Der Minister und seine Jammer-Truppe

24. Februar 2013, 17:04 Uhr

Die Kritik kam von ganz oben und ist eingeschlagen wie eine Bombe: Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizìere beklagt, die Bundeswehr giere nach Anerkennung. Nun bekommt der Minister Gegenwind.

29 Bewertungen
Thomas de Maizière, Bundesverteidigungsminister, Bundeswehr, Soldaten, Wertschätzung

"Hört einfach auf, dauernd nach Anerkennung zu gieren", fordert Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière von deutschen Soldaten©

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat mit Äußerungen über das Bedürfnis von Soldaten nach gesellschaftlicher Anerkennung viel Widerspruch ausgelöst. Der CDU-Politiker sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", durch den Einsatz in Afghanistan sei die öffentliche Zuwendung zu den Soldaten und zur Bundeswehr deutlich größer geworden.

Etliche Soldaten glaubten jedoch, dass sie viel weniger anerkannt würden, als es in Wirklichkeit der Fall sei. "Sie haben den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung. Sie sind vielleicht geradezu süchtig danach." De Maizière forderte die Soldaten auf: "Hört einfach auf, dauernd nach Anerkennung zu gieren. Die Wertschätzung anderer bekommt man nicht dadurch, dass man danach fragt, sondern dass man gute Arbeit leistet."

"Deutsche Soldaten gieren nicht"

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hält die Wortwahl des Ministers "für enttäuschend und absolut unangemessen": "Deutsche Soldaten gieren nicht. Weder nach Anerkennung noch nach sonst irgendetwas", sagte er dem Blatt. Wenn Soldaten ein größeres Bedürfnis nach Respekt und Wahrnehmung hätten, liege das daran, dass sie viel zu lange viel zu wenig davon bekommen hätten.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Soldatinnen und Soldaten nach Anerkennung gieren." Auch FDP und Grüne widersprachen de Maizière: "Das Besondere am Soldatenberuf verdient auch eine besondere Aufmerksamkeit", sagte FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff der Zeitung. "Wenn der Minister vom Gieren nach Anerkennung spricht, verwechselt er Anerkennung mit Zuverlässigkeit", meinte Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour. Die Truppe sei verunsichert, weil unklar sei, wo der Dienstherr mit ihr hinwolle.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, kann de Maizières Äußerungen - abgesehen vom Begriff gieren - nachvollziehen. "Man muss Soldaten gelegentlich auch erklären, dass es keine Missachtung der Bundeswehr ist, wenn Menschen militärischen Einsätzen skeptisch gegenüberstehen", sagte er der "SZ".

Abstimmung

Bringen Sie Bundeswehrsoldaten und ihren Einsätzen Achtung entgegen?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
tkr/nw/DPA
 
 
MEHR ZUM THEMA
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern
 
stern Investigativ
Anonymer Briefkasten: Haben Sie Informationen für uns? Anonymer Briefkasten Haben Sie Informationen für uns? Hier können Sie uns anonym Mitteilungen und Dateien zukommen lassen. Wir behandeln sie vertraulich.
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (17/2014)
Der Schicksalsflug