe von der Basis: Bundeskanzlerin Angela Merkel

Für jeden anderen derzeitigen Parteivorsitzenden wäre das Ergebnis ein Triumph gewesen: 89,5 Prozent der Delegierten haben Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Parteitag in Essen als CDU-Chefin wiedergewählt. Für Merkel ist das Resultat ein Dämpfer. Nach knapp 97 Prozent vor vier Jahren hat sie ihr schlechtestes Ergebnis als CDU-Vorsitzende während ihrer Kanzlerschaft und ihr zweitschlechtestes Resultat überhaupt erzielt. Und dann fiel ihr auch noch die - wenn auch knappe - Mehrheit der Delegierten bei der doppelten Staatsbürgerschaft in den Rücken - ein Affront.

Konrads Erben sehen Adenauers Vermächtnis bedroht

Zu verdanken hat sie das vor allem dem konservativen Flügel ihrer Partei. Schon vor Jahren hatten nicht nur Teile der Basis eine angebliche "Sozialdemokratisierung" der CDU beklagt. Durch Merkels Agieren in der Flüchtlingskrise fühlte sich so mancher Christdemokrat dann endgültig seiner politischen Heimat beraubt.

Einige dieser "Heimatlosen" haben sich vor Kurzem zu Konrads Erben zusammengetan. Die informelle Gruppe sieht das Erbe des ersten deutschen Bundeskanzlers, Konrad Adenauer "durch das Handeln der Bundesregierung, insbesondere der Bundeskanzlerin Angela Merkel, ernsthaft in Gefahr", wie sie auf ihrer Internetseite schreibt. Vor allem Merkels Flüchtlings- und Europapolitik ist den Mitgliedern ein Dorn im Auge. In den sozialen Netzwerken machen sie deshalb offen Stimmung gegen die Kanzlerin: "Probleme nicht erkennen wollen, das ist Merkels Problem", lautet einer der Vorwürfe an die CDU-Chefin auf der Facebookseite der Gruppe. Und unter dem Hinweis "Nur mal so angemerkt" haben die Kritiker der Kanzlerin ein saftiges Zitat gepostet, das Friedrich II. zugeschrieben wird: "Ein Staatsoberhaupt, welches sein Volk nicht liebt, für selbiges nicht kämpft und sein Wohl nicht im Sinn hat, ist weniger wert als ein Pferdeapfel."

Die Gruppe Konrads Erben besteht nach eigenen Angaben aus Altstipendiaten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung und Adenauer-Sympathisanten. Ihre Facebookseite hat derzeit rund 3400 Facebook-Likes und gut 3500 Abonnenten. Die geschlossene Gruppe der Adenauer-Anhänger verzeichnet gut 400 Mitglieder.

Ruf nach europäisch-deutscher Leitkultur

Einer der Köpfe der Vereinigung ist Dr. Bernd M. Samland. "Wir haben uns im Oktober 2015 getroffen, und dort war ein großer Unmut über die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel zu spüren, und man verblieb, es müsse etwas passieren, und es passierte nichts", schilderte der Kölner Medienwissenschaftler und Markenberater im Deutschlandfunk die Entstehung der Gruppe. Er selbst sei nach 35 Jahren Mitgliedschaft aus der CDU ausgetreten, weil er sich so über Merkels "perspektivlosen Satz": "Wir schaffen das" geärgert habe, sagte Samland im November dem "Spiegel".

Ihre Forderungen haben Konrads Erben im Rhöndorfer Manifest zusammengefasst, benannt nach dem Wohn- und Sterbeort von Konrad Adenauer. "Wir sind in großer Sorge über die Politik der Bundesregierung, insbesondere über die Politik der Bundeskanzlerin und sehen das Wohl des Deutschen Volkes in Gefahr", heißt es gleich zu Beginn des im vergangenen Monat veröffentlichten Papiers. Zu den darin festgehaltenen Leitlinien gehören der "Erhalt einer europäisch-deutschen Leitkultur" und die Forderung nach Assimilation statt Integration. Die Migrationspolitik der Bundeskanzlerin sehen die Unterzeichner als Gefahr für die innere Sicherheit, die Stellung Deutschlands in Europa und die Sozialsysteme. Sorge bereitet ihnen auch der Umgang mit Kritik an der Migrationspolitik.

Enkel spricht von "Trittbrettfahrerei"

"Wenn man den rechtstheoretischen Satz: 'Das Asylrecht hat keine Obergrenze', was rechtstheoretisch stimmen mag, aber zur politischen Maxime erhebt, ist das nicht sehr klug, um's vorsichtig auszudrücken und eigentlich eines Konrad Adenauers nicht würdig", zitierte der Deutschlandfunk Bernd Samland. Noch drastischer drückte es Ralf Höcker, Medienanwalt und ebenfalls Mitglied bei Konrads Erben, vor wenigen Tagen in der ARD-Sendung "Hart aber fair" aus: Angesichts von Merkels Flüchtlingspolitik würde sich "Konrad Adenauer im Grab umdrehen", behauptete das CDU-Mitglied.

Von kompetenter Seite kommen da allerdings erhebliche Zweifel: "Ich halte das etwas für eine Trittbrettfahrerei", urteilt laut Deutschlandfunk der älteste von Adenauers 24 Enkeln, der ebenfalls Konrad Adenauer heißt, über Konrads Erben. "Ich finde es immer schön, wenn man meinen Großvater als Vorbild nimmt und ihn erwähnt und seinen Namen gebraucht, aber hier – in allen Ehren, man will mit dem Namen eben Aufsehen erregen und sagen, wir sind die Basis, wir sind die wahren Adenauer-Erben, aber so viele harte Worte, wie die da geschrieben haben, hätte unserer nie gebraucht."

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