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1. Mai 2009, 14:16 Uhr

Sommer attackiert "Kasino-Kapitalismus"

Das Feindbild der Gewerkschaften ist klar umrissen: "Finanzhaie, Hedgefondsmanager und gegelte Boni-Jäger mit eigenen Inseln" haben die Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Bei zahlreichen Großdemonstrationen zum Tag der Arbeit forderten DGB-Chef Michael Sommer und Verdi-Chef Frank Bsirske neue Konjunkturpakete - und 80 Prozent Steuern auf Managergehälter.

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DGB-Chef Michael Sommer fordert ein drittes Konjunkturpaket© Joerg Sarbach/AP

Zum 1. Mai haben die Gewerkschaften die Zügellosigkeit von Managern und den "Kasino-Kapitalismus" in Deutschland angeprangert. DGB-Chef Michael Sommer verlangte strenge Finanzmarkt-Reformen noch in dieser Legislaturperiode. "Ich fordere die Bundesregierung auf, sofort mit der Regulierung des Banken- und Investmentsektors ernst zu machen", sagte Sommer am Freitag auf der zentralen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bremen.

Der DGB-Vorsitzende mahnte entschlosseneres Handeln an. Es gehe darum, Spekulationen einzudämmen und zu kontrollieren, Unternehmen nicht mehr an kurzfristigen Renditezielen auszurichten und den Finanzsektor über wirksame Transaktionssteuern an den Kosten der Krise zu beteiligen. "Finanzhaie, Hedgefondsmanager, gierige Besitzer großer Aktienpakete, gegelte Boni-Jäger mit Jachten und eigenen Inseln und nicht zuletzt die, in deren Auftrag sie spekuliert und gezockt haben, haben unverantwortlich gehandelt", kritisierte Sommer.

Trotz der Beschlüsse des G20-Gipfels in London Anfang April habe sich bisher in diesem Bereich kaum etwas getan. Unterdessen setze sich die allgemeine Talfahrt rapide fort. "Machen wir uns nichts vor. Die Krise ist so tief, wie sie sich niemand hat vorstellen können." Es sei leider noch kein Licht am Ende des Tunnels, deshalb müsse die Bundesregierung weitere Milliarden in die Wirtschaft pumpennötig.

Auch Verdi-Chef Frank Bsirske forderte ein weiteres Konjunkturprogramm mit jeweils jährlich 100 Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren. Dieses Geld müsse in die Bildung, in den Sozialbereich und in die Infrastruktur fließen, sagte Bsirske bei einer Gewerkschaftskundgebung am Freitag in Mannheim. Zur Gegenfinanzierung könne beispielsweise damit Schluss gemacht werden, dass Unternehmen die Vorstandsbezüge von der Steuer absetzen könnten. Wenn die Managerbezüge dann immer noch nicht sänken, sei es an der Zeit, sie stärker zu besteuern. Bsirske schlug vor, sie "zu 80 Prozent zu besteuern, so wie das in den 1930er Jahren in den USA der Fall gewesen ist".

Die staatliche Unterstützung für angeschlagene Banken kritisierte Bsirske jedoch als "Bereicherungsprogramm" für die Verursacher der Wirtschaftskrise. Es dürfe nicht sein, dass die Verursacher der Krise auch zu den stärksten Profiteuren würden.

"Eine Schamlosigkeit sondergleichen"

"Sie fahren den Laden gegen die Wand und wollen dafür auch noch belohnt werden", kritisierte auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, Hubertus Schmoldt. Die Boni-Forderungen von Investmentbankern der Dresdener Bank prangerte er als "eine Schamlosigkeit sondergleichen" an. Und wenn Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann nun 25 Prozent wieder als Renditeziel ausgebe, zeige dies, dass er "offenbar lernunfähig" sei. "Wir brauchen keine Banker im Bulldozer, wir brauchen Banker mit Weitblick."

Anders als die DGB-Spitze und verdi-Chef Bsirske lehnte Schmoldt ein drittes Konjunkturpaket ab. Die ersten beiden Programme müssten erst einmal ihre volle Wirkung entfalten. Vieles sei auf den Weg gebracht, das erst in einigen Monaten greifen könne. "Wer in einer solchen Lage weitere Programme fordert, der trägt wenig zur Problemlösung, aber viel zur Verunsicherung der Menschen bei."

"Wir tun alles, um soziale Verwerfungen zu verhindern"

Der IG BCE-Chef nannte es grundsätzlich richtig, ein "Bad-Bank- Konzept" auf den Weg zu bringen. Allerdings könne es nicht angehen, dass für die Banken ein Schutzschirm aufgespannt werde, andere Unternehmen aber im Regen stehen gelassen würden. Schmoldt forderte, auch einen Schirm für die Industrie zu spannen.

Oberstes Ziel aller Gewerkschaften sei es, die Krise ohne Entlassungen durchzustehen. "Wir tun alles, um soziale Verwerfungen zu verhindern," betonte Schmoldt. Vor allem in der Zeitarbeitsbranche herrschten aber vielfach noch Wildwest-Zustände. CDU und CSU müssten endlich ihre Blockade gegen vernünftige Regelungen aufgeben. "Auch die 700.000 Leiharbeiter haben ein Recht auf faire Arbeitsbedingungen", unterstrich der Gewerkschaftschef.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
n8g8 (03.05.2009, 22:17 Uhr)
Nachtrag:
ZAler = Zeitarbeiter, sorry für den Verschreiber.
n8g8 (03.05.2009, 20:58 Uhr)
Zuletzt noch einige Worte für die Zaler und KUGler:
Arbeitsplatzvernichtung ist im kapitalistischen System die brutalste Form der Enteignung.
Lasst es Euch nicht gefallen!!!!!
n8g8 (03.05.2009, 18:45 Uhr)
@ganzbaf
Es gab Zeiten, da sind die Gewerkschaften nicht nur für und mit ihren Mitgliedern auf die Straße gegangen, sondern für und mit ALLEN Arbeitnehmern des Betriebes/der Branche.
Wer seinen Arbeitnehmer-Auftrag darin sieht, in Tarifverträgen Differenzialklauseln aufzunehmen, in denen Mitglieder Extra-Rechte eingeräumt bekommen und Tarifverträge unterzeichnen mit Klauseln, in denen die dort verankerte Tariferhöhung (die nicht einmal den Inflationsausgleich betragen!!!) bereits nach zwei Monaten (?) wegen der Krise Makulatur sind, ist KEIN Vertreter der Arbeitnehmer.
Und die oben genannten Extrawürste, die maßgeblich zu einer weiteren Schwächung beitragen - abseits der Arbeitgebergewerkschaften - haben die Mitglieder selbst zu verantworten und zwar JEDES EINZELNE GEWERKSCHAFTSMITGLIED Denn NUR SIE ALS MITGLIEDER haben die MACHT, IHRE GEWERKSCHAFTSBOSSE vom hohen Ross (auf Augenhöhe mit dem Management) zu holen!!!!
ganzbaf (03.05.2009, 12:37 Uhr)
Ja, das aufgeweichte Arbeitsrecht....
!
Sehr richtig ;-)
Aber man muß natürlich auch erwähnen, das die Gewerkschaften sehr oft von Seiten der Unternehmensführung bestochen und korrumpiert wurden. (Nicht nur bei VW.)
.
Der Bestecher ist so schlecht, wie der Bestochene!
vegefranz (03.05.2009, 10:11 Uhr)
für Beschäftigung sorgen Gewerkschaftsfunktionäre nur im Puff
ansonsten haben die auch keine Rezepte. Im Gegenteil: Unser völlig missratenes Arbeitsrecht geht auf die Lobbyistenarbeit der Gewerkschaftsfunktionäre zurück
widder1 (03.05.2009, 10:00 Uhr)
Gewerkschaften = Lobbyismus!
Sommer und Genossen versprühen nur heiße Luft. Sie gehören auch zum Stamm der Lobbyisten und sind für die Neue Art des Finanz - Terrors mitverantwortlich.
Frank44 (03.05.2009, 07:31 Uhr)
DGB kuschelt mit SPD
Was war an den Aussagen und Reden der Gewerkschaftsführer, am 1.Mai
kämpferisch?
Es gab weder echte Kritik am Kapitalismus,welcher ja die Ursache für das Elend in der Welt und die Krisen ist,noch gab es klare Forderungen,wie man die Binnenkonjunktur voranbringen kann.
Zu den Forderungen des DGB zählt ein Mindestlohn i.H.von 7,50 Euro Brutto.
Daß man davon,bei 160 Std.Arbeitszeit im Monat, nicht vernünftig leben kann,sollte den Funktionären der Gewerkschaften eigentlich klar sein,denn so ein "Lohn" bedeutet ca.800 Euro Netto.Da kann jeder selbst rechnen,ob er damit auskommen würde,wenn er Miete,Auto,Lebensmittel und Kleidung finanzieren muß.
Den gleichen Mindestlohn will die SPD!Daran kann man schon erkennen,daß der DGB,nicht nur in dem Punkt,Wahlkampf für die SPD betreibt.
DGB und SPD sind auf Kuschelkurs,das nicht erst seit jetzt,denn gegen Rente 67 und Hartz-IV,nur als Beispiele, hat der DGB recht wenig getan.
Westerle.Merkwelle (02.05.2009, 20:51 Uhr)
Brandstifter als Feuerwehr

Es zeigt sich mal wieder, was Versprechen von Leuten wie Peer Steinbrück wert sind. Keine paar Monate hat sein anfangs so vehementes "Nein" zu einer staatlich organisierten Bad Bank gehalten. Jetzt hat sich die Bankerlobby um die Herren Ackermann und Blessing wieder einmal durchgesetzt: Die Bad Banks kommen und der Steuerzahler kann blechen.
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Noch vor der Sommerpause soll ein entsprechendes Gesetz erarbeitet werden – von einer Arbeitsgruppe, die ausgerechnet von Finanzstaatsekretär Jörg Asmussen geleitet wird. Dabei ist gerade Asmussen mitverantwortlich für die Entstehung des Banken-Giftmülls, der nun auf Staatskosten entsorgt werden soll. Er hat nicht nur die Kreditverpackungsindustrie massiv gefördert, sondern auch durch eine laxe Bankenregulierung dazu beigetragen, dass flächendeckend „Schattenbanken“ in Steueroasen gegründet wurden, deren riskante Geschäfte nicht in den Bilanzen aufgeführt werden mussten.
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Wer die Brandstifter von einst zu Feuerwehrleuten von heute macht, geht das Risiko ein, dass aus einem Feuer ein Flächenbrand wird. Denn die Steuergelder, die heute verschwendet werden, um die größten Zocker freizukaufen, werden fehlen, wenn es darum geht, die steigende Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen.
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Schon jetzt werden die Weichen in die falsche Richtung gestellt: Während die Bundesregierung Forderungen nach einem neuen Konjunkturprogramm und wirksamen Maßnahmen zur Stärkung der Massenkaufkraft rigoros abschmettert, sollen weitere Milliarden in den schwarzen Löchern des Interbankenmarkts versenkt werden.
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Fazit:
Sollte es nicht gelingen, die neoliberalen Brandstifter durch massiven öffentlichen Druck von den wichtigen Schaltstellen in Politik und Wirtschaft zu entfernen, werden am Ende die Beschäftigten, die Arbeitslosen, Rentner und Rentnerinnen für die horrenden Verluste der Banken und Finanzinvestoren bluten müssen.
eltalein (02.05.2009, 15:30 Uhr)
brutale Gewalt von den Linken lässt.....
Stern.de nicht kommentieren, zu recht, weil die NPD und die Rechten dadurch verharmlost werden.
Nur, was hat das noch mit Demokratie und der Wahrheit zu tun?
Das Gleiche passiert mit schweren Straftaten von hier lebenden Ausländern, auch da wird gemauschelt, Statistiken gefälscht, Straftäter werden als Deutsche bezeichnet, obwohl es hier lebende Ausländer sind.
Früher oder später wird dies dazu führen, das die Menschen wegen dieser Verlogenheit Rechte-Parteien wählen.
utospatz (02.05.2009, 15:24 Uhr)
Wie viel Casino beherbergt
der DGB? (Neue Heimat und alle Genossen?) Sofort hat das gesamte Volk denn Sommersprossen!
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