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12. Dezember 2008, 13:44 Uhr

Der dumme Peer

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman wirft dem deutschen Finanzminister "Dummheit" vor. Die Wahrheit ist: Peer Steinbrück ist nicht dumm, sondern eher zu klug für die Politik. Doch unter dem Druck der Finanzkrise bröckeln Wahrheiten wie mürbe Kekse. Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

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Finanzminister Peer Steinbrück: Nicht dumm, sondern zu klug für die Politik© Hannibal Hanschke/Reuters

Dumm? Peer Steinbrück? Das Urteil des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman über das Wirken des Bundesfinanzminister in der Krise sagt mehr über die Fähigkeiten des Wissenschaftlers als über die des SPD-Politikers. Steinbrück ist vieles, eigensinnig, selbstverliebt, aufbrausend, scharfzüngig und zuweilen arrogant. Nur eines ist Peer Steinbrück gewiss nicht - dumm. Im Gegenteil. Er ist eher zu klug für die Politik.

Beide sind vom Erfolg verwöhnt

Nein, wenn Paul Krugman Steinbrück beschimpft, geht es nicht um Dummheit. Es geht ums Rechthaben. Da ähneln sich der Nobelpreisträger und der Finanzminister sehr. Beide hat der Erfolg verwöhnt. Krugman hat das Wirtschaftsgeschehen mehrfach brillant analysiert. Er beeinflusst mit seinen Kolumnen die politische Debatte wie kaum ein anderer Ökonom der USA. In einer solchen komfortablen Situation schrumpfen die Selbstzweifel, man fühlt sich als Hüter der Wahrheit.

Auch Steinbrück hatte zu viel Erfolg. Den Job als Finanzminister erledigte er ordentlich, nun profiliert er sich als Krisenmanager so gut, dass Unionsfürsten neidisch werden. Selbst seine eigenen Genossen klatschen Beifall, wo sie ihn sonst als Rechtsabweicher schmähen. Steinbrücks Ego pumpt sich mächtig auf, auch er hütet Wahrheiten.

Nur: Die Finanzkrise lässt Wahrheiten zerbröseln wie mürbe Kekse. Was früher richtig schien, gilt nicht mehr. Keiner konnte sich vorstellen, dass erfolgreiche Länder wie Island in den Staatsbankrott rutschen. Keiner, dass die Chinesen tausende Fabriken stilllegen und Millionen Arbeitnehmer entlassen müssen, dass die Amerikaner und Briten heimische Banken zwangsverstaatlichen würden. Die Krise zwingt dazu das Undenkbare zu denken, und einen Wandel einzuleiten. Aber sendet die große Koaltion dafür die richtige Botschaft aus, die da lautet: "Wir kümmern uns"?

Handlungsstärke ist gefragt

Nein. Steinbrück und Angela Merkel sagen nur: "Wir warten. Vielleicht tun wir noch etwas, vielleicht auch nicht." Natürlich ist es richtig, nicht in Panik zu verfallen. Auch in der Krise sollte das Nachdenken nicht wegfallen. Ebenso wichtig ist aber, dass Politiker Handlungsstärke zeigen. Dafür werden sie gewählt. Sie sollen zeigen, wie sie das Land durch die Krise steuern. Doch wie es weiter gehen soll und mit welchen Mitteln - da erfahren die Bürger von Steinbrück und der Kanzlerin zu wenig. Sie hören nur: "Geht nicht." "Zu teuer." "Bringt nichts." Lieber lädt man Experten ins Kanzleramt und verweist auf die Amtseinführung von Barack Obama, die man abwarten wolle.

Politik bedeutet führen - nicht warten. Die Krise wird sich verschärfen. Und zumindest ansatzweise sollten die Leute wissen, wie die Regierung die Gefahren abmildern will. Versäumt sie diese Aufklärung, wäre die Koalition in der Tat dumm.

Ein Kommentar von Andreas Hoffmann
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
Perof (13.12.2008, 17:05 Uhr)
Abgeobener Politklempner
Für die Politik zu klug????
Brüllwitz erster Kajüte mit Stern für den Stern!!!!!
Also ich sehe in Herrn Steinbrück eher einen selbstverliebten, arroganten und abgehobenen Plitklempner.
Bei der Bewältigung der akuten Wirtschaftskriese ist er eher ein weiterer Risikofaktor, da er eher versucht im Stile eines guten alten preußischen Beamten zu verwalten, als zu agieren.
Außerdem erinnert mich sein ganzes Gehabe sehr an einen Typen, ähnlich dem Herrn Clement.
Holger566 (13.12.2008, 16:22 Uhr)
Unser promovierter Finanzwissenschaftler
Herr Steinbrück hat in diesem Artikel einen tollen Redenschreiber für sich entdecken können.
Was wurde dem "Stern" für diese Schrift wohl bloß aufs Konto überwiesen.
Und viele glauben das auch noch.
Man muss sich das mal vorstellen, der Finanzminister stellt den Banken unser Geld zur Verfügung und die geben den Betrieben, in denen der Steuerzahler (noch) arbeitet kein Geld.
Ja, der Herr Steinbrück ist zu klug für die Politik. Soll er nach Hause gehen und seine wissenschaftliche Forschung fortsetzen.
Nursery (13.12.2008, 16:06 Uhr)
Völlig abgehoben
Der Herr Steinbrück ist völlig abgehoben.Wichtig sind ihm in der Vollendeten Regierungszeit als Finanzminister seinen Eintrag in den Geschichtsbüchern nicht in Gefahr zu bringen.Dabei spielt er in Diskussionen den "lockeren von nebenan".Es wäre sinnvoll endlich für ein "Vereingtes Europa"
Wege aus der Krise zu finden. Dabei ist er wie die Merkel ein Kleingeist.Schon die Kritik an den Britischen Premier ist unter aller Sau.Das die Briten einen Großteil an der Krise mitverschuldet haben zeigt das Krisenmanagement in seinem Land.Und es wird eher dem Gerecht im Gegensatz zu Merkel und Co. Sie haben den Ernst der Lage wirklich nicht erkannt.Armselig für das Wirtschaftsstärkste Land in Europa das vor allem auch vom Export in der EU profitiert.
Politix (13.12.2008, 15:17 Uhr)
@ganzbaf
Genau! Keinen Cent den Privatbanken! Bürgschaften dem Mittelstand und der Industrie! Bin ich voll dabei!
.
Eine kontoführende Stelle für alle Bürger bei einer (verstaatlichten)Sparkasse... . Und dann können die restlichen Banken ihre Krise ausbaden. Welche es überlebt wird sich zeigen. Vielleicht kommen ja die Banken wieder zu ihrem ureigensten Zweck der Dienstleistung zurück und besinnen sich darauf, was einer gesamten Volkswirtschaft nutzt und nicht nur einzelnen.
.
In zwei bis drei Jahren wird sich der Bankenmarkt bereinigt haben und es kann, nach einer ordentlichen Reform der Gesetze für Banken wieder von vorn beginnen.
.
Bei den Gesetzen kann man sich gerne mal bei den Moslems ein Beispiel nehmen, deren Gesetz es verbietet, Zinsen aus reinen Finanzprodukten zu erwirtschaften. Und genau diese Produkte (und der verantwortungslose Umgang mit ihnen) haben uns diese Suppe eingebrockt!
kralli19 (13.12.2008, 14:59 Uhr)
LOL
"Zu klug für die Politik..." - LOL, Schenkelklopfer.....[kwt]
Stones60 (13.12.2008, 11:52 Uhr)
mangelnde Phantasie
Herr Hoffmann lassen sie bitte nicht die Wahrheiten über die Finanzkrise zerbröseln. Auch wenn sich Herren wie Steinbrück, Eichel, Assmusen oder auch einige unserer Wirtschaftswissenschaftler nicht vorstellen konnten, dass die Entfesselung der Finanzwirtschaft -z.B. entfesselter Derivatenhandel- möglicherweise in einer Krise endet, so ist die Aussage "keiner konnte such vorstellen, dass..." doch falsch. Es gab genügend Fachleute die genau vor solchen Folgen warnten.
farbklecks (13.12.2008, 10:31 Uhr)
Lachen oder weinen?
Da diskutiert doch diese unfähige
Regierung tatsächlich darüber,
welche Almosen sie mir von meinem
Geld schenken wollen oder nicht.
Ich weiss nicht ob ich lachen oder weinen soll.
RealRock (13.12.2008, 10:29 Uhr)
Ende vom Monopolyspiel
Wir erleben gerade das Ende eines Monopolyspieles, das von einigen wenigen begonnen wurde und alle anderen zur späteren Teilnahme (nachdem alle Strassen verteilt waren) verdonnert.
Schon vor über 10 Jahren laß ich in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung darüber, daß die weltweiten Krediten nur zu einem 20-stel gedeckt seinen.
Seien wir froh, daß wir endlich von dieser illusorischen Blase befreit sind und versuchen wir das Beste daraus zu machen!
Vielleicht macht das Monopolyspielen ja mehr Spass, wenn nicht mehr geschummelt wird.
Stones60 (13.12.2008, 10:26 Uhr)
begrenzte Phantasie
Sehr geehrter Herr Hoffmann
wenn Sie oder die Politiker Steinbrück, Eichel oder Herr Assmusen oder auch einige Witschaftswissenschaftler sich nicht vorstellen konnten, dass die Entfesselung der Finanzwirtschaft solche Folgen haben kann dann bedeutet dies nicht "keiner konnte sich das vorstellen, dass...".
Knuffiman (13.12.2008, 09:13 Uhr)
Ernst_Derlage
ja aber kann nicht schaden schon ein bis zwei mal in die luft zu schiessen.
das hört der feind und wird vorsichtig. er könnte ja getroffen werden. vorbeugen ist besser als bohren.
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