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23. Januar 2007, 12:26 Uhr

Die mysteriösen Mikrofone

Im Büro des Linksfraktionsabgeordneten Wolfgang Neskovic sind Mikrofone gefunden worden. Neskovic ist Mitglied des BND-Untersuchungsausschusses, der sich mit dem Fall Kurnaz beschäftigt. Die Mikrofone sind aber angeblich nicht zum Abhören geeignet.

In seinem Büro sind Mikrofone gefunden wurden: Wolfgang Neskovic von der Linkspartei© Michael Kappeler/ddp

Im Abgeordneten-Büro des Linkspolitikers und Mitglieds des BND-Untersuchungsausschusses, Wolfgang Neskovic, seien zwei verdächtige Gegenstände gefunden worden, bei denen es sich dem Augenschein nach um kleine Mikrofone handele, sagte der Pressesprecher der Linksfraktion, Hendrik Thalheim. Die Bundestagsverwaltung bestätigte den Fund "elektronischer Gegenstände" im Büro eines Abgeordneten.

Die Mikrofone waren nach Erkenntnissen des Bundestages allerdings weder zum Abhören noch zum Aussenden geeignet. Eine Untersuchung habe ergeben, dass eine Übermittlung von gesprochenen Worten mit den Geräten nicht möglich gewesen sei, teilte ein Parlamentssprecher auf Anfrage mit. Nach seinen Angaben handelt es sich um "handelsübliche Mikrofone".

Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sprach von einem "Skandal hoch drei". Neskovic ist auch Mitglied des streng geheim tagenden Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) zur Aufsicht über die Geheimdienste. Dessen Vorsitzender Max Stadler (FDP) berief auf Antrag der Fraktionsspitzen von Union und SPD für kommende Woche eine Sondersitzung des PKG ein.

Mikrofone warten nicht geschaltet

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Norbert Röttgen, und sein SPD-Kollege Olaf Scholz hatten zuvor bei der Klausurtagung der Fraktionsspitzen in Werder bei Berlin mitgeteilt, dass in dem Büro eines Mitglieds des Untersuchungsausschusses Mikrofone gefunden worden seien. "Die Mikrofone waren aber nicht geschaltet", sagte Röttgen. Die Hintergründe lägen noch völlig im Dunkeln, sagte Scholz: "Wir wissen überhaupt nichts." Deshalb solle das PKG zu einer Sondersitzung zusammenkommen. "Die Nachrichtendienste sollen aufklären, ob sie was wissen oder auch nicht", sagte Scholz, der stellvertretender PKG-Vorsitzender ist. Stadler sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe die PKG-Mitglieder für Mittwoch kommender Woche zu einer Sondersitzung eingeladen.

Neskovic entdeckte die verdächtigen Gegenstände nach Angaben seines Fraktionssprechers durch Zufall. Er habe daraufhin am Montag den Präsidenten des Bundestages, Norbert Lammert, um eine Sicherheitsüberprüfung seiner Räume gebeten. Dabei solle unter anderem geklärt werden, um was für Geräte es sich handele und ob sie funktionsfähig gewesen seien. Nach Angaben aus Parlamentskreisen wurden die Gegenstände entdeckt, als ein Fotograf in dem Büro einen Weißabgleich habe machen wollen. Dabei sei man auf Kabel an der Deckenlampe aufmerksam geworden. Neskovic selber sagte allerdings dem "Tagesspiegel", er habe keine Kenntnisse über in seinem Büro gefundene Abhörmikrophone. Neskovic sagte: "Davon weiß ich nichts. Ich kann das nicht bestätigen". Für ihn gebe es "keinen verifizierten Sachverhalt", darüber hinaus werde er sich zu der Angelegenheit nicht äußern.

Büros werden überprüft

Politiker von Union und SPD zeigten sich alarmiert. Der Vorsitzende des BND-Untersuchungsausschusses, Siegfried Kauder, sagte der Berliner Tageszeitung "B.Z." einem Vorabbericht zufolge: "Wenn sich der Wanzen-Verdacht bestätigt, wäre das ein Skandal." Er habe alle Ausschuss-Mitglieder per E-Mail gewarnt und aufgefordert, selbst zu entscheiden, ob sie ihr Büro auf Wanzen überprüfen lassen wollten. "Meines wird auch überprüft", fügte der CDU-Politiker hinzu. Einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" zufolge soll es sich um "zwei Aufnahmemikrofone für Diktiergeräte älterer Bauart" handeln. Es seien zwar Kabel, aber weder Aufnahmegeräte noch Sender angeschlossen gewesen, berichtete das Blatt ohne Angaben von Quellen.

Der SPD-Innenpolitiker Wiefelspütz reagierte empört. "Ein Abgeordneter wird verwanzt, das ist ein Skandal hoch drei, ein Anschlag auf das Parlament", sagte er der "B.Z.". Justiz und Polizei müssten dies so rasch wie möglich aufklären, die Täter benennen und sie zur Rechenschaft ziehen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, forderte die Bundesregierung auf, für Klarheit zu sorgen. "Wir fordern unverzüglich Aufklärung, ob deutsche Geheimdienste deutsche Abgeordnete abhören", sagte Beck der "Netzeitung". "Die Bundesregierung muss endlich die Karten auf den Tisch legen, und zwar nicht nur im Parlamentarischen Kontrollgremium."

Die Bundestagsverwaltung teilte mit, ein Ergebnis der technischen Untersuchung der gefundenen Gegenstände stehe noch aus. Der Bundestag habe unverzüglich eine Untersuchung in die Wege geleitet, in die auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingebunden sei. Das Ergebnis der Untersuchung werde schnellstmöglich mitgeteilt.

Der BND-Untersuchungsausschuss prüft derzeit unter anderem das Verhalten der rot-grünen Bundesregierung im Kampf gegen den Terrorismus etwa im Fall des aus Bremen stammenden Türken Murat Kurnaz. Dieser war 2001 in das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba verschleppt worden und erst im August 2006 frei gekommen. Der Kanzleramtschef unter Rot-Grün und jetzige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) steht derzeit in der Kritik, weil die damalige Bundesregierung eine frühere Freilassung von Kurnaz verzögert haben soll.

DPA/Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
JadotA (23.01.2007, 16:59 Uhr)
100%ig
Eine handfeste Verteidigung.
1/ Die Mikrofone sind keine.
2/ Die Mikrofone waren nicht eingeschaltet.
3/ Die Mikrofone gehören niemandem. Sie wurden weder vermißt, noch als verloren oder geklaut gemeldet:
Ein Beweis, dass niemand schuldig ist.
Woher die Wanzen kamen, bleibt ein Wunder der Technik.
JadotA (23.01.2007, 16:38 Uhr)
Ist Licht...?
Die entdeckte Wanzen waren keine Mikrofone, niemals, außerdem waren die Pseudo-Mikrofone nicht einmal eingeschaltet. Wie sollen sie da Ton übertragen? Ist Licht schon Licht, wenn es nicht eingeschaltet ist? ... Na, also!...
fanator72 (23.01.2007, 13:58 Uhr)
Artikel, wechsele dich!
Dies ist nicht der Artikel ("Eilmeldung") auf den ich geantwortet habe!
Wenn der vorhergehende Artikel komplett geändert wird, ist es auch hilfreich die zugehörigen Kommentare zu entfernen, oder aber besser: den vorherigen Artikel mit Kommentaren zu belassen und einen neuen aufzusetzen.
catchme (23.01.2007, 13:40 Uhr)
Sind es Mikrofone ?
Wenn die Agenturmeldungen stimmen, ist es noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob es sich bei den gefundenen Gegenständen um Mikrofone handelt ? Es ist nicht bekannt, ob diese Gegenstände eine elektrische Funktionstüchtigkeit hatten ? Seit wann waren sie in diesem Büro ? Wieder wird ein großer Ballon aufgeblasen ... mal sehen, ob diesmal bei Herrn Neskovic mehr als nur heisse Luft übrig bleibt.
fanator72 (23.01.2007, 13:34 Uhr)
elektronische Aufnahmegeräte...
Installiert aber nicht angeschlossen ??? Woran werden Wanzen angeschlossen?? An den Kühlwasserkreislauf des AKW Brunsbüttel? An die Steckdose unten links, bei der Stehlampe?
Sorry, aber Aufklärung von denjenigen zu erhoffen die für bewußte Fehlinformation und Verschleierung zuständig sind, ist schon ein wenig "weltfremd"...
bR4iNST0RM (23.01.2007, 12:44 Uhr)
Mikrofone.. soso..
.. NATÜRLICH sind Mikrofone nicht zum belauschen gedacht, sondern zum Brötchen schmieren! Es ist erschreckend traurig mit an zu sehen, wie sich die "Aufklärenden" dumm und ohnmächtig an Aussagen des BND klammern. "Die Nachrichtendienste sollen aufklären, ob sie was wissen oder auch nicht", sagte Scholz. AUUUUUUUUUUUA! Wozu, ausser zur Aufnahme von Akustik im weitesten Sinne sollen Mikros da sein?! Mann, mann, mann...
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