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5. August 2008, 10:13 Uhr

Wie die CSU Hundebesitzer vergrault

Die CSU verscherzt es sich derzeit gerne mit wichtigen Wählergruppen wie etwa den Rauchern: Die Münchner Hundehalter reizt sie nun mit einem Leinenzwang für den Englischen Garten - und lässt den Volkszorn damit hochkochen. Von Rudolf Stumberger

Wenn es nach dem Bayerischen Landtag geht, darf der beste Freund des Menschen nur noch angeleint im Englischen Garten rumtollen© colourbox

Der Englische Garten in München ist ein Volkspark im besten Sinne: Allen Bürgern bietet er eine Oase der Muße inmitten des großstädtischen Treibens, mit einer Größe von 373 Hektar ist er sogar einer der größten innerstädtischen Grünanlagen der Welt. So lässt es sich auf den Wiesen des Englischen Gartens nach Feierabend trefflich kicken, in den Biergärten, am "Seehaus" oder am "Chinesischen Turm" kann man, die Maß Bier auf dem Tisch, die Zeit wunderbar dahin fließen lassen, der Park eignet sich prächtig für kleine Fahrradtouren.

Aber der Englische Garten ist noch mehr, mithin fröhlicher Ausdruck einer bestimmten freiheitlichen Geisteshaltung, der Liberalitas Bavariae. Denn obgleich es eine Parkordnung gibt, wird deren Einhaltung, nun ja, großzügig interpretiert. So ist das Fahrradfahren auf manchen Wegen eigentlich untersagt, denn es gibt ebenso viele Radler wie Fußgänger. Das Surfen im Eisbach ist nicht erlaubt, wird aber täglich vor Zuschauern zelebriert. Dass auf der Wiese vor dem Monopteros gekifft wird, können auch Generationen bayerischer Polizisten nicht verhindern. Und Hunde müssen eigentlich an die Leine, was keinen Hundehalter davon abhält, seinem Liebling den erquickenden Freilauf im Park zu versagen.

Die Strafen sollen von 15 bis 35 Euro reichen

Allein, mit dieser speziellen Variante der bayerischen Freiheit soll, geht es nach dem Willen der Landesregierung, bald Schluss sein. Denn eine Gesetzesänderung des Bayerischen Landtags soll dem Treiben nun den Garaus machen. Sie sieht vor, dass bei einer Verletzung der Parkordnung künftig Bußgelder verhängt werden sollen. Beamte des Finanzministeriums tüfteln an einer Bußgeldordnung, die 2009 in Kraft treten soll, die Strafen sollen von 15 bis 35 Euro reichen.

Das "friedliche Nebeneinander" der "unterschiedlichsten Besuchergruppen" werde immer weniger respektiert, es häufen sich die Beschwerden der Parkbesucher und Zwischenfälle, und es komme immer wieder zu "erheblichen Konflikten und sicherheitsrechtlich relevanten Problemen", so die Begründung der Gesetzesänderung. Zwar gilt das neue Gesetz nicht nur im Englischen Garten, sondern in allen 27 historischen Garten- und Parkanlagen, die zum Eigentum des Freistaates gehören, aber eben auch im Englischen Garten. "Freiheit statt Hundeleine" Seitdem das neue Gesetz am 25. Juni beschlossen wurde, kocht die Volksseele. Der Zorn richtet sich gegen die CSU, deren Abgeordnete das Vorhaben abgesegnet haben. Von einem "neuen Wackersdorf für die CSU" ist die Rede, manche warnen "vor der Spaltung der Gesellschaft". Besonders aktiv sind die Hundebesitzer. Erboste Bürger und Hundebesitzer haben sich unter dem Motto "Freiheit statt Hundeleine" zu einer "Aktion Bürgerpark Englischer Garten" zusammengeschlossen. Die Bürgeraktion hat mittlerweile mitgliederschwere Organisationen wie den "Verband für das Deutsche Hundewesen - Landesverband Bayern" hinter sich geschart, aber auch die örtliche Vorsitzende des Kinderschutzbundes ist dabei.

Gefordert wird ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der neuen Parkordnung und dem Bußgeldkatalog - eben ein "Runder Tisch". Es könne ja nicht sein, so Bürgeraktionssprecherin Evelyn Menges, dass ein einzelner Beamter über die Nutzung des beliebten Englischen Gartens entscheiden könne. Das sei doch eines der wenigen Gelände, wo Hunde noch "artgerecht" herumtollen könnten.

"Wir brauchen ein bisschen Singapur für den Englischen Garten"

Pikant daran ist, dass der Kampf gegen die Hundeleine auch die CSU spaltet. So ist die Bürgeraktivistin Menges gleichzeitig auch christlichsoziale Stadträtin in München. Unterstützung erhält sie sogar von Parteifreunden aus der Regierung. Vom bayerischen Umweltminister Otmar Bernhard etwa. Der führt gerne seinen Dalmatiner Gassi und hat auch schon seinen Amtskollegen, den zuständigen Finanzminister Erwin Huber, ermahnt, beim Leinenzwang doch bitte "Augenmaß" walten zu lassen, man könne Hundebesitzer doch nicht "kriminalisieren". Der Streit um Bußgelder und Leinenzwang wird mittlerweile auch längst in den Gazetten der Landeshauptstadt ausgetragen. Ins Visier geraten ist dabei der Chef des Englischen Gartens, Thomas Köster. Der hat sich in mehreren Interviews mit einem gewagten Vergleich um Kopf und Kragen geredet: "Wir brauchen ein bisschen Singapur für den Englischen Garten", forderte er in der vergangenen Woche. Der südostasiatische Stadtstaat machte in der Vergangenheit mit drakonischen Strafen Schlagzeilen, die er selbst für kleine Ordnungswidrigkeiten verhängte. Mittlerweile sagt Köster mit Verweis auf seine Pressestelle lieber gar nichts mehr. Dafür ziehen auf den Zeitungsseiten freiheitsliebende Bürger gegen den vermeintlichen Obrigkeitsstaat in Form zu Felde: "Das Aussprechen von Verboten ... [ist] Zuckerbrot für jene, die ... am liebsten den ganzen Tag lang die Peitsche schwingen", war in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Dass es neben den Hunden auch Kinder im Englischen Garten gibt, kommt hingegen in Briefen an die Schlösserverwaltung zu Tage: "Als Mutter zweier kleiner Kinder begrüße ich die Maßnahmen von ganzem Herzen", heißt es etwa in einer Briefzuschrift. Derweil setzen sich die CSU-Stadträtin und ihre Mitstreiter mit Unterschriftenlisten und Briefaktionen an die Staatsregierung weiter dafür ein, über einen Runden Tisch an der Garten-Verordnung mitarbeiten zu können. Bis jetzt habe man zwar noch keine Reaktion erhalten, aber, so Menges, man erwarte "noch vor der Landtagswahl" eine verbindliche Antwort.

Von Rudolf Stumberger
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Schwaebin (06.08.2008, 14:13 Uhr)
Der Gerechtigkeit halber sollte
dann aber komplett durchgegriffen werden, also auch gegen Radler auf Fussgängerwegen, Surfer auf dem Eissee usw.
Schlimm finde ich es aber, dass solche Massnahmen überhaupt nötig sind. Muss ich denn auf ausgewiesenen Fussgängerwegen radfahren, auf dem See surfen obwohl es verboten ist, etc.?
Wenn sich jeder mal ein bisschen zusammenreissen würde, wären solche Massnahmen auch nicht nötig.
Pfoten (06.08.2008, 14:06 Uhr)
Knöllchen-Zone
Die Diskussion wurde seit Jahren angeheizt. Unermüdlich lancierte Herr Köster Medienberichte. Mit der Gesetzesvorlage lieferte der Landtag die Steilvorlage für ein bisschen Singapur in München.
Was man aber nicht unerwähnt lassen sollte: die Gesetzesvorlage wurde von der SPD voll mitgetragen. Es ist mitnichten ein Alleingang der Bayerischen CSU. Wer das Plenarprotokoll liest kann sehen, mit welch markigen Beiträgen die SPD, vorgetragen vom Abgeordneten Volkmann da mitgegangen ist. Große Koalition in trauter Eintracht, sozusagen.
Bei den Gegnern dieser Knöllchenparklandschaft finden sich schwarz, grün, gelb, aber nicht der Hauch von rot.
Ich meine, das sollte vor der Landtagswahl jeder wissen, der diese angestrebte bußgeldbewehrte Parkordnung für das Allerletzte für München, respektive, den Englischen Garten hält.
Alex64 (06.08.2008, 13:34 Uhr)
@carloenzo
Ich hätt da auch noch eine "sehr gute Idee"...
Schreiende Kinder im Speiselokla stören mich noch viel mehr - verbieten!!
Und ein Leinenzwang für die störenden Gören auf der Liegewiese erschiene mir auch angeraten....
Die Hinterlassenschaften meiner Hunde räume ich auf (gehört sich einfach, und meine Stadt macht es mir durch Tüten leicht.
Und die einzigen, die bisher Probleme mit meinen "freilaufenden" (aber wohlerzogenen) Hunden hatten waren Muslime ...
sportartmakler (06.08.2008, 09:14 Uhr)
leinenzwang ist lächerlich
in vielen städten gilt dieser überall, so dass der hund nie frei laufen kann wenn du nicht extra aufs land fährst. ich kann ja verstehen warum es in vielen parks verboten ist. war selber schon in anlagen unterwegs wo du sehr genau schauen mußtest wo du hintrittst. das kann es natürlich nicht sein. da dies wohl einer der hauptgründe für den erlassenen leinenzwang ist würde ich für empfindliche strafen plädieren, wegen mir zw. 500 und 1000€. dann würden sich auch wieder die hundebesitzer bequemen die haufen ihrer tiere aufzusammeln. wohlgemerkt diejenigen, die das ganze derzeit nicht so verbissen sehen. bin zwar kein fan von extrem harten strafen, wer schon, aber eine freiwillige selbstverpflichtung als entgegenkommen für die abschaffung des leinenzwangs wird das wohl nicht bewirken. mag sein dass man für bestimmte rassen, hunde ab einem gewissen kampfgewicht, den leinenzwang nicht aufheben sollte
surferin-muc (05.08.2008, 22:53 Uhr)
Rettet die Eisbachwelle
Wir Münchner Surfer setzen uns für den Erhalt der Eisbachwelle im englischen Garetn ein auf der seit 30 Jahren gesurft wird und die nun durch diese Regelung ebenfalls bedroht ist ein. Bitte helfen Sie uns in dem Sie auf unserer digitalen Unterschriftenliste unterschreiben! Vielen Dank
www.rettet-die-eisbachwelle.de
Yragael (05.08.2008, 20:42 Uhr)
Bitte nicht verwechseln
Was haben denn Beamte damit zu tun? Gesetze werden immer noch von Politikern gemacht und Beamte müssen diesen Schwachsinn dann leider umsetzen, ob sie wollen oder nicht.
fredshlonz (05.08.2008, 20:34 Uhr)
unsinn und regelwut
Anscheinend haben unsere Politiker wirklich nichts mehr zu tun! Wenn sich die Beamten mit solch unsinnigen Gesetzen beschäftigen zeugt das von Unterbeschäftigung. Was soll noch alles verboten werden? Vielleicht machen wir einfach einen Zaun um den park und verbieten den Zutritt komplett! Wer für Leinenzwang, Fahrrad- und Rollschuh-Verbot ist, muss auch die Nackerten wieder verbieten (dann kommen die Asiaten garnicht mehr nach MUC), sollte vielleicht auch das Fussballspielen untersagen, da dadurch ja ein Grashalm beschädigt wird. Wenn unsere Stadtverwaltung jetzt schon totalitäre Systeme als Vorbild nimmt(China als Vorbild für unsere Demokretie!?!), dann bewegt sich München langsam wirklich Richtung provinz-Kleinstadt, anstelle in Richtung Weltstadt mit Niveau. Schade!
starmax (05.08.2008, 20:06 Uhr)
Leinenzwang für Politiker
das wär doch mal ne richtige Lex Bavariae...
Denn die können mit Ihrer teutschen Teckel-Verordnungs- und Regelungswut großen Schaden anrichten.
carloenzo (05.08.2008, 19:30 Uhr)
Sehr gute Idee!
Ich meinte natürlich, dass das Mitbringen von Hunden in Speiselokalen generell verboten gehört!
carloenzo (05.08.2008, 19:24 Uhr)
Sehr gute Idee!
Der Leinenzwang in öffentlichen Anlagen ist schon längst überfällig!
Ebenso das Mitbringen von Hunden in Speiselokalen!
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