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22. Juni 2008, 15:12 Uhr

Pauli fordert Beckstein heraus

Acht bis neun Prozent wollen die Freien Wähler bei der bayerischen Landtagswahl Ende September erreichen. Mit ein Grund für den Optimismus: Gabriele Pauli, das Enfant Terrible der bayerischen Politik, wird gegen Ministerpräsident Günther Beckstein antreten - im gemeinsamen Wahlkreis.

Bei der Fastnacht in Franken gab es zwischen Pauli und Beckstein andere Themen zu besprechen als beim anstehenden Wahlkampf© Daniel Karmann/DPA

Die einstige CSU-Rebellin und Fürther Landrätin Gabriele Pauli sorgt wieder für Schlagzeilen: Bei der bayerischen Landtagswahl im September wolle sie als Direktkandidatin der Freien Wähler (FW) im Stimmkreis Nürnberg Nord gegen Bayerns Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) antreten, teilte der Vorsitzende des FW-Stadtverbandes Nürnberg, Jürgen Horst Dörfler, mit. Über entsprechende Pläne Paulis hatte bereits die "Bild"-Zeitung berichtet.

Pauli sei vor einigen Tagen einstimmig zur Direktkandidatin gewählt worden, der Stadtverband stehe "zu hundert Prozent hinter ihr", sagte Dörfler. Pauli war Ende April nach 18 Jahren Amtszeit als Landrätin ausgeschieden. Sie hatte im Vorjahr die CSU-Führungskrise um den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ausgelöst, die in dessen Rücktritt gipfelte. Bei einem Parteitag im vergangenen Herbst hatte Pauli dann für den CSU-Vorsitz kandidiert und war ohne Erfolg gegen den heutigen Parteivorsitzenden Erwin Huber und Bundesagrarminister Horst Seehofer angetreten.

Nach Einschätzung Dörflers verschafft ihre Kandidatur den Freien Wählern gute Chancen auf einen Einzug in den bayerischen Landtag. Er rechne mit acht bis neun Prozent für die Freien Wähler bei der Landtagswahl Ende September, sagte der FW-Stadtverbandsvorsitzende. Generell sei die Stimmung für kleinere Parteien derzeit gut. "Die CSU versucht, massiv alle Sachthemen der kleinen Parteien zu besetzen. Daher ist es dringend notwendig, der CSU eine Galionsfigur entgegenzusetzen."

Zur Kandidatur Paulis habe es auch skeptische Stimmen gegeben, räumte Dörfler ein. Gerade auf dem Land sei ihr Vorschlag einer "Ehe auf Zeit", mit dem die einstige CSU-Rebellin im vergangenen Jahr für Wirbel gesorgt hatte, nicht überall gut angekommen. Letztlich gelte aber: "Ein Politiker muss Visionen entwickeln." Falls man den Zeitgeist einmal nicht treffe, müssten die Vorstellungen eben korrigiert werden. Die frühere Landrätin ist für ihn daher die Kandidatin schlechthin für die Freien Wähler: "Sie ist für vieles offen, will diskutieren und etwas bewegen", sagte Dörfler.

Pauli sei bisher nicht für einen der vorderen Plätze auf der Mittelfrankenliste der Freien Wähler vorgesehen, sagte deren Bezirksvorsitzende Karin Knorr am Montag dem Hörfunksender Antenne Bayern. "Es gibt mehrere Bewerber für Listenplatz eins - aber sicher nicht Frau Pauli", wird Knorr zitiert. Was die Landesliste angeht, sei Platz drei zwar für einen Vertreter aus Nürnberg reserviert, sagte Knorr. Aber auch hier sei bislang nicht Pauli gedacht worden. Noch unklar sei, ob die Exlandrätin überhaupt an der Listenaufstellung am Mittwoch im mittelfränkischen Kammerstein teilnehme.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Elisa-beth (23.06.2008, 12:27 Uhr)
Großartig!
Ich bin begeistert!!
Aber auch Herr Huber braucht (neben Herrn Beckstein) richtig Druck - will doch dieses bayerische Duo-Infernale allen Ernstes (und ermöglicht durch die Förderalismus"reform") das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit aushebeln und zerstören [http://www.verdi.de/muenchen/aktive_gruppen/kampagne_rettet_die_grundrechte/infomaterial/data/synopse-versammlungsgesetz-mit-kommentar1.pdf]; Beckstein & Huber somit kein lustig-komisches "Pat & Patachon"-Duo aus Bayern sind (über das man auch mal milde lächeln kann) sondern ein sich gerierendes Duo entschiedener Feinde demokratischer Errungenschaften.
Gabriele ist deshalb ganz ganz fest die Daumen zu drücken, wobei aber wichtig wäre, sich nicht erneut dem Irrglauben (auch als "politische Sexbombe punkten" zu können) hinzugeben!
(Natürlich kann sie sich weiter unwiderstehlich finden, doch hat sie heute hoffentlich [mindestens] eine/n kluge/n Berater/in an ihrer Seite, schon um Grenzen ganz klar abzustecken!)
tagora-sagittara (23.06.2008, 11:14 Uhr)
Na und?,..
mehr Unheil wie die derzeitigen Lobbykraten kann sie auch nicht anrichten,... steht halt ein pinker Dienstwagen bei der Fahrbereitschaft auf`m Hof,... ein bischen Farbe kann nicht schaden! ;-)
SethusCalvisius (23.06.2008, 00:40 Uhr)
Leistung
Tatsächlich besteht die größte (bzw einzige) Leistung von Frau Pauli darin, dass sie Herrn Stoiber abgeschossen hat. (Die Nachfolge durch Huber und Beckstein relativiert diese Leistung allerdings) Ihr weiteres Verhalten wie die (angeblich) eroptsichen Fotos und die abstrusen Vorschläge zur Ehe zeigen, dass ihr wichtigstes Ziel darin besteht, in die Zeitung zu kommen. Das mag in unserer Mediengesellschaft sogar reichen, um in den Landtag gewählt zu werden. Auf Dauer tun sich die "Freien Wähler" allerdings mit so einer Show-Kandidatur keinen Gefallen. Glaubwürdig wird man damit jedenfalls nicht.
Prefect (22.06.2008, 20:49 Uhr)
Ein(e) Opportunist(in) mehr
Alles schon mal da gewesen - Bei uns im Ort: Kandidat der CDU/CSU - gescheitert. Kandidat der Unabhängigen/Freien Wähler - gescheitert. Parteiloser Kandidat - erfolgreich.
Lang lebe der Opportunismus
mackeldei (22.06.2008, 18:33 Uhr)
Pauli- Beckstein
Frau Pauli nimmt Beckstein das Direktmandat ab.Ihre Wahlplakate werden gesammelt .Sie kommt in Franken sehr gut an.
guinness.1 (22.06.2008, 18:28 Uhr)
Ehe auf Zeit...
Das mit den freien Wählern und der Frau Pauli ist auch nur eine Ehe auf Zeit...
steinhaus (22.06.2008, 16:58 Uhr)
Freie Wähler pfeifen aus dem letzten Loch...
Die Freien Wähler in Bayern treten erstmalig an einer Landtagswahl teil. Es wundert daher nicht, dass ihre Personaldecke sehr dünn ist. Entsprechend müssen sie offensichtlich jeden / jede möglichen Kandidaten / Kandidatin nehmen, damit sie überall präsent sind. So wundert man sich sicherlich nicht, dass Frau Pauli ausgemottet wurde und jetzt in den Wahlkampf geschickt wird. Schade, dass sich in den Reihen der Freien Wähler keine qualifizierten Kandidaten / Kandidatinnen haben finden lassen. Mit Frau Pauli an der Spitze treten die Freien Wähler zwar erstmalig, aber gleich mit dem "letzten" Aufgebot auf. Ich finde, das ist schade.
hannes_schinder (22.06.2008, 16:44 Uhr)
Ehe auf Zeit...
...ist angesichts der Scheidungsraten eine gute Sache, und spart Anwalt und Verwaltungskosten, wer will kann die Ehe ja dann jederzeit verlängern. Frau Pauli beweist Realitätsbewusstsein und Kreativität.
pitiplatsch (22.06.2008, 16:41 Uhr)
Wunderbar
schöneres kann ich mir nicht vorstellen, endlich mal ne gute Nachricht.Ne Fau die Charakter Anstand und Stehvermögen hat gegen verstaubte Amigos wie den Beckstein und Nuschelhuber. Ich wünsche der Pauli nen Bombenerfolg und dann die Gesichter der Amigos wunderbar.
ganzbaf (22.06.2008, 15:27 Uhr)
SPD wieder mal gepennt...!

Die kesse Pauli hätten sich die bayerischen Genossen entschlossen schnappen sollen!... ;-)
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