Schwarz-Gelb und Rot-Grün auf Augenhöhe

14. Januar 2013, 08:09 Uhr

Wenige Tage vor der niedersächsischen Landtagswahl ist der einstige Vorsprung von Rot-Grün auf ein bis zwei Zähler geschmolzen. Das Rennen um den Sieg im Bundestagswahljahr ist offen wie nie.

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Eine Woche vor der Wahl ist völlig offen, in welche Richtung das zukünftige Regierungsbündnis in Niedersachsen geht. Der Vorsprung von Stephan Weil (l.) auf David McAllister ist stark geschrumpft.©

Für die SPD und ihren Spitzenkandidat Stephan Weil kann die Niedersachsen-Wahl gar nicht schnell genug kommen. Je näher der Wahltermin rückt, umso mehr schmilzt der Vorsprung von Rot-Grün auf CDU und FDP. Anfang 2012 trennten noch zehn Prozentpunkte beide politische Lager. Wenige Tage vor der Wahl am kommenden Sonntag sind es je nach Hochrechnung nur noch ein bis zwei Zähler: SPD und Grüne kamen im jüngsten ARD-"Deutschlandtrend" und im ZDF-"Politbarometer" auf jeweils 46, das seit 2003 regierende Bündnis von Schwarz-Gelb auf 44 bis 45 Prozent.

"Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen, es wird auf jede Stimme ankommen", sagte Weil im einzigen TV-Duell. Zumindest in diesem Punkt ist er sich mit Amtsinhaber David McAllister (CDU) einig. Dieser nimmt die neuen Zahlen als willkommenen Anlass für verbale Attacken: "Die SPD ist müde, wir fangen gerade erst an", ruft er immer wieder den Besuchern der zahlreichen Wahlkampfkundgebungen zu.

Auf den Spuren von Gerhard Schröder

Zehn Jahre nach der krachenden SPD-Wahlpleite 2003 will Hannovers Noch-Oberbürgermeister Weil die Sozis in ihrer einstigen Hochburg aus der Oppositionsrolle holen. Ganz so wie 1990 Gerhard Schröder, der zusammen mit den Grünen die schwarz-gelbe Landesregierung von Ernst Albrecht (CDU) auf die Oppositionsbank schickte. Doch im Gegensatz zu seinem - im Wahlkampfendspurt dieser Tage ebenfalls sehr aktiven - Vorbild Schröder hat Weil außerhalb der Landeshauptstadt auch in der heißen Wahlkampfphase noch immer ein Bekanntheitsproblem: Dürften die Niedersachsen ihren Landeschef direkt wählen, würden laut ARD nur 33 Prozent für ihn votieren - McAllister könnte sich dagegen über 51 Prozent freuen.

Als Startschuss ins Bundestagswahljahr hat es die Landtagswahl in Niedersachsen in sich. Nicht nur Weil und McAllister wollen auf ihrer politischen Karriereleiter eine neue Stufe erklimmen, auch Berlin schielt vor der Bundestagswahl mit großen Augen nach Hannover. Kein Wunder also, dass sich derzeit die bundespolitische Prominenz in der norddeutschen Tiefebene ständig die Klinke in die Hand gibt: Angefangen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bis zu den Spitzen von Grünen, FDP, Linken und Piraten. Eine Niederlage wäre eine für alle schwere Hypothek, ein Sieg garantiert Rückenwind.

Aufholjagd von Schwarz-Gelb

Lange Zeit sah es so aus, als sei der Sieg von SPD und Grünen ausgemachte Sache. Grund war nicht etwa McAllisters CDU, sondern die Dauerkrise der FDP. Ausnahmslos verpassten die Freidemokraten in den Umfragen des Vorjahres im Heimatland von Parteichef Philipp Rösler den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Nach zahllosen Genickschlägen folgt erst zehn Tage vor der Wahl der erste Hoffnungsschimmer: ARD und ZDF bescheinigen der FDP das Minimalziel von fünf Prozent - ob es gemeinsam mit der CDU zur Regierung reicht, ist aber unklar.

So ist es am Ende ein Duell auf Augenhöhe und McAllister darf sich erstmals berechtigte Hoffnungen machen, sein 2010 von Christian Wulff geerbtes Regierungsamt zu verteidigen. Motivationsgründe für einen engagierten Wahlkampfendspurt gibt es für Weil und McAllister genug: Rund 40 Prozent der Niedersachsen sind noch unentschlossen, wo sie ihr Kreuz machen wollen. Umgerechnet auf die mehr als sechs Millionen Wahlberechtigten sind dies immerhin 2,4 Millionen Stimmen.

Marco Hadem, DPA
 
 
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