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21. Januar 2010, 21:43 Uhr

Zähes Ringen um die Zeugenliste

Der Kundus-Untersuchungsausschuss will ab Mitte März die politisch Verantwortlichen zu dem umstrittenen Luftangriff in Afghanistan befragen. Darauf haben sich Regierung und Opposition geeinigt. Die SPD stellt derweil Bedingungen für ein neues Afghanistan-Mandat.

Zoom
Kundus, Untersuchungsausschuss, Ausschuss, Guttenberg

Der in einen Untersuchungsausschuss umgewandelte Verteidigungsausschuss des Parlaments arbeitet die Hintergründe der Kundus-Affäre auf© Michael Gottschalk/DDP

Mit Streit zwischen Regierungsfraktionen und Opposition hat der Untersuchungsausschuss zum verheerenden Luftangriff bei Kundus in Afghanistan seine Arbeit aufgenommen. Grüne, Linke und SPD wollen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) noch vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai hören. Nach der am Donnerstag erzielten Einigung könnte dies frühestens Mitte März der Fall sein. Bis dahin wollen Union und FDP vor allem die Fakten rund um die Vorgänge des Luftangriffs vom 4. September klären.

In der Sitzung des Untersuchungsausschusses bestand am Donnerstag weitgehend Einigung darin, bis Mitte März als erstes die Vorgänge um den Luftangriff zu thematisieren. Ab Mitte März sollen dann politische Zeugen, darunter Guttenberg, gehört werden. Die genaue Reihenfolge blieb aber unklar. Der Verteidigungsausschuss des Bundestages hatte sich zur Aufklärung des bisher schwersten Zwischenfalls im Auslandseinsatz der Bundeswehr im Dezember in einen Untersuchungsausschuss umgewandelt.

Nahe Kundus waren beim Bombardement zweier von Taliban entführter Tankwagen bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden - darunter Zivilisten. Guttenberg steht in der Kritik, weil er den Luftschlag erst als "militärisch angemessen" bezeichnet hatte, obwohl ein Nato- Bericht der Bundeswehr viele Fehler vorwirft. Später korrigierte Guttenberg sich. Dem Ausschuss liegen rund 100 Beweisanträge vor, 40 Zeugen sollen geladen werden. Die nächste Sitzung ist am Donnerstag.

"Wir haben nichts zu verbergen"

Der FDP-Politiker Hellmut Königshaus sagte, wenn es keine Einigung bei der Reihenfolge der politischen Zeugen im Ausschuss gebe, müsse notfalls das Reißverschlussverfahren greifen. Dabei können Opposition und Regierung im Wechsel Zeugen laden, was aber eine strukturierte Arbeit erschwert. Die Ausschussvorsitzende Susanne Kastner (SPD) sagte, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) solle geladen werden. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Ernst- Reinhard Beck (CDU) betonte: "Wir haben nichts zu verbergen."

Vertreter der Opposition beschrieben die Sitzung am Donnerstag als "mühsam" und "extrem zäh". SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold warf der Union vor, unvorbereitet und mit großem, internem Diskussionsbedarf in den Ausschuss gegangen zu sein. "Das hat viel Zeit gekostet", sagte Arnold. Die Regierungsseite wies das zurück.

Gabriel: Dieser Konflikt ist durch Militär nicht zu gewinnen

Unterdessen bekräftigte die SPD ihre Forderung nach einem klaren Abzugsplan aus Afghanistan. "Jeder sagt inzwischen, dass dieser Konflikt durch weitere militärische Präsenz nicht zu gewinnen ist", sagte der SPD- Vorsitzende Sigmar Gabriel im ARD-"Morgenmagazin". Der SPD- Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor den Zeitraum 2013 bis 2015 genannt.

Merkel hat für den 27. Januar eine Regierungserklärung im Bundestag angekündigt, mit der sie einen Tag vor der Londoner Afghanistan-Konferenz über die Regierungspläne zur Zukunft des Afghanistan-Einsatzes informieren will. An der von ihr mit initiierten internationalen Konferenz will sie allerdings nicht teilnehmen.

DPA
KOMMENTARE (6 von 6)
 
jetrabbit (22.01.2010, 13:16 Uhr)
wir verteidigen
unter anderem auch die scharia, welche legal in afghanistan ist. d.h. wir beschützen die ausführer der scharia, vom opium schutz mal abgesehen. wer hier von den bösen taliban spricht, versteht nicht was wir in afghanistan machen.
Kippi (22.01.2010, 13:04 Uhr)
langsam wird´s peinlich
Da schickt die Deutsche Regierung Soldaten in einen Krieg, der jedoch gar nicht Krieg genannt werden soll, aber für unsere Soldaten lebensgefährlich ist. Handeln unsere Soldaten dann aber
kriegsbedingt, bekommen sie einen riesengroßen Ärger, weil der Krieg ja eigentlich gar kein Krieg sein darf.
Darauf kann es doch nur eine einzige
Antwort geben: BUNDESWEHR RAUS
AUS AFGHANISTAN !!!
VolkerRockel (22.01.2010, 08:58 Uhr)
Soll ein Untersuchungsausschuss nicht eigentlich objektiv aufkären!
Wohin man im Moment schaut, richtige erstklassiger Politiker, denen man als Bürger bereit wäre sein Vertrauen uneingeschränkt zu schenken, sind inzwischen rar gesät in unserem Lande!

Ich sehe mich als Bürger zunehmend einer immer größer werdenden Anzahl von Mandatsträgern und Berufspolitikern gegenüber, bei denen - ob ihrer erkennbaren, bewertbaren politischen Leistung - sich nicht unberechtigterweise die Frage nach ausreichender Qualifikation, sprich Befähigung für ein politisches Mandat oder Amt stellt!

Und ich kann mich in diesem Zusammenhang auch nicht mehr des Eindrucks erwehren, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen nicht ausreichender Befähigung und dem latenten Versuch eines Teils der deutschen Politiker, eigenes politisches Versagen durch Schönreden, Täuschen, Tricksen und Verschleiern zu verdecken, um sich damit einer persönlichen Verantwortung und einer objektiven öffentlichen Bewertung des eigenen Handeln und der erbrachten politischen Leistung zu entziehen!


Das was sich hier in Deutschland zwischenzeitlich offenbart ist ein politischer Reparaturbetrieb (Hinterhofwerkstatt wäre wahrscheinlich begrifflich angebrachter!), der inzwischen nichts weiter macht als Probleme versucht zu lösen, die durch eigene politische Versäumnisse, politische Fehlentscheidungen oder schlichtweg durch politisches Versagen entstanden sind.

Wobei selbst der Begriff Reparatur kritisch zu hinterfragen ist. Denn offensichtlich erschöpft sich das Lösen von Problemen entweder im Kaschieren des eigentlichen Problems oder in dem Rumdoktern an den Symptomen. Die eigentlichen Ursachenbeseitigung stellt sich augenscheinlich häufig als eine derart große politische Herausforderung für unser Spitzenpolitiker dar, dass man im Hinblick auf eine breite öffentliche kritische Diskussion vorsichtshalber ganz darauf verzichtet.



Offensichtlich habe irgendwie alle irgendwie politisch Verantwortlichen Gründe gehabt, sich an den "Drei Affen" ein Beispiel zu nehmen und sich zu bemühen, die Hintergründe und das Ausmass des Luftschlags v. 04 September vor der Bundestagswahl im Dunkeln zu lassen!?- Und ich Frage mich immer noch: Was ist eigentlich die ganze Wahrheit? Und ich vermute, wir als Bürger kennen sie immer noch nicht ganz!?


Ich weiß nicht wie es ihnen geht? Mich kotzt diesen Schönreden, Rumlügen, Täuschen, Tricksen und Verschleiern nur noch an!
Fakten (22.01.2010, 05:41 Uhr)
Der Knilch der den gefesselten Kurnaz in der Zelle in Afghanistan ins Gesicht schlug...
...laeut auch noch immer frei rum. Es soll sich hierbei um einen Leutnant handeln.

Will sich die SPD jetzt selber angklagen? Die Kriegsteilnahme war zwar von der CDU gewuenscht, aber Schroeder/Fischer waren die Ausfuehrenden.
Dirk_37 (22.01.2010, 03:57 Uhr)
Lächerlich, mehr nicht
Ein Untersuchungsausschuß soll Klarheit schaffen, aber worin? Geht es um Oberst Klein, der einen Luftschlag befohlen hat, oder ist es die späte Rache der jetzigen Oppositionspartei SPD am Wahldebakel letzten herbst? Grotesk bis Lächerlich sind die Auftritte gerade jener Genossen, die ursprünglich mal, als erste deutsche Regierung nach dem Krieg, deutsche Soldaten in einen Kampfeinsatz geschickt haben! Über Nacht regt sich jetzt plötzlich ein Gewissen, daß man diesen Herrschaften schon lange nicht mehr zutrauen mag. Abgesehen vom parteipolitischen Gezänke geht mir diese ganze Diskussion am Thema vorbei: wie weit darf ein Befehlshaber vor Ort in kritischen Situationen Entscheidungen treffen, die sich am Ende als Falsch erweisen, jedoch in der Situation als gerechtfertigt und notwenig erscheinen? Ich persönlich ziehe meinen Hut vor dem Mann, weil er eben diese für ihn sicherlich sehr schwere Entscheidung treffen musste und dies tat. Nicht, wie unsere Politiker, die sich, Monate später und wie eh und je fern vom Geschehen, nun über seinen Kopf ihr dümmliches Parteienscharmützel geben. Der ganze Ausschuß ist ein Rohrkrepierer, kostet nur unnötiges Geld und bringt, außer ein paar windigen Schlagzeilen, am Ende nichts.
Prologo (21.01.2010, 22:26 Uhr)
Schon zu Beginn des Untersuchungausschusses geht es nur darum, die Vertuschung möglichst lange noch zu vertuschen!
Das Gewürge ist einfach zu erklären:

Merkel und Steinmeier haben einen Nichtangriffspakt vor der Wahl abgesprochen.

Afghanistan ist kein Wahlkampfthema!!
Und dann drei Wochen vor der Wahl, 142 Ziviltote!!!!!!!! Entzetzlich.

Ein Vertuschungsergebnis der Vertuschung, würde Merkel und Steinmeier gleich schaden.

Deshalb kommt von der Vertuschung gar nichts raus. Das Bauernopfer ist der Zu Guttenberg, in der Vertuschung.
Wenn er nicht aufpasst!

Das wird noch spannend.
MfG,
T.!
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