Die KSK war offenbar in das Bombardement von Kundus verwickelt. Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour spricht im stern.de-Interview über die Bomben-Nacht, Oberst Klein und Verteidungsminister Guttenberg.
Ich kenne die Chronologie der Ereignisse aus dem Isaf-Bericht. Und wenn man das liest, bekommt man Schweißausbrüche. Er hat unter einem unglaublichen Druck und Stress gestanden. Ich möchte niemandem eine solche Überforderungssituation wünschen. Deswegen geht es auch weiterhin nicht darum, dass man den Stab über Oberst Klein bricht. Sondern die Fehler in der Operationsführung aufarbeitet.
Die Aufklärung vorab, die Sicherung des Einsatzortes hinterher, die Befehlskette, und die Frage, ob dieser Einsatz mit den Regularieren überhaupt vereinbar war.
Sie wissen, dass ich darüber nicht reden darf. Mein bisheriger Eindruck war, dass das Verteidigungsministerium die Obleute im Verteidigungsausschuss in diesem Punkt - aber auch nur in diesem Punkt - hinreichend informiert hatte.
Wenn das so war, dann muss man fragen, wie der Stab von Klein zusammengestellt worden ist. Ich bin auch nicht sicher, ob es so war, wie die "Bild" schreibt. Aber es ergibt sich auch noch eine andere Frage: Dem Artikel zufolge wurde das KSK-Protokoll der Nacht nicht an die Nato-Partner weitergegeben. Warum?
Das ist der Eindruck, den die Publikationen vermitteln. Ich kann das derzeit weder bestätigen noch dementieren.
Das ist eine der zentralen Fragen, die im Untersuchungsausschuss zu klären sind. Alle Antworten, die wir bisher hatten, sind offenkundig nicht mehr brauchbar. Ich habe eine Liste mit Fragen zusammengestellt - zahlenmäßig bin ich bisher im oberen dreistelligen Bereich.
Wie ich schon sagte: Der Einsatzort wurde viel zu spät gesichert. Es ist nicht mehr genau nachvollziehbar, wer wo und wann war. Aber so oder so: Es ging niemals, in keiner Erklärung der deutschen Politik darum, die physische Vernichtung der Taliban zum obersten Ziel zu erklären. Und wenn das die neue politische Linie ist, dann ist sie definitiv falsch.
Das war in der Sekunde des Geschehens natürlich sehr schwer zu beantworten. Es gibt auch Leute, die sagen: Was wollen denn Zivilisten mitten im Fastenmonat Ramadan nachts um 2 Uhr auf einer Sandbank?
Das ist eine spannende Frage. Aber: Es geht im Untersuchungsausschuss nicht primär um Klein. Er muss sich einem Strafverfahren stellen, das reicht. Wir wollen wissen: Was ist passiert, wie gingen die politisch Verantwortlichen damit um und was ist zu tun, um solche Desaster künftig zu vermeiden?
Bei Ex-Verteidigungsminister Franz-Josef Jung wissen wir das - sonst wäre er nicht gegangen.
Guttenberg, der einstige Mr. Klartext, hat anscheinend eine riesige Salami in der Hand, die er scheibchenweise serviert.