27. März 2010, 10:37 Uhr

Grüne umwerben die CDU

Nordrhein-Westfalens CDU sperrt sich, für die NRW-Grünen hingegen ist eine schwarz-grüne Koalition nach den Landtagswahlen am 9. Mai durchaus vorstellbar. Grund genug für SPD-Chef Sigmar Gabriel, die Gefahr dieser Option für die Sozialdemokraten kleinzureden.

NRW, Nordrhein-Westfalen, Grüne, CDU, Landtagswahlen, Landtagswahl, schwarz-grün, Koalition, SPD, Gabriel

Sylvia Löhrmann, die Grünen-Spitzenkandidatin in NRW, sieht in Schwarz-Grün eine "Zweitoption"©

Sechs Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen haben sich führende Grünenpolitiker offen für eine Koalition mit der CDU gezeigt. "Wenn es für Rot-Grün nicht reicht, ist Schwarz-Grün eine mögliche Zweitoption", sagte die grüne NRW-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann dem Magazin "Focus". Dafür müsse die CDU aber in zentralen Fragen wie etwa der Bildungs- und Energiepolitik den Grünen deutlich entgegenkommen. Der baden-württembergische Fraktionsvorsitzende, Winfried Kretschmann, äußerte sich ähnlich. Die frühere NRW-Agrarministerin Bärbel Höhn sagte: "Wir wollen Rot-Grün, schließen Rot-Grün-Rot und Schwarz-Grün nicht aus."

Dagegen lehnten CDU-Politiker ein Bündnis mit den Grünen nach der Wahl am 9. Mai strikt ab, obwohl die Koalition mit der FDP in Düsseldorf in Umfragen zuletzt ohne Mehrheit blieb. "Schwarz-Grün ist für mich eine grausame Vorstellung - fast schon Fegefeuer", sagte NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann dem Magazin. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach, sagte, von Schwarz-Grün halte er überhaupt nichts.

Einer Umfrage des "Focus" zufolge gibt es in der Bevölkerung allerdings ein große Bereitschaft für schwarz-grüne Bündnisse. Demnach sind 60 Prozent der Befragten für eine Koalition von CDU und Grünen, sollte es für die schwarz-gelbe Regierung nicht mehr reichen. Im Bund seien es sogar 64 Prozent. Allerdings sähen 65 Prozent immer noch mehr Trennendes als Gemeinsames bei Schwarz-Grün. Bei Schwarz-Gelb seien dies 54 Prozent.

Gabriel erteilt Linkspartei eine Absage

Unterdessen hat SPD-Chef Sigmar Gabriel seine Absage an eine Koalition mit der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen bekräftigt. "Niemand behauptet ernsthaft, dass diese Partei in NRW zur Regierung fähig oder auch nur bereit ist", sagte Gabriel der "Welt am Sonntag". "Das weiß in Wahrheit auch Oskar Lafontaine", fügte er mit Blick auf den Vorsitzenden der Linken hinzu. Die SPD werde alles tun, um die Linkspartei "zumindest im Westen Deutschlands überflüssig zu machen". Gabriel setzt bei der Landtagswahl am 9. Mai auf eine eigene Mehrheit für Rot-Grün.

In einer möglichen schwarz-grünen Regierung in NRW sieht Gabriel keine Gefahr für die SPD. "Schwarz-Grün wäre in erster Linie eine Bedrohung für die Grünen. Die meisten Grünen wollen solch ein Bündnis nicht", sagte er.

Reuters/AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
ganzbaf (28.03.2010, 12:06 Uhr)
@brigit

Was soll die Linkspartei schon mit links meinen? Alle Sparvermögen enteignen und die DDR wieder einführen.
So wie man es überall lesen und hören kann.
Nursery (28.03.2010, 11:16 Uhr)
Röttgers als Umweltminister
Wenn das der Politikstandard von Umweltminister Röttger sein soll ,kann man getrost die Koffer packen.Und wenn das die Vorstellungen von "Grüner Umweltpolitik" sein soll kann man getrost ebenfalls auswandern.Das die gezielt gestreuten Hinweiseauf die zukünftigen Kernenergielaufzeiten kaum Widerspruch der Grünen hören ist nur noch mit Kopfschütteln zu honorieren.Die Grünen sollten aufpassen nicht in die falle der CDU zu tapen.Doch der Wunsch zu regieren läßt manchen Politiker schwach werden.Für mich wären die Grünen dann keine Option mehr.
brigitteramsau (28.03.2010, 00:04 Uhr)
Gruen oder SPD...
...waehl ich nicht! Die gibt es auch schon als CDU/CSU/FDP/NPD. Auch diese Schurken kann man nicht waehlen.

Bei den Linken kann man sich nicht sicher sein was die mit Links meinen.
Prologo (27.03.2010, 21:12 Uhr)
Mit dem bisher Erlebten in der deutschen Politik,....

.....habe ich jeden Glauben an Gerechtigkeit und Parteiversprechen verloren. Beispiele gibts genug. Das Wahlrecht wurde ja auch so verbogen, dass Minderheiten von nur 6 bis 8 Prozent das Land mitregieren können, äh mitruinieren können.

Und so lange das nicht abgeschafft wird, werden wir immer wieder von eigentlich nicht gewählten Parteien drangsaliert.

Damit sie ihren Hintern retten können, sind sie mit jedem Partner einverstanden, der ihnen das ermöglicht. Im Gemenge, sind doch viele Übereinstimmungen vorhanden. So nennt man das dann.

Man kann auch sagen, Hurerei, zu Lasten des Landes, und des Volkes.

MfG,
T.
LaoLu (27.03.2010, 21:07 Uhr)
Donnerlüchting, ganzbaf,
da ist ja mal nix dran auszusetzen an Ihrem Kommentar!
cobdet (27.03.2010, 16:51 Uhr)
@knilch_59
für mich ist es sehr wohl ein landespolitischer Aspekt, ob der amtierende MP und Spitzenkandidat der CDU die Vorkommnisse in der Asse in seiner Funktion als Bundesforschungsminister vertuscht hat . Der wird mir auch wider besseren Wissens erklären das Gorleben ein sicherer Endlagerstandort ist ( natürlich nur solange die CDU regiert ).
Die Grünen täten gut daran Herrn Rüttgers nach seiner damaligen Rolle zu fragen und auf Antworten vor dem 9.Mai drängen.
Tun sie es nicht, dann ist ihr politischer Höhenflug schneller zu Ende als der der Möwenpickpartei
Johann58 (27.03.2010, 14:40 Uhr)
@Knilch_59
Sie haben ja recht aber die Einflussnahme ueber den Bundesrat ist nicht gering. Dass Landtagswahlen auch immer einen bundespolitischen Aspekt haben ist doch hinreichend bekannt. Die Linken werden ja wohl am allerwenigsten den MP stellen oder ist damit auch die SPD gemeint, die die CDU bereits rechts ueberholt hat?
knilch_59 (27.03.2010, 14:34 Uhr)
Es ist "nur" eine Landtagswahl
In NRW wird nicht über "soziale Gerechtigkeit" oder die Rest-Laufzeit der AKW entschieden. Das sind Bundesthemen, also reicht es aus, wenn NRW im Bundesrat aus dem Schwarz/Gelben Block ausschert.
.
Von daher tut man als Wähler Gutes, indem man sich mehr um die landespolitischen Konzepte und deren Durchsetzungschancen kümmert, als seine Stimme in der Fundamentaldebatte zu vergeuden.
.
Hallo, Edelsozen im Forum: Selbst wenn Die.Linke den Min.Präs stellen würde, wäre das immer noch kein Schritt zum Mindestlohn - nicht zuständig!
simbadische (27.03.2010, 14:19 Uhr)
Das war's !
Hiermit steht für mich eindeutig fest : die Grünen sind für mich in NRW nicht wählbar !

Wer angesichts der Diskussion um die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke auf 60 ( SECHZIG !) Jahre auch nur darüber nachdenkt, mit der CDU zu koalieren, hat in meinen Augen ALLES was grüne Politik ausmacht um der Macht willen aus den Augen verloren !

Da bleibt mir nur eines zu sagen PFUI !
Johann58 (27.03.2010, 14:14 Uhr)
Zum Schluss steigt Ruettgers mit dem ins Bett
der ihm das Weiterregieren ermoeglicht. Eine der Fragen wird sein wie schwach wird die FDP sein und wird sie ueberhaupt in den Landtag einziehen. Dass die Gruenen die schwarz/gruene Option als 2. Moeglichkeit sehen hat sicvher auch damit zu tun, dass man ein Mitwirken der Linken in einer Regierung verhindern will. Fuer mich mit am unangenehmsten ist die Tatsache, dass die Gruenen mehr und mehr von ihren urspruenglichen Ideen aufgeben und sich damit meiner Meinung nach mittelfristig aus der Parteienlandschaft verabschieden werden. Vielleicht waere eine rot/rot/gruene Koalition durchaus eine Alternative wenn Die Linke einige ihrer unrealistischen Positionen ueberarbeitet und durch realisierbare Ziele ersetzt. Soziale Politik muss und darf keine Rueckkehr in eine DDR Reloaded sein.
MEHR ZUM ARTIKEL
Landtagswahl in NRW Rüttgers bekennt sich zur FDP

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat sich Ministerpräsident Jürgen Rüttgers für eine Fortsetzung seiner Koalition mit der FDP ausgesprochen. Mit den Grünen will er nicht koalieren. Genauer gesagt: Er "möchte" es nicht.

Landesparteitag der NRW-CDU Konservative mit menschlichem Antlitz

NRW-Landeschef Jürgen Rüttgers hat sich mit einer fulminanten Rede wieder als Arbeiterführer der CDU inszeniert - und sich gegen Steuersenkungen ausgesprochen. Die Kanzlerin pflichtete ihm bei.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?