20. Januar 2013, 17:04 Uhr

Noch mehr Ärger um Berliner Pannen-Flughafen

Die Chefkontrolleure des Hauptstadt-Flughafens suchen einen Weg aus der Krise des Pannen-Airports. Interne Protokolle sollen Fehler von Ramsauer belegen, Aufsichtsratschef Platzeck gibt Fehler zu.

BER, Finanzierung, Investitionen, Politik, Regierungen, Wettbewerb, Tourismus, Weiter, Wirbel, Berliner, Pannen, Flughafen, Kritik, Ramsauer, 4161

Der Flughafen bleibt in den Schlagzeilen: Ramsauers (r.) Sonderkommission soll weniger darauf hingearbeitet haben, den Flughafen zu retten, und stattdessen Material für eine Ablösung von Flughafenchef Schwarz gesammelt haben©

Der Berliner Pannen-Flughafen kommt auch nach dem Neuanfang an der Aufsichtsratsspitze nicht zur Ruhe. Bei der Suche nach Schuldigen für die massiven Probleme bei dem Milliardenprojekt gerät nun das Bundesverkehrsministerium unter Minister Peter Ramsauer (CSU) zunehmend in den Fokus. Laut "Spiegel" kritisiert die von Ramsauer selbst eingesetzte Sonderkommission das Krisenmanagement des Ministeriums beim Flughafen. Der neue Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), räumte Fehler bei der Terminplanung ein und sprach von einer schwierigen Suche nach einem neuen Flughafen-Geschäftsführer.

In der Brandenburger Staatskanzlei soll in dieser Woche eine "Taskforce" eingerichtet werden, die die Bauarbeiten am künftigen Großflughafen in Schönefeld voranbringen soll. Die wiederholte Verschiebung der Flughafen-Eröffnung hatte bundesweit hohe Wellen geschlagen. Wann dort die Flugzeuge starten und landen sollen, ist nach wie vor unklar.

Platzeck sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", es sei "ganz klar ein Fehler gewesen, dass man sich auf den Oktober 2013 als Eröffnungstermin festgelegt habe. "Aber der Termin ist ja nicht von den Politikern vorgegeben worden." Der Aufsichtsrat habe vorher Firmen angehört, dazu die Techniker und die Bauleitung. "Alle haben diesen Termin bestätigt", sagte Platzeck. Er hatte in dieser Woche Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an der Spitze des Kontrollgremiums abgelöst.

Suche nach neuem Flughafenchef sei schwierig

Platzeck nannte die Suche nach einem neuen Flughafenchef nicht einfach. "Es gibt im Moment kein Bauprojekt, das medial schärfer und intensiver beobachtet wird. Das liegt nicht jedem", sagte Platzeck dem "Spiegel". Wegen der großen Probleme auf der Baustelle des Airports wurde der bisherige Flughafenchef Rainer Schwarz entlassen.

Unterdessen berichtete der "Spiegel" über interne Protokolle aus dem Bundesverkehrsministerium, die Fehler auflisten. Demnach befinden die Experten Ramsauers, vor allem der Rauswurf der Flughafenplaner nach der Verschiebung des Eröffnungstermins am 8. Mai 2012 sei ein Fehler gewesen. Die Konsequenzen "seien weitreichender als zunächst angenommen". Der Baubetrieb sei "noch nicht wieder richtig angelaufen". Ramsauers Mann im Aufsichtsrat, Staatssekretär Rainer Bomba, hatte dem Rauswurf der Planer im Aufsichtsrat zuvor zugestimmt.

Kritik an Ramsauer und dessen Sonderkommission

Aus den Protokollen geht laut Magazin zudem hervor, dass Ramsauers Sonderkommission spätestens ab Sommer 2012 weniger darauf hinarbeitete, den maroden Flughafen zu retten, sondern vor allem belastendes Material für eine Ablösung von Flughafenchef Schwarz sammelte. Das Ministerium wollte sich zu dem "Spiegel"-Bericht nicht äußern.

Ramsauer versicherte unterdessen, wegen der Verzögerungen beim Airport-Bau könnten auch Politiker im BER-Aufsichtsrat mit Schadenersatzansprüchen konfrontiert werden. Falls Haftungsansprüche festgestellt würden, werde niemand geschont, sagte Ramsauer dem Magazin "Focus".

Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold, forderte Ramsauer indirekt auf, selbst Mitglied im Aufsichtsrat des Großflughafens zu werden. "Der Schwarze Peter Ramsauer ist bei Großprojekten nur stark beim Zuschieben des schwarzen Peters an andere. Ramsauer selbst versucht sich immer aus der Verantwortung zu stehlen", sagte Pronold "Handelsblatt Online". Der SPD-Politiker sagte zudem: "Warum geht Ramsauer nicht in den Aufsichtsrat des BER? Aber Ramsauer ist halt nur ein Besserwisser, kein Bessermacher."

DPA
 
 
Jetzt bewerten
0 Bewertungen
MEHR ZUM ARTIKEL
Nach Flughafen-Desaster CDU will Flüge von Tegel nach Schönefeld verlagern

Keiner weiß, wann der pannengeplagte Großflughafen in Schönefeld endlich eröffnet wird. Die CDU hat aber Vorschläge, wie man den Bau beschleunigen und die Anwohner in Tegel entlasten könnte.

Debakel um Berliner Flughafen Ramsauer verspricht Aufklärung

Peter Ramsauer will dem Chaos am Berliner Flughafen ein Ende setzen: Der Verkehrsminister fordert deshalb eine lückenlose Aufklärung, bei der es keine Vertuschung geben dürfe.

Nach Flughafen-Debakel Wowereit will mit Sacharbeit punkten

Haufenweise Negativ-Schlagzeilen zum Flughafen-Desaster, dazu ein Misstrauensvotum: Berlins Regierungschef Wowereit will einen Neuanfang. Sacharbeit und Zukunftsvisionen heißt das Rezept.

Berlin ade Schnauze voll!

Zu viele Arschlöcher, zu wenig Gemeinsinn - und jetzt das Flughafen-Desaster. Warum mich nach zehn Jahren nichts mehr in Berlin hält. Eine Abrechnung.

Chaosflughafen BER Verkehrsausschuss befragt Platzeck zu Flughafenkrise

Der Verkehrsausschuss hat mit einer Befragung von Verantwortlichen der Misere des künftigen Berliner Hauptstadtflughafens begonnen. Im Mittelpunkt: Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Platzeck.

Chaosflughafen Berliner Airport Gesucht: Neuer Flughafenchef

Das Projekt Hauptstadtflughafen ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Der neue Aufsichtsratschef Platzeck will mit einer neuen Geschäftsführung die Pannenserie um den Airport beenden.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (25/2013)
Lust auf Rezept