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Pressesprecher Glaeseker bezichtigt Wulff der Lüge

Wusste Christian Wulff von den Gratisurlauben seines Pressesprechers? Olaf Glaeseker behauptet das und wirft seinem ehemaligen Chef vor, gelogen zu haben. Als Zeugin soll Sabine Christiansen aussagen.

  Ehemalige dicke Freunde: Christian Wulff (l.) und Olaf Glaeseker

Ehemalige dicke Freunde: Christian Wulff (l.) und Olaf Glaeseker

Es ist eine Aussage, die es in sich hat. Über 160 Minuten lang ist der Zeuge Christian Wulff Ende Juni im Verfahren gegen seinen ehemaligen Pressesprecher Olaf Glaseker von der Staatsanwaltschaft Hannover befragt worden. Wulff geht auf maximale Distanz zu seinem ehemaligen Vertrauten. Dass Glaeseker, den er einmal als sein Alter Ego bezeichnet hat, auf Kosten des Eventmanagers Manfred Schmidt in Ferienhäusern in Südeuropa logierte, will Wulff nicht mitbekommen haben. Wenn Glaeseker im Urlaub gewesen sei habe er keinerlei Kontakt zu ihm gehabt, sagt Wulff aus. Sein Pressesprecher habe über ihn alles, er über Glaeseker dagegen nicht viel mehr als über andere Mitarbeiter gewusst.

Jetzt dreht Glaeseker den Spieß um. In einer Stellungnahme für die Staatsanwaltschaft belastet er Wulff schwer. Das berichtet die "Bild am Sonntag" in ihrer morgigen Ausgabe. Der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen und Ex-Bundespräsident soll bei seiner Aussage die Unwahrheit gesagt haben. In einem mehr als 50-seitigen Papier, das Glaeseker-Anwalt Guido Frings nach Informationen der Zeitung am Sonnabend bei der Staatsanwaltschaft eingereicht hat, holt Glaeseker zum Schlag gegen Wulff aus.

Wulffs Telefonanrufe in den Urlaub

Gegen Glaeseker und Wulff ermitteln die Korruptionsanwälte in getrennten Verfahren. Glaeseker wird Bestechlichkeit, Wulff Vorteilsannahme im Amt vorgeworfen. Wulffs langjähriger Vertrauter soll als Regierungssprecher in Niedersachsen die Partyreihe Nord-Süd-Dialog des Eventmanagers Manfred Schmidt organisatorisch und finanziell gefördert und im Gegenzug Gratisurlaub bei Schmidt gemacht haben. Schmidt war als Zeremonienmeister in Wulffs Glamourwelt stets gern gesehen.

Laut Glaeseker können mehrere Personen bezeugen, dass Wulff zu Glaeseker in dessen Urlaub telefonisch Kontakt hielt und auch über dessen Aufenthalte bei dem Partyveranstalter Schmidt in Spanien und Frankreich informiert war. Um seine Aussage zu belegen, bietet Glaeseker der Staatsanwaltschaft mehrere Personen an, unter anderem der Lothar Hagebölling, damals Chef der niedersächsischen Staatskanzlei, und die Medienmanagerin Edda Kraft. Aber auch prominente Namen sind darunter.

Glaeseker hat nichts mehr zu verlieren

TV-Journalistin Sabine Christiansen soll bezeugen, dass Schmidt und Glaeseker bereits seit Ende der 1990er Jahre eng befreundet waren und ihn damit vom Vorwurf der Bestechlichkeit entlasten. Wenn Glaeseker bei Schmidt Urlaub gemacht habe, dann habe es sich um "Zuwendungen ohne Hintergedanken zwischen echten Freunden gehandelt", zitiert die "Bild am Sonntag" aus dem Papier.

Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass Wulff vor der Staatsanwaltschaft die Unwahrheit gesagt hat, wird dies keine direkten Auswirkungen auf sein eigenes Verfahren haben. Falschaussagen bei der Staatsanwaltschaft haben nicht das gleiche Gewicht wie vor Gericht. Doch Wulff muss fürchten, dass Glaeseker weiter auspackt. Viel zu verlieren hat dieser nach Einschätzung von Wegbegleitern aus Hannover nicht: "Glaeseker hat für Wulff alles aufgegeben", heißt es.

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