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24. September 2008, 07:39 Uhr

"Politik kann krank machen"

Es ist das erste große Interview, das Kurt Beck seit seinem Rücktritt als SPD-Chef gegeben hat - und der Pfälzer lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. "Halbverrückte" würden die Arbeit kaputt machen, Freunde habe er in der Parteispitze nicht, sagte Beck dem stern. Von Andreas Hoidn-Borchers

"Backsteine statt Brot": Ex-SPD-Chef Beck© Axel Schmidt/ddp

Der zurückgetretene SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat den Umgang in seiner Partei heftig kritisiert. "Wir duzen uns, wir nennen uns Genossen, aber wir verhalten uns nicht so", sagte Beck dem stern. "Das muss wieder anders werden." Er hoffe, "dass die nächsten Parteiführungen die Chance haben, vernünftig zu arbeiten und Konflikte offen auszutragen"; die Arbeit dürfe nicht von "Halbverrückten kaputt gemacht werden." Während seiner Amtszeit hätten ihm "manche Parteifreunde Backsteine statt Brot in den Rucksack gepackt." Am Ende habe er eine "unerfüllbare Mission" gehabt.

Die neue SPD-Spitze habe bei der Bundestagswahl "eine gute Chance, aber das hätte man auch miteinander haben können", so Beck weiter. "Ich habe die Partei ja nicht in eine schwierige Lage geführt, sondern in einer schwierigen Lage übernommen." Auf die Frage, ob er Freunde in der SPD-Führung habe, sagte Beck: "Was ich Freund nennen würde, nicht. Bei Freunden bin ich sehr wählerisch."

Absage SPD-Sonderparteitag

Das Gespräch mit dem stern ist das erste große Interview, das Beck nach seinem Sturz vor zweieinhalb Wochen gab. Beck bestätigte darin, dass er "aus heutiger Sicht" eher nicht am SPD-Sonderparteitag teilnehmen werde, auf dem am 18. Oktober Franz Müntefering zu seinem Nachfolger gewählt werden soll. "Ich will vor allen Dingen nicht für irgendwelche geheuchelten Bilder herhalten. Dafür ist mir alles noch zu nah", sagte Beck. Das Verhältnis zwischen Beck und Müntefering ist auch nach ihrem Treffen am Freitag voriger Woche schwer beschädigt. "Mehr als dass man miteinander anständig und ordentlich reden kann, hat es nicht gebracht", sagte Beck dem stern. Erstmals ließ Beck öffentlich erkennen, dass er Müntefering und Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Schuld an seinem Sturz gibt: "Ich weiß nicht, ob mein Rücktritt beabsichtigt war oder nur in Kauf genommen wurde." Gefragt, ob er sich von Steinmeier ausgetrickst fühle, antwortete Beck: "Nicht so sehr von ihm."

Zu seinem Rücktritt sagte Beck dem stern: "Ich bin mir sicher, dass ich richtig entschieden habe." Wäre er geblieben, hätte man ihm seine Würde genommen. "Man kann in diesem Geschäft viele Angriffe ertragen, aber wenn es an die Substanz geht, darf man nicht an dem Amt hängen." Er hätte es sich nicht vorstellen können, "mal an die Grenzen der psychischen Kraft" zu kommen. "Wenn mir das Gleiche vor zehn Jahren passiert wäre, hätte ich gleich hinschmeißen müssen, weil ich in psychische Schwierigkeiten geraten wäre." Heute schütze ihn ein "gewisses Maß an Selbstsicherheit." Auf die Frage, ob Politik krank machen könne, sagte Beck: "Ich bin sicher."

"Dümmliche Arroganz"

"Natürlich" habe er auch Fehler gemacht, so Beck. Einem Teil seiner Kritiker in Politik und Publizistik warf er allerdings "Maßlosigkeit" und "dümmliche Arroganz" vor. Zum Spott über sein Äußeres sagte der SPD-Politiker: "Wenn das über eine Frau gesagt oder geschrieben worden wäre, wäre es blanker Sexismus gewesen." Im Vorwurf, ein Provinzler zu sein, stecke sowohl kulturelle wie soziale Herablassung. Er fürchte, dass es Politiker aus der Provinz künftig "sehr schwer" haben würden in der Bundespolitik. "Das halte ich für ganz schlimm. Das Spektrum von Leuten, die neue Ideen und Sichtweisen einbringen, wird immer enger." Er frage sich manchmal, welche Chancen heute Herbert Wehner und Franz Josef Strauß noch hätten. "Ich fürchte: keine."

Das komplette Interview...

Das komplette Interview... ... mit Beck lesen Sie im neuen stern.

Von Andreas Hoidn-Borchers
 
 
KOMMENTARE (10 von 51)
 
klarenn (26.09.2008, 12:26 Uhr)
zu Marsmann
Alles beinahe Richtig!
Allerdings fungierte er exzelent als Wahlbetrüger seiner Wahlversprechen!
Er übertrumpfte seinen Ziehvater
sch.. noch.
Seine Aussage, eine von vielen gebrochenen, war, "Mit der "spd" gibt es keine Mehwertsteuererhöung!
Also von 0% auf 3%.
Weitere Vergesslichkeiten kann man beliebig hinzufügen.
Ein Mann mit solchen Vergeßlichkeitssymtomen gehört nicht in den Bundestag sondern aufs Altenteil.
Er sollte sich auf die bei ihm sich Abzeichnende Krankheit vorbereiten!
Marsmann (24.09.2008, 21:53 Uhr)
an vegefranz
Ich weiß ja nicht, warum Sie sich als Dreckschleuder gegen Herrn Beck betätigen, aber was Kompetenz betrifft, so traue ich ihm bessere zu als seinem wahrscheinlichen Nachfolger, der hat besonders intrigante Machtkompetenz, Wahlbetrugskompetenz, Rechenkompetenz (Mwst (2%+0%)/2 bei ihm gleich 3%),Verfassungsignorierungskompetenz betreffs Kriegsbeteiligung, Erpressungskompetenz zwecks Unterdrückung des Gewissens von Abgeordneten bei Abstimmungen, Kompetenz, vorhandene Mehrheiten für Durchsetzung seiner Versprechen nicht zu nutzen, Kompetenz in Pflege von Altmännerfeindschaften auf dem Rücken der Politik, Kompetenz in Ignorierung des Mehrheitswillen des Volkes, wenn "höhere" Herren es erwarten .....
klarenn (24.09.2008, 19:12 Uhr)
vegafranz
Die Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten eines Parteivorsitzenden der "SPD?", auf Landesverbände Dirigistisch Einzuwirken!
Ebenso den Kopf aus den Graben zu heben mit dem Wissen das die Heckenschützen aller Richtungen im Anschlag liegen!
Eingebrockt hat er sich seinen Untergang seit dem Deal mit Platzek alleine.
Kompetenz hat er aus seiner langjährigen Parteiarbeit im größten?
Verband der "SPD".
Warum und ob er es nicht Umsetzen konnte ist wohl Bekannt.
Mitleid ist aber nicht notwendig, sein Stress wird gut entlohnt.
vegefranz (24.09.2008, 18:56 Uhr)
@klarenn: Was ist eigentlich genau Ihre Kompetenz, Herr Beck? #2
Ich schrieb:
Was ist eigentlich genau Ihre Kompetenz, Herr Beck?
Die Sozialdemokraten benötigen wieder glaubhafte und kompetente Leute. Gegenbeispiel: Beck hat seinen Leben lang weniger durch Kompetenz und Leistung, sondern nur durch sein Gewerkschaftsfunktionärs-Netzwerk Posten abgesahnt. Unter dem Strich war er sogar zu blind, um Lügilanti und ihrem Pudel Scheer eine kräftigen Tritt in den Ar... zu geben"
Was genau habe ich denn durcheinandergebracht?
klarenn (24.09.2008, 18:47 Uhr)
vegefranz
Bin ja auch für derbe Analysen, können auch Grenzwertig sin.
Das müssen die "Damen&Herren" schon aushalten.
Allerdings hast du in deinem Beitrag, deinem Frust geschuldet, alles Durcheinandergebracht was nur ging.
klarenn (24.09.2008, 18:34 Uhr)
prato61
Danke für ihre Antwort.
Wollte bloß das Problem in Deutschland Ankratzen. Eine ausführliche Analyse würde den Rahmen Sprengen.
Es ist Überfällig den maroden und Korrupten politischen Saustall Auszumisten.
Diese nicht Befähigten Möchtegern Volksvertreter bemühen den Begriff "Wir sind das Volk" immer dann wenn sie ihre Unfähigkeit unter Beweis gestellt haben und Ablenken wollen.
So Dusselig wie sie das Volk haben wollen, ist das Volk nicht!
Warum haben sie wohl so eine panik vor einer Wahlreform?!
Immer schön versuchen das Volk unten zu halten und mit Platitüden vollsabbern!!
sophisticated (24.09.2008, 18:33 Uhr)
Beck ein "Jammerlappen"????
Vielleicht verwechselt da jemand Sensibilität mit Weichei-Mentalität? Ich will Beck jetzt nicht groß reden (er war und ist ein guter Landespolitiker)und er ist mir lieber als die sozialdemokratischen Recken (diese "Agendahelden"), die ihre "Politik" einzig und allein an den Fragen eines persönlichen Machterhalts orientieren!
vegefranz (24.09.2008, 18:27 Uhr)
Was ist eigentlich genau Ihre Kompetenz, Herr Beck?
Die Sozialdemokraten benötigen wieder glaubhafte und kompetente Leute. Gegenbeispiel: Beck hat seinen Leben lang weniger durch Kompetenz und Leistung, sondern nur durch sein Gewerkschaftsfunktionärs-Netzwerk Posten abgesahnt. Unter dem Strich war er sogar zu blind, um Lügilanti und ihrem Pudel Scheer eine kräftigen Tritt in den Ar... zu geben
rukli (24.09.2008, 17:48 Uhr)
zu kralli 19
Messe keineswegs mit zweierlei Maß. Clement gehört schlicht und einfach ausgeschlossen, weil er der Partei -wie ich glaube vorsätzlich - geschadet hat. Das Verfahren zeigt ja auch, dass sich die Partei-jedenfalls Stand heute- das nicht bieten läßt. Im Übrigen: Von Parteiausschluß bei Beck hat zu Recht niemand geredet. Er wäre auch geradezu absurd!!
utospatz (24.09.2008, 17:14 Uhr)
Nicht politik kann krank machen,
sondern Machtgeilheit!
Jedoch gesellt sich seit 30 Jahren schon zur Machtgeilheit die Eigenkontengeilheit!
Eigentlich haben diese politischen Deppen ein Rießenglück, das Fussvolk geht zur Wahl, und zieht den Arsch nicht zurück!
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