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10. Juli 2007, 08:39 Uhr

"Warum wir 30 Prozent mehr Geld wollen"

Schichtdienst, kaum ein Wochenende frei und dann auch noch die Selbstmörder auf der Schiene: Sie haben einen harten Job, sagen die Lokomotivführer und fordern deshalb bis zu 31 Prozent mehr Geld. Nach dem ersten Streiktag hat stern.de einen ICE-Fahrer getroffen. Von Christoph M. Schwarzer

Diese Lokführer stehen vor einem ICE und streiken für mehr Geld© Roberto Pfeil/AP

"Lokführer zu werden war mein Kindheitstraum", bekennt Sven Blühdorn. Aufrecht sitzend, mit gefalteten Händen und in schicker Bahnuniform erklärt der 37-jährige ICE-Fahrer, warum sein Geld nicht reicht: Er ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von ein und zwei Jahren, seine Frau ist darum zu Hause und seine Steuerklasse extrem günstig. Trotzdem bleiben, je nach Schicht, nur etwa 1900 Euro übrig. "Da muss an allen Ecken und Enden geknappst werden. An Urlaub ist sowieso nicht zu denken". Darum unterstützt er die Forderungen der GDL, und darum war er auch gestern auf dem Hamburger Hauptbahnhof als Streikposten.

Lokführer Sven Blühdorn und GDL-Bezirkschef Norbert Quitter© Christoph M. Schwarzer

Schichtdienst im Schnellzug

Dabei steht er noch gut da. Die Masse der Lokführer kriegt fürs gleiche Bruttogehalt nur etwa 1.600 Euro raus. Und das inklusive der Wochenend- und Schichtzulagen. Lokführer Blühdorn zeigt einen Einsatzplan: 3.08 Uhr bis 9.48 Uhr, 7.00 Uhr bis 18.25 Uhr, 21.23 Uhr bis 8.52 Uhr. Knüppeln für die Bahn, und Mama sagt zu den Kindern: Papa schläft. Frei hat er nur jedes dritte Wochenende. Ein Ergebnis des harten Dienstes ist die Tatsache, dass weniger als fünf Prozent der Lokführer das normale Rentenalter erreichen. Sie müssen fit sein, werden alle drei Jahre medizinisch untersucht und müssen jedes Jahr an einem Simulator ihre Tauglichkeit beweisen. "Das ist ähnlich wie bei Piloten", sagt Norbert Quitter, Bezirksvorsitzender der GDL Nord. Er wirkt wütend, denn er spürt, dass die Forderung der Gewerkschaft nach einem eigenen Tarifvertrag für Lokführer schwer durchzusetzen sein wird.

Risiko Selbstmörder

Die ständig wechselnden Arbeitszeiten sind nur eine Belastung im Beruf des Lokführers. Neben der Verantwortung für die vielen Menschen im Zug müssen viele den Alptraum erleben, der für Sven Blühdorn im Januar 2001 auf einer Fahrt mit dem ICE Realität wurde: Ein Mann stellt sich auf die Strecke, rückt noch seinen Rucksack zurecht und lässt sich überfahren. Selbstmord. "Danach", erklärt er scheinbar nüchtern, "war ich drei Wochen krankgeschrieben. Dann bin ich wieder gefahren wie vorher." Nicht jeder wird damit fertig. Die Folge ist häufig Erwerbsunfähigkeit. Und die Statistik sagt, dass Unfälle mit "Personenschaden" nicht etwa die Ausnahme sind. Pro Jahr und Lokführer ein Unfall, das ist viel und Alltag zugleich. Natürlich sind das nicht nur Selbstmörder, und nicht jeder Zusammenprall zwischen Mensch und Zug geht tödlich aus. Aber in fast allen Fällen ist Bremsen schwer oder sogar unmöglich. Eine Belastung mehr, und ein Grund mehr für den aktuellen Arbeitskampf.

Seit Jahren Reallohnverluste

"Die 31 Prozent-Forderung ist der Extremfall und bezieht sich nur aufs Einstiegsgehalt", relativiert Gewerkschafter Quitter die hohen Zahlen und macht klar: "Wir kommen von einem niedrigen Niveau". Lokführer Blühdorn zum Beispiel würde nach inzwischen 20 Jahren Berufsleben beim Bahnangebot von zwei Prozent 42 Euro mehr bekommen - brutto. Ginge es nach der GDL, würde er 20 Prozent mehr bekommen.

Vorstände: Plus 62 Prozent

Ob es Zwist zwischen den alten Bahnbeamten und den Angestellten gibt? Nein, sagen beide, denn die stünden im Berufsleben kaum besser da. Erst im Ruhestand ziehen die Angestellten den deutlich Kürzeren. Vorsorgen können die Angestellten auch nicht, weil der Reallohn seit der ersten Stufe der Bahnprivatisierung 1994 um zwölf Prozent gesunken und schlicht kein Geld übrig ist. "Die Vorstände haben sich allein im letzten Jahr 62 Prozent Erhöhung genehmigt", zitiert Quitter aus dem offiziellen Bahnbericht und ergänzt, dass der Gewinn mit 2,4 Milliarden Euro plus der von Hartmut Mehdorn angekündigten Verdoppelung des Gewinns in den ersten zwei Quartalen dieses Jahres auch nicht von Pappe sei.

Drei Viertel sind in der GDL

Mit 34.000 Mitgliedern sammeln sich in der GDL drei Viertel aller Lokführer. Und die haben naturgemäß mehr Macht als die Mitarbeiter am Schalter. Sie können die Räder zum Stillstand bringen und Pendler wütend machen. Das soll aber gestern die Ausnahme gewesen sein. Die meisten Reisenden, so Blühdorn und Quitter, hätten Verständnis gezeigt oder wären gleichmütig gewesen. Nun treffen die Vertreter der GDL mit Bahn-Chef Mehdorn zusammen.

Wer streikt und warum? Beteiligt an den Streikaktionen sind drei Gewerkschaften, neben der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) die Transnet und die GDBA. Laut der GDL, die nach eigenen Angaben 75 Prozent der Deutsche Bahn-Lokführer vertritt, liegt deren Verdienst zwischen 1970 und 2142 Euro brutto. Bis zu 350 Euro können monatlich durch Zuschläge, vor allem für Wochenendarbeit und Nachtschichten, dazu kommen. "Das sind 1500 netto", sagte GDL-Chef Schell im ZDF. Nach Bahnangaben dagegen komme ein verheirateter Lokführer auf durchschnittlich 2100 Euro netto im Monat.

Nur gut die Hälfte der Lokführer bei der Deutschen Bahn ist von dem Streit über die geforderte Gehaltserhöhung um bis zu 31 Prozent überhaupt betroffen. Rund 40 Prozent der 20.000 Lokführer sind noch immer verbeamtet und fallen deshalb nicht unter den Tarifvertrag.

Die GDL will für ihre Forderung nach deutlich mehr Geld notfalls auch einen unbefristeten Arbeitskampf starten. Ihre Mitglieder seien unzufrieden mit der Forderung von sieben Prozent mehr Einkommen, die die Gewerkschaften Transnet und GDBA gestellt haben. Die GDL verlangt auch einen eigenen Tarifvertrag.

AP/DPA

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
kfpdm (12.07.2007, 16:56 Uhr)
@Dirk_37
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"Aufrecht sitzend, mit gefalteten Händen und in schicker Bahnuniform erklärt der 37-jährige ICE-Fahrer, warum sein Geld nicht reicht: Er ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von ein und zwei Jahren, seine Frau ist darum zu Hause und seine Steuerklasse extrem günstig. Trotzdem bleiben, je nach Schicht, nur etwa 1900 Euro übrig. "Da muss an allen Ecken und Enden geknappst werden. An Urlaub ist sowieso nicht zu denken". Darum unterstützt er die Forderungen der GDL, und darum war er auch gestern auf dem Hamburger Hauptbahnhof als Streikposten. "
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Das Geld reicht ihm nicht..... er möchte mehr haben, weil er mit 1900Euro+Kindergeld+Erziehungsgeld nicht auskommt und nicht in den Urlaub fahren kann..... DAS ist der Aufhänger, warum ich gesagt habe: Jammern auf hohem Niveau. Wer mit dem Geld unter den geschilderten Umständen nicht klar kommt, kommt auch mit 30% mehr nicht klar.
Die antiquierte Sicht dass nur Akadamiker Anspruch auf eine volle Lohntüte haben, habe ich im übrigen nicht.
Gruß,
A.
Dirk_37 (12.07.2007, 15:01 Uhr)
@kfpdm / flussmaster
"Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied..", wer sich für einen Beruf entscheidet, muss mit den Konsequenzen leben,klar. Aber nun mal halblang. Habe selber studiert, kenne die Situation als Student also. Dass Sie die 9 Jahre aber auch Unterstützung vom Staat erhalten verschweigen Sie. Das Sie als Lehrer am Anfang ein eher bescheidenes Gehalt bekommen,wie übrigens jeder andere Berufsanfänger auch,ist normal und ok,Sie können ja noch "n ichts"!!! Aber gerade der Lehrerberuf ist auch ein solcher,der von hoher Verantwortung geprägt ist,und sollte auch entsprechend höher dotiert werden,keine Frage. Ebenso wie Krankenschwestern, Arzthelferinnen usw. Aber sich immer an den unteren Verdienstgruppen zu orientieren, gem. dem Motto: "vorwärts,es geht bergab", ist schlicht falsch! Natürlich kann man von 1900€ Netto leben,nicht mal schlecht,dass stand nie außer Frage. Aber es geht doch um die angemessene Entlohnung eines Arbeiters/Akademikers/Beamten, der hohe Leistung bringt,noch dazu Verantwortung über Menschen ( ja, als Busfahrer/Pilot/Lokführer.. hat man diese!) und unregelmäßige Arbeitszeiten hat,dann soll das auch mit Geld abgegolten werden. Oder wie erklären Sie sich dann die unverhältnismäßig hohen Gehaltszuwächse in den Vorstandsetagen,nicht nur bei der Bahn??? 30% sind der Aufhänger,nicht realistisch! Aber erinnern Sie sich noch,ein paar Jahre zuvor haben die LH Piloten auch gestreikt,ich glaube "best pay for best performence" war ihr Motto. Durch meinen Job fliege ich viel,kenne einige Berufspiloten. Und wissen Sie was, die Jungs hatten Recht! Und gehen Sie mal von den antiquierten Vorstellungen weg,nur Akademiker haben das Recht auf volle Lohntüten. Ich kenne Mechaniker, die verdienen auf Montage 70.000€Brutto/Jahr und mehr. Warum?? Weil deren Arbeitswoche halt nicht nach 40 h endet,sondern nach 70,80!! Also vielleicht verstehen Sie mich nun etwas besser, mfG Dirk
kfpdm (12.07.2007, 10:23 Uhr)
Das ist die Lösung....
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" daß die GDL-Kollegen, wenn sie denn durchhalten können, für uns alle die Richtung verändern können."
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Alle berufstätigen, Rentner, Hartz4ler bekommen per Gesetz 30% mehr Lohn zugesprochen..... Und das hat auch üüüüüüberhaupt gar keine Auswirkungen auf iiirgendwelche Preise.... Neeeeiiiiinnnnnn..... üüüüüüberhaupt nicht....
Man sollte den GDLern dankbar sein, dass sie "nur" 30%" mehr verlangen....
"Du hast also zu bestimmen, was eine "angemessene" Gehaltserhöhung ist, und nicht etwa die Betroffenen selbst."
Nein.... aber wenn ich das zu bestimmen hätte würde es allen besser gehen ;o).
Gruß,
A.
Pamela_1971 (11.07.2007, 17:49 Uhr)
@ kfpdm
Soso, Du hast also zu bestimmen, was eine "angemessene" Gehaltserhöhung ist, und nicht etwa die Betroffenen selbst. Na klar, wer auch sonst, ne? Wenn Du Dich mit ein paar Kuchenkrümeln vom großen Kuchen zufrieden gibst unda bspeisen lässt, dann ist das allein Deine Sache. Das müssen andere aber nicht genau so machen. Mit Deiner Argumentation könnte man übrigens JEDE Lohnforderung ad absurdum führen... denn: irgendwen gibt es irgendwo immer, der garantiert noch viel weniger Gehalt bekommt. -- Von meiner Seite auch solidarische Grüße an die LokführerInnen, die jeden Tag für uns alle da sind, um uns zuverlässig von A nach B zu bringen - wieviel Ihr verdient habt, habt nur und allein IHR zu bewerten und zu entscheiden, niemand sonst! :-)
einbengelchen (11.07.2007, 16:59 Uhr)
Ein Stück vom Kuchen
Ich kann mich der Meinung von @Dirk 37 nur anschließen !
Diejenigen, die hier Vergleiche mit ihren eigenen niedrigen Einkommen anstellen und deshalb "Mäßigung" bei den "überzogenen Forderungen" der Lokführer verlangen, sollten selber einmal den Ar... aus dem Sessel kriegen und für ihre Rechte auf die Straße gehen !
Es kann doch nicht angehen, daß Diejenigen, die sich jahrelang "brav" verhalten haben und wegen der Börsenpläne eines kleinen "Großkotz" reale Einkommensverluste hinnehmen mußten, nun deshalb hier von "Duckmäusern" als habgierig beschimpft werden !
Ein Glück, daß hier endlich mal Berufsgruppen gegen den "Einheitsbrei" der großen "verkungelten" sog. Gewerkschaften vorgehen !
Diejenigen, die hier immer darauf verweisen, daß es Anderen noch viel schlechter geht, vergessen, daß die GDL-Kollegen, wenn sie denn durchhalten können, für uns alle die Richtung verändern können.
Wer sagt denn, daß Lohnsteigerungen bei den "normalen" Bahnbediensteten zu höheren Fahrpreisen führen müssen?
Das ist doch kein Naturgesetz !
Man kann dieses Geld auch bei den unverschämten Vorstandsgehältern und bei den Dividendenausschüttungen einsparen !
GDL-er haltet durch !
Ich selber habe solch´ein ähnliches Verhalten einer "Übergewerkschaft", VERDI, vor 2 Jahren bei der BVG erlebt.
Nur war dort das Ziel der "Gewerkschaft", welches den BVG-ern Einkommensverluste von durchschnittlich 6,41%, die Schaffung eines Spartentarifvertrages !
Dort, bei der BVG, durch die sog. Gewerkschaft VERDI herbeigeredet und hier, wo eine Beschäftigtengruppe dadurch etwas für sich herausholen kann, ist ein "Spartentarifvertrag" plötzlich "Teufelszeug" !
Verlogener geht´s nimmer !
oscarherz (11.07.2007, 15:50 Uhr)
berechtigt
Es steht außer Frage, daß endlich auch die durch ihre Hände Arbeit Wertschaffenden ein großes Stück von Kuchen bekommen.Maßstab sollte in jedem Fall der Zuwachs bei den sogenannten Managern sein.
ZanTom (11.07.2007, 15:12 Uhr)
Gute Idee
na wunderbar, lokführer bekommen 30% mehr, begleiter 20%, alle anderen 10%. die bahn erhöht die preise um 20% und es profitieren die billig airlines. Es würde mich doch sehr interessieren, was die beführworter von exorbitanten gehaltserhöhungen dann schreiben.
gruss tom
kfpdm (11.07.2007, 11:34 Uhr)
@Dirk_37
3.5 Jahre Lehre, 3.5 Jahre Geselle, nebenbei Abitur nachgeholt, dann 4 Jahre Studium und mittlerweile 6 Jahre Berufserfahrung als Ing...... und ja, weniger, sogar erheblich weniger, als 1900€ Netto..... trotzdem zufrieden und nicht rumjammernd, dass ich mit dem Geld nicht auskomme. Nette Kollegen, nette Chefs, angenehmes Betriebsklima und im Ortsdurchschnitt branchenüblich bezahlt.... wozu wechseln?
Zwei Bekannte von mir sind Lokführer, einer bei der S-Bahn in Berlin und der andere bei der Deutschen Bahn in Köln. Beide sind nicht in der GDL organisiert und wettern auch gegen die Forderungen.
Aussage meines Kölner Bekannten: Wenn was auf der Schiene steht/liegt/sitzt kann man nichts mehr machen.... bei Tieren braucht man keine Bremsung einleiten, sondern muss nur den Unfall dokumentieren. Lediglich bei abzusehenden Personenschäden ist eine Notbremsung einzuleiten. Ansonsten regelt er per Hebel die Geschwindigkeit und drückt alle paar Minuten auf den Anwesenheits-Knopf.....
Schichtdienst haben andere Berufsgruppen auch und wenn ich mich für den Beruf entscheide weiß ich VORHER was mich erwartet.
Wie bereits an anderer Stelle gesagt, die Forderung von 30% mehr ist vollkommen überzogen, eine Lohnerhöhung wie bereits mit den beiden anderen Gewerkschaften abgeschlossen ist absolut gerechtfertigt.
Das ich persönlich die Gehaltserhöhungen des Vorstandes ebenfalls ungerechtfertigt ansehe steht auf einem anderen Blatt.... Davon abgesehen sind die daraus entstehenden Kosten im Vergleich zu 30% mehr für zigtausende Lokführer und Zugbegleiter(welche Verantwortung für das Leben der Fahrgäste haben die???) wirklich peanuts.
Gruß,
A.
PS. Frage an die Redaktion: Wann wird endlich mal eine ordentliche Formatierungsmöglichkeit eingerichtet???
Silbador (11.07.2007, 07:31 Uhr)
Feudalherren im Vorstand
Seit etlichen Jahren bekommen wir von unseren Arbeitgebern immer wieder vorgehalten, dass Arbeit in Deutschland zu teuer ist. Waren es in den 80ern noch die Japaner, kamen in den 90ern die Koreaner als Drohkulisse und nun sind es die Chinesen. Tatsächlich haben die alle in kurzer Zeit die gleichen Probleme bekommen wie wir. In diesen Jahre wurden die Reallöhne in Deutschland auf eine Niveau gebracht, dass heute fast kein Arbeitgeber sich mehr von teuren Arbeitskräften zu sprechen traut.
Dies ist sicherlich auch hier bei den Lokführern der Fall. Wenn ein Mensch Schichtdienst arbeitet, noch dazu in einer Form, die nur sehr schlecht planbar ist, dann muss ma dies zumindest finanziell entsprechend auskleiden.
(Eine andere Geschichte sind die zu hohen Abgaben, die den Bruttolohn in die Höhe treiben. Hier ist der Staat gefordert endlich einmal auch effektiver und somit günstiger zu arbeiten)
Was wir aber bekommen haben, sind teure Vorstandschaften. Wenn ein Unternehmen 2 - 3 Monate Gewinn zur Bezahlung der Vorstände abführen muss, ist das schlicht Wahnsinn. Volkswirtschaftlich gesehen ist das sowieso unsinnig, da dieses Geld dem Markt zum großen Teil entzogen wird. Da aber die Vorstände nur von Aufsichtsraäten kontrolliert werden, die zum Großteil aus Vorständen anderer Konzerne bestehen, ist hier eine Art Selbstbedienungsladen entstanden. Was mit der Kontrollwirkung der Arbeitnehmervertretung los ist, kann man am Beispiel Mannesman und Zwickel nachvollziehen. Glückauf!
Flussmaster (11.07.2007, 07:20 Uhr)
1900€ SEHR viel geld
@ Dirk_37
Ich studiere gerade Lehramt - wenn ich fertig bin mit Studium habe ich mir ca. 10000€ Schulden aufgenommen, habe 3 Jahre länger in der Schule verbracht um Studieren zu können, 4 Jahre fürs Studium verbraucht und muss noch 2 Jahre Referendariat nachschieben damit ich die Lehrerlaubnis bekomme. Ich hab also de facto 9 Jahre gelernt (und damit natürlich auch 9 Jahre nichts verdient!) und 10000€ Schulden gemacht um ein Einstiegsgehalt von 2400€ brutto zu bekommen, mein maximal Gehalt liegt bei ca. 3500€ - und da beschwert sich ein Bahnfahrer der eine 3-jährige Ausbildung macht über 1900€ netto? Also ich weiß nicht, aber ich finde das verdammt viel Geld für einen Ausbildungsberuf - auch wenn er oft unschöne Schichten hat. wenn er jetzt noch 30€ mehr gehalt bekommt, hat er als netto Einkommen wahrscheinlich mehr als ich brutto. Ich frag mich da schon wo der Sinn eines Studiums noch liegt.
Gruß
Flussmaster
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