27. Februar 2008, 11:45 Uhr

Wird Steinbrück vorgeladen?

Nach stern.de-Informationen hat die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft ein Rechtshilfeersuchen an Deutschland vorbereitet, um zu klären, wie der BND an die Bankdaten aus dem Fürstentum beschafft hat. Theoretisch könnten die Liechtensteiner sogar BND-Chef Uhrlau oder Finanzminister Steinbrück vorladen lassen. Von Hans-Martin Tillack

Die LGT-Bank in Liechtenstein©

Das Fürstentum Liechtenstein hat nach Informationen von stern.de ein Rechtshilfeersuchen an Deutschland vorbereitet, um aufzuklären, wie die Daten der liechtensteinischen LGT Treuhand AG an den Bundesnachrichtendienst (BND) gelangten. Die Behörden in Vaduz führen deshalb Vorermittlungen gegen den ehemaligen LGT-Mitarbeiter Heinrich Kieber sowie mögliche Mittäter.

Experten sagen stern.de, das Ersuchen sei durchaus ernst zu nehmen. Es könne dazu führen, dass deutsche Ermittlungsbehörden Geheimdienstmitarbeiter und sogar Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) vorladen. Der Kleinstaat kann sich nach Aussage des Düsseldorfer Strafrechtlers Heiko Ahlbrecht auf das Strafrechtsübereinkommen des Europarats berufen.

Beihilfe zum Geheimnisverrat?

"Liechtenstein könnte im Rahmen der Ermittlungen gegen den Informanten Zeugenvernehmungen in Deutschland beantragen", sagte Ahlbrecht zu stern.de. "Das könnte auch BND-Chef Ernst Uhrlau oder Finanzminister Peer Steinbrück betreffen." Ermittler aus dem Fürstentum hätten sogar das Recht, bei den Vernehmungen dabei zu sein. Sie dürften aber selbst keine Fragen stellen.

Der Rechtshilfeanspruch der Liechtensteiner könnte unter Umständen regelrechte Ermittlungen gegen deutsche Amtsträger betreffen, sagte Ahlbrecht. Eine mögliche Beihilfe zum Geheimnisverrat müsste genau geprüft werden. Das würde vor allem dann gelten, wenn der Informant vom BND zum Diebstahl angestiftet worden sein sollte - was der Nachrichtendienst bestreitet. Die Liechtensteiner Behörden könnten die möglichen deutschen Beschuldigten aber auch wegen Straftatbeständen "wie Begünstigung oder Hehlerei" ins Visier nehmen, so der Rechtsexperte.

Aussage von Deutschen fraglich

"Der Bruch von Geschäftsgeheimnissen ist auch in Deutschland strafbar", so der Anwalt zu stern.de. Es gebe "keinen Zweifel", dass das Verhalten des Informanten auch in Deutschland illegal gewesen wäre. Darum könnte Liechtenstein Zeugenvernehmungen in Deutschland beantragen, um das so genannte "Nachtatverhalten" oder weitere mögliche Straftaten des Informanten zu ermitteln. "Die Liechtensteiner haben ihm ja offenkundig signalisiert: Wir kriegen Dich, egal, wo Du bist", sagte der Düsseldorfer Jurist.

Ob die deutschen Zeugen aussagen würden, ist allerdings fraglich. Sie unterlägen zwar "der Wahrheitspflicht gemäß der Strafprozessordnung", so der Strafrechtler. Die Frage sei nur, "ob eine Aussagegenehmigung der Behörde erteilt würde" - anderfalls könnten Zeugen wie Steinbrück oder Uhrlau schweigen. Das von Deutschland wie Liechtenstein ratifizierte Abkommen des Europarats lässt noch ein weiteres Schlupfloch, so Ahlbrecht: "Die Bundesregierung könnte die Rechtshilfe verweigern, wenn das die Souveränität, die Sicherheit, die öffentliche Ordnung oder andere wesentliche Interessen der Bundesrepublik Deutschland beeinträchtigt."

"Das wäre nicht ohne Pikanterie"

Rechtshilfe für Liechtenstein? "Rechtsstaatlich gesehen müssten wir es machen, wenn die Voraussetzungen vorliegen. Das wäre nicht ohne Pikanterie", sagt der ehemalige Bundesrichter Wolfgang Neskovic, der für die Linkspartei im BND- Kontrollgremium des Bundestages sitzt. Doch große Erfolgschancen gibt er einem liechtensteinischen Antrag nicht: "Die Regierung würde sicherlich einen Weg finden und wenn er noch so krumm wäre, um Rechtshilfe zu verweigern."

Nach eigener Aussage hat der BND den Kauf der DVDs mit den Steuerdaten vorab rechtlich überprüft. Auch nach Ansicht der Bochumer Staatsanwaltschaft ist es zulässig, die Daten aus Liechtenstein zu verwerten - das sie ja "unaufgefordert den deutschen Behörden angeboten worden sind" und deutsche Behörden "die Beschaffung dieser Unterlagen" nicht selbst in Auftrag gegeben hätten.

Von Hans-Martin Tillack
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
belzebub99 (01.03.2008, 09:23 Uhr)
So viel Dummheit auf einmal
kann sich nur in so einem Forum treffen!
idontkehr (27.02.2008, 21:26 Uhr)
Ich habe nicht wirklich ein Problem damit...
...dass Deutschland zur Rechenschaft gezogen wird, wenn es gegen das Gesetz verstoßen hat. Gleichfalls sollte Deutschland natürlich prüfen, was mit Liechtenstein ist bzw. international für eine Änderung der Gesetzeslage sorgen bezüglich der Unterstützung krimineller Handlungen. Immerhin haben sich Deutsche kriminell verhalten (wollen wir mal nicht vergessen), der Liechtensteiner Praxis liegen derzeit wohl scheinbar noch keine gesetzlichen Steine im Weg. Warum? Hier wäre doch anzusetzen. Es war doch längst bekannt, was da läuft, dass ist doch keine Überraschung.
Liechtenstein versucht aktiv zu verteidigen, das würde Deutschland wohl genauso tun. Ob es toll ist oder nicht, was Liechtenstein da tut - es ist legitim. Es geht ja denen immerhin auch - und das glaube ich ist nicht nur ein Vorwand - um das zur Verantwortung ziehen eines Straftäters aus eigenen Reihen. Rechtshilfeersuchen sind da Praxis. Hierbei sind aber nun zufällig recht bedeutende Personen als Zeugen heranzuziehen. Haben die sich nicht schuldig gemacht, müssen sie sich auch nicht sorgen...
Benkku (27.02.2008, 15:17 Uhr)
Etwas Haltung erwartet.
Und wie ist es von wegen der Hehlerei mit der Ganovenehre? Außerdem hatte der deutsche Staat das Spiel längst durchschaut gehabt und so lange geduldet, bis hier die Öffentlichkeit aufgeweckt wurde und der deutsche Staat unter Zugzwang geriet. Und jetzt gehen die Lichtensteiner Ganoven gegen ihren Komplizen vor? Wo bleibt da denn die Ganovenehre?
unheilig (27.02.2008, 14:38 Uhr)
ACHTUNG
LIECHTENSTEIN GREIFT AN,MIT TRAKTOREN UND KNÜPPELN:)
vegefranz (27.02.2008, 13:57 Uhr)
CD war nicht geklaut
CD war nicht geklaut, sondern im Elektromarkt völlig legal gekauft. Bei Übergabe wurde dem BND ein Kaufbeleg (2, 50 EUR oder so) mit übergeben
Dusty_Crossing (27.02.2008, 13:56 Uhr)
Piratennest
Liechtenstein kommt mir wie ein Piratennest in den Bergen vor, denen auch noch jedes Bewußtsein für Moral und Anstand fehlt. Denen sollten wir mal die Daumenschrauben anlegen und über Ausräucherungsstrategien nachdenken. So haben das die Briten doch früher auch gehandhabt, in der Karibik.
Beppo1959 (27.02.2008, 13:50 Uhr)
Hehlerei ist nun mal illegal!
Gar nicht so lange her, da wurde ein Käufer bei Ebay wegen Hehlerei verurteilt, weil er ein Navi günstig von einem Polen gekauft hat. Er hätte wissen müssen, dass das Navi so günstig nur geklaut sein kann. Wenn das so beurteilt wird, dann darf der Staat auch keine geklauten CDs kaufen. Das rechtfertigt sicher keine Steuerhinterziehung, aber auch die Strafverfolgung hat die Gesetze zu beachten!
Administrator (27.02.2008, 13:45 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Wir mussten an dieser Stelle leider einen Kommentar entfernen, da diese unsachlich verfasst war.
Daher bitten wir Sie, darauf zu achten, dass Sie in einem höflichen Ton und mit sachlichen Argumenten diskutieren.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Intercity (27.02.2008, 13:42 Uhr)
Image verloren
Diese frechen Lichtensteiner Wegelagerer und Speckmaden. Statt selbst bei sich aufzuräumen, wollen sie sich noch rächen. Deutschland sollte dann ebenfalls ein Rechtshilfeersuchen gegen die trickreichen Berater der Banken übergeben. Die meisten Steuerhinterzieher sind doch nicht wegen guter Rendite nach Lichtenstein gegangen; sondern weil dort die Zinsen unversteuert bleiben und alles anonym gehandhabt wird. In der EU ist dieser Mini-Mini-Zwergen-Staat nicht; aber von ihr wollen sie tüchtig profitieren. Es wird sich jetzt
eines zum Nachteil von Lichtenstein bestätigen: Sein Image verliert man nur einmal !!!!"
Sardor (27.02.2008, 13:23 Uhr)
Beihilfe zum Geheimnisverrat
Also darf der BND im Ausland nur Zeitung lesen?!! Lustige "Experten" gibts...
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