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12. August 2008, 15:42 Uhr

"Das sind Speerspitzen der Szene"

Ist es ein Problem, wenn sich Läden auf Produkte spezialisieren, die vor allem rechtsextreme Kunden gerne kaufen? Sehr wohl, findet der Verfassungsschutz in Thüringen. Experten warnen davor, dass Rechtsextreme über die Läden hoffähig werden könnten.

Im Februar zogen Demonstranten mit einem Banner durch Berlin, das ein Geschäft für den Verkauf einer bei Neonazis beliebten Kleidermarke anprangerte© Picturealliance

Sie nennen sich "Madley", "Youngland" oder "TopFuel Store". Hinter den modern klingenden Namen verbergen sich Läden, die für Anhänger der rechten Szene zu Anlaufpunkten geworden sind. Mit spezieller Kleidung, CDs und Büchern locken die Besitzer Kunden und etablieren die Geschäfte als Treffpunkte. In Thüringen gibt es zwar weniger als zehn solcher Läden, doch ihre Beständigkeit halten Verfassungsschützer für alarmierend. 2009 könnten sie auch als Geldgeber für den Landtagswahlkampf der Rechten eine Bedeutung haben, befürchten Rechtsextremismus-Experten.

Die Marke "Thor Steinar" etwa gilt als Aushängeschild der rechten Szene. Wer sich ihr zugehörig fühlt, trägt gern Klamotten der Marke aus dem brandenburgischen Königs Wusterhausen. Jeder rechtsextreme Szeneladen, der verdienen will, hat die Marke im Sortiment oder wenigstens einen Katalog unter dem Ladentisch. Aus Sicht des Landesamtes für Verfassungsschutz fließt zumindest ein Teil der Einnahmen wieder zurück in die Szene. Die rechtsextreme NPD hat nach Einschätzung von Experten jedoch eher wenig davon.

"Das sind Speerspitzen der Szene"

"Vor allem die Freien Kameradschaften profitieren", sagt Holger Kulick, Szene-Kenner der Redaktion von www.mut-gegen-rechte-gewalt.de, einer Internetseite, die vom stern mitgegründet worden ist. Er sieht in den Läden ernstzunehmende Treffpunkte von Rechtsextremen. "Das sind die Speerspitzen der Szene, dort können sich einzelne Personen hervortun."

Einem Bericht des Verfassungsschutzes zufolge gehören die Läden häufig polizeibekannten Neonazis, die durch Körperverletzungen oder als Besucher von Rechtsrock-Konzerten schon aufgefallen sind. Ihre Geschäfte führen sie vor allem in Städten wie Gera, Erfurt, Weimar, Jena oder Ilmenau. Dort lebe die Zielgruppe wie etwa Skinheads, und zudem sei eine gewisse Anonymität gegeben, geht aus dem Bericht hervor. Ein einheitliches Bild der Läden gebe es jedoch nicht.

Der Protest ist verebbt

Die Szeneläden verfügen meist nicht über ein Internetangebot, so dass sie kaum in Konkurrenz zu den florierenden Onlineshops stehen. 24-Stunden-Verkauf und die Anonymität des Internets können sie nicht leisten. Trotzdem finden sie weiterhin Zulauf. "Es ist kein materielles Geschäft, sondern ein politisches", sagt Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT). Die Läden erfüllten vor allem eine "Vorfeldfunktion". Der Protest gegen sie sei jedoch verebbt. Nur noch selten demonstrierten kleine Bürgergruppen vor den Schaufenstern. "Kleinere Städte leben unmittelbarer mit Rechtsextremismus. Die Leute stehen zu nah davor und sehen das Problem nicht", bedauert Heerdegen. Schenke die Gesellschaft den Läden aber keine Beachtung mehr, könnte es Rechtsextremen leicht fallen, ihre Aktivitäten auszuweiten und immer mehr Jugendliche mit Kleidung und Musik in die Szene zu locken.

Madeleine Warsitz, DPA
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Countryjoe (13.08.2008, 06:47 Uhr)
Kleiderverbot?
Nachdem ja in diesem zensurlosen Land schon Bücher, Musik und diverses andere verboten wurde, scheint man nun wohl auch noch zu einem Kleidungsverbot zu streben?
Dabei ist es doch ganz einfach, wer dort nicht einkaufen will, der läßt es bleiben. Diese gespielte Empörung über ein paar Ladengeschäfte in denen politisch missliebige Menschen verkehren ist nichts weiter als eine lächerliche Beckmesserei der politisch Überkorrekten.
Preussin (13.08.2008, 06:20 Uhr)
Läden Boykottieren
Da war doch mal was ? Kauft nicht beim Juden . Mit solchen Maßnamen wird man die braune Gesinnung nicht in Rot oder Schwarz wandeln.
Besser wäre den Brauseköpfen mal zu zeigen , was ihre "Vorbilder " zum Beispiel mit den Alkoholikern gemacht haben. Die kamen ins KZ und wurden Sterelisiert , damit sie Ihre Krankheit nicht vererben konnten.Da wäre schon mal ein großer Teil von Ihnen aussortiert.Die Meute wird am Anfang toleriert , aber später wird aussortiert.
Mann sollte diese Leute im Panoptikum ausstellen , zum Gespött für alle.
Franzoesin (12.08.2008, 17:59 Uhr)
Rechts ist Schlimmer als links ?
Es zeigt sich wie die Hirnwäsche der Linken Sieger des 2. Weltkrieges Erfolg gezeitigt hat: Massaker der "Linken" ? Verleugnung - interessanterweise nicht verboten in der BRD, Verniedlichung, gerade mal so zur Kenntnis genommen )
6 - 8 LMillionen ermordete Ukrainer in den Dreißigern ? - nie gehört !!
Die unermesslichen Verbrechen der Roten Armee ? - war in Ordnung so ! - Die Massaker der Roten Kmer ? - na ja, war ein Ausrutscher - die aktuellen Verbrechen in Nord-Korea ?! - verschweigen- nebensächlich ! = ABER ein RECHTS-RADIKALER "Deutscher" Patriot kauft eine Socke - Aufschrei !! Strafverfolgung - Verbot!
Die BRD ist kaputt
CeeTo (12.08.2008, 17:45 Uhr)
skeptiker23
Es stört dich so lange nicht bis sie dein Auto anzünden oder dir die Scheiben deines Geschäftes einwerfen. Oder gegen dich vorgehen weil du ein Spießer bist. Oder eine Deutschlandfahne raushängst.
Und wenn du auch noch Polizist bist, wird es ganz eng für dich.
Also ich finde man kann die sehr wohl gleichsetzten.
Es gibt auch viele Tote in der Geschichte aufgrund von linken Gedankengut.
Was beide Extreme eint ist dass sie keine Meinung neben ihrer dulden und diese auch mit Gewalt legitemieren.
StefanAugsburg (12.08.2008, 17:30 Uhr)
Rum-Eierei !
Blubber, blubber, blubber .... schwafel, schwafel ...! Leute, es geht doch nicht drum, was hier (mal wieder) eher bekämpft werden soll, sondern daß grundsätzlich etwas bekämpft werden soll - und zwar Extremismus in jeder Form, ob politisch oder religionsorientiert - überall auf der Welt. Basta ...
skeptiker23 (12.08.2008, 17:29 Uhr)
rechts != links
@CeeTo und @Huxley
Aus meiner Sicht ist Rechtsradikalismus und Linksradikalismus nicht gleichzusetzen, vor allem dann nicht wenn es um Jugendszenen geht. Rechtsradikale propagieren offen die Ueberlegenheit einer Rasse/ eines Volkes waehrend Linksradikale meistens von der Sehnsucht nach einer gerechteren Welt für alle getrieben werden.
Das eine ist Träumerei, dass andere Menschenverachtend. Ich sehe nicht warum man da den gleichen Maßstaab anlegen sollte.
Um nicht falsch verstanden zu werden, es geht mir nicht um den Gewalt, die
darf es weder von rechts noch von Links geben. Aber ein linksalternatives Kulturzentrum in meiner Nachbarschaft würde mich nicht stören. Ein rechtes Zentrum hingegen wäre ein riesen Problem, z.B. wenn ich einen Ausländischen bekannten Einladen würde.
Wendraf (12.08.2008, 17:25 Uhr)
Hm...
also deine ansichten gegen Extremisten find ich schon etwas extrem...bekämpf dich mal selber wen du nix gescheits zu sagen hast
Huxley_82 (12.08.2008, 16:30 Uhr)
@CeeTo
Das ist genau meine Meinung. Rechtsradikale gehören bekämpft, keine Frage, aber dann muss man Linksradikale (und sogenannte "Autonome") genauso bekämpfen. Jeder ist erschreckt wenn die NPD knapp in irgendwelche Landtage einzieht, dass die SED-Nachfolgepartei inzwischen bei beinahe 15% steht wird ignoriert... Wo bleibt der generelle Kampf gegen "extreme" ob Links oder Rechts, Religiös oder sonstwas. Extremismus ist immer schlecht, egal welche Motivation und welche Vorbilder dahinter stehen!
CeeTo (12.08.2008, 16:26 Uhr)
-.-
Natürlich muss man was dagegen machen. Aber was mir manchmal fehlt ist der Kampf gegen Links. Es gibt auch Linksradikale Läden.
 
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