. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. Januar 2009, 19:35 Uhr

Von der Arroganz der Macht

Hessen wird künftig von einer schwarz-gelben Koalition regiert, Roland Koch bleibt Ministerpräsident. Dennoch wird das Ergebnis der CDU schwer im Magen liegen. Denn die enttäuschten Konservativen wandern in Scharen zum eigentlichen Gewinner ab: der FDP. Und die SPD? Sie muss in die Reha. Ein Kommentar von Lutz Kinkel

Hessen, CDU, FDP, Landtagswahlen, SPD, Koch

Roland Koch (CDU) nach der Bekanntgabe der Wahlprognose. Er weiß, dass er seinen Machterhalt in erster Linie der FDP verdankt© Boris Roessler/DPA

Die "hessischen Verhältnisse" sind Geschichte. Endlich. Das ist die gute Nachricht aus Wiesbaden. CDU und FDP können eine Regierung bilden, die sich auf eine deutliche Mehrheit stützt. Das ist, nach dem Chaos und Gezänk des vergangenen Jahres, schon ein Fortschritt. Die Politik muss handlungsfähig sein, gerade jetzt, da die Wirtschaftskrise wie ein Hurrikan über Deutschland zieht.

Roland Koch, der geschäftsführende und wohl auch künftige Ministerpräsident, wird dennoch bleierne Stunden erleben. Die Menschen haben ihm seinen Imagewechsel vom politischen Pitbull zum gütigen Landesvater nicht abgenommen. Die CDU gewinnt praktisch nichts hinzu, sie stagniert bei rund 37 Prozent - zur Erinnerung: Koch hatte 2002 die absolute Mehrheit errungen. Mit dem jetzigen Ergebnis kann sich Koch als Sieger fühlen, aber es ist ein matter, glanzloser Sieg. In Anbetracht des FDP-Ergebnisses ist es sogar ein unglücklicher Sieg.

Die hessische FDP holte die Sterne vom Himmel - zwischen 16 und 17 Prozent, ein Wert, der die als utopisch empfundene 18-Prozent-Kampagne eines Jürgen Möllemann Realität werden lässt. Dieses Ergebnis zeigt, wie schon die Wahl in Bayern, dass sich im bürgerlichen Lager die Akzente verschieben. Weg von der Union, hin zu FDP und Freien Wählern.

Bange Herzen im Kanzleramt

Das offenbart die Schwäche einer Union, die in der Regierungsverantwortung zur Arroganz der Macht neigt und damit ihre Wähler verprellt. In Bayern waren es das Rauchverbot, das Transrapid-Debakel und die Milliardenverluste der Landesbank. In Hessen dürften es die vergeigte Schulreform, die mediokre Wirtschaftspolitik und der ausländerfeindlich getönte Wahlkampf von 2008 gewesen sein.

Im Berliner Kanzleramt werden sie das Ergebnis dieser Wahl mit bangem Herzen studieren. Denn das, was in Bayern und Hessen passiert ist, könnte sich genauso bei der Bundestagswahl im September vollziehen. Kanzlerin Angela Merkel hat das Profil der CDU bis zur Unkenntlichkeit verwässert, Konservative und Marktliberale bedient sie überhaupt nicht mehr. Wandert diese Klientel zur FDP ab, muss sie mit einem starken, unbequemen Koalitionspartner regieren. Denn sie kommt nicht an der FDP vorbei, wenn die Mehrheiten dafür reichen, auch wenn sie sich insgeheim eine Fortsetzung der Großen Koalition wünschen mag.

Schon jetzt wird die FDP der Kanzlerin häufiger dazwischenfunken, als ihr lieb sein kann. Durch die Wahl in Hessen verliert die Große Koalition ihre Mehrheit im Bundesrat. Bei Gesetzen, die zustimmungspflichtig sind, muss sie mit der FDP verhandeln. Die hat bereits angekündigt, dass sie das Konjunkturpaket wieder aufschnüren will, um weitere Steuersenkungen durchzusetzen, Guido Westerwelle regiert faktisch mit. Also muss "Mutti" Merkel zur Super-Nanny werden, denn sie hat nun gleich vier Parteien an der Hacke (CDU, CSU, SPD, FDP) - auch das ist eine Konsequenz der hessischen Wahl.

Und die hessische SPD? Ach ja. Sie wirkt wie ein Patient, der nach zwei Gehirnschlägen eine lange, lange Rehabilitationsphase antreten muss. Andrea Ypsilanti ist von ihren Partei-Ämtern zurückgetreten, Thorsten Schäfer-Gümbel wird die Salben und Verbände in den kommenden fünf Jahren anreichen müssen. Für die Bundes-SPD ist das kein guter Start ins Wahljahr 2009. Aber wer hat, außer der FDP, mit diesem Ergebnis keine Sorgen? Selbst die Grünen sind angeschmiert. 14 Prozent geholt, herzlichen Glückwunsch, und nun: setzen. Auf die Oppositionsbank.

Ein Kommentar von Lutz Kinkel
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Landtagswahl FDP verhilft Koch zur Macht

Roland Koch und seine CDU haben die Landtagswahl in Hessen gewonnen, trotz der hohen Verlusten der SPD allerdings kaum zugelegt. Der große Wahlgewinner war vielmehr die FDP: Sie kletterte auf weit mehr als zehn Prozent der Stimmen. Und nur ihr hat Koch es zu verdanken, dass er regieren darf. mehr...

Hessen-Wahl Andrea Ypsilanti tritt zurück

Schon kurz, nach dem das Debakel der SPD bei der Landtagswahl in Hessen feststand, hat die Vorsitzende Andrea Ypsilanti die Konsequenzen gezogen: Sie ist zurückgetreten. Als ihren Nachfolger schlug sie den Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel vor. mehr...

Landtagswahl in Hessen Das System Roland Koch

Manch einer jubelt, andere reiben sich entsetzt die Augen: Roland Koch ist wieder da! Politisch war er fast schon tot. Nun hat er die Chance, seinen alten Einfluss zurückzugewinnen. stern.de nennt sieben Gründe, warum Kochs Karriere so unkaputtbar ist. mehr...

Duell der Ungleichen Thorsten Schäfer-Gümbel gegen Roland Koch

Hessen hat ein Chaosjahr hinter sich: Zweimal stand Roland Koch, CDU, vor dem politischen Exitus, zweimal kratzte Andrea Ypsilanti, SPD, an der Tür der Staatskanzlei, zweimal drehte sich alles um die eigene Achse - und Ypsilanti fiel aus. Nun können die Hessen (endlich) wieder selbst entscheiden. Am 18. Januar sind Neuwahlen. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch