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"Die Grünen sollten lieber Aufklärungsarbeit leisten!"

Fleisch oder kein Fleisch? Die von den Grünen angestoßene Diskussion um einen Veggie Day in öffentlichen Kantinen erhitzt die Gemüter. Auch die Leser von stern.de beziehen Stellung.

Von Julia Rieke

  Schüler beim Mittagstisch in einem Gymnasium in Bad Kreuznach. Die Grünen werben dafür, dass öffentliche Kantinen einen fleischfreien Tag in der Woche einführen.

Schüler beim Mittagstisch in einem Gymnasium in Bad Kreuznach. Die Grünen werben dafür, dass öffentliche Kantinen einen fleischfreien Tag in der Woche einführen.

Ein fleischfreier Tag in deutschen Kantinen soll nach Meinung der Grünen den Fleischkonsum in Deutschland senken und dem Klima nutzen. "Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren", begründet Renate Künast die Initiative. Doch ist es damit getan? Darf die Politik darüber entscheiden, wann und wie viel Fleisch in den Kantinen gegessen wird? Die Diskussion beschäftigt auch die stern.de-Leser.

Was halten Sie vom Veggie Day?

Mareike Schuschel

Ich bin seit neun Jahren Vegetarierin und finde es gut, wenn die Grünen den Fleischkonsum thematisieren und darauf aufmerksam machen, dass eine fleischlose Ernährung nicht nur den Tieren zugutekommt, sondern auch der Umwelt und dem Klima. Immerhin ist bekannt, dass der Verzehr von Fleisch weitreichende Konsequenzen hat. Einen Veggie Tag halte ich dennoch für eine ziemlich sinnlose Angelegenheit. Damit wird leider nichts bewegt. Fleischesser, die auf ihr Fleisch nicht verzichten wollen, werden es auch an so einem Tag nicht tun. Die Grünen sollten besser Aufklärungsarbeit leisten und der Gesellschaft immer wieder vor Augen führen, was die Entscheidung, Fleisch zu essen, bedeutet. Damit geben sie den Menschen die Möglichkeit, für sich selbst eine Entscheidung zu treffen, ob und wie viel Fleisch sie essen wollen.

Dennis Heinrichs

Vor allem in Schulen sollte das Essen ausgewogen und abwechslungsreich sein. Die öffentlichen Kantinen stehen unter der Aufsicht des Staates, und dieser sollte dafür sorgen, dass eine möglichst gesunde Auswahl an Mahlzeiten angeboten wird. So kann eine Sensibilisierung für das Thema vegane und vegetarische Ernährung stattfinden, ohne von oben herab zu predigen. Der bewusste Umgang mit Fleisch muss vom Menschen selbst angestrebt werden, um sich vom massenhaften Produzieren und Verzehr zu distanzieren. Das würde nicht nur der Umwelt nutzen, sondern auch der Gesellschaft und der Gesundheit jedes Einzelnen.

Silja Kruse

Die Idee finde ich sehr gut. In den Mensen des Studentenwerks in Schleswig-Holstein gibt es bereits einmal im Monat einen Veggie Tag. Ich glaube allerdings nicht, dass es funktionieren wird, da viele Leute aus Prinzip dagegen sein und ihn boykottieren werden. Und schließlich kann man ja auch niemanden zwingen, auf Fleisch zu verzichten.

Sascha Frisch

Es geht ja nicht rein nur um die Thematik, dass die Politik uns nun vorschreiben will, was wir essen sollen. Hier geht es doch grundsätzlich darum, dass wir, wenn wir nicht aufpassen, uns komplett fremdbestimmen lassen. Der Ansatz mag ja an sich ganz okay sein. Aber die Art und Weise ist eben schlichtweg falsch. Anstatt Verbote und Auflagen zu schaffen, wäre Aufklärung doch viel vernünftiger. Wenn mir jemand diktieren will, was ich machen soll und darf, werde ich mich ganz sicher querstellen. Allein schon deshalb, weil ich mir das Recht rausnehme, für mich selbst zu bestimmen in meinem Leben. Vielleicht wäre es sinnvoller, die Vorteile des Verzichts zu betonen. Menschen fühlen sich im Allgemeinen wohler, wenn sie selbst Entscheidungen treffen können / dürfen. Dann jedenfalls tragen sie sie auch gerne. Sind ja schließlich ihre Entscheidungen gewesen.

Christa Koenig

Ich informiere mich, ich bin bereit für Qualitätsware, sei es Fleisch, Gemüse, Obst etc. entsprechend zu bezahlen. Aber ich möchte nicht, dass jemand, der gewählt wurde, meine Essgewohnheiten bestimmt, dabei meine Lebensweise degradiert und für mich entscheidet. Ich bin voll und ganz der Meinung, dass diese Billigfleischproduktion gestoppt gehört, dass Obst und Gemüse auch gegessen werden können, wenn kleine Schönheitsfehler vorhanden sind. Nicht jeder Apfel muss die gleiche Größe haben, um im Regal zu landen. Traurig ist, dass der Großteil der arbeitenden Bevölkerung fast gezwungen ist, bei Billiganbietern einzukaufen, weil die Haushaltskasse einfach nicht mehr hergibt.

Lena Suhr

Lena Suhr betreibt ihren eigenen Blog averyveganlife. Sie ist der Meinung: "Die Einführung eines Veggie Tages durch die Politik in den doch oft sehr fleischlastigen Kantinen Deutschlands erachte ich als sinnvoll, da auf diese Art und Weise schnell und effektiv ein positiver Beitrag für unser Klima, die eigene Gesundheit, die vielen, vielen Tiere und auch für unsere Mitmenschen geleistet werden kann. Erfreulicherweise haben schon viele Städte weltweit einen Veggie Tag eingeführt und so auch wertvolle Aufklärungsarbeit in Bezug auf die erschreckenden Zustände in der (konventionellen) Fleischindustrie geleistet. Zugegeben: Die Aussage von Frau Künast war sehr mutig, und die Empörung der Menschen, die sich möglicherweise einmal mehr von oben bevormundet fühlen, kann sogar ich als langjährige Veganerin teilweise nachvollziehen. Denn niemand möchte sich doch diktieren lassen, was auf dem eigenen Teller landet. Es wäre jedoch wünschenswert, würden sich eben diese Menschen einmal fragen, wieso die Einführung eines Veggie Tages anscheinend notwendig ist. So könnten mögliche Vorurteile und Berührungsängste mit dem Vegetarismus/Veganismus abgebaut werden. Vegetarische bzw. vegane Kost ist kein Verzicht, sondern für alle eine Bereicherung!"

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